Die nächste Runde

Wenig später öffnete sie mir die Tür und sah mich mehr als nur verwundert an. „ Guten Morgen Bastian. Kann man dir irgendwie helfen?", fragte sie kichernd und deutete auf meinen Aufzug. „ Guten Morgen. Ja ich hab mich und meinen Besuch heute Nacht ausgeschlossen. Könnte ich meinen Ersatzschlüssel kurz haben?", fragte ich höflich ein wenig lauter und versuchte nicht rot zu werden. Das Grinsen auf ihrem Gesicht wurde breiter, ehe sie mir von einem Hacken meinen Schlüssel gab. „ Du hättest ruhig auch heute Nacht klingeln können.", lächelte sie. Gott nein das hätte ich nicht tun können. Mitten in der Nacht, definitiv nicht. Das konnte ich einfach nicht tun. „ Danke. Ich bring den dann gleich wieder runter.", erklärte ich geschwind und beeilte mich die Treppe hoch zu kommen. Leise schloss ich die Tür auf und nahm mir als erstes meinen Schlüssel, damit ich selbst noch mal aufschließen konnte, wenn es sein musste. Geschwind brachte ich den Schlüssel wieder runter und verabschiedete mich noch von ihr. Sie war schon echt nett. Ich ging erneut hoch. Diesmal wollte ich Veni mit rein nehmen. Ohne ihn zu wecken. Dazu musste ich ihn nur erstmal hoch bekommen. Behutsam griff ich unter seine Arme und seine Kniekehlen und hob ihn mit angehaltenem Blick hoch. Veni wachte davon schon mal nicht auf. Gut. Sanft bugsierte ich Veni in mein Schlafzimmer und legte ihn auf dem Bett ab. Ich legte meine Decke über ihn und verließ dann das Schlafzimmer so leise, wie nur irgendwie möglich. Lautlos schloss ich die Tür hinter mir und seufzte dann erleichtert. Veni brachte echt das Chaos in meine Welt. Trotzdem wollte ich ihn nicht missen. Mir war jetzt klar, warum Veni gestern Abend so einen Zusammenbruch hatte und das brachte mit sich Rücksicht auf ihn zu nehmen. Zumindest bis er mir wirklich vertraute. Ich wollte nicht, dass Veni wieder seine Vergangenheit durchlebte. Da konnte ich ihn verstehen. Die Nachsicht musste ich haben. Es würde nicht das letzte mal sein, dass Veni abbrach, dessen war ich mir sicher. Schlimm war da nicht. Schließlich hatte sich ich meine Macken. Veni musste nur mit mir reden und mir dahingehend vertrauen. Der Tag war einfach nur verrückt. Dabei war es noch nicht mal Mittag. Missen wollen wollte ich diese verrückte Erfahrung jedoch nicht. Mit Veni war es einfach nur entspannt und in geraumer Zeit konnten wir beide darüber lachen. Veni war und so hatte ich ihn kennengelernt niemand, der sich lange über sowas noch Gedanken machte. Wir würden beide diesen Vorfall vergessen und beim nächsten mal musste ich einfach schauen, dass ich Veni unter mir festpinnte. Einfach damit Veni keinen Zweifel mehr hatte. Aber jetzt sollte ich mir darum keine Gedanken mehr machen. Lieber, was ich mit dem Tag anfangen wollte. An sich hatte ich echt Bock auf Ben early Stream, aber dann musste ich bis heute Abend um acht mindestens streamen. Gar kein Bock. Zumal ich auf heute Abend eh keinen Bock hatte. Auf Fabo hatte ich gar keine Lust. Der konnte mir so am Arsch vorbei gehen. Ich musste zumindest nicht mit ihm reden. Dann merkte niemand die verklemmte Stimmung zwischen uns. Jedoch tat es mir leid für Veni leid, da er Fabo mindestens zwei Stunden am Hals hatte. Eher länger. Zumuten wollte ich ihm das nicht. Denn ich war mir sicher, dass Fabo aus dem Abend gestern den Schluss zog, dass ich mit Veni zusammen war. Sollte Fabo so austicken wie gestern Abend, konnte Veni sich auf was gefasst machen. In der Stimmung traute ich Fabo sogar zu, dass er meine Beziehung leakte. Nichts, was ich unbedingt provozieren wollte. Am liebsten wollte ich aus Eigennutz heute Abend absagen. Und es war mir scheiß egal, was die anderen dazu sagten. Bis Fabo sich nicht eingekommen hatte, wollte ich nichts mehr mit ihm machen. Bekanntlich war das Leben aber kein Wunschkonzert. Also Augen zu und durch. Immerhin musste ich nicht zu Fabo in den Ts. Veni hatte da wahrscheinlich mehr Selbstbeherrschung als ich und zur Not ging er halt aus dem Ts raus. Ich würd's ihm nicht mal übel nehmen. Auch wenn dann jeder unseren Streit mitbekam. Eine Pille musste ich schlucken und das würde die sein, bei der Veni und ich uns am wohlsten fühlten. Man war das ein scheiß. Erstmal wollte ich jetzt einen Kaffee und dann konnte ich weiter sehen, was ich den tun wollte. In der Küche machte ich mir einen Kaffee mit viel Milch und schaute dann aufs Handy, welches hier noch lag, um ein bisschen auf Twitter und co zu schauen, was es neues gab. Mit Verwunderung sah ich, dass ich über vierhundert neue Nachrichten hatte. Dabei hatte ich erst gestern reingeschaut. Irgendwas war da gewaltig schief gelaufen. Und das was schief gelaufen war, konnte ich an einer WhatsApp von Stegi sehen , iOS eine Stunde alt war. Sie bestand lediglich aus drei Worten.

Schau auf Twitter!!!!

Oh nein. Hastig wechselte ich die App und schaute, was los war, als ich den Tweet selbst sah. Von Fabo. Shit.

Finde es mega toxic von @Venitroll mir meinen besten Freund wegzunehmen. Ich hab dir nie was getan. Hoffe es macht Spaß all das zu haben, was niemand von Bastis Freunden je haben wird.

Oh verdammt. Das erklärte die hunderten Tweets. Und halbwegs kluge Leute konnten sich ausmalen, dass Veni hier war. Ich hatte verschissen. Erneut ging ich auf WhatsApp, um Stegi kurz zu antworten und um Rat zu bitten. Der blondschopf war gerade online. Perfekt.

Hab's gesehen. Hast du schon was unternommen bezüglich Fabo? Halt die scheiße bloß erstmal von Veni fern. Wir hatten gestern Abend ein wenig, sagen wir mal Zoff. Ist alles wieder gut. Allerdings hab ich seine Vergangenheit damit hoch geholt. Ich will ihm das nicht antun.

Veni war mental stark, aber alles konnte er auch nicht verkraften. Und im Moment wurde alles ein bisschen viel. Ich selbst wusste nicht, wie viel ich noch verkraften würde, bevor ich unter der Last zusammen brach.

Scheiße. Wenn du willst, sag ab. Ich werd es den anderen erklären. Kannst mich als Grund nehmen, wenn dir das lieber ist. Richt Veni schöne Grüße aus und sei für ihn da.

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