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KAPITEL 16

Mittlerweile war es Morgen geworden. Das schwache Tageslicht drang durch die zugeklebten Fenster und ließ den Raum grau und trostlos wirken. Die meisten waren bereits wach, bis auf zwei der Männer, die noch tief schliefen. Dahlia stand neben der Tür und beobachtete schweigend die anderen. Manche spielten Uno mit den Karten, die sie aus dem Müller mitgenommen hatten, während andere Monopoly spielten, als würden sie versuchen, für ein paar Minuten zu vergessen, dass draußen die Welt unterging.

„Aber ohne Schummeln war ausgemacht! Was soll das?!", beschwerte sich Atila gespielt empört und zeigte auf Liliana.

„Ich hab nicht geschummelt", widersprach sie sofort und grinste provokant.

Atila verengte die Augen. „Ich hab doch gewusst, dass du schummelst."

„Du kannst einfach nicht verlieren, gib's doch zu."

Liliana lehnte sich zufrieden zurück, während sie die Gewinnerkarten einsammelte. Einige lachten leise darüber und für einen kurzen Moment fühlte sich alles fast normal an.

Fast.

„Ziehen wir weiter?", fragte Kai plötzlich, der neben Dahlia auftauchte und sie aus ihren Gedanken riss.

Dahlia schüttelte leicht den Kopf. „Wir bleiben erstmal hier."

Ihre Stimme blieb ruhig. So schnell wollte sie diesen Ort nicht verlassen. Sie hatten Essen, Wasser und Schutz. Mehr konnte man momentan kaum verlangen.

„Wer geht Essen holen?", fragte Ares und blickte kurz in die Runde.

Kai wandte seinen Blick von Dahlia ab und sah zu Ares. „Ich kann mitkommen."

„Wir können uns dabei näher kennenlernen", fügte er locker hinzu.

Atila fing sofort an zu lachen. „Violet, pass auf. Sonst klaut er dir noch deinen Ares."

Mehrere lachten direkt mit. Selbst Dorothy grinste leicht. Nur Hades blieb still. Sein Blick lag für einen kurzen Moment auf Dahlia, bevor er wieder wegsah.

Es war lange her, dass überhaupt jemand richtig gelacht hatte. Zwischen Angst, Kämpfen und Überleben hatten sie fast vergessen, wie sich Normalität anfühlte.

„Du bleibst erstmal hier, Dahlia", sagte Atila schließlich.

„Hades auch", fügte Ares direkt hinzu.

Hades zog leicht eine Braue hoch. „Warum sollte ich?"

Allein seine tiefe Stimme ließ Dahlia einen kurzen Schauer über den Rücken laufen.

„Weil du mal Pause brauchst", antwortete Ares trocken und blickte dann zu Dahlia. „Und du ebenfalls."

„Ich brauche keine Pause", widersprach Dahlia sofort.

Ares ignorierte das komplett. „Wir holen Sachen. Ich teile alle ein."

Dann zeigte er auf Hades und Dahlia.

„Ihr beide bleibt hier und passt auf unsere Sachen auf."

Der Tonfall ließ keine Diskussion zu. Nicht einmal Dahlia widersprach diesmal weiter.

Nach und nach machten sich alle auf den Weg. Die Geräusche von Schritten und Stimmen verschwanden langsam, bis schließlich nur noch Stille übrig blieb.

Dahlia und Hades waren alleine.

Nach ungefähr vierzig Minuten wurde Dahlia die Langeweile zu viel.

„Ich suche uns ein anderes Zimmer", sagte sie schließlich und stand auf. „Das hier ist zu klein."

Die Büroräume fühlten sich nicht sicher genug an. Zu eng. Zu offen.

„Ich komm mit", antwortete Hades ruhig.

Natürlich.

Dahlia widersprach nicht und ging einfach los.

Während sie durch die verlassenen Gänge lief, war sie vollkommen in Gedanken versunken. Sie öffnete jede Tür, musterte jeden Raum genau und überlegte automatisch, wie man dort überleben könnte. Wo man die Fenster absichern konnte. Welche Räume Fluchtwege hatten.

Hades hingegen beobachtete hauptsächlich sie.

Jede Bewegung.
Jeden Blick.
Die Art, wie sie konzentriert die Lippen zusammenpresste, sobald sie nachdachte.

Und genau das machte ihn langsam wahnsinnig.

Er wusste, dass irgendwann der Moment kommen würde, an dem er seinen Plan durchziehen musste. Dahlia zu brechen war längst mehr als nur ein Gedanke geworden.

Denn sie hatte keine Angst vor ihm.

Und Hades hasste genau das.

Alle Menschen fürchteten ihn normalerweise. Besonders Frauen. Er war es gewohnt, dass man zurückwich, sobald er den Raum betrat. Doch Dahlia sah ihn jedes Mal an, als wäre er einfach nur ein weiterer Mensch.

Es machte ihn aggressiv.

Gleichzeitig bemerkte er längst, dass sie trotzdem auf ihn reagierte. Ihr Atem stockte manchmal kurz, wenn er plötzlich hinter ihr auftauchte. Ihre Augen verrieten sie für Sekunden.

