8. Nancy
Liebe Nancy,
du weißt, dass ich sterbe. Du versuchst nicht es schönzureden.
Das heißt, du versuchst es den anderen schönzureden. Aber dir nicht. Das ist kein Problem, es ist eigentlich sogar ziemlich hilfreich für mich: So muss ich dir nicht wortreich klar machen, dass das hier mein letzter Tag ist, in dem ich bei euch bin.
Wobei, vielleicht bin ich danach ja weiterhin bei euch allen. Weiß ja niemand, wie das mit dem Sterben so genau läuft: Ob auf einmal alles vorbei ist oder ob man wirklich noch mal alles vorbeiziehen sieht ...
Wenn ich ehrlich bin, habe ich den Tod nicht akzeptiert.
Es scheint so, ich weiß, und bis vor kurzem dachte ich auch es wäre so. Aber jetzt - jetzt will ich nicht mehr sterben.
Das will ich aber gar nicht mehr alles aufschreiben. Es ist unwichtig. Vergleichsweise unwichtig.
Dieser Brief soll eine Art ... keine Ahnung. Eine Art Nachricht für dich werden.
Nancy - wie gesagt redest du dir nichts schön. Das Problem ist: In deinen Augen ist selbst das schöne nicht mehr schön.
Du befürchtest immer das Schlimmste, selbst wenn es gar nicht so ist. Verstehst du die Anspielung auf Steve?
Der Typ ist okay, Nancy! Er war vielleicht mal ein kompletter Idiot aber er ist da - er ist da für DICH!
Ich kenne dich nicht besonders gut, aber du bist stark. Ich weiß, wie viel du knapp überlebt hast.
Dieses Überleben ist nicht direkt die Stärke die ich meine - das, was ich meine ist, dass du danach nicht zusammengeknickt bist.
Nach der Sache im Krankenhaus hast du weiter gemacht und gegen das Ding gekämpft, du bist nicht weggelaufen. Und Steve ist ja wohl nicht so schlimm wie ein schleimiges Riesenmonster, oder?!
Was ich damit sagen will: Du kannst deine Gefühle nicht ändern. Er ist da, er wird dich nicht allein lassen. Das hat nichts mit schönreden zu tun, das ist eine Tatsache!
Wenn du Jonathan magst, bleib bei ihm. Aber schließ Steve nicht aus, weil du Angst davor hast, verletzt zu werden. Okay?
Deine Max
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