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Minho P.O.V.

Ich legte Jisung vorsichtig auf die Bank, da ich ihm nicht wirklich weh tun wollte. Noch nicht. Doch als ich den blonden Jungen losließ, spürte ich wie kalt es hier drinnen erst sein musste für meine Beute. Zwar hatte ich nicht wirklich das Bedürfnis gewärmt zu werden, doch beschloss ich einfach die Heizungen hier aufzudrehen.

Bevor ich mit ihm kuscheln müsste, würde ich eher hier ein Feuer entfachen. Jetzt nichts für ungut, doch ich konnte Körperkontakt so gut wie gar nicht leiden. Es war in Ordnung, so für einige Minuten, doch war ich einfach gar kein Mensch für viel physische Nähe oder sowas. Weshalb ich es auch so sehr hasste zuerst meine Opfer zu daten.

"Warum sind Sie bei diesem Wetter draußen?" ertönte plötzlich die Stimme Jisungs, weshalb ich noch schnell eine angenehme Wärme an der letzten Heizung einstellte und mich zu ihm umdrehte. "Hatte noch zu tun. Jetzt sei gefälligst still und beweg dich nicht." antwortete ich kalt, bevor mich meine Beine zu dem Notfallkoffer hinter den Tresen führten.

Die letzten Tage hatte ich Jisung rund um die Uhr beobachtet, um seine Stärken und Schwächen herauszufinden. Und die wenigen Stunden, die ich ihn gemustert hatte, reichten um mir klar zu machen, dass er der wohl schusseligste Mensch auf diesem Planeten war. Er war so ein riesiger Tollpatsch, dass ich es mir oftmals verkneifen musste nicht einfach zu ihm hinzurennen und ihn anzuschreien. Also war es kein wirkliches Wunder, dass er sich so sehr verletzt hatte.

Ich schüttelte den Kopf, darüber, dass ich mir so viele Gedanken um den Jungen machte, obwohl ich ihn gerade einmal wenige Minuten persönlich kannte. Nachdem ich mehrere Schränke mühsam durchsucht hatte, fand ich endlich was ich suchte. Mit dem großen Koffer lief ich wieder auf Jisung zu, und sah, wie er mich misstrauisch musterte.

"Krieg dich wieder ein, ich möchte nur deine Wunden verarzten." seufzte ich genervt, bevor ich mich langsam vor ihn hockte. "Woher weiß ich, dass Sie mich nicht vergiften wollen? Wer garantiert mir, dass Sie mich damit nicht umbringen?" Ich schenkte ihm einen das-ist-nicht-dein-fucking-Ernst-Blick. Doch sobald sich unsere Blicke trafen, konnte ich komischerweise meine Augen nicht mehr von seinem Gesicht abwenden. Wie konnte ein Mensch nur so schön sein wie dieser Junge? Jetzt no homo oder so, aber selbst als normaler Junge konnte man nicht leugnen, dass Jisung verdammt gutaussehend war.

Ich glitt mit meinem Blick über die perfekt definierte Nase, die hoch stehenden Wangenknochen und diese sündhaft vollen, herzförmigen Lippen. Wenn Jisung lächelte, erinnerte es mich immer wieder aufs Neue an ein kleines Eichhörnchen. Und aus irgendeinem Grund fand ich das verdammt niedlich.

Scheiße Minho! Was denkst du da? Du fandest 'niedlich' und 'süß' noch nie attraktiv!

Mit schmalen Augen schüttelte ich den Kopf, damit ich diese nervenden Gedanken los wurde. Jisung war hübsch, keine Frage, doch stand ich nicht auf Jungs. Warum sollte ich auch? Wenn ich unbedingt ein Sixpack zum abknutschen haben wollte, dann gäbe es auch einige Frauen mit Bauchmuskeln. Dafür musste ich nicht extra an das andere Ufer schwimmen.

Erst jetzt realisierte ich, dass ich Jisung erneut anstarrte, was wohl ziemlich gruselig ausgesehen haben muss. "Das würde ich nie tun..." murmelte ich leise, doch wandte meinen Blick dabei ab. Wie Recht Jisung doch eigentlich hatte. Um ehrlich zu sein war das genau der Grund, wieso ich ihm erst begegnet war. Ich hatte den Auftrag ihn zu ermorden, und darum war ich her gekommen. Langsam regte sich bei mir ein schlechtes Gewissen, da ich ihn soeben eiskalt angelogen hatte.

