Kapitel 5.

Noch am selben Abend erzählte ich Peter ganz aufgeregt davon. Er freute sich riesig für mich und hatte kein Problem damit, dass ich vorübergehend eine Woche lang sein würde.

Also packte ich meine Sachen, wobei ich unter anderem die neuen Shirts und die Sonnenbrille mitnahm, die ich gekauft hatte.

***

"Steh auf", hörte ich und öffnete die Augen. Peter stand mit heftig schüttelnden Armen vor mir.
"Du hast mal mega verpennt", rief er aufgeregt.
Ich setzte mich auf und rieb mir die Augen. "Fuck", murmelte ich. "Ich konnte gestern einfach nicht einschlafen..."
"Ist schon okay", meinte Peter, während er verschwand. "Du hast übrigens noch eine Stunde!"

Meine Augen weiteten sich. In einer Stunde konnte ich das alles unmöglich schaffen. Ich sprang aus meinem Bett und rannte ins Badezimmer. Mit schnellen Griffen hatte ich meine Haare gestylt und betrachtete mich im Spiegel. Meine Haare waren oben schon wieder etwas zu lang, was aber eigentlich ganz sexy aussah, wenn sie mir so leicht ins Gesicht hingen. Manu hatte immerhin auch lange Haare.

Wenn ich an ihn dachte, bekam mich immer ein leichtes Kribbeln im Bauch. War ich wirklich verliebt, wie Peter es gesagt hatte? Konnte man sich überhaupt in einen Menschen verlieben, den man noch nie gesehen hatte? Eigentlich sollte es einem bei richtiger Liebe ja auch nur auf den Charakter ankommen, aber spielte das Aussehen nicht trotzdem immer ein bisschen mit?

Mich überforderte das alles. Noch nie war ich so richtig verliebt gewesen. Wollte ich das überhaupt? War ich bereit? Bereit, verletzt zu werden?

"Denkst du schon wieder an Manu?", fragte Peter hinter mir.
"Wie lange stehst du schon da?!", fuhr ich ihn erschrocken an.
"Wenn man dich so sieht, dann will man am liebsten auch verliebt sein, so glücklich wie du bist", er seufzte und ging davon.

***

Ich war sehr froh, als ich endlich im Zug saß. Am Bahnhof hatte ich mir trotz aller Hektik, die ich hatte, noch eine Kaffee und eine Brezel geholt und war so in den Zug gesprungen.

Die Fahrt ging quälend langsam vorüber. Zwei Stationen vor Essen stieg eine alte Dame dazu und setzte sich lächelnd neben mich.
So nervös wie ich war, fuchtelte ich als an meinen Haaren rum und achtete alle fünf Sekunden darauf, dass alles an mir perfekt aussah.

"Junger Mann... Sie fahren wohl zu ihrer Freundin, sehe ich das richtig?", die Oma neben mir lächelte. Verwundert schaute ich sie an und sie seufzte.
"Ich war auch mal jung... Wie verliebt ich doch war", murmelte sie verträumt vor sich her. Ich lächelte sie freundlich an. "Es ist kein Mädchen", würde ich am liebsten sagen, doch ich ließ es bleiben und wartete geduldig, bis der Zug endlich in Essen hielt.

Ich hievte meinen großen Koffer aus dem Zug und setzte ihn auf den Steinboden des Bahnhofes. Alles hier war groß. So viele Menschen. Niemals würde ich Manu unter dieser Menge finden.

Ich holte mein Handy heraus und rief ihn an. Direkt hinter mir klingelte es laut. Ich fuhr herum. Dort stand ein Typ, dessen Gesicht komplett in einen schwarzem Kaputzenpulli gehüllt war.
"Manu!", entfuhr es mir. Jetzt schaute er von seinem Handy hoch. Seine Augen leuchteten, fast so sehr wie meine.
"Du hast ja garnicht deinen schwarz-blauen Pulli an", lachte ich und würde mir am liebsten direkt wieder gegen die Stirn schlagen. Wie konnte das nur das erste sein, was ich zu sagen hatte?!

"Ich bin so froh, dass du hier bist", sagte er mit brüchiger Stimme und schlang seine Arme um mich. Strengte er sich an, nicht zu weinen? Ich war selbst kurz davor.

Seine grünen Augen leuchteten in Wirklichkeit mehr, als ich es mir jemals ausgemalt hatte und seine braunen Haare, die unter seiner Kapuze hervor in sein Gesicht fielen, betonten sein wunderschönes Gesicht noch mehr. Geht's noch schwuler?!

"Lass uns erstmal nach Hause gehen", grinste Manu, als er mich losließ. Mein Herz pochte immer noch.

Anscheinend gefiel es ihm, mich nervös zu machen. "Na warte", dachte ich. "Rache ist süß..."

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