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„Ohne Jannis und seine Bande von Kackbratzen wäre die Party echt der hammer gewesen", meint Leon, als wir durch die leeren Straßen gehen. Es ist stockdunkel, einzig die regelmäßig platzierten Lampen erleuchten unseren Weg. Die Temperatur ist stark abgekühlt, weshalb wir beide über unser T-Shirt einen Pullover angezogen haben, bevor wir die Party verlassen haben.

„Zum Glück müssen wir diese Idioten bald nicht mehr sehen", stimme ich ihm zu.

„Jannis schien ziemlich versessen darauf, mit dir zu reden."

„Ja, keine Ahnung warum", meine ich und zucke mit den Schultern.

Das Geräusch unserer Schritte auf dem Gehweg hallt durch die Nacht und ich stecke meine Hände in die Taschen meines Pullovers, um sie warm zu halten.

„Wahrscheinlich ist ihm endlich aufgefallen, was er verloren hat", erwidert Leon und wirft mir einen vielsagenden Blick zu, „Aber jetzt ist es zu spät. Du hast etwas besseres verdient."

Mit schief gelegtem Kopf mustere ich Leon, bevor sich ein leichtes Lächeln auf meinen Lippen abbildet. Er hat Recht. Ich habe etwas besseres, als Jannis, verdient.  Mein Herz hat sich für Leon entschieden, der von seinem Glück allerdings noch nichts weiß - was auch so bleiben wird. Es ist keine gute Idee sich in seinen heterosexuellen Freund zu verlieben. Das kann nur in einer Katastrophe enden. Ich werde unsere Freundschaft nicht für meine Schwärmerei gefährden, auch wenn Leon in den letzten Tagen einige komische Andeutungen gemacht hat. Wahrscheinlich nur eine Einbildung meinerseits, ich sollte mir keine zu große Hoffnung machen.

„Er hatte seine Chance", stimme ich Leon zu, „Und jetzt ist er Geschichte für mich."

Als ich zu Ende gesprochen habe kommt auch schon Leons Haus in Sicht. Ein schlichtes Einfamilienhaus mit weißer Fassade und einem weitläufigen Garten. Der Vorgarten ist gepflegt und übersäht mit bunten Blumen und Sträuchern. Leons jüngere Schwester Kira gärtnert für ihr Leben gern, was man klar erkennen kann. Manche der Pflanzen habe ich noch nie gesehen und die schiere Farbvielfalt ist faszinierend.

„Kira hat mir die Verantwortung für ihren Garten übertragen. Eine seitenlange Liste mit Anweisungen, damit ihre geliebten Blumen nicht sterben", kommt es von Leon, der meinen Blick bemerkt hat, „Letztes Mal als sie nicht da war, ist mir einer ihrer Rosensträuche kaputt gegangen. Ich dachte wirklich, sie bringt mich um. Diese Pflanzen sind ihr heilig."

„Dann pass dieses Mal lieber besser auf, nicht das wieder Pflanzen leiden müssen", grinse ich, während Leon die Haustür aufschließt.

„Nur noch ein paar Tage, dann kann Kira sich wieder selbst um ihren Garten kümmern."

Wir betreten das Haus und streifen uns die Schuhe von den Füßen. Ich war bereits einige Male bei Leon und weiß, dass sich die Küche, das Wohnzimmer und ein Arbeitszimmer unten befinden, während die Schlafzimmer und das Badezimmer im ersten Stock sind. Im Keller hat die Familie eine Art Partyraum eingerichtet, mit einem Billardtisch, der Playstation und einer großen Leinwand. Dort haben wir als Clique bereits den ein oder anderen Abend verbracht.

„Du kannst schon Mal hochgehen, ich hole noch schnell eine Flasche Wasser", meint Leon und deutet mit seinem Kopf in Richtung der Treppen. Ich tue wie geheißen und steige die Treppen hinauf, sodass ich wenig später in Leons Zimmer stehe.

Sein Zimmer ist geräumig und man erkennt in jeder Ecke, dass Leon ein Footballspieler ist. Auf den Regalen stapeln sich die Pokale, Footballs, Sportbücher und Poster von berühmten Sportlern. Neben seinem Schreibtisch liegen Hanteln und ein Springseil und eines seiner Trikots wurde nachlässig über den Stuhl geworfen. Ich erblicke einige Bilderrahmen, die seine Familie und unsere Clique abgebildet haben, was mich lächeln lässt.

Ich ziehe mir meinen dunkelblauen Pullover über den Kopf und hänge ihn über den Stuhl neben Leons Trikot. Dann lasse ich meinen Blick erneut durch sein Zimmer schweifen und stelle fest, dass er keine Couch besitzt. In meiner Naivität habe ich damit gerechnet, dass er ein Schlafsofa hat auf dem ich die Nacht verbringen kann.

