20.

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Als ich wieder Lilys Raum betrat, war das erste, was ich sah, wie sich viele Leute um den Tisch versammelt hatten. Verwundert trat ich mehrere Schritte vor und bemerkte, dass meine Freunde (jippie) etwas auf dem Tisch anstarrten. Ich beugte mich noch etwas weiter vor und flüsterte dann in Marcs Ohr: "Was ist denn so interessant?"

"Ahhhhhhh!", kreischend sprang der Junge zurück, wobei er mich auf den Boden schubste. Ich musste lachen, sein Gesichtsausdruck war einfach todeslustig. Okay, gerade ich sollte wissen, dass der Tod nicht witzig war.
"Was ist denn los?", fragte Cara verwirrt. Marc, der sich inzwischen wieder einigermaßen beruhigt hatte, antwortete: "Sie hat mich erschreckt. Dann bin ich zurück gesprungen und habe sie aus Versehen umgestoßen."
"Und warum lacht sie?"
"Weil er so ein lustiges Gesicht gemacht hat."
"Das war nicht lustig!", verteidigte auch Marc und hielt mir seine Hand hin. Ich ergriff sie, woraufhin er mich auf die Beine zog.

"Also, was ist so spannend?", kam ich wieder auf das ursprüngliche Thema zurück. Ich bemerkte, wie Cara sich versteifte und einen nervösen Blick zu Louis warf.

"Sei jetzt bitte nicht sauer", fing sie an, "aber wir haben uns deinen Zeichenblock angesehen." Immer noch nervös schaute sie auf ihre Füße, anscheinend wollte sie meinem Blick ausweichen.
"Wieso sollte ich sauer sein?", fragte ich verwirrt. Meine Freunde warfen sich verwunderte und erleichterte Blicke zu. "Na ja, wir sind immerhin unerlaubt an deine Sachen gegangen. Mache wären da schon wütend", erklärte Alex.

"Schon, aber wenn ich etwas dagegen hätte, würde ich meine Sachen doch nicht einfach so auf einem Tisch liegen lassen, oder?"

"Stimmt auch wieder", gab Marc mir recht.

"Aber ich verstehe immer noch nicht, was an meinem Block so interessant ist. Es ist ein ganz normaler Block!"

Cara starrte mich an, als wäre ich ein Wesen von einem anderen Planeten. "Du hast recht: Der Block ist ganz gewöhnlich. Aber die Zeichnungen darin nicht. Hast du die wirklich alle gemalt??? Ich wusste gar nicht, dass du so gut zeichnen kannst."

Ich spürte, wie mir das Blut in die Wangen schoss. "Ja", sagte ich mit merkwürdig leiser Stimme. "Ja, ich habe die alle gemalt. Aber so gut sind die nicht. Hast du mal im Internet geguckt? Das sind richtig gute Bilder!"

"Sag mal spinnst du? Diese Zeichnungen sind fantastisch. Ganz ehrlich, wenn ich dein Talent hätte, würde ich einen ganzen Manga schreiben und dann an einen Verlag schicken!"
Am Anfang von Caras Worten zuckte ich zusammen. Wer hätte gedacht, dass dieses Mädchen so ausrasten kann? Ich nicht. Okay, vielleicht schon, aber ich... was mache ich hier gerade?
Ich ordnete meine Gedanken und konterte mit einem Argument, was mir plausibel erschien. Und weil es das einzige war, welches mir so auf die schnelle einfiel.

"Ich hab' auch schon daran gedacht, aber meine Fantasie ist begrenzt. Alle Handlungen, die mir eingefallen sind, gab es schon oder sie ähnelten schon vorhandenen Mangas."

Wir ließen das Thema so stehen und ich packte meine Tasche. Danach wartete ich kurz draußen, damit sie sich von Lily verabschieden konnten. Ich fühlte mich in der Gruppe immer noch fremd. Sie hatten so viel gemeinsam erlebt, da konnte ich nicht mithalten. Und das erwartete ich auch gar nicht. Meine Zeit mit meinen Freunden (♡) fing erst jetzt an.

Kurz darauf kamen sie alle mit etwas bedrückten Gesichtern heraus. Doch kaum dass wir das Krankenhaus verlassen hatten, versuchten sie, die Stimmung wieder etwas aufzuheitern. Jeder tat, was er konnte, um den anderen glauben zu machen, dass er fröhlich war.

Um uns abzulenken gingen wir ins Kino. Doch da wir uns auf keinen Film einigen konnten, sagten wir dem Typ beim Kartenverkauf, er solle uns fünf Tickets für den Film geben, der als nächstes beginnt. Ironischer Weise war das ein Film, den keiner von uns gucken wollte. Das war wiederum fair.

Das Cover und der Titel versprachen, dass es ein Liebesfilm wird. Cara stand, wie ich mittlerweile herausgefunden habe, auf Actionfilme, wohingegen Alex und Marc Komödien toll fanden. Louis und ich bevorzugten Horrorfilme. Ich liebte es, wenn man genau wusste, dass gleich etwas passiert und man sich dennoch erschreckt.

Da Alex darauf bestand, die Tickets zu bezahlen, kauften Cara ich Popcorn und Getränke. Die anderen beiden hatten ihr Portemonnaie sowieso vergessen. Tja, der Grund, warum Mädchen immer eine Handtasche dabei haben.

***

Uns über den Film lustig machend, verließen wir das Kino. "Ey, Louis, Ana, ihr habt das bekommen, was ihr wolltet!", rief Alex und legte den einen Arm um meine Schulter und den anderen um Louis. Bei seiner Berührung durchfloss mich ein warmes Gefühl.
"Der Film war der Horror!"

Gespielt beleidigt schlug ich ihm auf den Arm. "Hey!", rief er entrüstet und schlug zurück. Dabei entfernte er seinen Arm von meiner Schulter. Sofort war das warme Gefühl verschwunden. "Ich finde,", begann ich, "dass der Film eher zum totlachen war. Demnach haben wir uns einen Film nach euren Wünschen angeguckt."

Marc öffnete seinen Mund und schloss in wieder. Ihm viel nichts zum kontern ein. Ebenso wenig wie Alex. Ein triumphierendes Lächeln erschien auf meinem Gesicht.
"Nun hör schon auf zu grinsen!", meinte Alex, obwohl er sein Lachen nicht ganz verbergen konnte. Ich tat, als ob ich es nicht bemerken würde und zog eine Schnute. "Nicht eingeschnappt sein!", versuchte er mich zu trösten, indem er einen Arm um meine Taille legte. Ich merkte, wie sich langsam ein Hauch rot auf meine Wangen schlich, weshalb ich irgendetwas unternehmen musste. Ich schnappte mir also Alex Mütze und setzte sie mir auf.
Kurz darauf folgte eine Verfolgungsjagd, da Alex seine Mütze wieder haben wollte.
Sie endete, als ich mich im Park lachend auf den Boden fallen ließ und Alex endlich seine heiß geliebte Kopfbedeckung wieder bekam.
Meine Freunde (immer noch hip hip hurra) trudelten langsam ein und setzten sich zu uns auf die Wiese.

"Wer holt Crêpes?", fragte Louis, während er seinen Arm um Cara legte. Sie kuschelte sich an seine Schulter.
"Ich nicht!", riefen wir alle gleichzeitig. Dann brachen wir in Gelächter aus. Nach einer spannenden Runde 'Schere, Stein, Papier' rappelte sich der Verlierer, in diesem Fall glücklicherweise nicht ich sondern Marc, auf und lief zum Crépestand.

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