Einundsechzig
Twyla ist gerade gegangen und ich werde nicht mehr wegen Dylan's Rise Against T-Shirt und der Tatsache, dass es zu meinem Lieblingsshirt geworden ist und ich es gar nicht mehr ausziehen will, genervt.
Mit meinem Smartphone in der Hand setze ich mich wieder auf Couch und schon ertönt ein Ton, der mir signalisieren, dass eine neue Nachricht eingetroffen ist.
Sie ist von Twyla. Mit einem verwirrten Grinsen, da sie ja gerade erst vor einigen Minuten aus meinem Apartment raus ist, öffne ich sie.
'Bist du sicher, dass Dylan nicht da ist? Ich hab unten sein Auto gesehen, als ich in meines gestiegen bin. Er hat doch einen metallic grauen Audi A5, oder?'
Dreimal muss ich ihre Nachricht lesen, bis ich die Worte in mein Gehirn bekomme und sie verstehe.
Was? Dylan's Audi steht unten? Ich überlege kurz, wann ich das letzte mal das Apartment verlassen habe. Das war erst gestern, als ich in dem kleinen Laden, Lebensmittel einkaufen gegangen bin. Da stand sein Auto noch nicht unten.
Barfuß stehe ich von der Couch auf, stecke das Smartphone in die hintere Tasche meiner kurzen Jeans und gehe auf die Tür zu.
Wenn er wieder da ist, warum ist er dann nicht vorbeigekommen? Vielleicht muss er etwas erledigen und wollte danach zu mir? Überlege ich, schüttle dann den Kopf. Er hatte in den drei Wochen und vier Tage, in der er weg war, mehr als genug Zeit gehabt etwas zu erledigen.
Mit entschlossenen Schritten, meine Mordgedanken nun in die Tat umsetzen zu können, reiße ich meine Apartmenttür auf.
"DYLAN!!", schreie ich und gehe auf seine Tür zu.
"DU VERDAMMTER MISTKERL!" Lautstark klopfe ich mir der Faust gegen die Tür.
Nach wenigen Sekunden öffnet sich diese und ein gesund aussehender Dylan steht vor mir. Sofort verraucht meine Wut und ich schlinge heilfroh, dass es ihm gut geht, die Arme um seinen Hals.
Zuerst wirkt er geschockt, doch dann schmiegt er sich leicht unentschlossen an mich.
"Ich hab mir solche Sorgen gemacht", flüstere ich in seinen Hals. Widerwillig werde ich von dem versteiften Dylan getrennt, denn er drückt mich leicht von sich.
"Was war denn los?", frage ich besorgt und als er nicht sofort antwortet, schiebe ich ein "Geht es dir besser? Du siehst besser aus." Ich lege meine Hand auf seine Brust, die er mit aufgerissenen Augen anstarrt.
"Was ist los? Hat es dir die Sprache verschlagen?", ich lache. Eigentlich habe ich ein 'Ich seh immer gut aus' oder sowas ähnliches erwartet, doch es kommt nicht.
Stattdessen kratzt er sich verlegen am Hinterkopf und nuschelt ein undeutliches "N-Nein... Ich meine Ja, es geht mir besser."
Zwar glaube ich ihm nicht ganz, doch entschliesse mich dazu es dabei zu belassen.
Ich lege meine Hand wieder auf seine Brust und schaue ihn durch meine Wimpern hindurch an.
"Dylan, ich muss dir unbedingt etwas sagen." Mein Herz klopft so schnell, dass ich keine Zweifel daran habe es könnte hier und jetzt aus meiner Brust rausspringen. Ich werde ihm jetzt gestehen, dass ich schwanger bin. Die Angst einer Abweisung nagt nun zu lange an mir und ich würde keinen weiteren Tag aushalten.
Meine Hand immer noch an seiner Brust, schaue ich nach unten auf meinen Bauch und lächle ihn dann sanft an. Er lächelt mir gezwungen und krampfhaft zurück.
"Ich muss dir auch was sagen", meint er und sieht mich befangen an.
"Ich zuerst! Ich muss das unbedingt los werden.", sage ich so schnell ich kann, bevor er anfängt.
"Ich bin-" Ich unterbreche mich selbst, als ich ein Geräusch vom Inneren seines Apartment vernehme.
Das Geräusch kommt mir zwar bekannt vor, ist jedoch gedämpft und verstummt auch wieder sofort.
Skeptisch schaue ich zu Dylan auf, der dann schockiert seinen Kopf wendet und in die Wohnung reinschaut.
"Was war das?", frage ich ihn leicht misstrauisch. Er dreht den Kopf wieder zu mir.
"N-Nichts", antwortet er zögerlich. Ich kneife meine Augen zusammen und will mich an ihm vorbeidrücken um ihn das Apartment reinzugehen, doch er hält mich noch im Türrahmen auf.
"Joy..." Seine Stimme klingt regelrecht verzweifelt. Ich schaue zu ihm hoch. Dylan atmet einmal tief durch und schließt die Augen.
"Das ist kein passender Moment-", fängt er an, doch ich unterbreche ihn mit Tränen in den Augen.
"Kein passender Moment für was?" Mir rollen die Tränen aus den Augen, die ich gewillt auf die Hormone schiebe.
"Betrügst du mich?", frage ich mit leiser Stimme, denn genau das befürchte ich. Wieso sollte er sonst so lange verschwinden und mir dann nicht Bescheid sagen, dass er wieder da ist?
Er reißt die Augen auf. "Was?"
"Sag mir nicht, dass da eine nackte Frau in deinem Bett liegt!", schreie ich ihm ins Gesicht.
Gerade will er etwas erwidern, doch da drücke ich mich, an den nun versteinerten Dylan, vorbei und rase auf sein Schlafzimmer zu, wo das Geräusch vorhin her kam.
"Joy!", schreit er mir nach, doch ich ignoriere ihn und gehe weiter.
Wild entschlossen der Bitch ihre Haare rauszureißen, öffne ich lautstark die Tür, sodass sie gegen die Wand dahinter knallt.
Doch es liegt keine nackte Tussi in seinem Bett. Es ist gar keine Frau in seinem Zimmer. Stattdessen steht jemand mit blasser Haut, glasigen müden Augen und fetten Augenringen darunter, im Schlafzimmer.
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