Welch eine Ironie, was? Ich fühlte mich schlecht, wenn ich meine Mitmenschen anlog, doch bereute es nicht die Anderen meiner Art brutal zu töten. Diese Logik sollte mal jemand verstehen. Und am besten könnte man sie mir auch gleich erklären, denn ich verstand mein Gehirn auch nicht. "Meinetwegen, dann beeilen Sie sich halt. Ich will aber noch nach Hause, ja?" gab sich der Jüngere geschlagen.

Direkt nachdem er zugestimmt hatte, klappte ich den großen Plastik-Koffer auf und wühlte kurze Zeit darin rum. Hier lagen überall Medikamente, Pflaster und Spritzen, aber komischerweise nicht ein einziger Verband. Seufzend drehte ich den Koffer einfach um, damit der gesamte medizinische Inhalt raus fiel. Zwischen dem Krimskrams fand ich dann doch eine kühlende Salbe, welche ich dem verwunderten Jisung in die Hand drückte, und eine Schiene für seinen geschundenen Fuß.

"Das könnte jetzt ein wenig weh tun..." meinte ich fürsorglich, und griff zärtlich nach dem verletzten Handgelenk. Jisung erwiederte daraufhin nichts, sondern biss nur fest die Zähne zusammen. Das tat er immer, wenn er versuchte sich zu konzentrieren. Vor allem bei Schmerzen, das hatte ich gestern rausgefunden, als er sich den kleinen Zeh an seinem Couchtisch in der WG stieß.

Genau so ein Gesicht machte der Kleinere gerade, als ich sanft begann seine Hand zu untersuchen. Das Gelenk schien nicht angeschwollen zu sein, doch erkannte ich einige blaue Flecken und Schürfwunden. Genau wie auf seinem Ellenbogen, den ich gerade erst zu sehen bekam. Wie konnte dieser Typ nur so unfassbar dumm sein? In eine Pfütze zu treten passierte jedem Mal, aber sich dabei ernsthafte Verletzungen zuziehen? Ich verstand es einfach nicht...

Mit schnellen Fingern öffnete ich das weiße Döschen und schmierte einiges von der Vaseline-ähnlichen Creme auf seine Pulsader des Handgelenkes. Ich begann die Schmiere leicht einzumassieren, indem ich mit beiden Daumen kreisende Bewegungen darauf ausübte. Unter den Fingerspitzen spürte ich wie sein sonst so gleichmäßiger Puls schnell Anstieg, was mich zum Lächeln brachte. Das funktionierte ja einfacher als bei den meisten Mädchen!

"W-wie heißen s-sie?" fragte Jisung stotternd. Sein Gesicht nahm ganz nebenbei eine zart rosa Farbe an, was mein Grinsen nur noch verbreiterte. Ich hatte ihn sowas von in der Hand.

"Lee Minho. Aber hör bitte auf mich zu Siezen, so alt bin ich noch nicht." antwortete ich daraufhin und wandte mich dann wieder seiner vermutlichen Prellung zu. Ich konnte hören wie er unterdrückt aufzischte, sobald ich den Druck meiner kleinen Massage verstärkte. Normalen Menschen wäre dieses minimale Geräusch wahrscheinlich verborgen geblieben, doch habe ich in meinen kurzen Jahren der Ausbildung zum Auftragskiller gelernt, auf genau solche Zeichen Acht zu geben.

"Ich bin gerade 20 geworden, Kleiner. Somit dein Hyung und du musst mich respektieren." gab ich von mir, und hörte endlich auf, seine Hand weiter zu penetrieren. Stattdessen behielt ich sie für einige, qualvoll lange Sekunden in der meinen und strich sanft mit der Daumenspitze darüber. Ich konnte förmlich sehen, wie Jisung sich anspannte, und langsam seine Hand weg zog. Also hatte ich ihn doch noch nicht so weit wie ich dachte... Mist.

"W-woher weißt d-du das?" hauchte er, bevor er sich ans andere Ende des Sofas zurückzog. Dort winkelte er schluckend die Beine an, und musterte mich ängstlich. "Woher weiß ich was?" provozierte ich ihn leicht lächelnd. Die Panik war dem Blonden wirklich ins Gesicht geschrieben, doch das war nicht mein Ziel. Entschuldigend senkte ich meinen Kopf.

"Sorry, ich wollte dir keine Angst machen, Kleiner. Du siehst nur so jung aus, deshalb dachte ich, es wäre klar, dass ich dein Hyung bin..." entschuldigte ich mich bei ihm. Ich durfte ihn jetzt nicht verlieren, sonst wäre mein ganzer Plan umsonst gewesen.

