❉ 09 ❉
vielen lieben dank für euren support❤️ ich verspreche, dass es bald spannender wird ❤️
Kim Taehyung
„Wow, die drei sind aber groß geworden!", begrüße ich Elisa lächelnd, dir mir mit ihrem jüngsten Sohn auf dem Arm die Haustür der Familie Jung öffnet. Hinter ihr stehen ihre älteste Tochter und - wie Hoseok ihn nennt - der Satansbraten. Die Namen der Kleinen habe ich mir nie merken können, irgendetwas nicht - koreanisches.
Namjoon, Hoseoks älterer Bruder, hat seine Frau bei einem seiner vielen Auslandsreisen getroffen und es muss wohl Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Die beiden sind schon seit fast fünf Jahren verheiratet und Elisas koreanisch ist in der Zeit fast einwandfrei geworden.
Mit einem breiten Grinsen werde ich reingelassen und ziehe sofort meine Schuhe aus, aber bevor ich auch nur die Chance habe, nochmal einen Blick auf die Kinder zu werfen, schnappt auch schon etwas von hinten nach meinem Oberarm und ich werde energisch eine Treppe hochgezerrt.
„Hoseok!" Empört stolpere ich meinem Kumpel hinterher und ich packe mich dabei fast ab, aber er reduziert sein Tempo kein bisschen. Erst als wir in seinem Zimmer stehen, lässt er los und ich kann mir meinen schmerzenden Oberarm reiben.
„Du hast so einen Klammergriff! Wolltest du mich kidnappen, oder was?", maule ich, aber Hobi lässt sich nur entspannt auf sein Bett fallen.
„Sorry."
Okay, es tut ihm nicht leid.
„Aber ich musste dich da unten rausholen bevor du wieder der Niedlichkeit meiner Nichte und Neffen verfällst", belehrt er mich und ich nehme Platz auf seinem Schreibtischstuhl. Vorher muss ich ungefähr drei Kilo an Klamotten auf den Boden fegen, aber wer kennt es nicht - dieser eine Stuhl, der mehr Ablage als Sitzplatz ist.
„Die sind ja auch goldig", grinse ich etwas, denn obwohl ich Menschen gar nicht ausstehen kann - Kinder sind da anders. Sie sind noch unschuldig und ehrlich, nicht so durchtrieben und falsch wie der Rest.
„Die haben eine rabenschwarze Seele. Und deine Klamotten stehen übrigens da drüben", Hoseok deutet kurz in Richtung einer Ecke, wo ich unter weiteren Kleiderbergen auch eine Plastiktüte ausmachen kann, in der wohl meine Sachen sind.
„Aber wir sind ja jetzt nicht wegen solch Unwichtigen Sachen hier. Der mysteriöse Kerl und deine Gehirnerschütterung - spucks schon aus. Jimin ist vielleicht ein kleines Naivchen, aber ich bestimmt nicht."
Er verschränkt die Arme Vor der Brust und ich seufze leise. Sofort spüre ich, wie meine Wangen wieder wärmer werden, als ich an Seokjin denke.
„Ja, er hat mich niedergeschlagen. Denke mal, er wollte mich loswerden", murmele ich und Hoseok streckt seine Faust in die Luft. „I knew it! Und weiter? Komm schon, da ist noch mehr, erst recht wenn du jetzt so verschämt grinst."
Er sieht mich augenbrauenwackelnd an und ertappt senken sich meine Mundwinkel wieder.
„Tatsächlich gibt es noch mehr...", gebe ich zu und kratze mich am Nacken, ehe ich mir einen Ruck gebe. Grob erzähle ich Hoseok von den Geschehnissen in der Bibliothek, aber die merkwürdigen Situationen im Kino und Café lasse ich aus. Mein Kumpel hält mich sonst für komplett beschränkt.
„I smell Loveeeeee!", quiekt er und grinst mich fast schon pervers an. „Du stehst ja sowas von auf den Kerl. Alleine wie du von seiner Stimme sprichst", macht er sich lustig und ich boxe ihm schmollend gegen die Schulter.
„Gar nicht wahr. Vielleicht finde ich ihn interessant, aber mehr auch nicht!"
„Jajajajajaja", macht Hoseok und ich springe fast schon von seinem Stuhl auf. „Los, ich hab Hunger, lass uns essen gehen", schlage ich schnell vor um abzulenken und schnappe mir dann noch meine Tüte mit den Klamotten.
„Wer zuerst unten ist, zahlt!", rufe ich dann noch, als ich schon aus seiner Tür stürme und schnell - aber aus Respekt vor seiner Familie versucht leise - die Treppe runtertrippele.
„Du Arsch!", zischt Hoseok und ich höre wie er mir folgt, aber da bin ich schon unten angekommen.
