2
Suchend schaue ich mich nach Ava um, als ich die Mensa der UCLA betrete. Wir sind zum Mittagessen verabredet. Die Mensa platzt bereits aus allen Nähten und es ist schwierig sich einen Überblick zu verschaffen. Offensichtlich hat ein Großteil der Studenten zu dieser Zeit eine Pause zwischen den Vorlesungen. Die schiere Masse an Menschen ist nicht zu vergleichen mit der High School. Heute gibt es die Wahl zwischen Pizza, gegrilltem Hühnchen und einem Nudelauflauf. Zum Glück habe ich mir vorhin ein Sandwich in einem Café geholt, denn alle Möglichkeiten sehen nicht wirklich appetitlich aus.
Das vibrieren meines Handys lenkt meine Aufmerksamkeit weg von der Essensauswahl. Ich ziehe es aus meiner Hosentasche und sehe eine neue Nachricht von Ava.
Ava: Hinterer Tisch am Fenster, rechts.
Vorsichtig bahne ich mir einen Weg durch die Mensa. Dabei muss ich nicht nur einmal jemandem ausweichen, der mir viel zu schnell mit vollen Händen entgegen kommt. Ich habe keine Lust eine Pizza oder ein Glas Cola abzubekommen, nur weil jemand zu unvorsichtig ist.
Nach wenigen Minuten erblicke ich Ava, die mit einigen unserer Bekannten an einem Tisch sitzt. Ich erkenne Brooke, die wir an unserem ersten Tag kennengelernt haben. Sie studiert Psychologie. Neben ihr sitzt Kanye, der ein Sportstipendium hat und all seine freie Zeit auf dem Footballplatz verbringt. Weiterhin kenne ich Ajlin, die wie ich Medizin studiert. Wir haben einige Kurse zusammen und saßen zufällig nebeneinander. Zu meiner Freude sehe ich auch Konrad, der neben Ava sitzt und in ein angeregtes Gespräch mit Kanye vertieft ist. Ich mag Konrad, er hat an der Party vergangenen Samstag sehr sympathisch gewirkt.
„Hey", begrüße ich alle und lasse mich auf einen freien Platz neben Ajlin fallen.
„Beverly, wie geht es dir?", lächelt Ajlin und streicht sich eine ihrer braunen Haarsträhnen aus dem Gesicht.
„Gut, allerdings konnte ich mich in der Vorlesung vorhin gar nicht konzentrieren. Chemie liegt mir einfach nicht."
„Das Gefühl kenne ich. Bei mir ist es nicht Chemie, sondern Anatomie. Ich weiß nicht warum, aber da bleibt bei mir aus der Vorlesung nichts hängen."
„Geteiltes Leid ist halbes Leid", lache ich leise und packe mein Sandwich aus.
Wir verfallen in einen angenehmen Smalltalk und auch Ava, die gegenüber von uns sitzt, wirft ab und an etwas in das Gespräch mit ein. Sie bemerkt dabei überhaupt nicht, wie Konrad sie regelmäßig komplett verknallt anschaut. Der arme Kerl kann seine Augen kaum von meiner besten Freundin lösen.
„Oh, da ist Max!", ruft Konrad plötzlich aus, „Max! Hey, bro. Hier drüben!"
Ich folge seinem Blick und erspähe einen großen, wirklich gutaussehenden Mann, der jetzt in unsere Richtung kommt. Er hat dunkelbraune, fast schwarze Haare, markante Gesichtszüge und eine athletische Statur. Auf seinen Lippen breitet sich ein Lächeln aus, als er Konrad erblickt: „Hi, Kon. Und hi an alle anderen."
