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Nervös beiße ich mir auf die Unterlippe und verlagere mein Gewicht, als ich bei Kiyan klingle.
Die letzten Tage habe ich weder Leon, noch die anderen unserer Clique gesehen. Jeder von uns hatte viel mit der eigenen Familie um die Ohren. Heute treffen wir uns für einen entspannten Abend bei Kiyan. Die Jungs wollen das NFL-Spiel Steelers gegen Chiefs anschauen und der Rest von uns hat sich angeschlossen. Wir verbringen gerne Zeit miteinander, auch wenn wir nichts ausgefallenes Unternehmen.
Ich tippe mit meinen Fingern aufgeregt auf meiner Hose herum, während ich darauf warte, dass jemand die Tür für mich öffnet. Heute sehe ich Leon nach der Party und dem darauffolgenden faux pas das erste Mal wieder. Ich bin nervös und weiß nicht wirklich, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Meine Hoffnung ist, dass er gar nicht gemerkt hat, dass wir die Nacht über gekuschelt haben. Andernfalls könnte das heute wirklich unangenehm werden.
Allison hat hoffentlich ihre Klappe gegenüber Kiyan gehalten, wobei ich meiner besten Freundin bei sowas zu hundert Prozent vertrauen kann. Sie würde niemals hinter meinem Rücken über mich reden und ich kann mich darauf verlassen, dass sie Geheimnisse für sich behält. Ich habe ihr im Vertrauen von Leon erzählt und sie wird schweigen, wie ein Grab.
Die Tür öffnet sich und ich stehe einer Breit grinsenden Jocelyn gegenüber: „Jake! Hi!"
Prompt zieht sie mich erfreut in ihre Arme und mir entkommt ein leises Lachen: „Hey Jocelyn."
„Wie geht es dir? Ich habe auf Insta gesehen, dass du mit deinem Vater nochmal auf der Rennstrecke warst?"
„Ja, genau. Er wurde zu einem kleineren Rennen eingeladen und hat mich mitgenommen. Dort sind hauptsächlich jüngere Fahrer unterwegs gewesen. Es war echt mega cool, aber nichts spektakuläres."
„Dein Vater hat einfach den Jackpot gewonnen mit seinem Job", grinst Jocelyn, als wir in Richtung des Wohnzimmers gehen.
„Was haben du und Brian unternommen?", frage ich und ein weites Lächeln macht sich auf dem Gesicht der Blondine breit: „Wir waren shoppen! Ich glaube er hat es nach zwei Stunden in den verschiedensten Läden bereut, aber es war ein schöner Tag."
Ich ziehe meine Augenbrauen hoch und bemitleide ihren Freund Brian wortlos. Jocelyn hat eine klitzekleine Kaufsucht und shoppen mit ihr artet meistens total aus. Max und ich drücken uns oft erfolgreich davor, da Jocelyn in einen Rausch verfällt sobald sie einen Laden betritt. Das macht als Begleitung keinen Spaß, auch wenn wir alle darüber lachen können.
„Wofür hat man sonst einen Freund, oder? Wenn er nicht mit einem shoppen geht."
„Genau", stimmt Jocelyn grinsend zu, was mich schmunzeln lässt.
Als wir im Wohnzimmer ankommen begrüße ich die Anderen der Reihe nach und umso näher ich Leon komme, desto höher schlägt mein Herz. Er sitzt auf einem der Sofas neben Vika und Max und war bis vor kurzem in ein Gespräch mit Max vertieft. Jetzt liegen seine braune Augen auf mir und er beobachtet mich mit einem unlesbaren Gesichtsausdruck.
Oh Gott, weiß er etwas?
Hat er doch nicht mehr geschlafen, als ich gegangen bin?
Oder hat Allison sich ausversehen verplappert?
Mein Atem geht schneller und ich versuche meine Nervosität zu überspielen, als ich Max mit einem Handschlag begrüße.
Ganz entspannt, ich muss Leon gleich einfach nur die Hand geben - wie immer. Ich darf mir nichts anmerken lassen. Das Drama ist nur in meinem Kopf.
Mit einem kleinen, erzwungenen Lächeln wende ich mich schließlich Leon zu: „Hey."
