~7~

Jisung P.O.V.

--- 4 Tage später ---

Was zum Teufel geht mit dem falsch?!

Diese Frage stellte ich mir nun schon seit mehreren Tagen, doch ich fand keine Antwort darauf. Die einzige Möglichkeit wäre, dass Minho irgendein nerviger Mensch war, der es dringend nötig hatte und deswegen alles tat um kleine unschuldige Jungs wie mich anzumachen. Ernsthaft. Seit drei Tagen schrieb er mir ununterbrochen, spamte mich mit dummen Nachrichten, schlechten Anmachsprüchen und sonst welchem Müll zu, dass ich schon mehrere Stunden am Tag den Flugmodus einschaltete.

Doch es half nichts. Egal wir sehr ich ihn ignorierte, oder ihm sagte er solle damit aufhören, er schrieb mir immer weiter. Felix hatte mir zusätzlich verboten ihn zu blockieren, was es für mich ziemlich erschwerte nicht zurückzuschreiben. Immer wenn ich diese kleine grüne Zahl neben seinem Namen im Chat sah, verspürte ich das Bedürfnis auf die Tastatur zu drücken und Minho zu antworten.

Gedankenverloren las ich seine Nachrichten, die er mir vor einigen Minuten geschickt hatte, und konnte mich gerade so zurückhalten ihm nicht mit einem angepissten Emoji zu antworten. Ich wollte einfach nicht glauben, dass es so anstrengende Menschen gab. Klar, ich lebte mit Felix, Seungmin und Jeongin zusammen, und diese waren auch nicht gerade leicht zu ertragen. Aber Minho war wirklich ein neues Level an Abfuck.

Minhoe
zuletzt online heute um 10:01 Uhr

Minhoe:
Ey.
09:56 Uhr

Minhoe:
Du bist single...
09:56 Uhr

Minhoe:
Ich bin Single...
09:57 Uhr

Minhoe:
Ich glaube du weißt was das heißt ;)
09:57 Uhr

Du:
Ja. Wir sind beide hässlich.
10:03 Uhr

Ich wusste es war ein großer Fehler ihm zu antworten. Er sollte sich bloß nichts darauf einbilden, dass ich ihm zurückgeschrieben hatte. Am liebsten wollte ich, dass er einfach verschwand, und meine Nummer löschte. Aber ich wusste er würde das nicht tun, weshalb ich versuchen musste das Beste daraus zu machen. Und das Beste wäre, ihn für immer zu ignorieren.

Minhoe
online

Minhoe:
O.M.G.
10:04 Uhr

Minhoe:
Wie komme ich zu der Ehre, dass du, die Königin der Dramaqueens, mir schreibst?
10:04 Uhr

Du:
Bilde dir bloß nichts darauf ein. Wir wissen beide, dass ich dich nicht leiden kann.
10:05 Uhr

Minhoe
Pfff. Als ob ich sowas wie Einbildung bräuchte.
10:05 Uhr

Du:
Du scheinst ja ziemlich überzeugt von dir selbst zu sein. Wie kommt's?
10:06 Uhr

Minhoe:
Ich bin einfach Minho. Manche nennen mich auch Miss Perfect 😘
10:06 Uhr

Minhoe:
Spaß. Niemand nennt mich so T.T
10:06 Uhr

Du:
Sad lifeu. But idc
10:07 Uhr

Minhoe:
Eyyy! >:(
10:07 Uhr

Minhoe:
Das nimmst du zurück!
10:07 Uhr

Du:
Als ob. Du weißt, dass ich das nicht tun werde.
10:08 Uhr

Minhoe:
Ich habe Mal eine Frage...
10:08 Uhr

Du:
Wenn du jetzt wissen willst, ob ich noch Jungfrau bin, dann kannst du dich gleich wieder verpissen. Solche Dinge gehen dich nichts an.
10:08 Uhr

