Prolog

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„SYLVAIN!" Eine laute Stimme schrie durch die Hallen der Gilde. Der junge Magier zuckte zusammen. Jetzt würden sie mit ihm abrechnen. Vorsichtig betrat er den Thronsaal. Vor ihm saß der komplette Rat des schwarzen Zirkels. In zwei Halbkreisen waren die Steintische neben dem Thron aufgereiht und bildeten eine Art Gasse zu dem Sitzplatz des höchsten Herrschers der Gilde. Er senkte den Kopf und blieb an der Flügeltür des Saals stehen. „Komm her, Junge" Es klang wie ein Befehl, den sein Vater da aussprach. Vorsichtig setzte er einen Schritt vor den Anderen, unsicher, ängstlich. Mit zitternden Knien ließ er sich vor dem Thron nieder und hielt seinen Blick weiterhin auf den Boden gerichtet. „Ihr habt nach mir gerufen, Vater?", begann er vorsichtig und kauerte sich mehr in seine unterwürfige Position. Er wünschte, der Boden würde sich öffnen und er könne darin versinken.

„Du hast versagt... Kläglich!" Der Herrscher der Magier schnaubte wütend. „Ich... Ich... Sie haben mich überrumpelt", stotterte Sylvain verängstigt und wünschte sich sehnlichst, sein Vater würde ihm endlich die Strafe geben und ihn dann in Ruhe lassen. „ES WAREN MENSCHEN, VERDAMMT! Und so etwas will mein Sohn sein?! Das ist JÄMMERLICH!", schrie der Obermagier. Er hatte verdammt Recht. Er war zu nichts nutz. Nicht einmal ein kleiner Auftrag, das Blut der Moondancer zu besorgen, war ihm gelungen. Einer Moondancer, die nicht mal einen gescheiten Blitzzauber auf die Reihe brachte. Es war lächerlich! Er war lächerlich! Doch er war zu stolz, um sich zu entschuldigen. Deswegen blieb er still und wartete. Die geladene Wut, die sich in auch in der Aura seines Vaters bemerkbar machte, bekam er gleich am ganzen Leib zu spüren, doch noch hoffte er, er würde ihn verschonen. „Du hast mich bitter enttäuscht, mein Sohn!", rief der ältere Magier aus und ließ seine gesamte Energie wortwörtlich an ihm aus. Sylvain riss es von den Füßen, durch eine Druckwelle wurde er nach hinten geschleudert. Sein unfreiwilliger Flug wurde erst durch die Wand gebremst. Mit einem ekelhaften Knacken seiner Rückenknochen knallte er dagegen und rutschte zu Boden. Vor seinen Augen tanzten Sterne, er kämpfte kurz mit der Bewusstlosigkeit. Und doch zwang er sich, wieder aufzustehen und nicht schwach zu wirken. Es war ein für alle Mal Schluss. Er durfte nicht länger der verweichlichte, feige Nachwuchs des Obermagiers sein. Er musste sich selbst einen Namen machen!

„Gebt mir noch eine Chance!", sagte er also und versuchte das Zittern in seiner Stimme zu unterdrücken. Oft genug hatte er die Wutausbrüche seines Vaters an sich selbst erlebt. Er war daran gewöhnt. Der Obermagier erhob sich von seinem Thron und kam langsam auf ihn zu. „Soll ich das? Ich finde, du hattest genug Chancen vergeudet..." Sylvain senkte wieder unterwürfig den Kopf als er näher kam. Er spürte eine Hand an seinem Kinn und im nächsten Moment wurde er schon gezwungen, seinem Vater in die kalten, schwarzen Augen zu sehen. „So jämmerlich...", wiederholte dieser seine Wort von vorhin, „Aber gut. Eine letzte Möglichkeit solltest du kriegen. Vielleicht wird dir das eine Lehre. Doch...", er hielt inne. „Solltest du versagen... Dann breche ich dir eigenhändig das Genick! Schwächlinge haben hier nichts zu suchen!" Sein Griff wurde fester, seine langen Fingernägel gruben sich schmerzhaft in die Wangen des Sohnes, doch dieser blickte stur geradeaus in das ausdruckslose Gesicht seines Gegenübers.

„So soll es sein.", brachte er mühsam hervor, die Hand an seinem Kiefer hinderte ihn am Sprechen. Sobald die Worte seinen Mund verlassen hatten, ließ der Vater die Hand sinken und drehte sich um. Sein Umhang wehte hinter ihm her, als er auf den Thron stieg.

Ja, es sollte so sein. Er würde dem Mondtänzer – wie sehr er dieses Wort verabscheute – den Garaus machen.

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