~39~

Minho P.O.V.

Es war halb Acht, ich zog mir meine Kapuze tiefer ins Gesicht, da es ein wenig nieselte. Meine Füße trugen mich vor mein Haus, zu meinem schwarzen Auto in welches ich einstieg. Gleich würde ich Jisung abholen, und ich konnte nur hoffen, dass dieses Date kein totaler Reinfall wurde. Eigentlich hatte ich nicht wirklich etwas geplant, außer einen Film zu schauen. Vielleicht hatte Jisung ja noch eine Idee.

Innerhalb kürzester Zeit war ich zum Stadtrand gefahren, in die Nähe der WG. Es regnete noch immer, aber nicht so sehr wie ich erwartet hatte. Direkt vor dem großen Wohnblock machte ich halt, stieg langsam aus und lief in das Gebäude hinein. Im Treppenhaus war es warm, ich joggte die Stufen hinauf, da ich nicht zu spät kommen wollte. Ich klopfte an die Wohnungstür. Kurze Zeit herrschte Stille, bis mir ein vertrautes, grinsendes Gesicht die Tür öffnete. "Hey Spinno. Komm doch rein!" lächelte Felix, es bildeten sich feine Lachfalten um seine Augen herum.

Ich ließ mir dies nicht zweimal sagen, und trat ein. Die Wohnung war ziemlich unaufgeräumt, überall lagen Klamotten herum. Und da sie allesamt schwarz waren, oder eine andere dunkle Farbe hatten, wusste ich wem sie gehörten. "Lix, wer ist denn da?" fragte eine mir nur allzu bekannte und begehrte Stimme aus dem Badezimmer. Die Tür öffnete sich einen Spalt, und der dunkle, feuchte Haarschopf meines Opfers blickte daraus hervor. Seine Augen weiteren sich, als er mich sah und seine Kinnlade fiel herunter.

"M-minho... Was machst du denn schon hier? Du bist eine Viertel Stunde zu früh..." stammelte der Kleine überfordert, und wurde dabei rot. Ich sah an seinen Schultern und Schlüsselbeinen, dass er nichts anhatte, was mir ein selbstbewusstes Grinsen entlockte. "Ich wollte doch nicht zu spät kommen, Honey. Lass dir ruhig Zeit, ich gehe einfach ins Wohnzimmer." Mit diesen Worten rauschte ich auf die Tür zur Küche zu, wobei ich an ihm und dem Badezimmer vorbei lief. Direkt, noch bevor ich etwas sehen konnte knallte er die Tür zu und schloss ab, als würde ich gleich aufmachen und herein kommen oder sowas.

Lächelnd verdrehte ich die Augen, striff noch vor der Küche die Schuhe ab und machte mich dann auf den Weg ins Wohnzimmer. Jeongin und Seungmin saßen nebeneinander auf der großen Couch, der Ältere sah jedoch nur Fernsehen. Jeongin hingegen tippte glücklich grinsend auf seinem Handy herum, und bemerkte daher auch nicht, dass ich den Raum betrat. Erst als ich mich neben ihm niederließ, blickte er auf.

"Oh, hi Hyung." entwich ihm überrascht, und auch von dem Rothaarigen erntete ich ein respektvolles Nicken. "Bist wohl hier um Jisung abzuholen, was? Er rennt bestimmt schon eine halbe Stunde hier herum und versucht seine Sachen zusammen zu packen. Und das, obwohl er schon so erledigt ist. Sag ihm doch bitte Mal, er soll sich nicht so verrückt machen. Immerhin werdet ihr nicht demnächst heiraten." sprach er, wandte sich dann jedoch wieder seinem Handy zu.

Ich erhaschte einen kurzen Blick darauf, wie er mit einer Person schrieb, die 'Schönheit💖' eingespeichert wurde. Und irgendetwas tief in mir sagte klar und deutlich, dass es mein bester Freund war, mit dem er schrieb. "Sagst gerade du. Ich habe gehört, zwischen dir und Hyunjin läuft etwas. Stimmt das?" Direkt wurde der Kleine rot, und legte sein Handy ausgeschalten zur Seite. Auch Seungmin schien plötzlich Interesse zu entwickeln, denn er schaltete den Fernseher auf stumm und wandte sich böse grinsend an uns. Der Jüngste war nun eingekesselt, und wurde von beiden Seiten mit Blicken durchbohrt.

