Kapitel 3

Die Bar leerte sich nach und nach. Immer mehr Gäste verschwanden, während Touya und Tenko immer noch da saßen und sich unterhielten. Irgendwie hatten sie so viel zu bereden. Es wirkte beinahe, als hätten sie sich Ewigkeiten nicht gesehen, dabei lebten sie tagein, tagaus miteinander – oder viel mehr nebeneinander.

Keiner der beiden achtete wirklich auf die Umgebung, sie interessierten sich viel mehr für einander. Erst als die Bar leer war und Hawks zu ihnen trat, unterbrachen sie das Gespräch. Den ganzen Abend hatte der blonde Kellner sie bedient und immer wieder mit ihm geflirtet, aber das tat er Touya gegenüber ohnehin immer. Egal ob er sich davon etwas erhoffte, oder nicht.

»Ihr wisst aber schon, dass ich euch eigentlich rauswerfen müsste, weil ich jetzt Feierabend habe und außer euch beiden niemand mehr hier ist?«, fragte er und gesellte sich zu ihnen. Er wirkte erschöpft, so wie beinahe jeden Abend, den Touya hier bei ihm verbracht hatte – und dennoch blieb er selbst dann noch bei ihm und unterhielt sich mit ihm. »Oder wollt ihr noch etwas bleiben, eure Zweisamkeit genießen, weil dann schließe ich eben ab und lasse euch noch etwas in Ruhe.«

Er zückte seinen Schlüssel und ließ ihn zwischen den Fingern baumeln.
»Du kennst mich, ich bleibe gerne etwas länger«, witzelte Touya und leerte sein Glas. Es war sein fünftes? Oder doch das sechste? Wenn er ehrlich war, dann hatte er nicht so wirklich mitgezählt. Genauso wie er nicht mitbekommen hatte, dass es bereits nach ein Uhr war.

»Außer Tenko will nach Hause«, fügte er noch hinzu und sah, genauso wie Hawks, erwartungsvoll zu seinem Freund. Die Wangen eben dieses Mannes waren gerötet und seine Augen glasig. Er war schon längst angetrunken, aber genau das war der Grund, weshalb seine Laune hervorragend war.
»Also ich habe kein Problem damit, ich wohne über der Bar und hab es nicht eilig nach Hause zu kommen.«

»Lass uns noch etwas bleiben, Touya«, grinste Tenko angeheitert und schob Hawks das leere Glas entgegen. Er hatte eindeutig genug. Noch einen Drink würde Touya ihm nicht erlauben, sonst müsste er ihn am Ende auch noch nach Hause tragen, und er war sich nicht sicher, ob er dafür noch imstande war. »Und bring uns noch etwas zu trinken, bitte.«

Hawks hob die Braue und sah anschließend zu Touya, der den Kopf schüttelte. Der blonde Kellner nickte und ging, damit er die Bar verschließen konnte, ehe noch jemand auf die Idee kam hereinzuplatzen. Wenig später kam er dann tatsächlich wieder zurück und stellte den beiden Männern je ein Glas Wasser auf den Tisch. Tenko runzelte die Stirn und sah ihn empört an.

»Tut mir leid«, sagte Hawks und zuckte mit den Schultern, »laut deinem Freund hast du wohl genug getrunken, also bekommst du nichts mehr von mir.« Danach wandte er sich Touya zu. »Du aber genauso. Betrunken jammerst du immer so viel herum und beschwerst dich ständig.«

Hawks gestikulierte mit den Armen und machte sich über Touya lustig.
»Das stimmt doch gar nicht. Erzähl nicht so einen Mist«, entgegnete Touya empört und brachte Hawks damit erneut zum Lachen. Es klang wundervoll, Touya mochte den Klang seiner Stimme wirklich sehr und könnte ihr öfter lauschen. Sie war einerseits beruhigend, andererseits aufheiternd. Also genau das, was er oft gebraucht hatte, wenn er hier gewesen war.

