Gedanken

Ich stand im Regen an einer Bushaltestelle.
Mitten in der Nacht.
Es war kein Bus zu sehen.
Ich war Gefühllos und leer.
Diese Einstellung war vorprogrammiert.
Ich durfte keinen Gedanken an meinen Vater verschwenden.
Das Risiko auf den Tod war zu groß.
Ich musste meine Gedanken und Gefühle aus sperren.
Kein Gedanke, kein Gefühl durfte in meinen Körper gelangen.
Und ich musste ihn dennoch zurückholen.
Auch wenn ich keine Chance hatte.
Ich musste es versuchen.
Ein tiefschwarzer Bus fuhr vor.
Er bremste scharf und ich wurde von einer Wasserflut überschüttet.
Das Wasser war kalt.
So kalt das es schmerzte.
Gleichgültig stieg ich in den Bus.
Er war Menschen leer.
Dieser Bus passte zu meiner Einstellung.
Ich bezahlte ein Ticket und setzte mich.
Durchtrieft vor eiskalter Nässe ließ ich mich auf einen ebenso kalten Sitz gleiten.
Der Bus fuhr los.
Ich schaute aus dem Fenster.
Draußen war alles schwarz.
Kein Auto fuhr an uns vorbei.
Keine Laterne beleuchtete die Straße.
Bei der Endstation stieg ich aus.
Beim aufsteigen fiel mein Blick auf den Busfahrer.
Er war ein Junge der ungefähr 18 sein musste.
Ich nickte ihm zu und stieg aus.
Ich lief runter zum Fluss.
Unter der Brücke lagen meine Mutter, mein Bruder und meine Schwester.
Ich legte mich dazu.
Ich nahm ein kleines Stück Stoff und deckte mich damit zu.
Für einen kleinen Moment durchdrang ein Gefühl meinen harten Panzer.
Dankbarkeit.
Dankbarkeit dafür das meine Mutter Tag für Tag sich durchschuftete damit ich und meine Geschwister zur Schule gehen konnten.
Mit aller Kraft sperrte ich das Gefühl wieder aus und verstärkte meinen Panzer.
Kein Gefühl durfte ihn durchdringen.
Und ein Gedanke schon gar nicht.

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