Minhoe:
Nene. Auch wenn es mich wirklich Mal interessieren würde ;)
10:09 Uhr

Du:
Ich meine es ernst, Idiot. Ich blockier dich.
10:09 Uhr

Minhoe:
Siehst du? Genau das meine ich.
10:10 Uhr

Du:
Was soll ich sehen?
10:10 Uhr

Minhoe:
Das ist meine Frage: Warum bist du im Internet so anders als in Real Life?
10:11 Uhr

Du:
Das ist eine wirklich gute Frage... Gib mir Zeit die Lösung zu finden, ja?
10:12 Uhr

Minhoe:
Meinetwegen.
10:12 Uhr

Sobald Minho mir geantwortet hatte sperrte ich wieder mein Handy und ließ es zu Boden fallen. Er sollte mich einfach in Ruhe lassen.

In diesem Moment in welchem ich das dachte, klopfte es leicht an meiner Zimmertür. Ich wusste schon wer es war, weshalb ich mir gar nicht erst die Mühe machte ihn rein zu bitten. In den nächsten Sekunden würde er sowieso von selbst in das Zimmer platzen und mich noch weiter nerven, als ich sowieso schon war.

"Jisuuuuung! Wir gehen zum KFC!" ertönte eine singende Stimme, und das Klopfen an der Tür wurde lauter. "Geh weg, Felix. Ich bin nicht in Stimmung für Essen..." grummelte ich und drückte mein Gesicht tief in das weiche Kissen. Doch wie ich erwartet hatte erklang ein leises Geräusch und die Tür schwang langsam auf. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich wie sich Felix langsam meinem Bett näherte und sich neben mich stellte. Seine verständnisvollen Augen musterten mich wissend, er strich sich seinen blonden Pony aus dem Gesicht.

"Nicht in der Stimmung? Du? Okay, Jisungie, was ist los? Ich habe noch nie erlebt, dass du keinen Bock auf KFC hast!" bohrte er besorgt nach, runzelte dabei verwirrt die Stirn. Ein Seufzen entfloh mir, so traurig, dass Felix mich zuerst überrascht anstarrte und sich dann, mitsamt meiner dicken Decke auf mich fallen ließ.

"Du erdrückst mich, Lix. Geh runter." meinte ich stumpf, sah nur aus dem Fenster, welches Dank der Kälte draußen beschlagen war. Ich wollte nicht getröstet werden, es gab keinen Grund dafür. Ich war ja nicht einmal traurig... Nur ausgelaugt. Fertig und Müde. Müde wegen Minho, der mir das Leben mit jeder Sekunde erschwerte.

Er hatte mir nun schon etwas öfter über WhatsApp geschrieben, dass es ihm leid tat. Dass er einfach abgehauen war, dass er mich danach so dumm angemacht hatte. Doch ich bin nicht darauf eingegangen, denn es interessierte mich nicht. Mir war es eigentlich sogar ziemlich egal, ob er mich irgendwelche dreckigen Sachen fragte, ob er versuchte mich anzuflirten oder sonstiges. Es war mir egal. Er sollte mich in Frieden lassen, denn es machte mich einfach nur fertig.

Ich würde ihm auch keine Antwort auf die vorhin gestellte Frage geben. Aber nicht weil es ihn nichts anging, sondern weil ich keine passende Lösung dafür wusste. Was genau meinte er mit, im Internet anders? Ja klar, ich war etwas frecher und tat ziemlich abweisend, doch das war ich um ehrlich zu sein im realen Leben auch. Deshalb konnte ich auch nicht nachvollziehen, wieso ich ihn zurückgeküsst hatte.

Minho wusste ja wie gesagt nicht dass es mein erster Kuss war. Erst nachdem ich es ihm geschrieben hatte. Er wusste auch nichts von meiner Sexualität, was das ganze noch erschwerte. Dieser Kuss zwischen uns beiden hat mich so durcheinander gebracht. Vor allem, da es sich nicht schlecht angefühlt hatte. Doch wollte ich nicht solche wirren Gefühle für jemanden wie Minho pflegen. Für jemanden, der mich, eine wild fremde Person, nur küsste um sie dazu zu bringen die Klappe zu halten.

