Forget him!
Mit zwei großen Eispotten und unserem Lieblingsfilm war ich auf dem Weg zu Wandas Zimmer. Ich hatte sie zuvor mit Tränen in den Augen hineinflüchten sehen und da ich wusste, dass ihr Date unmöglich schon zu Ende sein konnte, hatte ich eins und eins zusammengezählt und mir Verstärkung geholt.
Sanft klopfte ich an, bevor ich einfach eintrat. Wanda saß mit dem Rücken zu mir auf dem Bett, doch ich konnte anhand ihrer Armbewegung erkennen, dass sie sich hastig Tränen wegwischte, damit ich sie nicht sah. Schnell umrundete ich das Bett. Bei ihr angekommen, setzte ich mich neben sie. Meine Geschenke hatte ich auf ihrem Schreibtisch abgelegt. Ohne ein Wort zu sagen, nahm ich sie in den Arm. Anscheinend war es das beste, was ich hatte tun können, denn sofort schlang sie ihre Arme um mich und zog mich noch fester an sich. Beruhigend strich ich ihr über den Rücken und die Haare, während sie anfing zu schluchzen und schließlich den Tränen freien Lauf ließ. Ihr Gesicht hatte sie in meiner Halsbeuge vergraben.
Als das Beben, dass ihren Körper immer wieder durchschüttelte, endlich nachließ, zog ich eine Packung Taschentücher aus meiner Hosentasche und reichte sie ihr. Dankbar nahm sie die Papiertücher entgegen. Dafür löste sie sich leicht von mir, doch lehnte mit Kopf und Schulter immer noch an mir.
Während meine Hand immer wieder beruhigend auf und ab fuhr, bat ich sie zu erzählen, was passiert war. Natürlich nur, wenn sie dafür bereit war! Sie fing an von ihrem schief gelaufenen Date zu berichten. Es stellte sich heraus, dass ihr Freund es nur dazu benutzen wollte, mit ihr Schluss zu machen. Ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, wie man diesen wundervollen Engel gehen lassen konnte! "Männer hatten wohl echt keine Ahnung, von den wirklich wichtigen Dingen im Leben!", dachte ich verärgert.
Ich wünschte, sie würde diesen Schwachkopf nicht so ernst nehmen. Sie war ohnehin viel zu gut für ihn. Meine Sympathie für ihn hatte von Anfang an zu wünschen übrig gelassen, doch sie war glücklich, darum hatte ich nie etwas gesagt. Und vielleicht lag meine Abneigung auch daran, dass ich insgeheim in sie verliebt war. Dieses Geheimnis würde ich jedoch für ewig geheim halten, denn ich wusste, dass sie nichts von mir wissen wollte. Jedenfalls nicht auf diese Weise. Eine Freundschaft war alles, was sie mir geben konnte und solange sie in meinem Leben war, wäre das auch alles, was ich brauchte.
Das ließ meine Gefühle für sie nur leider trotzdem nicht verschwinden, sodass ich mich immer wieder dabei erwischte, wie ich sie sehnsüchtig anblickte. Es war ein Wunder, dass bisher sonst noch niemand dahinter gekommen war!
Auch jetzt schenkte ich ihr diesen besonderen Blick, den man nur seinem Seelenverwandten zuwerfen konnte. Es zerriss mir das Herz, sie so traurig und verletzt zu sehen. Am liebsten würde ich sofort zu ihm fahren, wild an seine Haustür klopfen, oder einfach ungefragt hineinstürmen und ihn Mal gehörig durchschütteln. Wie konnte er nicht sehen, was er gerade verlor?!
Ich konnte nicht zulassen, dass sie auch nur eine weitere Tränen wegen diesem Arschloch vergoss! Und das nicht nur, weil ich bald aufstehen musste, um neue Taschentücher zu holen. Freundschaftlich reichte ihr den kleinen Eimer mit Eiscreme. "Lust auf eine süße Aufmunterung?", fragte ich lächelnd, während ich die DVD unseres Lieblingsfilmes hin und her schwenkte. Lachen nickte sie und wischte sich die restlichen Tränen weg. Ihr Gesicht glänzte zwar immer noch vor Nässe, doch wenigstens erstrahlte nun wieder eines ihrer bezaubernden Lächeln ihr Gesicht.
