Prolog

Prolog

"Mir ist so god damn langweilig, Junge.", jammert Jisung, lässt sein Handy neben sich aufs Bett fallen, starrt dann an die Decke.

Selbst Tiktok macht seinen Job nicht mehr gut.
Wurde die App nicht erfunden um sich gegen Langeweile zu kämpfen?
Damit diese nicht da ist?

Wirklich.
Dann sollten die alle mal besseren Kontent machen und nicht jeder scheiß dumme Influencer, einem nach dem anderen nach machen.
Kein Wunder, dass er lieber Serien guckt.
Da existieren keine dummen Influencer.
Nichts gegen den Job, diesen würde Jisung niemals in seinem Leben machen wollen.
Vierundzwanzig Stunden an sieben Tage die Woche, im öffentlichen Leben stecken?
Ganz sicher nicht.
Niemals.
Niemals im Leben.
Er schaufelt sich doch nicht sein eigenes Grab.

Seufzend setzt er sich auf, geht dann zu seinem Schreibtisch, setzt sich an diesem und greift nach einem, noch funktionierenden, Stift und einem Blatt.
Seid einer Weile sieht er auf Tiktok immer mal wieder dieses Penpal und irgendwie hat er auch Interesse und Gefallen daran gefunden.
Warum also es nicht einmal versuchen?
Sonst würde er heute noch, an diesem random Samstag Nachmittag, noch vor Langeweile sterben.

Hatte er Freunde?
Ja.
Würden sie gerne Zeit mit ihm verbringen?
Keine Ahnung, aber er ist nicht gern unterwegs.
Solange er in der Schule und manchmal, vielleicht einmal die Woche, etwas mit ihnen macht, dies ist ihr Deal, lassen sie ihn sonst in Ruhe.

Wofür er extrem froh ist, aber gerade bereut er es.
Eigentlich könnte er in die Gruppe schreiben und fragen ob jemand was mit ihm machen möchte, aber dann würden sie ihn erstmal fragen, ob er okay sei...oder ob er wirklich Jisung sei.

Daher versucht er es jetzt erstmal damit, auch wenn er keinerlei Ahnung hat, was er überhaupt schreiben soll.
Was schreibt man auch jemanden dem man nicht kennt, aber auch nicht sofort verschrecken möchte?

Er beißt sich auf die Lippe, sieht dann auf das gepunktete Papier vor sich.
"Was schreibe ich denn jetzt nur?", fragt er sich selbst.
Legt den Kopf in den Nacken und seufzt.
Tiktok oder Chatgpt nach Inspiration fragen?
Ganz sicher nicht.
Darauf muss er schon selbst kommen.
Dazu hasst er es, dass diese K.I immer mehr Macht über die Menschen bekommt.
Kaum einer kann noch selbst denken.
Dazu...
Wie soll ein Brief persönlich rüber kommen, wenn man eine K.I benutzt?

Dazu schreiben sich Menschen sowieso viel zu wenig Briefe, treffen sich zu wenig.
Alles wurde jetzt schon digitalisiert und k.is übernehmen immer mehr die Macht, ohne das die Menschen es überhaupt checken.
Ohne Technik kommen sie schon gar nicht mehr aus.

Seufzend sieht er wieder auf sein Blatt,  schüttelt den Kopf und fängt dann einfach an drauf los zu schreiben.

Was soll das schon schief gehen?
Er kennt die Person nicht, welche den Brief bekommt.
Also kann er auch nicht wissen ob die Person ihn dafür judgen wird oder nicht.
Mal davon abgesehen, wird er nie wissen, wer die Person am anderen Ende ist.
Oder ob er eine Antwort drauf bekommen wird.

//Hay,

Irgendwie ist es so richtig komisch diesen Brief anzufangen.
Erstens: Ich habe keine Ahnung warum das ich mache, ich habe das jetzt nur einige Male auf Tiktok gesehen und dachte mir nur so, ja warum eigentlich nicht?
Zu verlieren habe ich ja sowieso nichts.

Zweitens: ich habe keine Ahnung wer du bist, wie alt du bist und wie zum Teufel mein Brief bei dir landen wird, aber hier sind wir.

Besser gesagt, hier bin ich.
In meinem Zimmer, an meinem Schreibtisch und versuche einen vernünftigen Brief zu schreiben, damit du nicht sofort denkst: "Ja okay, die Person gehört in die geschlossene"

Ehrlich gesagt, habe ich jetzt schon gar keine Ahnung mehr was ich hier überhaupt schreiben soll.

Ich könnte dir von mir erzählen, ist doch ein Anfang oder?

Okay uhm:

  - Ich bin 17 Jahre alt
  - ich habe einen älteren Bruder, aber der ist schon ausgezogen (leider)
  - Ich höre gern Musik
  - Ich möchte später Astrobiologie oder Astrophysik studieren,  weshalb ich auch in den naturwissenschaftlichen Fächern gut sein muss (funktioniert ehrlich gesagt, nicht sonderlich gut)
  - ich möchte meinen Flugschein machen
  - früher wollte ich gern Fechten lernen, wegen meinem Bruder, aber er hat mich dann immer wieder besiegt, weshalb ich es sein gelassen habe.
  - meine Lieblingsfarbe ist Rot
  - Mein Lieblingstier: Hund (mein Hund heißt BBama)
  - mein Lieblingsessen: Schokokuchen, Käsekuchen und Tteokbokki
  - meine Hobbys: schlafen, Musik hören, manchmal eigene Songtexte schreiben
  - ich bin oftmals ein Nerd, aber auch stolz drauf.
  - ich liebe Marvelfilme und allgemein kenne ich viele Filme.
  - Ich schaue sehr gern Thai Serien, kann man schon als mein Hobby mit ansehen
  - ich bin dauerhaft müde
  - bin ein extremer People Pleaser und stelle mich immer an die letzte Stelle. Etwas was ich extrem schnell ändern muss
  - Ich kann nicht Tanzen
  - Ich bin eigentlich introvertiert, aber manche würden sagen ich sei das Gegenteil
  - Ich weiß nicht mehr weiter, also bist du jetzt dran.

