Liebe 4
Wir stehen hinter der Schule, an der Mauer. "Ich liebe dich.", sagt er. So eine zittrige Stimme. "Beweis es.", meine Stimme. So scharf, wie Scherben, Steine, Splitter.
Tut mir leid. Er wird es beweisen, das weiß ich.
Es ist Montag. Freitag. Er. Nein, nicht daran denken.
Es sind noch nicht viele da. Ich setze mich nach hinten.
Er kommt, setzt sich auch nach hinten. Neben mich. Warum?
Er sieht mich an. Ganz langsam legt er seinen Daumen auf meine Lippen.
Er nimmt ihn zurück. Wieder ganz langsam.
Jetzt wird ihm bewusst, was er getan hat. "Entschuldigung", seine zittrige Stimme.
Tut mir leid, so leid.
Die Schule ist vorbei. Endlich.
Er geht weg, nach Hause. Nein. Bleib hier. Ich halte ihn fest.
Tut mir leid.
Wir stehen wieder bei der Mauer.
"Es tut mir leid, du hast es bewiesen."
"Ich liebe dich", sagt er noch einmal. Nicht mehr so zittrig. Er nimmt mich in den Arm.
"Ich liebe dich auch."
Es tut mir immer noch leid.
Wir liegen im Graß. Einen Monat sind wir jetzt zusammen.
"Warum?", so eine schwere Frage.
"Warum was?", seine immer noch so oft zittrige Stimme.
"Warum ich und nicht jemand anders?"
"Weil du mein Engel bist."
"Aber jeder hat doch einen Engel und das heißt ja, dass auch jeder ein Engel ist, oder?"
Er überlegt. "Ja", sagt er verträumt, weil er nicht erklären kann.
"Aber hätten Sie mir einen anderen Engel geschickt, wäre ich nicht glücklich geworden.", so eine schöne Antwort von ihm.
"Danke"
"Wofür?",zittert schon wieder. "Für dich." Er dreht sich zu mir. Küsst mich. Zum ersten Mal.
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