❉ 35 ❉

Taehyung

„Dieses Wetter", seufze ich genießerisch und bade mich in der Wärme der Sonne.
Heute ist schon der dritte Tag unseres Miniurlaubs und ich liege entspannt am Strand. Jin hat sich in den Schatten zurückgezogen und ermahnt mich immer wieder, nicht zu lang in der Sonne zu liegen.

„Du kriegst noch Hautkrebs", meckert er und mein Kopf schiesst in seine Richtung.
„Fünf Minuten! Ich liege hier seit fünf Minuten und bin mehr eingeschmiert, als ein übergroßer Dildo bei einer Arschentjungferung!", meine ich genervt und setze meine Sonnenbrille gereizt auf. Dabei hinterlasse ich Sonnencremestreifen auf den Bügeln der viel zu teuren Brille, die mit Jin nach meinem Nackt-Desaster gekauft hat.

„Calm Down", hebt mein Freund beschwichtigend die Hände und ich schnaube nur. Tatsächlich ist es nämlich so, dass unser Urlaub zu zweit gar nicht so entspannend ist. Natürlich, wir lernen uns besser kennen, haben an ungewöhnlichen Orten Sex und erkunden eine für uns beide unbekannte Stadt.

Das Problem ist nur, dass Jin begonnen hat aus dem Nichts mit mir umzugehen als wäre ich aus Glas. Ich weiß nicht warum, aber er tut fast so, als würde ich jeden Moment tot umkippen. Ich weiß das er es nur gut meint, aber ich halte dieses ständige Bemuttern trotzdem nicht aus.

Ich habe gerade wieder die Augen geschlossen und bin dabei jeden Muskel in meinem Körper zu entspannen, da kommt wieder diese nervige Stimme aus dem Off. „Jetzt gammelst du da schon seit einer Viertelstunde! Komm bitte her!"

„Was ist dein Problem?", gifte ich, ziehe mir die Sonnenbrille von der Nase und springe etwas zu schwungvoll auf. Kurz ist mir schwindelig, aber ich kneife nur die Augen zusammen und konzentriere mich auf Jins erschrockenes Gesicht. Einige der anderen Strandgäste sehen kurz zu uns rüber, aber widmen sich dann wieder ihrem eigenen Kram.

Ich stapfe auf meinen Freund zu, der sich jetzt in seiner Liege etwas aufrichtet und stelle mich zu ihm unter den großen Schirm. Alleine dieses blöde Ding zu buchen, hat schon ein kleines Vermögen gekostet.
„Taehyung?", stammelt Jin jetzt doch etwas eingeschüchtert und ich beuge mich über ihn rüber.

Mein Finger bohrt sich in seine trainierte Brust und ich fixiere ihn etwas zu wütend.
„Was ist dein Problem mit mir? Ich bin nicht aus Zucker! Genauso wie gestern, als ich mir keinen Fisch wegen eventueller Gräten bestellen durfte! Oder kein Rührei, wegen Salmonellen. Ach und bei Wind darf ich auch nicht raus, ich könnte ja eine Mittelohrentzündung bekommen!"

Jin weicht meinem strengen Blick aus und schaut stattdessen runter. „Sorry", sagt er nur. „Du darfst dich noch fünf Minuten sonnen - aber Creme dich nochmal gut ein!"
„Ach, ich will schon gar nicht mehr", schmolle ich und stampfe zurück zu meiner Liege. Mühsam beginne ich sie durch den Sand zu ziehen und stelle sie neben der von Seokjin in den Schatten.

Patzig lasse ich mich wieder drauf fallen und verschränke die Arme vor der Brust. Ich glaube, ich ignoriere den attraktiven Mann neben mir vorerst. Nachher verbietet er mir noch zu atmen wegen all der Schadstoffe in der Luft. Ins Wasser durfte ich bisher auch nicht, falls ich Mikroplastik schlucke.

„Baby", höre ich nur von der Seite, aber ich schliesse nur demonstrativ die Augen. Seokjin hat seine samtweiche Stimme auf den Entschuldigungsmodus geschaltet, aber ich habe nicht vor ihm auf den Leim zu gehen.
„Taehyungie... komm schon", höre ich jetzt, aber ich schließe nur desinteressiert die Augen.

Ich will nicht das mein Freund weiterhin unseren Urlaub ruiniert.
„Es tut mir leid", entschuldigt er sich jetzt und ich bin so gnädig als Antwort zu schnauben.
„Ich mache mir doch nur Sorgen um dich!", rechtfertigt er jetzt dein Verhalten und diesmal kann ich mich nicht zurückhalten.

„Aber wieso so plötzlich? Ich würde mein Leben gerne leben, ohne von dir in Watte gepackt zu werden!" Ich klinge schon fast verzweifelt und sehr Jin in die Augen. Der schaut nur etwas traurig und nickt verstehend. „Ich weiß, ich bin gerade echt nicht richtig drauf, ich ... ach man. Ich habe einfach Angst das du nach dem großen Sprung plötzlich doch noch Probleme hast."

Ich sehe ihn nur neutral an und schüttele dann den Kopf. „Mach mir doch nichts vor, dann würde es mir doch schon längst schlecht gehen. Was ist wirklich los."

Jin ist still und scheint mit sich selbst zu Ringen, bis er schließlich nachgibt.
„Naja, wir wissen ja, dass du durch Verlegungen nicht sterben kannst. Aber vielleicht kannst du ja trotzdem krank werden? Und das Alter wird dich auch einholen... du kannst zudem nicht ewig zwei Seelenlichter in der halten. Ich müsste das deiner Mutter eigentlich auf seinen rechtmäßigen Weg geben, damit es Frieden finden kann und wieder ein Gleichgewicht herrscht."

„Ich ... verstehe nicht so ganz", murmele ich. „Dann könnte ich dich doch gar nicht mehr sehen oder mit dir springen!"
„Natürlich kannst du mich noch sehen wenn ich das möchte, so wie alle anderen Menschen auch", erklärt Jin, aber zum Springen sagt er nichts.
„Nur, ich kann nicht ewig zwei Seelenlichter in dir lassen. Wer weiß, was es mit dir anstellt und außerdem ist es nicht richtig."

Er blickt mich traurig an und in mir zieht sich alles zusammen. „Dann wäre ich ein ganz normaler Mensch und hätte auch eine ganz normale Altersspanne", schlussfolgere ich und meine Schultern sacken nach unten.

„Du warst auch vorher nicht unsterblich, Taehyung. Irgendwann ... irgendwann wirst du gehen."
„Und du wirst weiterhin existieren."
Ich Presse meine Lippen fest aufeinander, um nicht zu weinen anzufangen. Ich habe die Auswegslosigkeit unserer Beziehung bisher immer erfolgreich verdrängt.

„Ich kann dir versprechen, dir bis dahin ein guter Freund zu sein. Und wenn es soweit ist, bin ich an deiner Seite. Als Tod. Und nehme dir deinen letzten Atemzug."

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top