»Oh, aber das ist mein voller Ernst. Jedes Mal aufs Neue musste ich es mir anhören«, sagte er und setzte sich auf den freien Platz neben Tenko. Goldene und rote Augen waren auf Touya gerichtet und sahen ihn amüsiert an. Hawks hatte versprochen, dass er es niemals erwähnen würde, und doch tat er es, direkt vor Tenko. Er stellte ihn einfach bloß. »Aber weißt du ...«

Er stupste Tenko mit dem Ellenbogen an und beugte sich etwas zu ihm herüber, »… er ist ein verdammt guter Kerl, dem du viel bedeutest. Kein Wunder, dass er kein Interesse zeigte und mich abgewiesen hat.« Tenko schnaubte leise.
»Du irrst dich, Touya hat sehr wohl Interesse«, entgegnete er sogleich und erntete einen verwunderten Blick seitens des Kellners. »Wenn ich ihm die Erlaubnis geben würde, dann …«

Hawks’ Augen huschten über Tenkos Gesicht, er schien ihm nicht wirklich zu glauben und darauf zu warten, dass er es revidierte. Doch Tenko tat etwas, was er nüchtern definitiv nicht getan hätte: Er hob seine Hand und strich Hawks eine blonde Strähne hinters Ohr, nur um ihn gleich darauf weiter zu sich zu ziehen.

Seine Nasenspitze berührte die des Blonden, während das Rot seiner Augen gefährlich funkelte. »Ich meine es ernst, du gefällst ihm.« Hawks schluckte schwer und warf Touya einen hilfesuchenden Seitenblick zu, doch der beobachtete die Szenerie mit Faszination und schien kein Interesse daran zu haben, ihm zu helfen. Wieso sollte er auch?

Vielmehr drehte seine Fantasie völlig durch und begann, ihm Streiche zu spielen. Er leckte sich über die Lippen und vergrub die Finger im Stoff seiner Hose. Abwartend sah er die beiden Männer an, wartete darauf, was Tenko nun tun würde und malte sich dabei eine Szene aus, die sein Blut in Wallung brachte. Und ehe Touya sich versah, berührten Tenkos Lippen die von Hawks, während seine Hand ihren Weg in dessen Haare fand.

Hawks schien den Kuss nicht zu erwidern. Er hatte seine Augen weit aufgerissen, während Tenko ihn an Ort und Stelle hielt. Ein sanfter Kuss folgte auf den anderen. Währenddessen umspielte er Hawks’ Haare immer und immer wieder. Der Kellner selbst schien wie paralysiert dazusitzen, wusste nicht, wie ihm geschah, während Tenko einfach fortfuhr und vor Touya einen anderen Mann küsste.

Und nein, es störte ihn keineswegs, er hatte sich sowas schon unzählige Male ausgemalt und gewünscht, aber nie geäußert. Stattdessen übernahm nun Tenko die Initiative und tat es von sich aus. Er umfasste mit seiner zweiten Hand das Gesicht des Kellners und sah für einen winzigen Moment zu Touya, ohne den Kuss zu unterbrechen.

Touya glaubte für einen kurzen Augenblick, ein Grinsen auf den Lippen seines Partners erblickt zu haben, ehe Tenko die Augen schloss und seine Hand von Hawks’ Gesicht hinab zu seiner Brust wandern ließ. Etwas zögerlich erwiderte der Kellner  den Kuss – und mit jedem weiteren wurde er mutiger und warf alles über Bord.

Sie hielten erst inne, als Touya sich laut räusperte und sie eindringlich ansah. Das freche Grinsen kehrte auf Hawks’ Lippen zurück, dann löste er sich von Tenko, griff nach seinem Arm und zog ihn auf die Beine. Touyas Blick folgte ihnen, denn Hawks zog Tenko hinter sich und steuerte geradewegs auf ihn zu.

Er schob den Tisch zur Seite und setzte sich auf Touyas Schoß, oder viel mehr auf eins seiner Beine, und zog Tenko zu sich. Als der Schwarzhaarige sich ebenfalls gesetzt hatte, beugte er sich zu ihm und nahm den Kuss von vorhin wieder auf, doch dieses Mal von sich aus. Ihre Lippen schmiegen sich verlangend aneinander, während Hawks seine Hände über Tenkos Oberkörper wandern ließ.

Touyas Atem beschleunigte sich. Es erregte ihn zuzusehen, wie Hawks sich an Tenko ranmachte. Wie seine Zunge über Tenkos Lippen fuhr und dabei wortlos um Einlass bat, den er ihm gewährte. Ihre Zungen berührten sich und begannen einander sanft zu umspielen. Immer wieder folgte ein Kuss und ein leises Stöhnen seitens Tenko, der seine Arme um Hawks’ Hals geschlungen hatte.