"D-das ist nichts. Wir... Wir treffen uns nur als ganz normale Freunde! Er hat keine Gefühle für mich, und ich nicht für ihn!" erklärte er ausdrucksstark, wobei Seungmin und ich uns wissende Blicke zuwarfen. Genau. "Aber Jeongin. 'Normale Freunde' sitzen nicht kuschelnd auf dem Sofa oder laufen Händchen haltend durch den Park!" meinte nun Seungmin. Jeongin wurde immer röter. Seine Gesichtsfarbe glich mittlerweile der von Traubensaft, so peinlich war es ihm. Bevor er sich jedoch rechtfertigen oder zumindest erklären konnte, hörte ich eine Stimme von der offenen Küchentür her.

"Minho? Ich bin fertig, wir können gehen." Sofort drehte ich mich in seine Richtung und sprang von der Couch auf. Die beiden anderen waren nun für mich völlig unwichtig geworden. "Klar, lass uns losgehen. Tschüss Leute, Danke, für das nette Gespräch!" Zwar sprach ich noch diesen einen Abschiedsgruß, aber mein Fokus lag ununterbrochen auf dem Schwarzhaarigen Koreaner.

Er hatte einen sehr großen, dunkelgrauen Pullover an, welcher einen hohen Kragen formte. Um dessen Hals baumelte eine silberne Kette, die ich schon öfter an ihm gesehen hatte und meine Lederjacke hatte er darüber an. Die Hose war eine aus Leder, knalleng und betonte seine dünnen Beine. Die Füße steckten in normalen Timberlands.

"Hey Honey..." begrüßte ich ihn nocheinmal richtig. Meine Arme fanden Platz an seinem Torso, ich schenkte ihm eine kurze Umarmung. "Du siehst klasse aus. Hast du alles? Zahnbürste, Handy, Ladekabel? Schlafsachen kannst du wenn nötig von mir haben." Er lächelte mich an, aber sein Blick hatte soetwas leeres. "Ja, lass uns gehen. Bye, Leute. Tschüss, Felix! Habe euch lieb!" Er griff nach meiner Hand, zog mich durch den Flur zum Treppenhaus. Eine große Tasche war um seine Schulter geschlungen, welche ich ihm sofort abnahm, sobald ich sie bemerkte.

"Wehe, dass ihm was passiert, Spinno! Wenn er morgen wieder krank oder vielleicht verletzt ist, dann Gnade dir Gott." sagte Felix noch, winkte uns, bis wir verschwunden waren. Noch immer hielt Jisung meine Hand, und zog mich hinter sich her die Treppen hinab. Endlich standen wir im freien, der Regen hatte fast ganz aufgehört. "Ich bin mit dem Auto hier. Wir brauchen nicht lange bis nach Hause." Jisung nickte leicht, sagte aber nichts.

Ich dachte nicht weiter darüber nach, sondern schloss einfach mein Auto auf und ließ ihn einsteigen. Natürlich hielt ich seine Tür auf, ich war ja ein Gentleman. Ich selber stieg auf der anderen Seite ein, und schnallte mich an. Jisung neben mir unterdrückte ein leichtes Gähnen, streckte sich einmal. "Hast du schon Abendbrot gegessen, Honey? Wir könnten irgendwo ins Restaurant gehen. Ich bezahle auch." schlug ich vor. Jisung verneinte dankend. "Ich habe auch keinen Hunger, Hyung." setzte er beruhigend lächelnd hinterher. Es machte mich aber ganz und gar nicht ruhig.

Stattdessen warf ich ihm einen mahnenden Seitenblick zu, welchen er ertappt erwiederte. "Aber wenn es dir so wichtig ist, kann ich auch was bei dir zu Hause essen. Nur bitte, gib nicht schon wieder unnötig Geld für mich aus." Das hörte sich doch schon viel besser an, und als wir nach einigen Minuten bei mir ankamen, war das erste was ich wissen wollte: "Was ist dein Lieblingsessen? Also außer Käsekuchen. Du musst doch irgendein Gericht haben, dass du gerne magst, oder?" Jisung stieg aus dem Auto aus, ließ die Beifahrertür vorsichtig zufallen und lief zu mir auf den Bürgersteig.

"Nein, ich habe kein Lieblingsgericht. Nur Käsekuchen, und vielleicht auch ein Schokoladenkuchen. Aber ich esse eigentlich alles gleich gern. Wenn... Naja... Es halt nicht zu viel ist." Überrascht blickte ich in sein Gesicht. Es war etwas neues für mich, dass man kein Lieblingsessen hatte, aber wenn Jisung wirklich nur auf diese beiden Kuchen stand, dann wusste ich, was er heute Abend wohl in sich hinein gestopft bekommen würde.