Sonst könnte ich es mir abschminken, dass er sich in mich verliebte. Wow, ich klang wirklich schön wie in kleines Schulmädchen. Hilfe! "Sch-schon gut Minho... K-kannst du bitte einfach weiter machen?" fragte er schüchtern, und streckte mir seinen verletzten Fuß entgegen. Selbstverständlich kam ich seinem Wunsch nach, da ich so bei ihm Punkten konnte. Nach einigen Schmerzenslauten und sogar der einen oder anderen Träne, trug Jisung nun endlich auch seine Bandage am Fuß, nachdem ich diesen auch mit der Salbe behandelt hatte.

"Weißt du schon wie du nach Hause kommen willst- ähh... Wie heißt du eigentlich?" Natürlich tat ich nur so, als hätte ich keine Ahnung davon, doch in Wahrheit wusste ich schon viel mehr über ihn, als Jisung glaubte. "J-jisung... Also mit Han! So als Nachname, aber manche nennen mich auch Ji, aber nur meine Freunde also du musst nicht, also eigentlich will ich das auch nicht aber du kannst mich auch einfach Han nennen, obwohl mein Name Jisung ist- ich... Tut mir leid... Und nein weiß ich nicht. Ich... Ich glaube ich übernachte einfach hier..."

Direkt nahm sein Gesicht wieder etwas Röte an, doch ich lachte nur still und heimlich in mich hinein. Wenn er wirklich schwul war, würde es ein leichtes sein, ihn um den Finger zu wickeln. Und bis jetzt schien er gar nicht so scheiße, wie ich im ersten Augenblick dachte. Möglicherweise könnte ich ja doch so tun, als wäre ich schwul, um besser an ihn ranzukommen...

"Okay, danke Jisung." lächelte ich ihn an. Dann rutschte ich, natürlich ganz unauffällig, weiter in seine Richtung. Er sah mich verwirrt an, weshalb ich so tat, als hätte er etwas an seiner Bandage, und strich sanft darüber, um ihm ja keine Schmerzen hinzuzufügen. "Aber bist du dir sicher, dass du nicht vielleicht bei mir übernachten möchtest? Ich wohne nicht weit entfernt von hier, und du würdest auch trockene Anziehsachen von mir bekommen." zählte ich die Vorteile auf.

"Ähm, nein?! Ich bin vielleicht naiv und schwach genug um von einem Möchtegern-Held wie dir verschleppt zu werden, aber noch lange nicht so dumm um mit dir nach Hause zu gehen. Wer weiß? Vielleicht willst du mich ja vergewaltigen? Oder du bist ein Vampir und tötest mich, sobald wir beide allein sind. Schon Mal daran gedacht?" fragte er spöttisch, verknotete die Arme vor seiner Brust und zog beide Augenbrauen hoch.

Ich verdrehte die Augen über seine lächerlichen Theorien, auch wenn das mit dem Töten gar nicht so falsch war. Aber das würde ich ihm natürlich nicht sagen, immerhin musste er lernen mich zu lieben. "Was willst du dann machen? Mich wirst du nicht los, und das weißt du, oder?" Ergeben nickte er leicht und spielte dann mit seinen zarten Fingern. Grinsend stand ich also auf, und ging zu der Tür. Der Schlüssel, welcher daneben auf den Tresen lag, glänzte leicht im Schein der Laternen. Das Neonlicht schien hell in das Café, weshalb wir auch kein künstliches Licht hier drinnen gemacht hatten.

Ein Blick auf mein Handy zeigte mir, dass es erst kurz nach neun Uhr war, und das war definitiv zu früh für mich. Seufzend nahm ich den klimpernden Schlüssel, drehte ihn einmal im Schloss herum, damit wir beide ungestört bleiben konnten. "W-was soll das?" fragte Jisung panisch, doch ich beachtete ihn nicht. Nur den Schlüssel verstaute ich tief in meiner Hosentasche, damit er ihn mir nicht wegnehmen konnte.

Mit leisen Schritten ging ich zu dem Schalter an dem Verkaufstresen, und drückte einige davon. Ganz langsam wurden alle Rolläden an den Wänden hinunter gelassen, so dass man von außen nicht mehr hinein schauen konnte. Ich hörte den Jungen wimmern, was ein ungutes Gefühl in mir auslöste. Ich wollte nicht, dass er so litt. Eigentlich wollte ich gar nicht dass er sich auf irgendeine Art und Weise schlecht fühlen musste, weshalb ich die Handytaschenlampe anschaltete.