„Leute, das ist Max, wir spielen zusammen Basketball. Max, das sind Ava, Beverly, Ajlin, Kanye und Brooke." Dabei deutet Konrad auf jeden von uns. Ich nicke Max höflich zu und kann mich nicht davon abhalten ihn genauer zu mustern. Er sieht wirklich gut aus. Er ist groß, selbst für einen Basketballspieler, mit breiten Schultern und einer athletischen Statur. Sein braunes Haar ist ein wenig zerzaust, als käme er gerade erst vom Spielfeld und fällt ihm locker in die Stirn. Die dunklen Strähnen bilden einen warmen Kontrast zu seiner hellen, leicht gebräunten Haut. Sein Gesicht ist markant mit einem geraden Nasenrücken, einem kantigen Kinn und vollen Lippen.
„Auf welcher Position spielst du?", frag Ajlin, während Max sich auf den Platz gegenüber von mir sinken lässt. Sofort treffen meine blauen Augen auf seine braunen und ich bin für kurze Zeit wie gefangen in unserem Blickkontakt.
Max räuspert sich und ich wende meinen Blick ab. „Ich bin Point Guard."
„Also schnell und ballsicher?", fragt Brooke und erntet einige verwirrte Blicke, „Was? Mein Vater ist ziemlicher Fan und ich habe das ein oder andere Basketballwissen aufgeschnappt."
„Was studierst du?", geht das Verhör weiter und ich beiße von meinem Sandwich ab, während ich seiner Antwort lausche.
„Ich studiere Wirtschaft, genau wie Konrad. Um ehrlich zu sein wusste ich nicht wirklich, was ich studieren soll. Mein Ziel ist die NBA, aber man weiß nie was kommt, also ist Wirtschaft denke ich eine gute Wahl: vielseitige Berufsmöglichkeiten und ich habe während dem Studium genug Zeit für Basketball."
„Ihr müsst zu unserem Spiel am Donnerstag kommen", meint Konrad und schaut unsere ganze Gruppe erwartungsvoll an, „Es ist ein Heimspiel."
„Klar, warum nicht. Ava und ich kommen", antworte ich und Ava nickt zustimmend: „Dann sehen wir dich mal in Action, Kon."
„Hast du schon mal ein Spiel gesehen?", fragt Max und wendet sich dabei nur mir zu.
„Nein, noch nie in echt. Früher ab und zu mal im Fernsehen, aber ich bin eher ein Football-Fan."
„Autsch", grinst Max, „Dann würdest du meine Freunde von Zuhause sicherlich lieben. Alles Footballspieler, die auf dem besten Weg in die NFL sind."
„Und warum spielst du nicht Football? Also, wenn all deine Freunde das schon spielen."
„Hat sich nicht ergeben. Ich war schon immer groß und hatte viel Energie. Da haben meine Eltern mich dann als Kind im Basketball-Verein unserer Stadt angemeldet und der Rest ist Geschichte."
„Ist ja auch langweilig, wenn der ganze Freundeskreis derselben Sportart nachgeht."
„Richtig!", grinst Max, „Lass mich raten: Du warst früher Cheerleaderin."
„Tatsächlich ja. Wie kommst du darauf?"
„War gut geraten", lacht Max, „Und du siehst aus wie eine Cheerleaderin."
„Ach, wie sehen Cheerleader denn aus?"
„Sportlich, schlank und hübsch mit einem schönen Lächeln."
Ich spüre, wie die Röte in meinen Wangen aufsteigt und beiße mir auf die Unterlippe, um ein Grinsen zu unterdrücken.
„Charmante Art mir ein Kompliment zu machen."
„Gut, wenn du mich charmant findest", grinst Max und fährt sich durch seine dunklen Haare.
„Oh mein Gott, ihr Zwei seid ja mal so hart am flirten! Sucht euch ein Zimmer!", ruft Brooke vom anderen Ende des Tisches. Erst jetzt bemerke ich, dass alle unserem Gespräch gelauscht haben und uns vielsagend mustern. Ava sitzt mit hochgezogenen Augenbrauen da und ich weiß, ich muss mich später ihren neugierigen Fragen stellen.
Peinlich berührt lege ich mir die Hände vors Gesicht: „Vergesst, was ihr gerade alles gehört habt!"
______
Es tut gut, wieder etwas zu schreiben und in die Welt der „Golden Titans" einzutauchen.
Denkt an den Stern! <3
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top