Touyas Finger kribbelten und zuckten. Er wollte die Beiden ebenfalls berühren, weshalb er erst eine Hand an Tenkos Hintern legte und ihn umfasste, nur um ihn erneut stöhnen zu lassen, und dann an Hawks’.

Die Männer fuhren unbeirrt fort, auch als Touya seine Hände weiter hinauf schob und unter ihre Kleider schlüpfte. Seine Finger erkundeten die Körper der zwei Männer und strichen über deren Häute. Er konnte die sich bildende Gänsehaut unter seinen Fingerkuppen deutlich spüren.

Ihm war heiß, während seine Erregung immer weiter anstieg und sein erigierter Penis unangenehm gegen die Hose drückte. Wie könnte es auch anders sein? Er war seit langem auf Entzug, und dann küssten und befummelten sich zwei Männer, die er verdammt attraktiv fand, direkt vor ihm. Auf seinem Schoß.

Hawks auf diese Weise zu berühren, hatte er sich unzählige Male vorgestellt und gewünscht. Wie sich seine Lippen wohl anfühlten? Oder wie er schmeckte? Touya wollte es ebenfalls wissen, doch er wollte Tenko und Hawks ungern unterbrechen.

Doch als hätte Hawks seinen verlangenden Blick bemerkt, löste er den Kuss und wischte mit dem Daumen über Tenkos Lippen. Das Gesicht seines Partners war gerötet, er atmete aufgeregt und sah Hawks unentwegt an, bis er die Augen schloss und sich nach vorne beugte. Seinen Kopf vergrub er in dessen Halsbeuge und begann, an Hawks’ Hals zu saugen.

Die goldenen Augen fielen auf Touya, dann grinste Hawks frech, ehe er seine Hand nach ihn ausstreckte und über dessen Wange strich. Er griff in die weißen Haare und zwang Touya sich zu ihm zu beugen, damit er ihm etwas ins Ohr flüstern konnte: »Ich hatte nicht erwartet, dass das hier so enden könnte.«

Sein warmer Atem kitzelte Touya und ließ ihn erschaudern, er wollte mehr. »Wie wäre es, wenn wir drei nach oben in meine Wohnung gehen? Da ist mehr Platz und niemand würde uns unterbrechen«, säuselte Hawks und biss Touya in das gepiercte Ohr hinein.

Genießend schloss er seine Augen, schob seine Hand an Hawks’ Nacken und zog ihn ein Stück von sich, nur damit er seine Lippen endlich berühren konnte. Sie waren so weich und heiß, während er nach süßem Kaffee schmeckte, den er zuvor getrunken haben musste. Anders als Tenko war Touya gierig und weniger sanft. Er drückte seine Finger fester in die Haut des Blonden und biss ihm in die Lippen.

Sein Kuss war verlangend und sehnsüchtig, stürmisch und aggressiv. Touya ließ Hawks keine Möglichkeit, es zu unterbrechen. Stattdessen schob er seine Zunge in Hawks’ Mund und begann, diese spielerisch zu umkreisen. Er genoss es in vollen Zügen und blendete alles andere um sich herum aus. Selbst Tenko war für einen Moment vergessen, zumindest bis er sich von Hawks löste und Touya berührte.

»Touya …«, murrte er, woraufhin Hawks die Gelegenheit nutzte und sich schwer atmend von Touya löste. Er wischte sich über die feuchten Lippen und grinste. Touya war nicht der einzige, der erregt war und gegen sein Verlangen ankämpfte. Aber war es überhaupt nötig? Ihm schien, als würden sie alle das gleiche wollen, wieso also nicht?

»Was denn, Tenko?«, fragte er, doch statt einer Antwort, bekam er einen Kuss von ihm und ein leises Kichern von Hawks. Er ließ den Blonden los, worauf er sich erhob und streckte. Die türkisen Augen huschten zu ihm, musterten seinen Körper und erkannten direkt die Erregung hinter dem Stoff seiner Hose.
»Mein Angebot steht. In meinem Bett ist genug Platz.« Erneut nahm er die Schlüssel zur Hand und klimperte demonstrativ damit. »Bevor der Chef aufkreuzen sollte und uns hier erwischt.«

Touya drückte seinen Partner von sich und zwang ihn anschließend zum Aufstehen. Schwankend lehnte Tenko sich an den Tisch, gab Hawks jedoch keine Antwort. Vielmehr wartete er auf Touyas Entscheidung. Und die stand bereits fest, nachdem die beiden angefangen hatten, ihm einzuheizen.