"Ich haue nicht ab, bevor du mir sagst, was los ist!" Trotzig klammerte Felix sich an meinen Körper, schlang seine dünnen Arme und Beine fest um meine Hüfte. Wie ein kleines Kind presste er sich an mich, wollte mich anscheinend wirklich nicht los lassen. Und ich wusste, Felix konnte wirklich hartnäckig sein wenn er wollte. Wenn es nach ihm ginge, könnten wir noch den ganzen Tag so verknotet im Bett liegen.

"Ich bin nur müde... Geht ruhig ohne mich essen, ja?" murmelte ich und versuchte den einen Tag jüngeren Jungen von mir wegzustoßen. Aber Felix blieb stur, und hielt nun auch meine Arme stark umschlossen in seinem Griff. "Ich meine es ernst, Ji." Er starrte mich wie paralysiert an, und durchbohrte mich mit aufgerissenen Augen. "Ich meine es genauso ernst. Ich habe keine Lust auf Chicken. Nimm die Kleinen mit, aber lass mich jetzt bitte in Ruhe." sagte ich mit gebrochener Stimme, sodass Felix mich nun wirklich langsam los ließ.

"Jisung. Ich bin dein bester Freund, das weißt du. Und du kannst mit mir über alles reden. Wenn irgendwas passiert ist, dann sag es mir jetzt bitte. Nochmal werde ich dich nicht fragen. Aber ich will genauso dass es dir gut geht, und das geht nicht, wenn du nicht mit mir redest. Also bitte. Warum bist du so traurig?"

Nocheinmal seufzte ich tief auf. Es hatte keinen Zweck es vor Felix verbergen zu wollen, weshalb ich mich dann doch geschlagen gab. "Ich bin nicht traurig... Es ist nur..."

"Hat es was mit deinem Lover zu tun?" unterbrach Lixi mich aufgeregt. "Meinem was? Felix, ich bin nicht verliebt." "Wer ist es dann?" fragte mein bester Freund, nun doch etwas neugieriger. Seine Augen funkelten, hatten so ein tolles Leuchten darin, was immer dann auftrat wenn er etwas spannend fand. Felix wollte schon immer viel über mich wissen, weil es einfach seine Persönlichkeit war. Schon seit wir klein waren hatte er sich mehr für mein Leben interessiert als für sein eigenes. Sollte er irgendwann nichts mehr von mir hören wollen, dann hatte ich wohl zimlichen Mist gebaut.

"Es ist Minho. Ich weiß einfach nicht mehr weiter..." setzte ich zögernd an, und sah wieder aus dem Fenster. Sobald ich seinen Namen ausgesprochen hatte, setzte sich Felix nun aufrecht und im Schneidersitz hin, um mir zuhören zu können.

"Irgendwie... Er schreibt mich immer an, und es nervt mich extrem, aber... Wenn er mir Mal nicht schreibt fühle ich mich immer so komisch. Ich bin es einfach schon gewohnt, dass ich morgens aufwache und 10 Nachrichten von ihm bekommen habe. Und jetzt... Ich weiß nicht. Er verwirrt mich immer so sehr. Zuerst sagt er dass ich fies bin, weil ich ihn ignoriere, aber dann haut er wieder irgendeinen Anmachspruch raus. Und dann wird mir immer so warm, aber gleichzeitig bin ich immer so sauer auf ihn, weil ich weiß, dass er es nicht Ernst meint. Was passiert mit mir?" fragte ich leise, fast verzweifelt. Einige Augenblicke war es still, bis Felix leise begann zu lachen.

"Du bist echt nicht mehr zu retten, oder? Ich habe es dir schon einmal gesagt, und das werde ich wieder tun. Er steht so was von auf dich, und das ist kein Spaß. Du solltest aufhören ihn zu ignorieren." Felix sah mich ernst an, doch umspielte noch immer ein kleines Zucken seine Mundwinkel.