Und genau deswegen wollte er weitermachen.

„Was hältst du davon?", fragte Hades schließlich monoton und deutete auf einen riesigen Saal mit mehreren Betten.

Dahlia blieb stehen.

Dann blickte sie langsam in den Raum.

„Oh wow. Wie praktisch."

Der Sarkasmus tropfte förmlich aus ihrer Stimme.

„Ich suche hier gefühlt stundenlang und du öffnest einfach irgendeine Tür und findest direkt den perfekten Raum für unser apokalyptisches Überleben."

Sie verschränkte die Arme.

„Welches Hotel hat bitte so einen Saal? Als wäre das hier ein schlecht geschriebenes Buch."

Dann verdrehte sie die Augen.

„Am Ende landet das alles noch auf Wattpad."

Hades zog beide Augenbrauen leicht hoch.

„So viel geredet und trotzdem nichts gesagt."

Sofort blickte Dahlia ihn genervt an.

„Was hast du gesagt?"

Sie machte einen Schritt auf ihn zu.

„Ich gebe mir hier Mühe, damit es allen gut geht und du..."

Sie zeigte mit dem Finger auf ihn.

„...du tust nichts außer rauchen und starren."

Ihre Stimme war voller Genervtheit.

„Beruhig dich", kam nur ruhig von ihm zurück.

„Manche haben Talent dafür. Du anscheinend nicht."

Hades hatte längst bemerkt, dass genau solche Sätze sie trafen. Und weil es funktionierte, machte er weiter.

„Du kleiner—"

Dahlia stieß ihm mit dem Finger gegen die Brust.

„Ich bin größer", unterbrach Hades sie trocken.

Dahlia atmete tief ein und wieder aus, offensichtlich bemüht, ruhig zu bleiben.

„Wir sollten die anderen holen", sagte sie schließlich und drehte sich weg.

Doch plötzlich packte Hades ihr Handgelenk.

Bevor sie reagieren konnte, zog er sie zurück und drückte sie gegen die Wand.

Dahlia keuchte überrascht auf.

„Ich schlag dich gleich", sagte sie sofort gereizt und versuchte sich loszureißen. „Lass mich los."

Doch Hades wich keinen Zentimeter zurück.

Seine Hand lag fest um ihr Handgelenk, während die andere neben ihrem Kopf an der Wand ruhte. Dahlia spürte sofort seine Wärme, obwohl er sie kaum berührte.

Und das machte sie nervös.

„Was, wenn nicht?"

Seine Stimme war tief und ruhig, während er sich langsam weiter zu ihr herunterbeugte.

Dahlia spürte seinen Atem auf ihrer Haut.

Viel zu nah.

„Hades."

Diesmal sagte sie nur seinen Namen.

Warnend.

Ihre Augen hielten seinen Blick fest, obwohl ihr Herz längst viel zu schnell schlug. Diese eisblauen Augen wirkten so ruhig, dass sie sie gleichzeitig aggressiv machten und komplett aus dem Konzept brachten.

Sie hasste das.

„Was genau soll das eigentlich immer werden?", fragte sie schließlich scharf. „Jedes Mal, wenn wir alleine sind, kommst du mir plötzlich viel zu nahe."

Ihre Stimme war voller Genervtheit.

Nicht unsicher.
Nicht weich.

Wütend.

Dahlia drückte beide Hände gegen seine Brust und versuchte erneut Abstand zwischen sie zu bringen, doch Hades bewegte sich kaum. Stattdessen sah er nur weiter auf sie hinunter.

Zu ruhig.

Zu intensiv.

„Deine Spielchen funktionieren bei mir nicht", sagte sie gereizt weiter. „Du kannst andere vielleicht einschüchtern, aber mich ganz bestimmt nicht."

Hades bemerkte jede einzelne Reaktion von ihr.

Die Spannung in ihren Schultern.
Die Art, wie sie trotzig das Kinn hob.
Wie ihre Augen ihn herausfordernd ansahen, obwohl ihr Puls sichtbar schneller geworden war.

Denn plötzlich wollte er wissen, wie weit er gehen konnte.

„Du redest zu viel", murmelte er leise.

„Und du bist unerträglich."

Für einen Moment starrten sie sich einfach nur an. Dahlia wich keinen Zentimeter zurück. Obwohl ihr Herz raste, blieb ihr Blick hart. Sie würde ihm niemals zeigen, dass er sie aus dem Gleichgewicht brachte.

Und genau aus dem Grund  konnte Hades nicht aufhören, sie anzusehen.

Er wollte diese Stärke aus ihren Augen reißen.
Wollte sehen, wie sie endlich einknickte.
Doch gleichzeitig faszinierte ihn genau dieser Widerstand viel zu sehr.

Dahlia öffnete gerade wieder den Mund.

„Ich höre erst auf zu reden, wenn ich wi—"

Der Rest ihres Satzes verschwand zwischen seinen Lippen.


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Ein Feedback wäre super 🙌 wenn ich sehe das es euch gefällt, würde ich auch öfters Kapitel hochladen

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