»Was meinst du, Tenko, gehen wir mit?« Die türkisen Augen funkelten verlangend, denn er wollte es. Er wollte die beiden für sich. Dennoch musste Tenko zustimmen, und egal, was er sagen würde, Touya würde sich fügen. »Immerhin hast du angefangen.«

Eine stumme Bestätigung, eine einfache Erlaubnis. Und als Touya zu Hawks sah, stand der bereits an der Tür, die wahrscheinlich in das obere Stockwerk führte. Die Hand an einen der Schalter gelegt, bereit, die Lichter zu löschen.

Touya schnappte sich seinen Freund und folgte Hawks, dessen Mundwinkel zufrieden zuckte. Wenn Touya ehrlich war, dann beschlich ihn in dem Moment das Gefühl, dass Hawks von Anfang an irgendetwas in diese Richtung geplant hatte. Schließlich hatte er schon vorher deutliches Interesse an Touya gezeigt und nun spielte Tenko ihm direkt in die Karten. Eigentlich beide.

Was für ein listiger und kluger Mann. Und er hatte auch noch Erfolg bei der ganzen Sache, schließlich lief Touya ihm geradewegs in die Falle. Dass Tenko dabei mitmachte, war wie ein Bonus für ihn. Ob Hawks sich wohl öfters an seine Gäste heranmachte? Sich ihnen so offen anbot? Mit seiner offenen Art und dem Aussehen, hatte er vermutlich bei einigen eine Chance.

»Die Treppe hoch und dann das erste Zimmer links«, sagte Hawks und zeigte auf die hölzerne Treppe, die hinauf führte. Er hatte das Licht im Flur eingeschaltet und die Beiden vorbei gelassen. »Ich schalte nur noch das Licht aus und schließe ab, dann komme ich zu euch.«

Touya brummte etwas Unverständliches, dann ging er die knarrende Treppe hinauf und zog Tenko hinter sich. Auf dem oberen Stockwerk befand sich lediglich eine einzige Tür, die nicht einmal verschlossen war. Dahinter brannte ein sanftes Licht, das ihnen den Weg hinein erleuchtete und den Weg wies.

Sie steuerten direkt auf das Zimmer zu, das Hawks erwähnt hatte, und betraten es kurz darauf.
»Sag mal, Tenko, bist du dir sicher, dass du das hier willst? Ich will mir morgen ungern etwas anhören müssen«, flüsterte er zu seinem Partner und äußerte damit auch seine Bedenken. Auch wenn Touya genau das hier wollte, wollte er nur sichergehen.

Er ließ Tenko los und sah sich in dem geräumigen Zimmer um. Das Bett war wirklich groß, vielleicht etwas zu groß für eine einzelne Person. Aber wer wusste schon, was der Blonde privat tat, oder wen er einfach so in seine Wohnung nahm. Immerhin waren er und Tenko auch Fremde, vor allem Tenko.

»Ich weiß doch, dass du dir so etwas insgeheim gewünscht hast. Also erfülle ich es dir, beschwer dich nicht«, antwortete Tenko und umarmte Touya von hinten. Seine Hände wanderten direkt zu dessen Gürtel und öffneten ihn. Er ließ sie unter den Stoff gleiten und küsste Touyas Nacken, den der Weißhaarige so offen zur Schau stellte. »Und wer weiß, vielleicht habe auch ich meine verborgenen Fantasien, die ich dir vorenthalten hatte.«

Touya seufzte wohlig auf, als die dünnen Finger seine Haut berührten und über seinen Penis strichen, während der Atem seines Freundes bewirkte, dass seine Nackenhärchen sich aufstellten. Gänsehaut breitete sich auf seinem Körper aus..
»So, so. Deine verborgenen Fantasien also?«, fragte Touya erregt, seine Stimme bebte. »Das ist gut zu wissen.«

Er löste den Griff des Schwarzhaarigen und drehte sich sogleich um, damit er ihm direkt ins Gesicht schauen konnte. Dann umfasste er Tenkos Kinn mit den Fingern und legte ihm seine Lippen auf. Sie tauschten zärtliche Küsse aus, während Tenko sich weiter an ihn drückte und Touyas Oberteil hinauf schob. Er schien nicht einmal mitbekommen zu haben, dass Hawks die Treppe hinaufgestiegen und in das Zimmer getreten war.

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