Fies lachend ziehe ich mir meine Schuhe wieder an, meine Jacke hab ich zum Glück nie ausgezogen und so bin ich schon draußen auf der Straße, bevor mein Kumpel sich überhaupt entscheiden konnte, was er jetzt tragen soll.
Er schmollt immer noch, als wir schon längst in einem kleinen Lokal sitzen und zufrieden unsere Suppen schlürfen.
„Komm, noch ne Flasche Soju", schlägt Hoseok vor und als ich zu dem Schluss komme, dass es morgen keine allzu wichtigen Vorlesungen gibt und ich bis zur Arbeit wieder fit bin, stimme ich zu. Vielleicht sollte ich mit meiner Gehirnerschütterung nicht trinken, aber ... gerade ist es mir egal.
Natürlich ist es nicht bei einer Flasche geblieben und als wir beiden drei Stunden später torkelt wieder den kleinen Pub verlassen, können wir nicht aufhören zu kichern. Die Tüte mit meinen Klamotten hat mir der Ladenbesitzer noch besorgt hinterhergetragen, da ich sie fast vergessen hätte. Upsidupsi.
Meine Sicht ist ein bisschen verschwommen, aber ich halte mich tapfer auf dem Bürgersteig und schwinge die Tüte dabei hin und her.
„Ich sage es dir, das ist wirklich so passiert!", lacht Hoseok, aber ich schüttele nur ungläubig den Kopf, worauf sich alles zu drehen beginnt.
„Du willst mir nicht erklären, dass du...", ich stolpere kurz, aber fange mich dann wieder. Immerhin lalle ich noch nicht. „Dass du deinen rechten Hoden - hihihi, ich habe Hoden gesagt - operieren lassen musstest, nachdem du dort beim Schwimmen gebissen wurdest?" Ich hikse ungläubig.
„Dohooooch", beteuert Hoseok und legt seinen schweren Arm um meine Schulter.
„Ich würde dich nicht anlügen, Kleiner."
„Du bist kleiner als ich."
„Okay... ich würde dich nie anlügen, Jüngerer."
„Fick dich."
Ich schüttele ihn ab, als wir an einer Bushaltestelle stehen. Das ist immer der Ort, an dem sich unsere Wege trennen. „Du da lang, ich hier lang", erkläre ich und gähne einmal. Es ist bestimmt schon nach Mitternacht und Alkohol macht mich immer verflucht müde.
„Tschüssiiiii Taehyungie", zwitschert Hoseok noch und winkt dabei komisch mit seinen Fingern, ehe er weiterläuft und ich mich auch langsam auf den Weg mache. Auf den Bus habe ich dann doch keine Lust und so stolpere ich einfach zufrieden summend voran.
Ich liebe dieses angetrunkene Gefühl. Wenn man noch nicht so dicht ist, dass man die Kontrolle verliert oder Scheisse baut, aber man genug Alkohol im Körper hat um grundlos zu kichern und für einen kurzen Augenblick die ganze Scheisse in der Welt zu vergessen. Leider ist das bei mir immer eine kleine Gratwanderung - hätte ich etwas mehr getrunken, wäre ich vermutlich wieder depressiv geworden, aber gerade laufe ich wie auf einer Wolke.
„Hoppla", mache ich erschrocken, als ich vom Bürgersteig abrutsche, aber bevor ich wirklich fies umknicke oder auf dem Asphalt lande, spüre ich plötzlich zwei starke Arme, die sich um meine Hüfte schlingen und mich festhalten.
„Du tollpatschiger, unvorsichtiger Mensch", höre ich eine samtige Stimme und bekomme fast sofort eine Gänsehaut.
Nachdem ich wieder sicher stehe und mein Herz ein paar mal zu irritiert gestolpert ist, drehe ich mich langsam um und blicke direkt in die leuchtenden Augen von Seokjin. Seine Hände liegen immer noch angenehm an meiner Hüfte und da wir gleich groß sind, kann ich ihn ohne Nackenschmerzen anschmachten.
Anschmachten? Oh Gott, ich schaue ihn schon wieder so an als wäre er alles, was ich je in meinen Leben gewollt habe.
„Du... hier?", mache ich uneinfallsreich und hinten in meinem benebelten Gehirn rennt der nüchterne Taehyung herum und schlägt seinen Kopf vor Fremdscham gegen meine Schädelwand.
„Ich hier. Du kannst ja scheinbar nicht alleine auf dich aufpassen", schmunzelt er und lässt mich dann los. Kurz bin ich schon enttäuscht, aber da greift er nach meiner Hand, nimmt meine Tüte in die andere und zieht mich wieder die Straße entlang. „Komm, ich bringe dich nach Hause."
In meinem Bauch tanzen die Schmetterlinge Samba und während ich Seokjin wie ein braves Lämmchen folge, frage ich mich, ob das wirklich real ist.
Ob er wirklich real ist.
Und was zum Henker hier schon wieder passiert.
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