Also ja, dass war's fürs erste von mir.
Ich würde mich freuen, wenn du mir auch ein paar Dinge von dir erzählen würdest, damit ich mir nicht so akward vorkomme... obwohl ich mich schon darauf freuen würde, würdest du mir überhaupt antworten.

Aber als aller erstes müsste ich mich überhaupt trauen, den Brief zur Post zu bringen.

Und weißt du was? Vielleicht tue ich das sogar. Vielleicht falte ich diesen Zettel gleich ganz sauber zusammen, stecke ihn in einen hübschen Umschlag, klebe eine Briefmarke drauf, schreibe einfach nur "An irgendwen da draußen" und werfe ihn in den nächsten Briefkasten.

Vielleicht ist da irgendwo jemand ist, der gerade so sehr jemanden braucht, wie ich.

Oder der vielleicht einfach neugierig ist, was in einem fremden Brief steht.

Oder der sich genauso verloren fühlt wie ich, und in meinen Worten irgendwas findet, was ihn für ein paar Minuten lächeln lässt.

Ich glaube, manchmal brauchen wir nämlich genau das – das Gefühl, nicht ganz allein zu sein mit dem ganzen Gedankenchaos im Kopf...ich würde nämlich wirklich gern nicht mehr allein damit sein.

Ach ja, bevor ich’s komplett vergesse: Ich bin ein bisschen sehr chaotisch. Vielleicht hast du das schon gemerkt. Ich rede oder schreibe oft ohne Punkt und Komma, und manchmal denke ich zehn Sachen auf einmal.

Ich verliere ständig meine Kopfhörer, aber finde immer Dinge wieder, die ich gar nicht gesucht habe.

Und ich glaube fest daran, dass es da draußen noch viele gute Menschen gibt. So wie du vielleicht..

Jetzt bist du wirklich dran.
Erzähl mir was. Irgendwas.
Was deine Lieblingsjahreszeit ist.
Ob du auch manchmal nachts wach liegst und über das Universum nachdenkst.
Oder welchen Song du nie skippen kannst.

Ich hoffe, du traust dich zu antworten.
Und falls nicht, ist das auch okay. Dann bleibt mein Brief eben einfach ein kleiner Gruß ins Unbekannte.

Bis vielleicht bald.

Dein (noch unbekannter) Brieffreund.//

Er atmet tief durch, legt den Stift zur Seite und liest es sich noch einmal durch, dann faltet er es sorgfältig zusammen, steckt es in einem der wenigen Briefumschläge, welche er noch hat.

So schwer war es doch gar nicht und so versteht er jetzt auch, warum es jetzt wieder ein paar Menschen auf Tiktok tun.
Es macht Spaß und außerdem ist es doch eine tolle Art der Kommunikation.
Sollten wieder mehr Menschen tun.

Jetzt muss er nur noch den Brief wegbringen.. und daran scheitert es dann wieder.
Er ist nicht gern draußen.
Aber irgendwie muss er es ja tun.
Seine Eltern sind beide nicht zuhause, sein Bruder wohnt wieder in Malaysia und seine Freunde würden ihn nur komisch ansehen.

Er greift nach seinem Handy, öffnet kurz den Klassenchat, verdreht genervt die Augen, als er die Nummer von Minho liest.
Wirklich.
Wie kann ein Mensch nur so nervig sein?
Wollte er nicht die Schule wechseln?
Wieso ist er dann eigentlich immer noch da?
Vermisse würde ihn nun wirklich keiner.
Okay.
ER selbst würde Minho nicht vermissen.

Dann wirft er sein Handy wieder zurück aufs Bett, zieht sich schnell um, greift nach Schlüssel und Portemonnaie.
Okay.
Dann kann er ja schnell den Brief wegbringen.
Was er danach noch macht, weiß er zwar nicht, aber das ist ein Problem für später.

Er setzt sich seine Kopfhörer auf, welche sich sofort mit seinem Handy verbinden.
Wenigstens zu etwas gutem ist das Handy zustande.
Er greift nach seinem digitalen Endgerät.

Kurz darauf verlässt er sein Zuhause und läuft durch die Straßen Seouls um zur nächsten Post zu gelangen.
Bevor er aber zur Post geht, geht er sich noch ein Matcha kaufen.
Er konnte nicht widerstehen, liebt das Zeugs über alles.

Zufrieden und definitiv glücklicher, läuft er die restlichen Meter zur Postfiliale, schreibt dort noch seine Adresse drauf und dann schreibt er groß "an jemand randomes".
Dann reicht er es der Person, hinter der Kasse.
Den Blick hättet ihr sehen müssen.
Sie hat ihn angesehen, als wäre er durchgeknallt, aber hat sie es stumm angenommen, zu den ganzen anderen Briefen geworfen.
Schnell bezahlt er den Brief, lächelt sie sanft an und geht dann wieder.

So-
Er hat es geschafft, den Brief weg zu bringen.
Jetzt muss er nur darauf hoffen, dass es wirklich jemand bekommt.
Oder besser gesagt...
Das er eine Antwort darauf bekommt, was er da vorhin so random aufs Papier gebracht hat...

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