Verstehend nickte ich, legte einen Arm um seine schmalen Schultern, bevor ich ihn sanft die Treppen zu meinem Apartment hoch schob. Jisung schien noch immer ein wenig schüchtern, oder eher in sich gekehrt zu sein. Aber das war vollkommen in Ordnung. Vielleicht hatte mein kleiner auch nur einen schlechten Tag. Ich schloss die Wohnungstür auf, und direkt kam mir der Geruch nach Zuhause entgegen. Hier fühlte ich mich wirklich wohl, auch wenn ich nicht ganz so oft hier war. "Fühl dich wie Zuhause, Honey. Du kannst deine Sachen in mein Schlafzimmer bringen, mich findest du in der Küche."

Mit diesen Worten entfernte ich mich von dem Jüngeren, welcher ein bisschen verloren durch den Flur lief und mein Zimmer betrat. Es war wirklich niedlich, jedoch war er schon in meinem Zimmer verschwunden, weshalb es sich nicht mehr lohnte über ihn zu fangirlen. Nachher hätte ich genügend Zeit, und vor allem die Gelegenheit dazu. Pfeifend zog ich meine Jacke aus, hängte sie über meinen Küchenstuhl und zog die Schuhe aus. Zwar war es draußen relativ nass, aber meine Schuhe hinterließen keine Abdrücke. Dafür hatte ich sie im Treppenhaus schon an einer der Fußmatten abgewischt.

Zuerst machte ich Wasser im Wasserkocher heiß, bevor ich meine Hände an Waschbecken wusch. Gerade trocknete ich sie ab, als Jisung mit kleinen Schritten ins Zimmer kam. Er sah ziemlich unmotiviert aus, beinahe schläfrig. Da könnte ein Tee doch nur gut tun. "Honey, willst du mir helfen? Ich backe jetzt Kuchen, und wenn du mir sagst wie, mache ich ihn genauso wie du es haben möchtest!" Jisung lächelte mich an, bevor er zu mir hinüber lief um sich selbst die Hände zu waschen.

"Ich helfe gerne. Können wir zusammen einen Schokokuchen machen? Dein Käsekuchen letztes Mal war wirklich lecker, da kann dieser doch nur perfekt werden!" Lachend stimmte ich zu, auch wenn der Kuchen unseres Dates ein reiner Glücksfall war. Jisung musste ja nicht wissen, dass ich diesen Kuchen ungefähr sieben Mal gemacht hatte. Nur, damit er perfekt für ihn wurde. Nach einiger Zeit hatten wir die Zutaten welche wir brauchten zusammen gesucht, und auf die Anrichte gestellt. Zusammen rührten wir den Teig an. Gerade kippte ich etwas Mehl an die braune Mischung, als Jisung begann zu rühren. Je fester der Teig wurde, umso langsamer wurden seine Bewegungen. Jisung bekam den Schneebesen nicht mehr von der Stelle.

"Hyung! Der Teig ist blöd, ich bekomme ihn nicht umgerührt!" quengelte Jisung wie ein kleines Kind. Er unterdrückte ein herzhaftes Gähnen. Schnell kippte ich noch den Rest des verbliebenen Mehls in die Schüssel, bevor ich von der Anrichte sprang auf welcher ich saß. "Gib Mal her. Schau: du nimmst den Griff so von oben, und beginnst im Kreis zu schwingen. Wenn du es aus dem Handgelenk heraus machst, geht es viel einfacher." Ich zeigte es dem Schwarzhaarigen einmal, und übergab es schließlich ihm wieder. Jisung probierte es. Er probierte es sogar mehrmals, aber seine Technik war einfach nicht die richtige. "Nein, nein, nein. Warte Mal. Gib mir Mal kurz deine Hände, Honey."

Ich stellte mich vorsichtig hinter ihn, und legte meinen Kopf auf seine Schulter. Sanft umgriffen meine Hände die seinen, richteten sie so, wie ich es ihm vorhin gezeigt hatte und begann den Teig umzurühren. "Genau so..." murmelte ich leise. Meine Bewegungen wurden langsamer, seine auch. Immer weiter, bis er ganz aufhörte und das gesamte Mehl in dem leicht flüssigen Teig aufgelöst war. So verharrten wir, in einer stillen Umarmung. Meine Hände lagen auf seinen, und mein Kinn ruhte auf seiner Schulter.

