Jump
Ich lief langsam durch die Straßen von Seoul. Eine Sache unterschied mich von allen anderen. Ich lief entspannt und genoss die kühle Abendluft, während alle um mich herum hetzten, um pünktlich zu ihrem nächsten Ziel zukommen. Es war zwar schon Abend trotzdem waren noch viele Menschen unterwegs. Ich hatte auch ein Ziel, aber ich musste nicht hetzen, da dort niemand auf mich warten würde. Mein Ziel war die Mapo Bridge.
Der Weg war nicht allzu lang. Aber trotzdem reichte er mir um über mein gesamtes Leben nachzudenken. Es machte für mich einfach keinen Sinn mehr. Lieber beende ich mein Leben, als den Qualen ausgesetzt zu sein. Tag für Tag immer das selbe. Ich lag in seinem Bett und weinte leise vor mich hin.
Ich halte diese Schmerzen nicht mehr aus. Warum musste er schon so früh diese Welt verlassen? Er war doch noch ein Kind. Er hätte noch so viel vor sich gehabt. Ich hätte ihm, so gut es ging mit unseren Umständen, ein schönes Leben beschert. Jungkook... Ich vermisse dich. Du warst der letzte denn ich noch von unserer Familie hatte und jetzt... jetzt bist du auch nicht mehr bei mir. Warum musste dich dieses Auto erfassen ?
Ein lautes hupen holte mich aus meinen Gedanken. Verwirrt blickte ich auf und bemerkte, dass ich schon am Anfang der Brücke stand. Die Angst packte mich und ich spürte wie meine Beine die Kraft verließen. Trotz meiner Angst setzte ich ein Fuß vor den anderen.
Nach kurzer Zeit stand ich auch schon in der Mitte der Brücke. Ich atmete noch einmal tief ein und aus bevor ich meine Hände an das Geländer legte. Ich senkte meinen Kopf und blickte auf das Wasser unter mir. Ich kehrte noch einmal in mich bevor ich über das Geländer kletterte. Jungkook ich komme zu dir.
Mein Griff am Geländer wurde fester und meine Beine immer schwächer. Mit all meiner Kraft legte ich mein Bein über das Geländer, versuchte die Stimmen in meinen Kopf zu ignorieren die mich davon abbringen wollten. Mein Griff wurde noch fester. Meine Fingerknochen fingen schon an zu schmerzen. Aber gleich würde ich nichts mehr spüren, gleich wäre ich von allen meinen Schmerzen erlöst. Ich lehnte mein Oberkörper etwas nach vorne und legte mein zweites Bein über das Geländer. Vorsichtig und bedacht kein falschen Schritt zu machen, suchte ich mit meinen Füßen den Untergrund der Brücke. Und schon spürte ich etwas festes unter meinen Füßen. Erleichtert atmete ich auf. Jetzt musste ich mich nur noch umdrehen. Langsam und mit all meiner Konzentration drehte mich um.
Wiedermalst senkte sich mein Kopf und ich blickte in die Tiefe. Ich schloss meine Augen, blendete alles um mich herum aus und genoss den Wind der auf der Brücke wehte. Ich fühlte mich frei, von all meinen Schmerzen befreit. Doch irgendetwas in mir sagte ich sollte es nicht machen. Es war mein Herz. Ich kannte auch den Grund dazu. Ich wusste ganz genau das Jungkook das niemals gewollt hätte. Aber ich halte es einfach nicht ohne meinen kleinen Bruder aus. Er war die Farbe in meinem Leben und als er gegangen ist, ist auch die Farbe in meinem Leben verschwunden. Nichts mehr hatte Spaß gemacht, ich hatte mich immer mehr zurück gezogen. Bis ich irgendwann überhaupt nicht mehr das Haus verließ. Habe meine Freunde vernachlässigt. Sie haben irgendwann aufgegeben mich aufzumuntern und mich einfach aufgegeben. Ich habe kaum noch etwas gegessen. Ich lag einfach immer nur fast schweigen in seinem Bett und wünschte mir nicht anderes als ihn wieder an meiner Seite. Aber dies würde nie wieder passieren, wir zusammen in einem Bett. So wollte ich nicht mehr leben, nicht ohne ihn. Er war meine Lust auf das Leben, aber mit ihm ist auch diese Lust verschwunden. "Jungkook es tut mir leid, dass ich etwas gegen deinen Wille tue. Aber ich kann nicht anders. Du warst mein Leben, mein ein und alles. Ich liebe dich so sehr. Verzeih mir."