Mit dem Licht leuchtete ich ein wenig umher, bis ich ihn gefunden hatte. Jisung presste sich dicht an die Couch, und hatte die Knie Mal wieder mit den Armen umschlungen. Auch das war eine Angewohnheit von ihm, welche ich öfters sah, in den letzten Tagen. Immer wenn er Panik bekam, sei es bei einem Horrorfilm oder durch ein Gewitter, nahm er genau diese Position ein.

Sanft lächelnd lief ich zu ihm hinüber, und beobachtete wie er sich weiter zusammenkrümmte. Ich konnte genau hören wie der Jüngere leicht schluchzte, und normalerweise machte mir sowas gar nichts aus. Ich tat immer einen auf perfekten Boyfriend und habe die Mädels getröstet. Aber nur damit sie mir vertrauten. Wieso verdammt, hatte ich jetzt plötzlich wirklich den Wunsch ihn dazu zu bringen aufzuhören? Es tat weh ihn so verletzt zu sehen...

"Hey-"
"G-geh weg! Du k-kannst mir n-nicht weh tun, Monster!" rief er und kroch weiter hinter in die Ecke. "Jisung?! Was soll das? Wieso sollte ich dir weh tun wollen?" fragte ich ziemlich schockiert, und hockte mich sanft vor ihn. "M-minho... Ich... Ich hab' Angst..." hauchte der Blonde und versteckte schluchzend sein Gesicht in den Armbeugen. Überfordert mit der Gesamtsituation trat ich einen Schritt von ihm weg, da ich ihn keineswegs belästigen oder bedrängen wollte.

Stand nicht in seinem Steckbrief irgendetwas bei den komischen Extras? Verdammt Minho, streng dich an! Grübelnd biss ich mir auf die Lippe, fuhr mir durch die schwarzen Haare.

-Klaustrophobie
-Schwächeanfälle und Angstzustände (Paranoia sowie Halluzinationen) bei Stress, einem Überschuss an Emotionen, Höhe oder Dunkelheit, seit dem 3. Lebensjahr. --> Grund unbekannt.

Sobald mir dieser Fakt in den Sinn kam, rannte ich zu der Tür des Cafés, neben welcher ein großer Lichtschalter angebracht war. Mit voller Wucht haute ich darauf, weshalb plötzlich alle Lichter auf einmal hell strahlten. Ich musste stark Blinzeln, da ich durch die hellen Lampen halb blind geworden war, doch konnte einige Sekunden später endlich wieder etwas sehen.

Ich sah etwas verschwommen, wie der blonde Junge, noch immer unter Tränen aufstand, und stark zitternd auf mich zuhumpelte. "G-gib mir den Schlüssel! Hyung, gib mir bitte sofort den Schlüssel!" schrie Jisung schluchzend, und versuchte an meine hintere Hosentasche zu gelangen. Er war komplett außer Kontrolle, und das sah man ihm auch an.

Kurzerhand drehte ich uns um, so dass Ji nun mit dem Rücken an die Wand gepresst da stand. Er wehrte sich, schlug mir so fest er konnte gegen die Rippen wobei er seine verletzte Hand eher ausließ, doch tat es mir nicht wirklich weh. Alles worauf ich mich jetzt konzentrieren wollte war er, und nicht die Schmerzen welche er mir noch immer hinzufügte. "Jisung... Jisung. JISUNG! Hör auf! Lass mich dir helfen!" rief ich dazwischen. Ich achtete nicht wirklich darauf ob ich ihm weh tat oder nicht, alles was mich interessierte war ihn ruhig zu stellen.

Als er trotzdem nicht nachgeben wollte, und sich panisch immer weiter gegen mich wehrte, kam der Punkt an dem es mir genug war. Ich packte grob seine Handgelenke weshalb er laut zischte, zog sie über seinen Kopf, so dass er sich nicht mehr bewegen konnte.
"Sorry..." meinte ich noch ehrlich bedrückt, da ich wusste, es würde nun sein erster Kuss sein. Mir fiel aber keine andere Möglichkeit ein ihn zu beruhigen, weshalb ich keinen weiteren Gedanken daran verschwendete.

Doch da er nicht aufhörte, nach dem Schlüssel zu flehen und auch um Hilfe zu schreien, presste ich ihm dummerweise fest meine Lippen auf.

Der Kleine war so geschockt von alledem, dass er komplett vergaß mich zu treten, wie er es tat, seit ich seine Hände gefangen hatte. Sein ganzer Körper erschlaffte quasi in meinen Armen, als hätte ich ihm soeben mein Messer in den Rücken gerammt. Nur sein hektischer Atem zeugte noch davon, dass er überhaupt noch zu leben schien, denn ansonsten bewegte er sich einfach gar nicht mehr. Als wäre er bereits tot.