Ich spürte wie Jisung leise seufzte, und sich mehr gegen meine Brust lehnte. Ich hoffte, es gefiel ihm, denn ich persönlich fand diesen Moment unfassbar schön. Niemand sagte etwas, nur das leise Atmen von uns beiden war zu hören. "Ich könnte ewig hier stehen bleiben..." flüsterte der Jüngere leise, und ich nickte vorsichtig. "Aber der Kuchen muss in den Ofen, Honey..." merkte ich an, weshalb er wieder seufzte. Ich hauchte einen kleinen Kuss auf seine Schulter, bevor ich mich wieder von ihm wegdrückte. Jisung schien fast eingeschlafen zu sein, weshalb ich es übernahm den Kuchen in den Ofen zu schieben. Ich stellte noch die Backtemperatur ein wenig höher, bevor ich mich zu ihm umdrehte.

Jisung saß auf einem meiner beiden Küchenstühle, seine Arme hatte er auf der Lehne verschränkt. Darauf lag sein Kopf, die Augen waren halb geschlossen. "Honey... Du darfst noch nicht schlafen..." sagte ich grinsend. Ich hockte mich vor ihn hin, um zärtlich eine Strähne aus seiner Stirn zu streichen. Jisung brummte nur. "Komm schon. Ich weiß, du willst den Kuchen noch essen. Es ist nicht einmal um zehn." Jisung sah schläfrig zu mir hinunter, bis er leise ein paar Worte murmelte. "Ich bin müde..." vernahm ich.

Ein kleines Lächeln erschien auf meinen Lippen. Das war es also. Der Kleine war die ganze Zeit so still und in sich gekehrt gewesen, weil er todmüde war. "War der Tag heute so anstrengend, hm?" Als er nur nickte, dann aber ein Gähnen unterdrücken musste verschwand langsam mein Lächeln aus dem Gesicht. Der Koreaner sah gar nicht gut aus. Sein Blick war trüb auf einen Punkt hier in der Küche gerichtet, und er schien insgesamt viel lebloser als vor ein Paar Tagen. Wieso war mir das alles noch nicht früher aufgefallen? "Geht es noch?" fragte ich besorgt. Jisung setzte sich gerade hin, streckte sich und nickte dann. "Kein Problem, muss mich nur ein wenig zusammenreißen."

Er lächelte mich entschuldigend an, und stand dann langsam auf. Dabei stolperte er kurz einen Schritt zur Seite. "Weißt du was? Du gehst jetzt erstmal ins Wohnzimmer. Ich komme gleich mit dem Tee, du kannst dir schon Mal einen Film aussuchen." Jisung schüttelte trotzig den Kopf, streckte beide Arme nach mir aus. "Hyungie soll mich tragen." Auch ich lächelte nun wieder etwas, erhob mich vom Küchenboden und lief einige Schritte auf den Schwarzhaarigen zu. Meine beiden Venen durch zogenen Hände legten sich an seine hinteren Oberschenkel, um einen festen Halt zu haben. Mein Herz flatterte vor Niedlichkeit, als Jisung unbemüht in meinen Arm hopste. Seine Beine schlossen sich um mich, ebenso wie seine Arme. Diese krallten sich vorsichtig in meine Schultern, was ich als Zeichen nahm los zu laufen. Jisung legte seine Stirn in meine Halsbeige, ließ sich weiterhin tragen. Es war kein Problem für mich, denn er war wie erwartet wirklich nicht schwer. Ich konnte seinen warmen, gleichmäßigen Atem fühlen, und grinste vorsichtig. Ich hatte das Gefühl, jeder kleinste Laut könnte ihn stören. Leise lief ich über den Teppich und Wohnzimmer, beugte mich, als ich bei der breiten Couch ankam weit nach vorne, und legte den schläfrigen Jungen in die weichen Kissen. Er wollte mich nicht los lassen. Grinsend nahm ich meine Hände von seinem Körper, und zog die Hände von meinem Nacken weg. Während den paar Sekunden die wir durch meine Wohnung gelaufen sind, hatte Jisung doch tatsächlich ganz selbstsicher seine Hände in meine Haare geschmuggelt. Nicht dass es unangenehm war. Als ich in sein Gesicht schaute, bemerkte ich, wie seine Augen wirklich mit der Müdigkeit zu kämpfen hatten. Also beeilte ich mich. Ich betrat mit einem warmen Kribbeln im Bauch die Küche, goss das heiße Wasser auf die herausgestellten Teebeutel. Während der Kuchen dabei war fertig zu backen, beschäftigte ich mich eine Viertel Stunde noch mit meinem Handy und sah YouTube.

