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KAPITEL 11
Die Nacht war längst angebrochen und mittlerweile befanden sich über zwanzig Menschen in der kleinen Umkleide. Trotz der vielen Personen fühlte sich der Raum seltsam leer an. Vielleicht lag es daran, dass jeder wusste, wie schnell alles vorbei sein konnte.
Manche lachten leise miteinander, andere aßen schweigend die letzten Reste ihrer Vorräte. Das dumpfe Licht der Taschenlampen ließ Schatten über die Wände wandern und draußen hörte man immer wieder den Regen gegen die Fenster der Turnhalle prasseln.
Hades saß Dahlia direkt gegenüber.
Neben ihm Kai und Atila.
Und obwohl so viele Menschen im Raum waren, hatte Dahlia ständig das Gefühl, dass Hades sie beobachtete.
Deshalb hielt sie den Blick gesenkt und starrte gedankenverloren auf den Boden. Ihre Finger spielten nervös mit dem Stoff ihres Ärmels, während ihre Gedanken vollkommen durcheinander waren.
Warum interessierte sie das alles überhaupt so sehr Warum beschäftigte Hades sie ständig? Sie hasste ihn doch.Oder?
„Ist alles in Ordnung?"
Ares' Stimme riss sie plötzlich aus ihren Gedanken. Dahlia reagierte zuerst gar nicht, weil sie ihn nicht einmal richtig gehört hatte.
„Dahlia?"
Diesmal war es Liliana. Vorsichtig legte sie ihre Hand auf Dahlias Bein. Dahlia schreckte leicht auf und blinzelte.
„Oh... ja. Alles gut."
Sie versuchte zu lächeln, doch selbst sie merkte, wie unecht es wirkte. Kurz darauf ertönte wieder dieses schrille Geräusch draußen.
Dieses widerliche Kreischen, das jeden Abend erklang, bevor die Kreaturen auftauchten. Niemand reagierte mehr wirklich darauf. Mittlerweile waren sie alle daran gewöhnt. Doch plötzlich krachte ein lauter Donner über die Schule. Dahlia zuckte sofort zusammen und hob erschrocken den Kopf.
Violet bemerkte es direkt.
„Dahlia... schaffst du das?", fragte sie leise.
Dahlia nickte sofort.
„Es ist nur Donner", sagte sie ruhig und zwang sich zu einem kleinen Lächeln. „Hat mich nur überrascht."
Violet nickte langsam.
Doch als Dahlia ihren Blick wieder durch den Raum gleiten ließ, blieb dieser sofort an Hades hängen. Er starrte sie direkt an. Nicht einmal versteckt.
Diese eisblauen Augen wirkten im dunklen Raum fast unnatürlich hell.
Und wieder hatte Dahlia dieses Gefühl, dass er durch sie hindurchsehen konnte. Hades bemerkte sofort, dass sie ihn ansah.
Langsam zog er eine Augenbraue hoch. Und Dahlia tat automatisch dasselbe.
„Was?", fragte sie genervt.
Doch Hades antwortete nicht. Er hielt den Blickkontakt einfach weiterhin aufrecht, während er gleichzeitig ruhig mit Kai und Atila sprach.
„Ich will, dass sie so schnell wie möglich weg ist aus dem Team."
Seine Stimme klang kalt. Und trotzdem wich sein Blick keine einzige Sekunde von Dahlia ab. Kai und Atila nickten einfach.
Doch tief in seinem Inneren verstand Hades selbst nicht mehr, warum er das überhaupt wollte.
Denn jedes Mal, wenn Dahlia ihn ansah, passierte etwas in ihm, das er nicht kontrollieren konnte.
Und genau das machte ihn aggressiv und wütend.
⸻
Mittlerweile war es mitten in der Nacht geworden. Fast alle schliefen bereits. Nur draußen hörte man den Regen gegen die Fenster schlagen. Dann krachte erneut ein Donner durch die Schule. Dahlia wachte sofort auf.
