Eskalation
Auf dem Ts fanden sich mehr Personen, als ich eigentlich erwartet hatte. Alle waren es jedoch nicht. Ein gewisser Blondschopf fehlte. Und das war auch vollkommen in Ordnung. Sonst waren aber eigentlich alle da. Selbst Teile meines GHG-Mediateams. Unter den Jungs ging es bereits heftig zur Sache. Viele tauschten sich wild durcheinander über die angebotenen Fakten aus, die Fabo so liebreizend an die Öffentlichkeit getragen hatte und der Rest hackte auf Fabo rum. Ziemlich schnell wurde es ruhig, als Veni einfach mal ein lautet:„ Seit ruhig!", in mein Mikro rief. Augenblicklich wurde es mucksmäuschenstill und alle warteten darauf, dass noch etwas kam. Ich räusperte mich, um meine Stimme wiederzufinden, bevor ich ansetzte etwas zu sagen. „ Ich wollte mich erstmal bedanken, dass ihr euch die Zeit nehmt. Wie ihr sicher mitbekommen habt, gibt es im Moment gewisse Differenzen zwischen einigen von uns. Und ich wollte das einfach hier mal aufklären." Wollen tat ich nicht. Eher musste. Sonst batch hier noch das totale Chaos aus. Ich wollte einfach meine Ruhe. Von allem. Daher würde ich mit dem angenehmen Teil starten. „ Minecraft Week wird erstmal pausiert, bis ich weiß, wie es weitergehen soll. Die Stimmung ist fürchterlich und nachdem Stegi aus privaten Gründen auch raus ist, bräuchte ich auch einen Ersatz. Schiebt es ruhig auf mich, ich übernehme die Verantwortung dafür." Da ging es dahin mein erstes Projekt. Endend in einer Katastrophe, weil ich es nicht geschafft hatte, nach außen nicht zu zeigen, wie schlecht es mir gegangen war. Ändern konnte ich es jetzt eh nicht mehr. Ich spürte Venis Hand, die sich wohl beruhigend auf meinen Oberschenkel legen sollte und ich ließ ihn machen. Wahrscheinlich würde ich sonst nicht ganz so nett gegenüber Fabo sein, wie ich ihn jetzt ansprach. „ Kommen wir zu dir Fabo. Was du gesagt hast, war Unterste Schublade. Es hat mich nicht nur verletzt, dass du so fies gegenüber Veni warst, sondern auch und das nehm ich dir besonders übel, dass du mein Privatleben an die Öffentlichkeit gebracht hast. Es geht niemanden was an. Werden meine Zuschauer, noch euch und das habt ihr alle zu akzeptieren. Es heißt nicht umsonst privat. Ich möchte weder mein Aussehen bekannt geben, noch etwas über meine Beziehung preis geben, noch will ich mich mit euch treffen. Ist das bei allen angekommen?" Ich richtet mich hier an alle, damit sowas einfach nicht noch mal passierte. Sobald mir das jeder bestätigt hatte, würde ich schauen, wie ich weiter mit Fabo verfuhr. Für mich war klar, dass es einer öffentlichen Entschuldigung bedarf und der Löschung des Clips und des Tweets. Mit weniger gab ich mich nicht zufrieden. „ Findest du nicht, dass du ein klein wenig übertreibst? Oder flüstert dir Veni gerade hinterrücks was ins Ohr, was du dann sagen sollst. Damit er dich für sich hat? Komm sag schon, warum er und nicht ich?", fuhr Fabo mich an, als er meinen Wunden Punkt erkannt hatte. „ Weil ich zu der Zeit da war, wo Basti Hilfe gebraucht hat. Wo warst du da? Basti ging es dreckig die letzten Tage und du hast nichts aber auch rein gar nichts dafür getan, dich nach ihm zu erkundigen. Dir war es scheiß egal, was mit ihm ist. Dabei hat er wirklich jemanden gebraucht. Deswegen hat Basti mich unter Protest hier behalten.", zickte Veni gereizt zurück. Ich merkte jetzt schon, wie mir die Magensäure hoch stieg. Die beiden würden sich in Fetzen reißen und das würde mich restlos zerstören. Veni dabei noch beschützerisch mir gegenüber und Fabo einfach nur von Wut getrieben. „ Wie soll ich das den mitbekommen, wenn ich nicht in Bastis Team bin?", schrie Fabo zurück. So wie jeder andere auch. Durch Interaktion mit mir, oder aufpassen, wie ich mich verhielt. Sicher hatte Veni meinen Stream offen gehabt, um zu schauen, was ich verzapfte und dann meinen klitzekleinen Ausraster gesehen. „ Ich hab's auch gemerkt, obwohl ich nicht in Bastis Team bin." „ Du fickst ihn ja auch." Mit einem Mal wurde es unheimlich still. Das hatte er jetzt nicht gesagt. Ich war so geschockt, dass ich nicht mehr bewegen konnte. Der erste Laut, der zu hören war, war mein lautes schluchzen und das knarzen des Stuhls, den ich über den Boden schob, um aus dem Raum zu flüchten.
„ Ganz klasse. Basti ist eh schon angeschlagen. Musst du ihm da sowas noch an den Kopf hauen? Ist doch klar, dass er empfindlich ist. Ich geh ihn jetzt erstmal suchen und schau, dass er nichts dummes anstellt. Und dann reden wir noch mal Fabo.", zischte ich und beeilte mich Basti hinterher zu kommen. Ich hatte wirklich im Gefühl, dass er was dummes tun würde. Wie recht ich damit hatte, merkte ich, als ich die Tür zum Bad -wo er eigentlich rein gegangen war- nicht öffnen konnte. Basti hatte abgeschlossen. „ Komm schon Basti mach die Tür auf. Bitte. Ich will mit dir reden.", versuchte ich so sanft wie möglich auf ihn einzureden. Doch im Moment konnte ich genauso gut gegen eine Wand sprechen. Im wahrsten Sinne des Wortes. „ Geh weg.", kam es schluchzend von innen. Basti klang nicht so, als versuche er sich im Moment irgendwas zu tun. Wenn er seine Ruhe wollte, bekam er die unter meinen Bedingungen. Einfach, damit ihm nichts passieren konnte. „ Okay ich lass dich in Ruhe. Aber nur, wenn du diese Tür aufschließt und ins Schlafzimmer gehst. Ich geh das derweil mit den anderen klären." Ich schaffte es tatsächlich zu ihm durchzudringen, was ich beim ersten Versuch nicht erwartet hatte. Doch er erhob sich und schloss brav die Tür auf. Seine Augen fingen schon an rot zu werden, glänzten von den ganzen Tränen und seine Wangen waren ebenfalls mit Tränen benetzt. Als ich ihn aus Reflex umarmen wollte, ging er gleich in Abwehrhaltung. Daher ließ ich es bleiben und ließ ihn wortlos passieren. Es tat mir im Herzen weh ihn so zu sehen. Ich wollte nicht, dass er leiden musste. Ihm sollte es gut gehen. Würde es auch hoffentlich wieder, wenn ich mit Fabo fertig war. Der konnte sich jetzt mal warm anziehen. Mit ner einfachen Standpauke kam er diesmal sicher nicht davon, dass sollte gesagt sein.
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