Ich stöhnte einmal genervt. Warum sollte ich das tun? Er würde sich nur etwas darauf einbilden und mich noch weiter vollpumpen mit dummen Sprüchen die er aus dem Internet geklaut hat. Nein danke ich verzichte. "Aber der nervt dann nur noch weiter. Felix, wieso darf ich ihn nicht einfach blockieren?" "Weil daraus etwas entstehen könnte! Schau Mal, er hätte dich nicht geküsst, wenn er nicht schwul wäre oder?"

Ich verdrehte belustigt die Augen. "Lix, es gibt mehr als homo und hetero. " Nun war mein bester Freund dran, die Augen zu verdrehen. "Ich weiß, aber so wie du das erzählt hast, muss er dich ja halb gefressen haben. Also gehen wir davon aus, dass dein Toller einfach aus irgendeinem annehmbaren Grund zum Teil auf das gleiche Geschlecht steht, okay?"

Ich grummelte zustimmend und spielte mit meinen Fingern. "So. Da wir das geklärt haben, kommen wir zum nächsten Punkt. Du sagtest er hat dich geküsst. Aber als du ruhig geworden bist, und sogar angefangen hast zu erwiedern, hat er trotzdem weiter gemacht, richtig? Also ist er nicht abgeneigt von dir, auch wenn es nur unterbewusst passiert."

"Das macht aber keinen Sinn!" unterbrach ich Felix jetzt trotzig. "Er kannte mich zu dem Zeitpunkt nicht Mal eine Stunde, wie sollte Minho da auf mich stehen können? Das geht mir alles zu schnell! Liebt man nicht eigentlich den Charakter des Menschen? Und Mal angenommen er hat sich trotzdem in mein Aussehen verliebt. Wie?! Ich bin ja nicht selbstkritisch oder so, aber hast du mich Mal angeguckt? Ich bin jetzt wirklich keine Schönheit, im Gegensatz zu ihm!"

Ich sah wie Felix mich musterte und dann die Augen zu kleinen Schlitzen verengte. "Mate, spinnst du? Hast du jemals richtig in den Spiegel geguckt? Wenn Minho sich nicht in dein Aussehen verlieben kann, bin ich hetero!"

Wir diskutierten einige Zeit darüber, wie mein Aussehen auf andere Menschen wirkte, bis Felix schließlich aufgab und sich seufzend die Haare raufte. "Du bist so kompliziert! Kannst du nicht einfach akzeptieren dass du gut aussiehst und mit mir Essen gehen? Das wäre viel leichter für uns alle!"

"Ich bin kompliziert?! Wer konnte denn 3 Wochen nicht ohne mich einschlafen, weil ein gewisser Mister Seo Schluss gemacht hat?!"

"Lass Changbin aus dem Spiel. Er hat dir überhaupt nichts getan, und entweder gehst du jetzt mit uns Essen, oder du lässt es bleiben. Was mitbringen werde ich dir Trauerkloß sicher nicht." mit diesen Worten stand Felix eingeschnappt auf, und verließ schnellen Schrittes das Zimmer. Genervt seufzte ich. Mir war bewusst, dass Felix mich Wochen lang ignorieren konnte, wenn er es wirklich wollte, weshalb ich mich gezwungen sah ihm hinterher zu laufen.

"Dann geh ich halt mit, meine Fresse! Aber nur weil ihr Kleinkinder keine zwei Minuten ohne mich da draußen überlebt..." gab ich mich geschlagen, sobald ich den Flur betrat, in welchem sich bereits meine Freunde die Schuhe anzogen. Seungmin grinste kurz in Jeongin's Richtung, bevor er sich an den glücklich strahlenden Felix wandte. "Hab' ich dir doch gesagt!" triumphierte mein bester Freund und sprang mir lachend in die Arme. "Wie ich euch Idioten doch liebe..." grummelte ich sarkastisch und griff nach meinem Timberlands.

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top