Natürlich sieht er auch heute wieder unverschämt gut aus. Seine schwarzen Haare fallen ihm teilweise vor die Stirn und sind leicht zerzaust. Er trägt eine graue Jogginghose und ein schwarzes Shirt, was seinen breiten Körperbau betont. Ich versuche nicht zu offensichtlich zu starren, aber ich bin auch nur ein Mann.
Zu meiner Erleichterung erwidert er den Handschlag und eine Last fällt von meinen Schultern. Sobald sich unsere Hände berühren geht ein elektrisierender Schauer durch meinen Körper.
Max wirft mir einen wissenden Blick zu, den ich gekonnt ignoriere.
„Alle setzen, dass Spiel geht gleich los", ruft Kiyan in die Runde und ich schaue mich nach einem freien Platz auf einem der Sofas um.
War ja klar.
Der einzig freie Platz ist neben Leon. Dieser wirft mir nur ein freches Grinsen zu: „Musst dich wohl mit meiner Wenigkeit zufrieden geben."
Das Herz in meiner Brust macht einen Satz und mein Atem stockt, was ich mit einem leichten Lächeln zu überspielen versuche.
„Was denkst du wer heute gewinnt?", frage ich ihn, als ich mich in die weichen Polster sinken lasse. Unsere Oberschenkel berühren sich, genau wie unsere Schultern. Keiner von uns beiden unterbricht den Kontakt. Wärme geht von seinem Körper aus und ich kann nicht bestreiten, dass sich der Körperkontakt gut anfühlt.
„Ich hoffe auf die Chiefs, aber genau vorhersagen kann man es nicht. Beide Mannschaften spielen bisher eine wirklich gute Saison."
„Ist ja auch erst der Anfang der Saison."
„Genau, Brian und die Jungs haben gewettet wie es ausgeht. Also hoffen wir mal ich habe Recht und gehe später mit hundert Dollar mehr nachhause."
„Dann drücke ich wohl die Daumen für die Chiefs", meine ich und merke, wie die Anspannung immer mehr von mir abfällt.
Es ist immer noch Leon, mit dem ich hier rede. Er ist kein Arschloch, wie mein Ex Jannis. Wahrscheinlich hat er gar nicht mitbekommen, dass wir uns in der Nacht nach der Party unbewusst näher gekommen sind. Ich wusste, ich mache mir zu viele Sorgen.
Kiyan schaltet den großen Flachbildfernseher vor uns an und kurz darauf erscheint die Anmoderation für das Spiel auch schon auf dem Bildschirm. Der Rest unserer Clique hat es sich ebenfalls auf den Sofas bequem gemacht. Allison sitzt bei Kiyan auf dem Schoß, Brian hat seinen Arm lässig um Jocelyn's Schulter geschlungen und Sophia sitzt eng an Glen gekuschelt da. Luke hat ebenfalls seine Freundin Vika im Arm und neben ihr sitzt Max, der eine Schüssel Popcorn auf dem Schoß hat.
„Wo bist du am Donnerstag Morgen eigentlich hinverschwunden?"
Oh Shit. Mein ganzer Körper spannt sich bei Leons Frage an und ich beiße fest die Zähne aufeinander. Cool bleiben - einfach cool bleiben. Ich habe immerhin kein Verbrechen begangen.
„Ähm. Ich hatte meiner Mutter versprochen noch mit ihr einkaufen zu gehen."
Ist das eine schlechte Ausrede gewesen? Möglich. Allerdings ist mir auf die schnelle nichts anderes eingefallen.
„Achso, cool. Ich hatte mich schon gewundert", meint Leon und er klingt, als würde er mir das Gesagte abkaufen.
Ich werfe ihm ein gezwungenes Lächeln zu und schenke meine Aufmerksamkeit dann dem Football Spiel, dass gerade angepfiffen wird.
Mein Crush auf Leon muss schnellstmöglich ein Ende haben. Es ist nicht tragbar, dass ich in seiner Nähe keinen klaren Gedanken fassen kann und unsere Freundschaft derart aufs Spiel setze.
𐙚˙⋆.˚ ᡣ𐭩
Denkt ihr Leon hat wirklich nichts mitbekommen?
Vergesst den ⭐️ nicht! <3
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