Siebtes Türchen

Tim hatte mich in eine Zwickmühle gebracht. Wenn ich sagte, es war wegen dem Film, den wir schauen, würde er mir das nicht mehr abkaufen. Ich konnte ihm ja nicht mal sagen weswegen ich so gezuckt hatte, als er mich gefragt hatte. Anderseits ging die Wahrheit noch weniger. Ich konnte ihm ja schlecht sagen, dass ich auf ihn stand und deswegen mein Puls so hoch war. Was tat man in so einer Situation. Was tat ich in dieser Situation. Ich entschloss mich für die Lüge. „ War wegen dem Film. Ich war kurz in Gedanken und dann hat mich plötzlich dieses Vieh erschreckt.", erklärte ich und hoffte dabei etwas verlegen zu klingen. Normal hielt ich ein bisschen Horror schon aus. Als Tim mich jedoch skeptisch ansah, wusste ich, dass in meinen Worten irgendwo ein Fehler steckte. Und Tim präsentierte ihn mir auf dem Silbertablett. „ Willst du mich verarschen Stegi? Wir schauen seit ner halben Stunde Inception. Das mit dem Horrorfilm hab ich nur gesagt, um dich auf eine falsche Spur zu lenken. Ich hab gemerkt, dass du nicht aufpasst. So dämlich bin ich nicht. Allerdings versteh ich nicht, warum dein Puls so hoch ist." Tim hatte mich allen Ernstes in eine Falle gelockt und eiskalt ins offene Messer laufen lassen. Scheiße. Noch schlimmer war, wie kam ich da bitte wieder raus? Es gab absolut keine Erklärung, außer der Wahrheit. Oder ich erfand irgendwas und betete, dass Tim nie nachschauen würde, ob es das überhaupt gab. Denk dir was aus Stegi. „ Ist normal. Ich hab das manchmal, dass mein Puls so hoch geht, obwohl ich liege. Ich hab manchmal leichten Bluthochdruck." Das war ja nicht mal gelogen. Manchmal war eben nur in Tims Gegenwart. Zum Glück hatte ich das noch irgendwie retten können. Ich wollte mich fast schon selbst für diesen genialen Einfall loben, als Tim mir einen Strich durch die Rechnung machte. „ Hast du nicht. Erstens mal hättest du mir das erzählt. Dahingehend kenn ich dich doch. Außerdem müsstest du dann Blutdrucksenker nehmen. Und ich seh hier keine Tabletten. Also was ist wirklich los." Verdammt. Wieso kannte mich Tim so gut. Jedes seiner Worte stimmte und das wusste er. Hier gab es kein zurück mehr. Tim hatte mich in eine aussichtslose Lage gebracht. Aber ich wollte ihm nicht sagen, was ich empfand. Jedoch war die Aussicht mich in weitere Lügen zu verstricken nicht sonderlich besser. Für mich war es aber die einzige Lösung, auch wenn sie mir nicht sonderlich gefiel. „ Ich war damit nicht beim Arzt. Deswegen auch keine Tabletten. Das ist nur ganz selten. Deswegen nehm ich nichts." Wie konnte man einem Freund so eiskalt ins Gesicht lügen. Mein schlechtes Gewissen meldete sich nun mit voller Wucht und wollte mich am liebsten kreuzigen. Ehrlich ich hätte nichts dagegen. „ Stegi was ist los mit dir? Warum versuchst du dich in lügen zu verstricken? Denkst du, ich merk das nicht? So blind bin ich nicht. Sag doch einfach, was los ist. Ich reiß dir um Gottes Willen nicht den Kopf ab." Nein aber du kündigst mir die Freundschaft, wenn ich dir sage was ich empfinde. Eine weitere Lüge ging allerdings auch nicht. „ Ich kann es dir nicht sagen Tim. Mir ist es peinlich.", nuschelte ich und vergrub mein Gesicht in einem der Kissen. Peinlich war es mir nicht, aber ich wollte den Anschein erwecken, sodass Tim es mir abkaufte und mich endlich in Ruhe ließ. Erfüllen tat sich dieser Wunsch allerdings nicht. „ Muss es nicht Stegi. Du kannst mit mir über alles reden. Das weißt du doch hoffentlich." Alles. Ja nur nicht über meine Gefühle zu dir. Da würdest du mich doch sicher auch noch in den Arm nehmen und murmeln, alles gut, wir finden einen Weg. Bleib einfach ruhig, ich bin immer für dich da. In meinen Träumen vielleicht. Nur war das hier die Realität. Also nichts mit ach alles halb so wild. Eher Stegi wie kannst du nur. „ Ich kann und will nicht. Das ist peinlich." Wenn ich nur lang genug auf diesem Punkt beharrte, wurde ich ihn vielleicht los. Dann musste ich nur versuchen meinen Puls runter zu bringen. Keine unmögliche Sache, aber eben auch nicht sonderlich einfach, wenn Tim mich immer noch gegen sich presste. Ich schien endlich Erfolg zu haben. Tim ließ mir die Antwort widerwillig durchgehen und wandte sich wieder dem Film zu. Erleichtert drehte ich mich um und schaute, was wir denn nun schauten. Tatsächlich war es kein Horrorfilm, sondern Inception, wie Tim gesagt hatte. Ich musste mich jetzt einfach auf den Film konzentrieren und Tim vergessen. Dann löste das alle Probleme auf einen Schlag. Auch wenn es nicht sonderlich leicht war, konnte ich den Film meine Konzentration schenken und so Tim ausblenden. Mein Puls beruhigte sich auch wieder und ich konnte fast normal neben Tim liegen. Ich wäre sogar fast eingeschlafen dabei. Aber eben nur fast. Hinter mir gähnte Tim und erhob sich dann, weshalb er sein Arm von mir runter nahm. „ Wollen wir langsam mal ins Bett? Ich bin müde und du schläfst auch halber ein." Ich nickte, während in mir drin die totale Panik ausbrach. Denn wie sonst üblich würde Tim bei mir im Bett schlafen. Nur konnte ich das nicht mehr mitmachen, ohne die Situation von vorhin zu wiederholen. Allein der Gedanke an einen halb nackten Tim neben mir, trieb mir die Röte auf die Wangen und ließ meinen Puls steigen. Ich musste es irgendwie bewerkstelligen, Tim auf die Couch zu verbannen. Zur Not würde ich selbst da schlafen, wenn es sein musste. Nur musste ich irgendwie Tim umgehen. Ganz leichte Aufgabe. Ironie.

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