Mit diesen letzten Worte löste ich meine Hände vom Geländer und lehnte mich nach vorne.
Doch ich fiel nicht. Da sich auf einmal Arme um mein Bauch legten. Ich spürte eine angenehme Wärme auf meiner Haut. Auch wenn ich nicht wusste wem diese Arme gehörten, fühlte ich mich geboren und sicher in ihnen. Auf einmal hauchte eine kratzige trotzdem angenehme Stimme in mein Ohr. "Kleiner spring nicht." Bei seinen Worten wurde sein Griff stärker.
Ich hatte keine Kraft mehr um zu antworten und weinte stattdessen leise vor mich her. " Komm wieder zu mir auf die sichere Seite." "I.. ich kann nicht... ich habe keine Karft mehr." Hauchte ich leise. " Kleiner dreh dich um und ich hol dich hier rüber." Zaghaft nickte ich und tat das was der Fremde mir befahl.
Ich blickte nicht nach oben sondern legte meine Arme um ihn herum. Der Fremde zog mich langsam über das Geländer. Als ich auf der sicheren Seite der Brücke war sackte ich sofort zusammen und weinte noch lauter als vorher.
Mein Retter kniete sich vor mich hin und hauchte: "Komm kleiner ich nehme dich mit zu mir nach Hause." Mit diesen Worten hob er mich hoch und trug mich irgendwo hin.
Ich hatte meine Augen geschlossen da mir schlecht war. Ich hörte nur Geräusche die sich so anhörte wie eine Autotür. Und kurz darauf wurde ich auch schon auf etwas weiches gelegt, die Rückbank. Ich vernahm noch einige Geräusche bis ich auf einmal in einen traumlosen Schlaf fiel.
Ich öffnete langsam meine Augen, es war ziemlich hell im Raum, da direkt vor dem Fenster eine Laterne stand. Auf einmal merkte ich das es nicht Jungkook sein Zimmer und somit auch nicht sein Bett war, in dem ich lag.
Ich blickte neben mich, als ich von dort ein leises Schnarchen vernahm. Ich kannte diese Person nicht. Sie musste mein Retter gewesen sein. Ich konnte sein Gesicht ziemlich gut erkennen, da er zu mir gedreht war. Er hatte ein hübsches Gesicht, seine Mint grünen schon leicht ausgewaschenen Haare standen ihm perfekt. Er sabberte ein wenig, was mich leise zum auflachen brachte. Der Fremde war schon süß.
Ich warf nun einen Blick auf die andere Seite und erblickte dort ein Wecker. Wir hatten 4:23 Uhr. Aber nicht nur ein Wecker stand auf dem kleinen Nachttisch, nein. Es lag auch ein kleines aufgeschlagenes Buch drauf, dass meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ich setzte mich ein wenig auf und ergriff das Buch.
Auf den ersten Blick fiel mir ein Stift auf, er war ein der linken Seite befestigt. Ich löste ihn vorsichtig von der Seite, bedacht darauf nicht die Seite einzureisen, da der Stift die Schrift unter ihm bedeckte. Ich schloss den Stift in meine rechte Hand und begann an zu Lesen.
26.10.2018
Las ich leise das Datum vor. An dem Tag bekam ich die Nachricht, das Jungkook einen Unfall hatte.
Liebes Tagebuch,
heute habe ich einen schlimmer Fehler begangen. Fahrerflucht um genauer zu sein. Aber das war nicht das schlimmste an der ganzen Sache... Nein, Ich hatte jemanden angefahren. Es war ein Junge, ich schätze er war gerade erst mal 15. Ich kann mich genau noch daran erinnern was er trug und wie er aussah. Er hatte helle braune Haare, die fast seine Augen bedeckten. Er trug einen schwarzen Mundschutz. Eine dunkle blaue knielange Regenjacke, eine Jeans mit Löchern und braune Boots. Nicht zu vergessen seine weinrote Mütze. Ich hatte einfach Panik und fuhr einfach weiter. Mein Herz, es raste und gerade eben kam in den Nachrichten das ein Junge bei einem Autounfall starb. Ich hatte jemanden umgebracht. Das könnte ich mir niemals verzeihen. Seine Familie tut mir so unendlich leid. Warum musste ich nur so unachtsam sein ? Er hatte es nicht verdient. Er war so unschuldig. Er hätte noch sein ganzes Leben vor sich gehabt. Ich...
