2.

"Ich bevorzuge Kakao."

Bei meinen Worten verzogen sich seine Lippen zu einem Lächeln, einem ehrlichen - und erleichterten - Lächeln. Er hatte nun keinerlei Ähnlichkeiten mehr mit dem frechen Jungen von vorhin.

"Okay", sagte er leise, "Wo?"

Ich musste nicht lange überlegen, denn ich kannte den perfekten Ort. Seine grünen Augen funkelten fröhlich auf, als ich seine Hand ergriff und ihn hinter mir her zog.

Wir schlängelten uns durch die dichte Menschmasse in Richtung des Wittenbergplatzes, besser gesagt, ich schlängelte mich durch, während der Junge hinter mir mehrere Leute anrempelte und jedem eine Entschuldigung zu rief, da ich ihn ja eilig weiter zog. Wir bogen in eine kleinere Seitenstraße ein, wo ich nach ein paar Metern stehen blieb.

"Wir sind da", teilte ich ihm unnötigerweise mit.

"Tatsächlich? Ich dachte, wir würden einfach nur so vor einem Café stehen bleiben."

Über seinen Sarkasmus die Augen verdrehend schob ich ihn durch die geöffnete Tür in das kleine Café. Drinnen war es neumodisch eingerichtet, mit zwei silber glänzenden Theken und Stühlen, die unbequemer aussahen, als sie eigentlich waren.

"Drinnen oder...", begann ich, wurde jedoch sofort von einem "Ja" unterbrochen. Er wurde mir immer sympathischer.

Es gab nur eine kleine Schlange, sodass wir eigentlich genug Zeit hatten uns zu überlegen, was wir nehmen wollten, aber nicht zu lange warten mussten. Eigentlich.

"Nimmst du noch was anderes als Kaffee?", fragte ich den Jungen neben mir interessiert. Mein Blick schweifte über die kleine Auswahl an Kuchen und Eissorten. Am meisten fesselte mich ein Stück Kuchen mit einer weißen Schicht - wahrscheinlich Sahne - und einer Schokoladenglasur oben drauf. Andererseits war mir in Gegenwart dieses Jungen so warm, dass ein Eis sicherlich nicht schlecht wäre.

"Ich schwanke zwischen Kuchen und Eis", meinte er gespielt verzweifelt. Inzwischen waren wir an der Reihe und die brünette-silberhaarige Frau hinter der Theke hatte ihn gehört.

"Für Anfang Frühling ist es zwar ziemlich warm, aber Eiswetter würde ich es nicht nennen", gab sie ihm einen Rat.

"Möglicherweise", räumte er ein, "haben Sie recht. Aber wir wollen ja nicht raus gehen und außerdem..."

Er beugte sich vor, um ihr hinter vorgehaltener Hand etwas zuzuflüstern, trotzdem extra laut genug, damit ich ihn hören konnte: "Außerdem habe ich einen echt heißen Jungen neben mir."

Laut lachte ich auf, als ich seine Worte hörte. Er zwinkerte mir spielerisch zu und wandte sich sich wieder der Frau hinter der Theke zu, die sich anstrengen musste, nicht loszulachen. Sie jedoch richtete ihre nächsten Worte an mich.

"Wenn dein Freund noch überlegen muss, kannst du vielleicht schon sagen, was du haben möchtest."

Bei dem Wort 'Freund' stieg mir eine leichte Röte in die Wange, obwohl ich gar nicht wusste, wie das eigentlich gemeint war. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, dass es dem Grünäugigen nicht anders ging.

"Jein. Mir geht es nämlich ähnlich. Einerseits sieht dieser Schokokuchen unglaublich lecker aus. Andererseits spricht mich der Erdbeer-Eisbecher auch an."

Ein leichtes Kribbeln breitete sich in meinen Schultern aus, denn ein Arm - der nebenbei bemerkt zu einem attraktiven braunhaarigen Jungen gehörte - hatte sich um sie gelegt.

Dann bestellte er. "Ein Kakao, ein Kaffee, das große Stück von dem Kuchen und der Erdbeer-Eisbecher, bitte."

"Was...?", begann ich verwirrt, doch ein Flüstern am Ohr hielt mich davon ab, weiter zu sprechen.

"Ein Tropical-Fruchtbecher wäre mir zwar lieber gewesen, aber Erdbeer tut's auch. Du hast doch nichts gegen teilen, oder?"

"Natürlich nicht", murmelte ich abwesend. Sein Atem an meinem Ohr verursachte eine Gänsehaut, die auch nach einigen Sekunden nicht verschwunden war.

Dankend nahmen wir unsere Bestellungen entgegen und suchten uns einen Platz in einer hinteren Ecke des Raumes.

Schweigend tranken wir erstmal einen Schluck von unseren Getränken, bis ich schließlich mit meiner Gabel ein Stück von dem Kuchen in meinen Mund schob.

"Ich glaube", überlegte ich ernsthaft, "für diesen Kuchen würde ich sogar backen lernen."

Grüne Augen blickten mich verwundert an. "So gut kann der doch nicht sein."

Wortlos reichte ich ihm meine Gabel und auch er probierte ein Stück.

"Mhm", machte er und schloss genussvoll die Augen. "Ich bin dabei." 

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