Kapitel 1.

"Nein", schrie Manu durch sein Mikrofon, was in meinen Ohren schmerzte.
"Was geht denn bitte bei dir heute?", fragte ich grinsend. "Zum dritten Mal hast du jetzt Selbstmord begangen..."
"Wow. Ich Trottel", hörte ich Manu leise sagen und drückte meine Kopfhörer fester in die Ohren, um zu hören, was er noch sagte.
Zum Glück war es seine Aufnahme, weshalb man mich also nicht in der Facecam sah.
"Ich bin heute einfach neben der Spur", sagte dieser leise. Ich tat so, als hätte ich es nicht gehört, wovon er auch ausging.

Ich fuhr mir durch die Haare und seufzte. Wie gerne ich doch fragen wollte, was los war. Aber es war wirklich nichts, was die Zuschauer mitbekommen sollten. Also wartete ich, bis er seine Abmoderation gemacht hatte.

Er verabschiedete sich von mir und ich suchte verzweifelt nach Worten, bevor er ging.
"Warte", kam es aus mir. Es war nur ein einfaches, bedeutungsloses Wort, aber genug, um ihn aufzuhalten.
"Was ist?", fragte er.
Wieder suchte ich verzweifelt nach den richtigen Ausdrücken, aber mir fiel einfach nichts ein, wie ich dieses Gespräch beginnen könnte. Manu wartete auf eine Antwort und in aller Not ließ ich mir einfach etwas einfallen.
"Nehmen wir heute Abend wieder Mario Party auf?", fragte ich.
"Klar", das war alles, was er zu sagen hatte. Klar. Es war selbstverständlich für ihn, dass wir heute Abend aufnehmen würden. Für mich war es etwas besonderes, mit ihm aufnehmen zu dürfen. Es bedeutete mir viel, denn er nahm nicht mit allen auf, die ihn fragten.
Er verabschiedete sich und verließ den TS.

Ich zog mir meine Kopfhörer aus den Ohren und stand auf.

Enttäuscht darüber, nicht einmal einen vernünftigen Satz zustande bringen zu können, schmiss ich mich auf mein Bett und holte mein Handy hervor. Die letzte Nachricht im Chat mit Manu war von mir gewesen, kurz vor unserer Aufnahme. Ich verspürte das Verlangen, ihm nochmal zu schreiben. Aber das würde mich anhänglich wirken lassen, außerdem hatte ich mich ja zuletzt "gemeldet".

Ich stoppte. Warum dachte ich als über Manu nach? Wir waren gute Freunde, mehr nicht. Wütend über meine Gedanken schmiss ich mein Handy weg. Es kam auf dem Sofa auf, sprang aber weiter, bis es mit einem lauten Knall auf dem Boden aufkam.
"Fuck", entfuhr es mir.

Die ganze Scheibe war zersplittert und mein es ging nicht mehr an, so sehr ich auch darauf herum drückte.

Wieder ließ ich mich auf mein Bett fallen. Wie sollte ich mich denn jetzt bei Manu melden, um ihm zu sagen, dass mein Handy kaputt war? Seine Telefonnummer hatte ich nicht und auch seine Handynummer wusste ich nicht auswendig. Vielleicht hatte Peter seine Nummer.

Aber erstens war Peter noch beim Fußball spielen, und zweitens hatte ich gerade nicht die Laune dazu, ihn nach Manus Nummer zu fragen.

Also ließ ich es und begann, alleine ein Runde Jump World aufzunehmen.

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