32. Kapitel

Tyler war so gar nicht das davon begeistert, als ich Jackson und Rachel mit heim brachte. Seine Miene wurde nur noch kälter, als wir ihm von der Idee erzählten. Man sah ihm an wie sehr es in ihm kochte, kochte vor Wut. In mir sah es auch nicht besser aus, aber was sollte ich schon dazu sagen...es war vielleicht wirklich das Beste, was wir in dieser Situation tun konnten. ,,Das Rudel umfasst ca. 15 Mitglieder und davon sind welche dabei, die sehr mächtig sind, weshalb es gar nicht so dumm wäre, wenn Jäger und Werwölfe zusammen arbeiten", erklärte Jackson und Tyler sah ihn kalt an. ,,Ich finde, das eine absurde Idee...ihr könnt doch nicht von einem guten und von einem bösen Werwolf unterscheiden, ihr wollt alle töten", meinte Tyler und verschränkte die Arme vor der Brust. ,,Tyler, du findest alle meiner Vorschläge von Anfang an absurd! Und ich weiß wie Darkness drauf ist...der tötet uns ohne mit der Wimper zu zucken...mit den Jägern haben wir wenigstens eine geringe Chance", erklärte ich und Tyler zog die Stirn in Falten. ,,Haily. Wir müssen reden. Und du bringst Rachel bitte nicht um", sagte Tyler und funkelte Jackson an. Ich sah Tyler empört an und verließ mit ihm das Wohnzimmer. Er lief die Treppe hoch und ich folgte ihm. ,,Glaub mir, wenn er das versucht, ist er derjenige, der winselt auf dem Boden liegt, meinte Rachel lächelnd

,,Was soll das werden, wenn's fertig is?", fragte Tyler und musterte mich emotionslos. ,,Das hab ich schon erklärt...", sagte ich genervt und Tyler seufzte. ,,Ich meine nicht das...sondern das du Jackson wieder vertraust...wegen dem hast du vor ner Wochen noch rumgeheult...der Typ hat dich verletzt und du vertraust dem eiskalt wieder", meinte Tyler und ich verdrehte die Augen. ,,Ich bin nicht mit ihm zusammen und wenn so viel vertraue ich ihm nicht...er hat mir und Rachel eben den Arsch gerettet! Ich denke nur ans Rudel", sagte ich und Tyler kam ein Schritt auf mich zu. ,,Wenn du ihm nicht so viel vertraust...wieso sitzt er dann untem in unserem Wohnzimmer?", fragte Tyler vorwurfsvoll und ich seufzte. ,,Ich weiß", sagte ich kleinlaut. ,,Schon einmal dran gedacht, dass Jackson lügt? Dass das alles nur ein Vorwand ist UNSER Rudel zu töten?", fragte er. Sein Blick lag forschend auf mir, als würde er gerade zu seiner Tochter sprechen und ihr irgendetwas waghalsiges verbieten wollen. ,,Nein hab ich nicht...aber Tyler vertrau mir...Jackson hat mich und Rachel gerettet...sonst wären wir nicht mehr so unverletzt, wie jetzt", sagte ich fast flehend und Tyler legte seine Hände auf meine Schultern. ,,Haily...ich hab einfach nur Angst, dass du dich in irgendeine Sache reinrennst und dann wieder die große Enttäuschung kommt", meinte er ruhig. ,,Du brauchst keine Angst haben...ich weiß was ich tue", sagte ich ruhig. Es war fast ein Flüstern. ,,Ich hab Angst um dich, der Spasti hat dich verletzt...und ich hasse es dich verletzt zusehen. Ich würde ihn dafür am liebsten umbringen", flüsterte Tyler und seine Hand strich über meine Wange. ,,Weil du ein so starkes Mädchen bist und es nicht verdient hast, verletzt zu werden", flüsterte er und legte seine Hand an meinen Nacken. ,,Ich kann auf mich aufpassen", sagte ich leise und mein Blick wanderte von Tylers Augen zu seinen Lippen und wieder zu seinen Augen. ,,Tyler...", fing ich an, jedoch drückte Tyler seine Lippen auf meine und mein Herz setzte für einen kurzen Moment aus. Eine Wärme strömte von meinem Herzen aus in meinen ganzen Körper und egal wie unerwartet das jetzt für mich war, war es trotzdem erhofft. Es war wie ein heimlicher Wunsch, der sich plötzlich erfüllt hatte. Er drückte mich gegen die Wand und unser Kuss wurde verlangender, als hätten wir Jahre nur auf diesen einen Moment gewartet. Seine Hände stützten sich rechts und links neben mir an der Wand ab und meine rechte Hand lag an seinem Hals.

Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und kühle Luft strömte in den Flur. Ich zuckte zusammen und Tyler löste sich vom mir. Wir warfen uns einen kurzen Blick zu und liefen dann den Flur entlang zur Treppe, so als wäre nie etwas gewesen. ,,Nicky!", schrie ich erschrocken auf, als wir ins Wohnzimmer traten. Nicky saß auf dem Boden und versuchte die Blutung an seinem Körper zu stoppen. ,,Was ist passiert?", fragte ich völlig perplex und kniete mich neben Nicky. ,,Es ist alles gut", knurrte er förmlich, als ich ihm helfen wollte. Sein Pulli war zerrissen und tiefe Kratzer zeichneten seinen Oberkörper. Er hatte eine Platzwunde auf der Stirn und ein Biss befand sich an seinem rechten Oberschenkel. ,,Die Killerwölfe haben anscheinend in die Offensive gewechselt. Wir haben das nur zufällig mit bekommen, als wir vom Footballtraining kamen", erklärte Dean, welcher ein blaues Auge und eine aufgeplatzte Lippe hatte, welche aber schon am verheilen war. Luca hatte in der Küche zwei Kühlakkus geholt und reichte einen Dean. Auch er hatte ein blaues Auge und ein oberflächlicher Kratzer zog sich über seinen rechten Arm. ,,Nicky lass dir verdammt noch mal helfen!", zischte Rachel und funkelte ihn wütend an. ,,Wann war der Vorfall?", fragte ich erschrocken, als ich den Biss begutachtete, welcher noch in nicht mal ansatzweiße am Verheilen war. ,,Vor gut zehn Minuten...Nicky stell dich nicht so an!", knurrte Dean, als Nicky Rachels Hände abwimmelte. Die Kratzer hatten aufgehört zu bluten, jedoch floss aus dem Biss noch einiges an Blut und verbreitete ein riesiger Blutfleck auf dem weißen Teppich. ,,Sicher, dass der Biss von einem normalen Werwolf stammt?", fragte Jackson plötzlich, der sich im Geschehen eher im Hintergrund gehalten hatte. ,,Natürlich was soll es denn sonst gewesen sein?", fragte Nicky mit so einer Verständlichkeit, als wäre er zu hundert Prozent davon überzeugt. ,,Tut der Biss weh?", fragte ich und fasste an seinen Oberschenkel. Nicky knurrte und fletschte die Zähne. ,,Natürlich tut der weh!", brüllte er und ich sah zu Tyler. ,,Das ist kein normaler Werwolfbiss....es sieht so aus als ob es sich entzündet", sagte ich ernst und Jackson stand auf. ,,Nicky...lass es mich an sehen. Okay du vertraust mir wahrscheinlich null, aber ich kenn mich mit übernatürlichen Wesen aus", meinte Jackson und kniete sich neben mich.

,,Fass mich nicht an!", knurrte Nicky und ich funkelte ihn wütend an. ,,Er will dir helfen! Also lass ihn", befahl ich förmlich und Nicky zog leicht den Kopf ein. Jackson betrachtete den Biss und tastete langsam die Wunde ab, wobei Nicky scharf Luft ein. ,,Und...und was ist es?", fragte ich und sah ihn besorgt an. ,,Wer hat dich gebissen? Weißt du das ganz zufällig?", fragte Jackson und putze sich die Hände an seiner Hose ab. ,,Keine Ahnung...es war nen weißer Wolf, glaub ich", erklärte Nicky und alle Farbe war aus seinem Gesicht gewichen. ,,Das ist kein normaler Werwolfbiss...das ist von einem Mischling", sagte Jackson und Nicky sah ihn erschrocken. Mischlinge waren eine Mischung aus Vampir und Werwolf...unsterbliche Werwölfe sozusagen. Und so ein Biss war nicht gerade ungefährlich...Nickys Leben war in Gefahr. ,,Kann ich daran sterben?", fragte er erschrocken. ,,Glaub mir, wir sorgen dafür, dass du nicht ins Gras beißt. Egal wie nervig du auch bist", meinte Dean, was Nicky jedoch gar nicht beruhigte. ,,Wir lassen uns was einfallen. Versprochen", sagte ich und stand auf. ,,Jackson? Hilfst du mir bitte mal?", fragte ich und nahm Jackson mit aus dem Wohnzimmer.

,,Okay. Wie schlecht steht es wirklich um Nicky?", fragte ich und ging mit ihm die Treppe hoch. ,,Nicht gut...es ist eine geringe Chance das er überlebt", meinte Jackson und ich schluckte. ,,Aber es gibt eine Chance oder?", fragte ich und öffnete den Verbandskasten, welcher sich am Ende des Flures. ,,Ja, wir müssen abwarten, wie sich der Biss entwickelt. Ich bin kein Arzt, deshalb kann ich das nicht genau sagen, sorry", meinte er und ich holte Verbände aus dem Kasten. ,,Dann hoffen wir mal das Beste", sagte ich und schloss den Kasten wieder. ,,Ja...mehr als hoffen bleibt uns fürs Erste nicht", meinte Jackson. Nicky könnte sterben...und das war leider viel zu offensichtlich, dass er bald nicht mehr unter uns weilen könnte.

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