PROLOG


Als er vier war, bemerkte er, dass er seine Eltern nicht lieben konnte. Eine solch zerrüttende Erkenntnis war in diesem jungen Alter so ungewöhnlich, dass er sich ihres Wahrheitsgehalts sofort sicher war. Er zweifelte keine Sekunde an dem zornigen Konstrukt eigener Selbsterkenntnis, sodass sie ihn sehr früh verloren.

Als er sieben war, wusste er, dass er zu herkömmlicher Liebe kaum fähig war. Vor seinem Haus war in der Nacht ein Hund überfahren worden und während sich die Nachbarskinder in der Auffahrt zusammenschlossen und in typisch kindlicher Selbstvergessenheit um das tote Tier trauerten, beobachtete er sie hinter den Fenstern seines Zimmers. Er spürte nichts. Der Hund hatte ihn gerne gemocht, war immerzu an ihm hochgesprungen, wenn er von der Schule nach Hause gekommen war, aber es hätte genauso ein Sack voller Kiesel in der Einfahrt liegen können. Es war ihm egal.

Als er zehn wurde, fand er einen Freund. Auch dieser tat sich nicht leicht mit der gewissen Art von Zuneigung, die ihm selbst das Leben erschwerte, und so fand sich zwischen den beiden recht schnell eine stumme Art der Einverständnis, niemals solche Aspirationen für sich selbst zu hegen.

Als er dreizehn war, starb mit der zerrütteten Ehe seiner Eltern ein letzter Teil in ihm. Er hatte gesehen, zu welchen hasserfüllten, grausamen Taten Liebe führte und so wandte er sich endgültig davon ab.  Oder so glaubte er.

Denn als er fünfzehn wurde, kam Rey.

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