Mit geübten Bewegungen schaltete ich den Fernseher an und legte die DVD ein, ehe ich den Film startete. Schnell krabbelte ich zurück zu meiner besten Freundin und kuschelte mich neben sie unter die Decke. Nachdem wir es uns bequem gemacht hatten, saßen wir angelehnt an das Kopfende des Bettes, während Wandas Kopf an meiner Brust ruhte und ich einen Arm um sie gelegt hatte und starrten gespannt auf den Bildschirm. Wir hatten den Film schon dutzende Male gesehen, doch es wurde nie langweilig.
Als die Credits die Bildfläche einnahmen, bemerkte ich, dass Wanda eingeschlafen war. Sie wirkte so friedlich! Vorsichtig, darauf bedacht, sie nicht zu wecken, schaltete ich den Fernseher aus und legte die Fernbedienung auf den Nachttisch. Ich rutschte ein wenig tiefer, sodass auch ich bequem lag. Zum Glück träumte meine beste Freundin und heimliche Liebe etwas so schönes, dass sie nicht aufwachte. "Jarvis, mach bitte das Licht aus!", flüsterte ich. Bald darauf wurde es immer dunkler im Zimmer. "Gute Nacht, Wanda. Ich hoffe du träumst was schönes. Du wirst sehen, wenn du morgen Früh aufwachst, ist die Welt schon wieder eine ganz andere und deine Probleme nur noch halb so schlimm. Ich liebe dich so unglaublich stark, dass ich alles für dich tun würde!", wisperte ich so leise wie möglich und strich ihr gedankenverloren ein paar Strähnen aus dem Gesicht.
Ich spürte, wie sie sich leicht bewegte und verstummte augenblicklich. Erschrocken kniff ich die Augen zusammen und stellte mich schlafend. Ihre wohlige Wärme verließ mich und bald darauf kitzelte mich ihre Haare im Gesicht. "Du liebst mich?", hakte sie ungläubig nach. Scheu öffnete ich meine Augen und nickte. Ihr Gesicht war mir so nah, dass gerade so eines ihrer flauschigen Kissen zwischen uns gepasst hätte. Liebevoll legte ich eine Hand an ihre Wange. "Wie könnte ich nicht? Du bist einfach wundervoll!"
Ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen. "Was ist?", erkundigte ich mich verwirrt. Ich hatte mit jeder Reaktion gerechnet, aber ein glückliches Lächeln? "Weißt du, eigentlich hat er gar nicht Schluss gemacht. Ich habe es getan. Ich konnte nicht länger so tun, als wäre nichts zwischen uns. Keine Ablenkung der Welt könnte mich von dir fernhalten!", gestand sie mir. "Warum hast du dann geweint?" Ich verstand es immer noch nicht. "Ich habe mich so erbärmlich gefühlt, als mir klar wurde, dass ich ihn die ganze Zeit nur benutzt hatte. Ich habe mich so dafür geschämt, dass ich dir nicht ehrlich meine Gefühle gestehen konnte." Langsam fing ich an zu begreifen. "Heißt das, du...?", hakte ich vorsichtig nach. Könnte es wirklich so sein? Wurde mein größter Traum endlich war? Erwiderte sie tatsächlich meine Gefühle?
"Ja, für alle, die es noch immer nicht begriffen haben: Ich liebe dich!", lachte sie. Überglücklich küsste ich sie. Ich wusste einfach nicht, wohin mit meinen Gefühlen. War das hier wirklich real? Ich spürte, wie Wanda meinen Kuss erwiderte. Fröhlich lachte ich auf. Ich fühlte mich auf einmal so frei. Es war unglaublich. Ich hatte ja nicht geahnt, welche Last die ganze Zeit auf mir ruhte. Ich liebte sie so sehr. Es gab keinen Vergleich, der meine Zuneigung zu ihr auch nur im entferntesten ausdrücken könnte!
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