33.

"Danke!", rief Kevin mir noch über die Schulter zu, bevor er in seiner Wohnung verschwand. Ich lächelte nur, da er meine Antwort sowieso nicht hören würde.

Nach dem schönen Abend bei Louis, hatte ich Kevin angeboten, nach langer Zeit wieder mit unserem Motorrad zu fahren. Freudestrahlend hatte er das Angebot angenommen, weswegen ich hinter ihm auf das Motorrad aufgestiegen war und mich an ihm festgehalten hatte. Jetzt war es an der Zeit für mich, selbst nach Hause zu fahren.

***

"Hier wohnst du?", fragte Dr. Summer beeindruckt, während ich die Tür auf schloss. "Ja", murmelte ich und ließ sie vor mir eintreten.

"Möchten Sie etwas essen oder trinken?", bot ich ihr an, doch sie wank ab. Stattdessen wollte die Ärztin gleich anfangen zu arbeiten.

"Kommen Sie, ich bringe Sie zu ihr", schlug ich vor und führte sie die Treppe nach oben, bis wir die Tür zum Schlafzimmer meiner Eltern erreichen. Dort hielt ich an, drehte mich zu der Therapeutin um und fragte: "Wäre es in Ordnung, wenn ich kurz alleine reingehen würde?"
Verständnisvoll nickte sie mir zu.
Die Tür schwang auf und ich trat ein. Das Klopfen ließ ich ausfallen, da ich die Enttäuschung nicht ertragen konnte, keine Antwort zu erhalten. Glücklicherweise war mein Vater schon weg, sodass es nicht allzu schlimm in diesem Raum aussah. Meine Mum hatte ihren Stammplatz eingenommen, ihre Augen waren starr auf die Aussicht aus dem Fenster gerichtet. "Mum?", flüsterte ich, während ich mich ihr langsam näherte. Sie reagierte nicht, was für ein Wunder.

"Mum, ich habe jamanden geholt. Sie möchte dir helfen, versuch wenigstens mit ihr zu reden. Falls du mich überhaupt hörst", die letzten Worte waren kaum zu hören.

Als ich immer noch keine Antwort erhielt, seufzte ich, bevor ich mit einem traurigen Lächeln die Tür öffnete. "Wie sonst auch", meinte ich zu Dr. Summer. Sie nickte, als ob sie nichts anderes erwartet hatte.

"Ich werde alleine mit ihr reden", stellte die Therapeutin klar. Von mir erhielt sie nur ein Nicken als Antwort, da das für mich schon von Anfang an klar stand. Die Ärztin betrat den Raum und schloss die Tür zwischen uns. Obwohl ich meine Neugier kaum zügeln konnte, widerstand ich der Versuchung, an der Tür zu lauschen, sondern respektierte l die Bedingung und stieg die Treppen runter, um in der Küche aufzuräumen. Leise summte ich ein paar meiner Lieblingslieder, während ich die Geschirrspülmaschine ausräumte, etwas zu essen kochte und den Tisch deckte. Als ich die Nudeln in einen Teller füllte und das Tablett für meine Mutter zurecht machte, hörte ich Schritte, die die Treppe hinunter kamen. Mein Blick hob sich und ich konnte die Hoffnung nicht verbergen, dass Dr. Summer etwas ausrichten konnte.

Als sie meinen Blick bemerkte, sah sie mich entschuldigend an. "Nach der ersten Stunde bemerkt man oftmals keinen Unterschied. Ich würde ja öfter vorbei kommen, doch..." - "Ich bezahle alles, was sie wollen", unterbrach ich sie schnell. Sie zögerte. "Ana, das Problem ist nicht das Geld, das ist nebensächlich. Ich bin täglich von morgens bis abends im Krankenhaus, normalerweise mache ich keine Hausbesuche."

"Aber", fing ich an. "Aber ich möchte keinen anderen. Sie kennen mich, ich habe mich Ihnen anvertraut, jemand anderes kommt für meine Mutter nicht infrage."

Sie seufzte und setzte sich auf einen Stuhl. "Ich werde mir was überlegen, okay?", meinte sie, was mir ein kleines Lächeln ins Gesicht zauberte. Ein leichtes Nicken meinerseits verpasste auch ihr ein kleines Lächeln.

"Ich muss auch wieder los, wir sehen uns bald?", fragte Dr. Summer mich, während sie zur Tür lief. Sie bekam erneut nur ein Nicken als Antwort.

Nachdem wir uns an der Tür verabschiedet hatten, betrat ich wieder die Küche. Seufzend nahm ich das Tablett für meine Mum und ging zu ihr ins Zimmer. Mit einem aufgesetzten Lächeln kümmerte ich mich um sie, bevor ich mich in mein Zimmer zurückzog und an meinem Manga weiter zeichnete.

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