„Ich hoffe es ist für dich in Ordnung, wenn wir heute Nacht beide in meinem Bett schlafen? Es ist bei weitem groß genug und ich schätze keiner von uns will auf dem Boden übernachten."

Etwas überrascht drehe ich mich zu Leon, der gerade das Zimmer betreten hat und ich erkenne eine leichte röte auf seinen Wangen. Das sieht dem selbstbewussten Sportler so gar nicht ähnlich. Er stellt eine Wasserflasche und zwei Gläser auf den Schreibtisch und wendet sich dann fragend an mich: „Also? Oder sieht der Boden für dich verlockender aus?"

Ich mustere den Laminatboden und ich schüttle mit dem Kopf: „Nein, dass sieht nicht einladend aus. Für mich ist es kein Problem wenn wir beide im Bett schlafen. Solange du dich damit wohl fühlst."

„Sonst hätte ich es dir nicht angeboten, Jake", grinst Leon und fährt sich mit der Hand durch seine leicht zerzausten schwarzen Locken, „Das Bad ist rechts, wenn du sonst noch was brauchst, dann melde dich."

Die Gedanken in meinem Kopf fahren Achterbahn, als ich meine Zähne putze und mich für die Nacht fertig mache. Leon möchte mit mir in einem Bett schlafen, warum? Ist es für ihn nicht komisch, mit mir den Schlafplatz zu teilen? Es muss komisch für ihn sein, außer er empfindet doch mehr als Freundschaft für mich - was ich kaum zu hoffen wage. Oder ich bilde mir das alles nur ein und mein verliebtes Hirn spinnt sich das alles zusammen. Es ist schließlich kein großes Drama sich ein Bett zu teilen. Oder doch?

Unsicher kaue ich auf meiner Unterlippe herum, als ich zurück in Leons Zimmer gehe. Soll ich ihn darauf ansprechen oder die Sachlage einfach so hinnehmen?

Ich beschließe, kein großes Ding aus der Schlafsituation zu machen und betrete das Zimmer. Ein Gespräch würde die Situation nur unangenehm machen. Sofort schießt mein Blick zu Leon, der bereits im Bett liegt und noch an seinem Handy tippt. Bei dem Anblick beginnt mein Herz höher zu schlagen und ich ziehe tief den Atem ein. Fuck.

Langsam gehe ich in Richtung Bett und lasse mich auf der Matratze nieder. Ich ignoriere mein wild pochendes Herz und meinen schnellen Atem, als ich mich in die Kissen zurücklehne und die Decke über meinen Körper ziehe.

„Können wir ausschlafen morgen oder sollen wir einen Wecker stellen?", fragt Leon mich und ich drehe mich in seine Richtung.

Moment Mal. Hat er kein T-Shirt an? Ach du scheiße. Leon ist Oberkörperfrei. Die Decke verhindert das ich mehr sehen kann, aber seine Schultern und Brust sind frei von Kleidung, was mich schlussfolgern lässt, dass er oberkörperfrei ist. Ich versuche nicht zu offensichtlich zu starren, was mir allerdings schwer fällt. Mir wird ganz heiß und die Schmetterlinge in meinem Bauch erwachen aus ihrem Tiefschlaf.

„Äh", fällt mir gerade noch so ein, dass mir eine Frage gestellt wurde, „Wir können schlafen. Ausschlafen klingt gut."

Leon legt sein Handy zur Seite und betätigt dann den Lichtschalter, sodass es mit einem Schlag dunkel ist. Ich stoße erleichtert den Atem aus, denn in der Dunkelheit werden meine Augen nicht wie magisch von seiner nackten Haut angezogen. Hoffentlich hat Leon mein Starren vorhin nicht bemerkt, dass wäre wirklich unangenehm.

„Gute Nacht", durchbricht Leon die Stille und ich erwidere meinerseits ein Gute Nacht.

Ich lausche Leons Atem, der von Minute zu Minute immer ruhiger und gleichmäßiger wird, was mich ebenfalls langsam in den Schlaf zieht. Es ist spät und nach einer guten Party braucht man wiederum eine gute Portion erholsamen Schlaf. Meine Gedanken kommen langsam zur Ruhe und ich versinke in einen traumlosen Schlaf.

Im Halbschlaf spüre ich mitten in der Nacht, wie sich ein warmer Körper gegen mich drückt und zwei starke Arme meinen Brustkorb umschlingen. Das angenehme Gefühl lässt mich zurück in den Schlaf fallen und ich hinterfrage nicht weiter, wer sich da gerade an mich kuschelt.

𐙚˙⋆.˚ ᡣ𐭩

Die beiden Cuties <3
Denkt an den Stern!

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