Träume
Ohne unhöflich wirken zu wollen, doch ich wollte ihn einfach nur los werden. Für diese Nacht oder dem, was davon noch übrig war. Ein weiterer Streit würde mich restlos zerstören. „ Hey es ist alles gut. Du musst nur endlich einsehen, dass du unter Stress stehst und dir helfen lassen. Danach wird es dir besser gehen." Eher weniger. Ich hatte keinen Stress und ich brauchte auch keine Hilfe. Ich kam super alleine klar. „ Würdest du bitte den Raum verlassen und mich schlafen lassen? Damit wäre mir sehr geholfen." Ich versuchte zu ignorieren, wie sehr mein Körper wollte, dass Veni sich zu mir legte. Ich wollte ihn hier haben. Um jeden Preis. Mein Verstand aber hielt mich davon ab. Machte mir klar, dass es im totalen Chaos enden würde, sollte Veni in diesem Bett schlafen. Seine Hand streichelte über meine Wange. Damit hatte er mich. Unter diesen Berührungen wurde ich weich wie Butter, Wachs in seinen Händen. Im Moment dürfte er alles mit mir machen und ich würde ohne Protest. Loswerden wollte ich ihn schon lange nicht mehr. „ Leg dich hin, bevor ich anfange es zu bereuen. Und behalt deine Finger bei dir." Veni zog seine Finger rasch zurück. Statt sich jedoch normal hinzulegen und zu schlafen, stand er noch mal auf und verließ das Zimmer. Das war jetzt nicht sein Ernst. Jetzt bot ich ihm schon an, dass er sich zu mir legen konnte und dann ging er einfach. War das jetzt ein schlechter Scherz? Draußen konnte ich ihn leise mit Stegi reden hören. Was genau sie sagten, konnte ich nicht hören. Doch es schien um mich zu gehen. Worum den auch sonst. Im Flur wurde es leise. Nur noch ein paar tapsige Schritte waren zu hören. Die Tür zu meinem Zimmer öffnete sich erneut und jemand kam herein. Veni höchst wahrscheinlich. Das Bett neben mir senkte sich ein Stück. Die zweite Decke raschelte unter der Bewegung. Veni musste sich im Bett gedreht haben, denn er legte mir eine Hand auf die Schulter. Sofort kribbelte die Stelle. Warum ausgerechnet Veni. „ Bist du noch sauer auf mich?", wollte Veni wissen. Hätte ich ihm dann erlaubt, dass er neben mir liegen durfte? Sicher nicht. „ Ich bin nicht sauer. War ich nie. Ich bin genervt, weil du mir unterstellst, dass ich gestresst bin und ich bin müde." Wie konnte ich Veni auch böse sein? Er war extra hier her gekommen, war locker mal sechs sieben Stunden unterwegs nur um sich nach mir zu erkundigen. Was ich ihm nicht unterstellen konnte war, dass es unheimlich niedlich war. Und irgendwo war ich auch dankbar für die ganze Sorge. Am Ende schlug das ganze doch ein wenig auf de Psyche bei mir. „ Umarmung?", wisperte Veni mit leise ins Ohr. „ Übertreib's nicht.", mahnte ich grinsend. Statt darauf zu warten, dass er zu mir gerutscht kam, rutschte ich zu ihm und ließ mich in seine Arme ziehen. Diesmal hüllte mich das Kribbeln ein und breitete sich auf meinem ganzen Körper aus. Ich war Veni nie näher als jetzt. Doch nie hatte sich eine Umarmung so toll angefühlt wie jetzt. Hätten wir jetzt keine Boxershorts, ok nein Basti. Ganz falscher Gedanke. Ihr seid nicht zusammen, Veni ist nicht an sex interessiert. Weder mehrmalig, noch einmalig. Schlag dir den Gedanken sofort aus dem Kopf. In den nächsten Tagen musste ich echt aufpassen, was ich sage. Am Ende rutschte mir sowas mal vor ihm raus. Obwohl mich sein Gesicht dabei schon reizen würde, eine plausible Erklärung zu finden würde schwer werden. Den eine bessere als ich liebe dich fand ich spontan sicher nicht. Und dann war hier sicher die Hölle los. Müsste für Stegi ein ganz lustiges Spektakel werden. Doch ich wollte unsere Freundschaft nicht aufs Spiel setzen. Toll jetzt musste ich mich morgen mit den beiden rum schlagen. Nicht das ich die beiden nicht gerne hier hätte, aber ich hatte noch genug zu tun und eigentlich nichts hier, um ihnen auch nur ein Frühstück zu machen. Kaffee konnte ich noch anbieten, danach war aber auch Schluss. Einkaufen musste ich dringend mal wieder. „ Hör auf dein hübsches Köpfchen anzustrengen. Das kannst du morgen auch noch kleiner. Es ist schließlich mitten in der Nacht." Ja und ich wollte eigentlich schlafen. So wie Stegi das bestimmt schon tat. Ich erwiderte nichts auf Venis Kommentar, sondern schloss endlich die Augen und versuchte zu schlafen. Morgen musste ich schließlich ausgeruht sein. Zumal ich sowieso noch mal ein kurzes Treffen im Ts bezüglich Minecraft Week machen wollte und auch schon angekündigt hatte. Da musste ich halbwegs pünktlich raus. Der Schlaf riss mich schneller als gewollt an sich. Vergleichsweise ruhig träumte ich vor mich hin. Nicht wie die letzten Tage entweder von nichts oder dem Event. Ich träumte seit langem mal wieder von einer richtig glücklichen Erinnerung. Vom Strand und Meeresrauschen. Sommer, Sonne und einfach mal entspannen. Wie gerne ich sowas mal wieder machen wollte. Einfach mal ne Woche weg. Keine Streams, keine Verpflichtungen. Einfach nur entspannen und die Seele baumeln lassen. So banal dieser Traum auch war, so schön war er gleichzeitig. Leider konnte ich nicht so einfach meine streak brechen. Da würde ich wohl bei einigen anecken. Da blieb es doch lieber nur ein schöner Traum, den ich immer wieder träumen konnte. So ein bisschen erinnerte es mich an den ersten Urlaub mit meiner Familie. Ich auf einer Luftmatratze weit draußen auf dem Wasser. Nur tauchte plötzlich mitten in meinem Traum Veni auf. Nicht das ich etwas gegen einen Oberkörper freien Veni in meiner Fantasie hatte. Doch nie hatte ich geträumt, dass er mich küsst. Veni lag plötzlich auf meiner Luftmatratze über mir, die stark unter seinem Gewicht ins Wasser gedrückt wurde und küsste mich. Und mich machte der Gedanke an. Sein Körper so nah an meinem, seine Zunge in meinem Hals. Fehlte nur noch. Nein so weit ging mein Traum dann zum Glück doch nicht. Am Ende hätte ich im Schlaf noch nen Orgasmus gehabt. Bei meinen teilweise versauten Gedanken würde es mich nicht mal wundern. Dadurch das Veni aber neben beziehungsweise hinter mir lag, war ich froh, dass es nicht so war. Dennoch wachte ich am Morgen mit einem deutlichen Problem auf.
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