Für einen kurzen Moment wusste sie nicht einmal, wo sie war. Erst langsam erinnerte sie sich wieder.
Sie setzte sich vorsichtig auf und wollte gerade aufstehen, als sie Dorothys verschlafene Stimme hörte.
„Wohin gehst du...?"
„Kurz aufs Klo", murmelte Dahlia leise.
Es war so dunkel, dass sie kaum Gesichter erkennen konnte. Vorsichtig stieg sie über die anderen hinweg, nahm ihre Katana mit und schloss leise die Tür der Umkleide hinter sich.
Der lange Schulflur lag komplett im Dunkeln. Nur manchmal blitzte draußen ein Gewitter auf und erhellte den Korridor für wenige Sekunden.
Dahlia lief Richtung Badezimmer, als sie plötzlich mitten im Flur eine dunkle Gestalt bemerkte.
Sofort blieb sie stehen. Instinktiv zog sie ihre Katana.
„Wer bist du?"
Ihre Stimme klang ruhig.
Kalt. Bereit anzugreifen.
Die Gestalt trat langsam ein paar Schritte näher. Ein Blitz erhellte kurz den Flur.
Hades.
Dahlia atmete unbewusst leicht aus. Erleichtert.
„Hades", sagte sie genervt.
Er nahm ruhig eine Zigarette aus seiner Tasche und zündete sie an. Das kleine Feuerzeug beleuchtete für einen Moment sein Gesicht.
„Ich fress dich nicht", sagte er gelassen. „Keine Sorge."
Dahlia zog sofort eine Augenbraue hoch.
„Hab ich auch nicht gedacht."
Sie wollte einfach an ihm vorbeigehen. Doch plötzlich packte Hades sie am Arm.
Fest.
Mit einer schnellen Bewegung drückte er sie gegen die Wand. Dahlia stieß überrascht die Luft aus. Jetzt stand er direkt vor ihr.
Viel zu nah.
Ein weiterer Blitz erhellte den Flur und ließ seine blauen Augen beinahe unnatürlich wirken.
Dahlia blickte ihn überrascht an, fing sich aber sofort wieder. Sie würde ihm niemals zeigen, dass er sie nervös machte.
Hades' Hand lag weiterhin fest um ihren Arm. Nicht grob genug, um ihr weh zu tun.
Aber bestimmt genug, damit sie verstand, dass er sie gerade nicht gehen lassen würde. Sein Körper war so nah an ihrem, dass Dahlia seinen Atem spüren konnte.
Warm.
Ruhig.
das brachte ihr Herz völlig durcheinander.
„Was wird das?", fragte sie schließlich.
Ihre Stimme blieb erstaunlich neutral. Nicht laut. Nicht panisch. Einfach ruhig.
Hades blickte kurz auf ihre Lippen. Dann wieder direkt in ihre Augen. Und Dahlia bemerkte es natürlich sofort.
„Was denkst du denn?"
Seine tiefe, raue Stimme ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen. Hades hasste sich selbst gerade dafür.
Er wollte testen, ob Dahlia dieselbe Wirkung auf ihn hatte wie er auf sie.
Denn jedes Mal, wenn sie ihn ansah, verlor er langsam die Kontrolle über seine Gedanken.
das hasste er.
Er kam noch näher.
Eine seiner Hände lag neben ihrem Kopf an der Wand, während er sich leicht zu ihr herunterbeugte. Er war so viel größer als sie.
Und trotzdem wich Dahlia nicht zurück.
Sie hob einfach nur leicht das Kinn und sah weiterhin direkt zu ihm hoch.
„Ich hasse dich", sagte Hades plötzlich ehrlich.
Dahlia zog leicht eine Augenbraue hoch.
„Warte kurz... vielleicht interessiert es mich."
Selbst jetzt hörte sie nicht auf, ihn zu provozieren. Und das machte Hades wahnsinnig.
Jede andere Frau hätte längst Angst gezeigt.
Doch Dahlia?