Sanft begann ich meine Lippen zu bewegen, damit sein erster Kuss, wie ich durch Hyunjin wusste, nicht so schrecklich verlief. Der Blonde reagierte zunächst gar nicht, was ich irgendwie auch vollkommen verstehen konnte, da es ja nicht alle Tage geschah, dass man von einem wildfremden Typen geküsst wurde.

In meinem Bauch explodierte ein kleines, aber heißes Feuerwerk, als Jisung plötzlich, und ohne Vorwarnung begann schüchtern zu erwiedern. Warum tat er das? Warum tat ich das?! Ich sollte doch angewidert sein!

Doch trotzdem konnte ich nichts dagegen tun, denn irgendwas in mir hinderte mich daran diesen Kuss zu unterbrechen. Vorsichtig, als bestünde Jisung aus Diamanten, legte ich meine Hand sanft an seine erhitzte Wange. Mit meinem linken Daumen streichelte ich ihm, die ins Gesicht gefallenen weichen Haare weg, bevor ich meinen Kopf ein bisschen schief legte um die Intensität des Moments zu vertiefen. Zögernd stellte er sich auf die Zehenspitzen, legte seine Arme um meinen Nacken und drückte mich mehr an sich heran.

Alles in mir schrie danach mich von ihm wegzustoßen, doch konnte ich nichts gegen mein Inneres tun. Wie ein Spinnennetz umschlangen mich die aufkommenden Gefühle, und das Verlangen danach ihn mehr zu küssen, stieg drastisch an. Ich presste ihn herrischer gegen die Wand und bewegte meine Lippen hungrig gegen seine. Doch plötzlich spürte ich zart seine Zunge an meiner Unterlippe, welche zögernd und ziemlich schüchtern um Einlass bat. Aber ich wusste, wenn wir das nun hektischer gestalten würden, würde etwas passieren was wir beide später bereuten.

Somit verweigerte ich den Zungenkuss, löste zärtlich meine Lippen von seinen, und konnte genau sehen wie seine vor Panik geweiteten Pupillen mich geschockt musterten. Ich war mindestens genauso überrascht, doch zeigte ich es nicht so wirklich. Erst als er mich ruckartig von sich wegdrückte, bemerkte ich, was ich soeben getan hatte. Ehe ich mich auch schon versah hatte ich eine seiner kleinen Hände in meinem Gesicht. Ein lautes Klatschen erfüllte den Raum, als er mir so kräftig es ging eine scheuerte. Doch dabei jaulte er selber laut auf. Selber Schuld, wenn er die verletzte Hand benutzte. Er hielt sie noch immer mit seiner zweiten Hand fest, als müsse er sie vor mir schützen, und atmete laut aus. Vermutlich um runter zu kommen.

"Wow..." flüsterte er, weshalb ich einen großen Schritt von ihm weg trat. Jisung starrte mich schockiert an, doch wich sein Blick dann plötzlich ins Leere. Noch immer mit aufgerissenen Augen griff er sich wie in Trance an die roten Lippen. Langsam gaben seine Beine nach, weshalb er mit einem dumpfen Geräusch an der Wand hinunter auf den Boden rutschte.

"Ja, wow..." erwiederte ich leise, und schaute den Jungen zu meinen Füßen matt lächelnd an. Mit seinen verwuschelten Haaren wirkte er so unfassbar cute und liebenswürdig, dass ich am liebsten direkt wieder über ihn hergefallen wäre. Doch das konnte ich dem armen Kind nicht antun, weshalb ich mich einfach neben ihn auf den Boden setzte.

Er protestierte nicht, sah mich einfach nur ungläubig an. Einige Minuten vergingen, vielleicht auch Stunden, in denen wir einfach nur schwiegen. Er durch seine Starre, und ich, weil ich so bemüht war das dicke Grinsen aus meinem Gesicht zu bekommen. "Wir sollten schlafen, Ji..." meinte ich irgendwann leise. Daraufhin nickte er abwesend, zog sich einfach in eine Ecke des Raumes zurück. Dort legte sich der Jüngere auf eine der Bänke, und rollte sich fest zusammen.

Noch immer sanft lächelnd betrachtete ich den schlafenden Jungen, welcher so wunderschön aussah, obwohl er gar nichts dafür tat. Wie konnte man nur so hübsch sein, wenn man schlief? Wusste Jisung eigentlich wie gut aussehend er wirklich war? Ich glaubte, ich könnte ernsthaft anfangen ihn zu mögen...

Schlagartig fiel mir das Lächeln aus dem Gesicht. Fuck.

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