Congratulations, Miss missing!

Ich blinzelte. Alles um mich herum war schwarz. Man konnte nicht einmal die Hand... Moment Mal! Ich konnte meine Hand nicht bewegen. Meine andere auch nicht, weder die Beine noch den Rest meines Körpers. Ich war gelähmt! Ich meinte auch Fesseln zu spüren. Verdammt, was war hier los?
Ich konnte mich noch daran errinern, wie ich vom shoppen nach Hause lief. Ich hatte das Kleid für meinen Abschlussball gekauft und die Tüte auf mein Bett gestellt... Dann gab es Essen. Was ist dann passiert? Ach ja, richtig! Ich hatte den Müll raus gebracht und... Weiter könnte ich mich nicht erinnern. Okay, ganz tief durchatmen! Das ist bestimmt nur ein Scherz! Du wurdest nicht entführt! Doch egal, wie sehr ich versuchte, mir gut zu zureden, ich verfiel in Panik, was mir auch wieder nicht wirklich half. Nach einer gefühlten Ewigkeit, ließ das Gefühl nach und ich war einfach nur leer. Konnte man so viel Angst haben, dass sie irgendwann aufgebraucht war? Wie lange war ich überhaupt schon hier? Eine Stunde? Zwei? Einen Tag? Ich wusste es nicht. Alles, was ich wusste war, dass ich Durst hatte. Und genau in diesem Moment fing auch noch mein Magen an zu knurren. Na toll! Langsam dämmerte ich wieder weg und als ich aufwachte, tätschelte etwas meine Wange. "Hey, wach auf! Kannst du mich hören?" Ich sah alles verschwommen. Ich versuchte zu blinzeln und meine Sicht wieder scharf zu stellen, doch erfolglos. Ich spürte, wie mich jemand losmachte und mich hoch hob. Erneut wurde alles schwarz und als ich dieses Mal wieder aufwachte, war alles grell und hell. Einfach viel zu hell! Sofort schloss ich meine Augen wieder. Es tat fast genauso weh, wie die Angst, die sich in mein Herz eingenistet hatte. So lag ich nun also da, geblendet und mit zusammen gekniffenen Augen. Plötzlich vernahm ich die Stimme von vorhin. "Ich weiß nicht, ob du das hier hörst oder mich verstehen kannst, aber bitte wach wieder auf! Du darfst mich nicht auch noch zurück lassen! Ich ertragen es nicht, noch einen Menschen zu verlieren." Ich spürte etwas warmes an meiner Hand und aus einem Impuls heraus drückte ich es. "Bist du wach?" Hoffnung schwang in der Stimme mit. Ich versuchte etwas zu sagen, meinen Mund zu öffnen, doch er blieb verschlossen. Ich kämpfte und kämpfte, zwang mich, mich zu bewegen und schließlich gelang es mir wenigstens etwas zu krächzen: "Zu hell" Das waren die einzigen Worte, die ich heraus bekam. Sofort löste sich das etwas von meiner Hand und ein paar Sekunden später hörte ich, wie Vorhänge zugezogen würden und es allmählich dunkler wurde. "So gut?", fragte mich die besorgte Stimme. Ich versuchte meine Augen zu öffnen und es gelang mir wesentlich schneller als bei meinem Mund. "Danke", flüsterte ich. Es dauerte ein wenig, bis ich meine Umgebung erkennen konnte. Links neben mir saß Pater auf einem Stuhl und sah mich besorgt aber mit einem Lächeln auf den Lippen an. "Du lebst ja!", zog er mich auf, ehe er besorgt fragte: "Geht es dir gut? Soll ich dir was bringen?" "Wasser", erwiederte ich leise. Ich wusste aus unzähligen Filmen, dass man immer etwas Wasser trank und man dann besser sprechen konnte. Hoffentlich funktionierte das. Ich spürte einen Becher an meinen Lippen und versuchte mich aufzusetzen, damit ich trinken konnte. "Langsam", beschwichtige mich Peter und half mir mich zu erheben indem er eine Hand unter mich schob und mich sanft hochdrückte. Dann endlich konnte ich trinken und ich freute mich schon, endlich die kühle Flüssigkeit meinen Hals hinunter laufen zu spüren, doch alles was ich spürte war Schmerz. Es war nicht angenehm, es brannte! Aber da müsste ich wohl durch, wenn ich das loswerden wollte. Da ich ziehmlich durstig war, verdrängte ich den Schmerz und stürzte den gesamten Inhalt des Bechers hinunter. "Ganz ruhig, es ist genug da!", lachte Peter. Da fiel mir etwas auf, dass ich schon vorhin erkannt hatte. "Du hast mich gerettet!" Überrascht sah er mich an: "nein, leider nicht. Spiderman hat dich gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Ich bin so schnell es ging hergekommen." "Doch, du warst es! Deine Stimme!", beharrte ich. Ich war mir ganz sicher, denn auf meine sämtlichen Sinne könnte ich mich nicht verlassen, weshalb das Gehör besonders scharf gewesen war. Warte Mal, wenn er sagte, dass Spiderman mich hergebrachten hatte, dann bedeutete das... Überrascht schnappte ich nach Luft. "Du-du bist Spiderman!", rief ich. "Was? Nein, da musst du dich irren! Du stehst bestimmt noch unter Schock", versuchte er es mir auszureden. Allerdings war er sichtlich nervös. Er sah mich an und ich hielt seinem Blick stand und er seufzte auf. "Na schön, okay, du hast Recht", gab er zu, "Ich bin Spiderman! Aber bitte verraten es niemandem!" Flehend sah er mich an und ich erwiederte empört: "Sag Mal, für wen hälst du mich? Wir sind nun schon seit einem Jahr zusammen! Warum sollte ich dich verraten?" Er sah mich schuldbewusst an, bevor er lächelnd sagte: "Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe?" Ich erwiederte sein Lächeln und sprach: "Ich weiß, wie sehr ich dich liebe!" Ich betonte das "dich" extra. Mir viel plötzlich etwas ein und fragte: "Sag Mal, wie lange war ich weg? Welchen Tag haben wir heute?" Gequält sah Peter mich an, Ehe er langsam antwortete: "Du warst zwei Tage verschwunden, bis wir dich fanden. Dann hat es nochmal vier gedauert, bis du aufgewacht bist" Es war also fast eine ganze Woche vergangen. Gestern war der Abschlussball gewesen. Traurig sah ich ihn an und ich spürte, dass er wusste, was in mir vor ging. Ich hatte mich schon mein halbes Leben auf das Fest gefreut und nun, war es mir gestohlen worden. Ich wusste nicht einmal von wem oder wieso, aber das war nur egal, denn die Feier fand nur einmal im Leben statt und das war gestern. Wenn ich es wüsste, würde es auch nichts ändern. Erschöpft ließ ich mich zurück in die Kissen fallen. Peter und ich unterhielten uns noch eine Weile, bevor ich wieder wegdöste.