Sie blickte ihn an, als würde sie ihn gleichzeitig verabscheuen und herausfordern. Hades kam noch näher. Jetzt trennten ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter.
Dahlia schluckte schwer.
Und Hades bemerkte es sofort.
Langsam ließ er seine Finger von ihrem Oberarm hinuntergleiten.
Ganz langsam. Von ihrer Schulter über ihren Arm bis zu ihre Handgelenk.
Seine Berührungen waren ruhig. Kontrolliert. Und genau das machte es schlimmer.
Dahlia zwang sich weiterhin, ihn anzusehen, obwohl ihr Herz mittlerweile viel zu schnell schlug.
Sie hatte das Gefühl, Hades könnte es hören. Seine Hand glitt langsam weiter.
Über ihren Rücken.
Bis zu ihrer Hüfte.
Dort blieb sie liegen.
Sein Daumen strich langsam über den Stoff ihres Shirts, während er kleine Kreise auf ihrer Hüfte zog.
Dahlia wurde sofort rot.
Selbst im Dunkeln konnte man es erkennen. Und Hades bemerkte es natürlich sofort. Trotzdem wich sie keinen Zentimeter zurück.
„Was wird das?", fragte sie erneut.
Diesmal klang ihre Stimme leiser. Hades blickte ihr direkt in die Augen.
„Sag du es mir." Dann kam er noch näher.
So nah, dass sich ihre Lippen beinahe berührten. Dahlia spürte seinen Atem auf ihrer Haut.
Warm.
Ruhig.
Gefährlich.
„Hades", sagte sie diesmal warnend.
„Zu nah. Halt Abstand."
Doch obwohl ihre Stimme ruhig blieb, verriet ihr Körper sie längst. Ihr Atem ging langsamer. Ihr Herz raste. Und Hades spürte jede einzelne Reaktion.
Langsam schob er ihre Shirtkante ein kleines Stück höher und ließ seine Hand fester an ihrer Hüfte liegen.
Dahlia presste leicht die Lippen zusammen.
„Ich hab meine Katana dabei", sagte sie erneut. „Geh zurück."
Hades blickte ihr direkt in die Augen.
„Wenn du das wirklich nicht wollen würdest... hättest du mich längst weggestoßen."
Seine Stimme blieb kalt. Das machte Dahlia nur noch nervöser.
„Hades."
Diesmal klang ihre Stimme strenger.
„Geh zurück."
Für einige Sekunden sah er sie einfach nur an. Dann trat er tatsächlich langsam zurück. Und plötzlich fühlte sich die Nähe, die eben noch da gewesen war, seltsam leer an.
„Wollte nur schauen", sagte er ruhig.
Dahlia runzelte sofort die Stirn.
„Was genau wolltest du schauen?"
Jetzt wurde ihre Stimme deutlich kälter. Hades zog erneut an seiner Zigarette.
„Ob du würdest."
Dahlia starrte ihn fassungslos an.
„Ob ich was würde?!"
Jetzt wurde sie wirklich wütend.Hatte er sie gerade ernsthaft einfach nur getestet?
„Du Arschloch." Sofort schubste sie ihn von sich weg.
„Genau deswegen verabscheue ich dich!" Ihre Stimme zitterte vor Wut. Und vielleicht auch vor Enttäuschung.
„Ich dachte wirklich, du hättest sowas wie Ehre."
Hades schwieg. Doch ihr Blick traf ihn trotzdem mehr, als er zugeben würde.
„Kein Mann, der etwas von sich hält, würde sowas machen", sagte Dahlia jetzt kalt. „Widerliches Verhalten."
Hades blickte sie weiterhin ruhig an. Dann fragte er plötzlich:
„Hast du etwas gespürt?"
Dahlia antwortete nicht sofort.
Weil sie wusste, dass die Antwort ja war.
Hades zog langsam an seiner Zigarette.
Dann blickte er ihr wieder direkt in die Augen.
„Denn ich hab's gespürt."
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