Der Tee zog zwar noch immer, aber ich mochte ihn sowieso lieber, wenn er etwas stärker war. Nach etlichen Minuten war auch endlich der Kuchen fertig, welchen ich aus dem Ofen nahm und direkt zwei Stücke abschnitt. Er musste zwar noch ein wenig kühlen, jedoch konnte er das auch im Wohnzimmer. Die beiden Tassen und das Gebäck mit zwei Gabeln, stellte ich auf ein Tablett, welches ich ins Wohnzimmer trug. Jisung saß vor dem Fernseher, und schaute sich irgendeine Dokumentation an, während er bemüht die Lider offen hielt. Er lächelte erleichtert, als ich eintrat.

"Ich dachte schon, du kommst nie..." murmelte er leise, aber vor allem glücklich. Ich schmunzelte ihn nur beruhigend an, stellte das Essen auf den Couchtisch und blickte ebenso zum Fernseher. Mit der Fernbedienung schaltete ich um, dass wir einen Film sehen könnten. Sofort wurde mir 'Findet Nemo' angezeigt, den Film, den ich zuletzt gesehen hatte. Doch das war jetzt auch schon Monate her, denn neuerdings schaute ich eher Serien auf meinem Laptop. Jisung neben mir legte sein Handy hin, seinen Kopf auf meine Schulter und nickte leicht.

"Das klingt gut, Hyung. Lass uns das schauen..." murmelte er. Ich bemerkte, dass er bereits wieder fast im Halbschlaf war, weshalb ich einen Entschluss fasste. "Hör Mal zu, Honey. Ich will dich nicht zu etwas bringen, was du nicht willst. Du bist sicherlich todmüde, Hyunjin hat mir geschrieben, dass du heute in der Eishalle warst. Das ist doch bestimmt extrem anstrengend. Wie wäre es, wenn du dich erst einmal Bett-fertig machen gehst, und dann schauen wir, ob du überhaupt noch Lust auf den Film hast, ja?"

Der Schwarzhaarige schien kurz darüber nachzudenken, bis er widerwillig nickte und sich ganz langsam vom Sofa schliff. "Ich warte hier, Honey. Du kannst auch Anziehsachen aus meinem Schrank nehmen, wenn du das bequemer findest." Er nickte stumm, und entfernte sich aus dem Wohnzimmer.

Shit, Alter. Diese enge Hose, welche offensichtlich und definitiv nicht ihm gehörte, sah einfach zu gut aus. Ich kam nicht drum herum ihm ausgiebig hinterher zu starren, und zu hoffen, dass er es nicht bemerkt hatte. War das sein Plan? Versuchte er mich damit für sich zu gewinnen? Eigentlich ziemlich dumm, denn er müsste ja mittlerweile gemerkt haben, dass er mir so gefiel wie er war. Aber wahrscheinlich hatte er sowieso keinerlei Interesse in dieser Art an mir. Jisung schien nicht der Typ zu sein, der sich einfach in dahergelaufene Typen verliebte.

Schon die letzten Tage, hatte ich öfter daran gebracht ihn einfach endlich umzubringen. Denn er hatte offensichtlich keine Gefühle für mich, und damit er mir nicht noch mehr ans Herz wuchs, wäre es tatsächlich besser ihn bald umzulegen. Seufzend blickte ich zum Fernseher, und dann wieder in den dunklen Flur, in welchem er verschwunden war. Noch zwei Wochen...

Ich beschloss mich abzulenken, denn ich wollte nicht weiter über soetwas nachdenken. Also probierte ich etwas von dem Kuchen, schaute noch ein wenig auf Insta herum, bis ich Schritte hörte, die sich langsam näherten. Jisung trat schüchtern ein, und es sah einfach zu niedlich aus, wie er da stand. Er trug nur eine seiner Boxershorts, ein großes, weißen T-Shirt von mir und seine knuffige Brille. Ich hatte den Kleinen noch nie mit Brille gesehen, obwohl ich natürlich wusste, dass er Kontaktlinsen trug. Es war einfach zum niederknien. Seine verwuschelten Haare standen in alle Richtungen ab, und er rieb sich müde die Augen, weshalb seine runde Brille am Ende tatsächlich ein wenig schief stand. Er sah so unfassbar niedlich aus, ich hätte heulen können.

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