Zwei Wochen lang, hatte mich Peter jeden Tag besucht und nun konnte ich endlich nach Hause und aus diesem schrecklichen Krankenhaus raus. "Bist du sicher, dass es dir schon wieder gut genug geht?", erkundigte sich mein Freund nun schon zum tausendsten Mal. "Ja, Pete, mir geht es gut!", versicherte ich ihm jedes Mal. Er hatte mich abgeholt und nun hielten wir vor meinem Haus. Ganz wie ein Gentleman öffnete er meine Tür, als ich noch dabei war, meinen Kram zusammen zu suchen. "Danke", sagte ich und schenkte ihm ein Lächeln. Womit hatte ich ihn bloß verdient? Wir gingen zur Haustür und Peter verabschiedete sich von mir. Er meinte, dass er noch etwas wichtiges erledigen müsse und dass ich am Abend vorbeikommen sollte. Das merkwürdige war, dass er auch meinte, dass ich mein Abschlussballkleid anziehen sollte. Ich sah ihn verwirrt hinterher, als er schnellen Schrittes zum Auto ging und winkend davon fuhr.

Ich zog mir gerade mein Kleid an, als mein Handy klingelte. Es war Peter. Lächelnd nahm ich den Anruf entgegen. "Hi, Pete! Was gibt's?" "Bist du schon auf dem Weg zu mir?" "Nein noch nicht, wieso?" "Gut, dann lass dir ruhig Zeit, es dauert alles länger, als ich dachte." Bevor ich weiter nachhaken konnte, verabschiedete er sich schon mit einem "Ich liebe dich" und legte auf. Ich starrte noch lange auf das Handy in meiner Hand, bis ich es langsam wieder weglegte und mich wieder meinem Outfit widmete.

Eine Stunde später stand ich vor Peters Haus und klingelte. Ich hörte, wie Schritte auf mich zueilten und die Haustür aufgerissen wurde. Mein Mund klappte auf, als ich meinen Freund in einem todschicken Anzug vor mir stehen sah. "Freut mich, dass dir gefällt, was du siehst!" zwinkerte er mir zu und drückte mir einen sanften Kuss auf die Lippen. "Wow du siehst aber auch nicht schlecht aus! Okay, sorry, du siehst wunderschön aus!" "Äh, er hat also doch noch gelernt, wie man eine Dame begrüßt!", lachte ich. "Na wenn sie es so haben wollen, Mylady", sagte er und bot mir seinen Arm an, den ich lächelnd annahm, "treten sie nur ein!" An der Seite meines Freundes schritt ich über die Türschwelle und zum zweiten Mal an diesem Abend klappte mir der Mund auf, denn das gesamte Wohnzimmer war festlich geschmückt im Style von, nein, das hatte er nicht getan oder? Er schenkte mir nicht wirklich gerade meinen eigenen Abschlussball, oder? Sanft spürte ich zwei Finger unter meinem Kinn, die es langsam nach oben schoben und meinen Kopf wieder in seine normale Form brachten. "Gefällt es dir?", fragte mich Peter und sah mich an. "Ob es mir gefällt? Spinnst du? Das ist einfach... atemberaubend! Danke", antwortete ich ihm. "Dank mir nicht zu früh, denn obwohl ich meine Tante aus dem Haus scheuchen könnte, sind wir nun die einzigen Gäste deines Abschlussballes", beschwichtige mich mein Freund. "Oh nein, wie schrecklich! Alleine in einem Raum mit einem Mesnchen, den ich über alles liebe!", spielte ich entsetzt. Peter lachte kurz auf, ehe er mich zu sich heran zog und mich sanft küsste. "Herzlichen Glückwunsch zu deinem Abschluss!" "Ihnen auch Mr. Parker!", lachte ich und schon zog er mich auf die Tanzfläche und spielte einen langsamen Song ab. Ich schlang meine Arme um seinen Nacken und er legt mir seine Hände an die Hüfte. Verträumt sah ich ihm in die Augen. Wie ich diesen Mann liebte!

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