Dein Yoongi
Mein Blick lag wieder auf meinem Retter, aber auch von dem Mörder von Jungkook. Meine Tränen flossen über meine kalten Wangen. Ich wusste genau das es sich in seinem Tagebuch um Jungkook handelte. Den das was er an diesem Tag trug war mein Lieblings Outfit an ihm. Ich hatte ein Bild als Hintergrund am meinem Handy als er dies trug.
Ich blickte wieder auf das Tagebuch in meinen Händen und wendete mein Blick auf die leere Seite. Ich öffnete den Stift in meiner rechten Hand und fing an zu schreiben.
Liebes Tagebuch von Yoongi,
ich bin Jimin. Ein Junge der kein Sinn mehr in Leben seinem Leben sieht , da sein Bruder bei einem Autounfall gestorben ist. Er war der einzigste den ich noch von meiner Familie hatte. Aber nun hatte ich ihn ebenfalls verloren. So will ich nicht mehr leben. Ich war auch davor mein Leben zu nehmen, aber dein Besitzer hatte sich entschieden mich im letzten Moment zu retten und mich hier her zu bringen. Ich fühlte mich in seinen Armen wohl, als sie um mir lagen um mich vor dem Tod zu beschützen. Das ist das erste mal seit langem das ich so fühlte. Ich hatte bis eben ein Funken Hoffnung das ich vielleicht eine Person gefunden hätte, die mir neue Lust auf das Leben schenken würde. Aber als ich gerade diese Worte gelesen hatte, habe ich meine Hoffnung aufgegeben. Ich könnte nicht mit einer Person Zeit verbringen, die mir das Wertvollste in meinem Leben genommen hatte, meinen Bruder. Er ist sozusagen die Person die mir die Lebenslust genommen hat, wie sollte er mir dann neue geben ? Das wäre unmöglich. Ich halte es auch nicht länger mit ihm in einem Bett aus. Mein Herz? Es schmerzt unglaublich. Yoongi danke das du mich wenigstens das eine mal gerettet hast. War schön dich einmal kennengelernt zu haben. Ich hoffe du wirst wenigstens eine schöne Zukunft haben. Vergib dir und vergesse uns... Das ist wohl das beste.
~ Jimin
Ich legte das Tagebuch neben mir ab, stand leise vom Bett auf und blickte das letzte mal in das schöne Gesicht von Yoongi. Ich zog mir schnell meine Schuhe die neben dem Bett standen an und verließ so schnell ich konnte die Wohnung.
Draußen war es um einiges kälter als gestern Abend. Aber ich werde bald nichts mehr spüren. Keine Tränen auf meinen Wagen, kein Schmerzen in meinem Herzen oder diese Kälte.
Ich wusste nicht wohin ich laufen musste, aber meine Füße trugen mich in die richtige Richtung. Dies erkannte ich, als mir die Brücke ins Auge fiel.
Wieder stand ich an der Stelle, an der ich vorhin stand. Wieder blickte ich in die Tiefe und atmete tief durch. "Ich liebe dich Jungkook, es tut mir leid." Und wiedermals ließ ich meine Hände vom Geländer los und ließ mich nach vorne fallen. Das einzigste das diesmal anders war, war das sich keine beschützenden Arme, die mich vor dem Tod retteten, um mich legten. Ich stürzte in die Tiefe und schlug auf dem Wasser auf.
~~~~~~~~~
Please don't cry 😞
Mein erster One Shot.
Ich hoffe er hat euch trotzdem gefallen. 😅
Falls sich jemand nicht vorstellen konnte was Jungkook anhatte, hier das Bild dazu.

Auf Wiedersehen 💜
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