~31~
Jisung P.O.V.
Die letzten 3 Tage waren die Hölle. Als ich Montag in die Schule gegangen war, fühlte ich mich schlechter als jemals zuvor. Haechan war von seiner Suspension wieder da, was um ehrlich zu sein sehr kontraproduktiv für mein Selbstbewusstsein war. Ich ging diesem Idioten so gut es ging aus dem Weg, um keinen Streit oder so etwas zu provozieren. Eigentlich hatte er mich seit diesem Montag nicht mehr angegriffen, sowohl mental als auch physisch. Und das machte mich nicht weniger ängstlich.
Im Gegenteil. Ich wusste, dass es im Prinzip nur eine Frage der Zeit war, wann endlich die Bombe platzen würde. Ich spürte die Stunden vorbei ziehen, und meinen eigenen Herzschlag wie einen Countdown ticken. Ich wusste, es würde irgendwann wieder soweit sein, dass nicht einmal mehr ein Schulverweis den Schwarzhaarigen davon abhalten konnte seinen Hass an jemandem auszulassen.
Doch bis dahin versuchte ich alles, um nicht seinen Zorn auf mich zu ziehen oder anderweitig Aufmerksamkeit zu erregen. Stattdessen kam ich seit dieser Woche immer pünktlich zum Klingeln an, um ihm keine Chance vor dem Unterricht zu geben mich abzupassen, und nach Schulschluss war ich der erste, der nach Hause rannte.
All dieser Stress, sorgte jedoch nicht nur für eine ständige Angst welche mir rund um die Uhr im Nacken saß, sondern auch dafür, dass ich nicht wirklich genügend Schlaf erhielt. Zu lange lag ich jede Nacht hellwach in meinem Bett und dachte mir die gruseligsten Dinge aus.
"Du siehst müde aus, Honey. Hast du nicht gut geschlafen?" waren die ersten Worte welche ich von dem lächelnden Schwarzhaarigen hörte, nachdem ich die Tür aufgemacht hatte.
Er hat mir vor ungefähr fünf Minuten geschrieben, dass er vorbei kommen würde, da er sich in der Gegend rumtrieb und nichts anderes zu tun war. Da stand er nun, durchgestyled und ausgeschlafen, dass ich nur eifersüchtig sein konnte. "So ungefähr..." murmelte ich leise, und zog meine Pulliärmel tiefer über die frierenden Fingerspitzen. Es wurde echt eiskalt hier draußen.
"Komm rein, Hyung..." sagte ich schlaff, und drehte mich einfach in der Tür um. Langsam, ohne jegliche Emotionen im Gesicht trottete ich auf die Küche zu, wo ein paar Hefter des heutigen Schultages lagen. Da ich wie schon gesagt keine Zeit nach dem Unterricht vergeuden wollte, war ich auch seit dieser Woche nicht mehr am Spind. Also nicht Nachmittags. Somit konnte ich das ganze schwere Material nirgends unterbringen und musste es nach Hause tragen. Während ich mich lustlos auf einen der Küchenstühle plumpsen ließ, vernahm ich die Schritte meines Hyungs hinter mir.
"Ich meine es ernst... Du siehst halbtot aus. Erzähl doch Mal was passiert ist!" versuchte Minho mich nun zu motivieren. Es gelang ihm nicht im Geringsten. "Bin einfach totmüde... Vorhin habe ich sogar die Hofpause komplett verpennt, weil ich auf meinem Stuhl eingeschlafen bin." grummelte ich. Entnervt stöhnend ließ ich meine Stirn auf mein Geschichtsbuch sinken, welches wie viele andere auf diesem Küchentisch Platz fand.
Doch ebendiese gebeugte Position ließ mich laut zischen, und innerhalb kürzester Zeit zurück schnellen. Das tat extrem weh. Anscheinend hatten mich meine Schlafprobleme und die schwere Schultasche dazu gebracht Rückenschmerzen zu bekommen. "Hey, Ji... Wenn es dir nicht gut geht, dann sollst du es doch einfach sagen. Das Thema hatten wir doch schon. Ich sehe dir doch an, dass du nicht entspannt bist."
Die sanfte Stimme meines Hyungs bereitete mir eine bestätigende Gänsehaut, was er zum Glück nicht sah, da ich auch heute wieder einen Rollkragenpulli trug. Ich erwiederte auf seine Sätze hin nichts, denn er hatte absolut Recht. Es ging mir alles andere als gut, und das sah sogar ich ein. Doch ehe ich erneut seufzen konnte, spürte ich plötzlich zwei warme Hände an meinen Schultern, welche offensichtlich Minho gehörten.
"Lass mich einfach machen..." raunte er dicht an meinem Ohr. So dicht, dass ich nicht anders konnte als rot zu werden, doch ich nickte trotzdem. Das breite, vergeblich unterdrückte Grinsen in meinem Gesicht durfte natürlich dabei nicht vergessen werden. Dieses änderte sich aber rasch, als Minho sanft begann meine schmerzenden Schulterblätter zu massieren. Es tat unnatürlich weh, aber gleichzeitig irgendwie auch gut.
Ein leichtes Zischen nach dem anderen verließ meinen Mund, und mit der Zeit wurde ich durch den sich steigenden Druck demnach auch lauter. "H-hyung..." preste ich schmerzerfüllt hervor, doch Minho winkte nur ab. "Es wird gleich besser, mein Engelchen. Die Spannung löst sich, halte nur noch ein bisschen durch." Zitternd nickte ich gehorsam, doch konnte mir einen erneuten Schmerzenslaut nicht verkneifen, sobald er mit beiden Daumen kurz unter meinem Nacken zudrückte.
Dieser Junge schien aber auch alles zu können. Denn seine Massage wirkte tatsächlich Wunder. Bereits nach wenigen Minuten, hatte das unangenehme Gefühl erdolcht zu werden abgenommen. Dafür fing ich langsam an es zu genießen. Immer wieder fuhren die Finger in kreisenden Bewegungen über meine mit dem Pullover bedeckte Haut, und hinterließen ein angenehmes Kribbeln.
Um nicht ganz so unproduktiv herum zu sitzen, beschloss ich nocheinmal meinen Hefter zu betrachten. So vertieft in meine Aufzeichnungen über Gleichungssyteme merkte ich nicht, wie sich Minho's Finger immer höher arbeiteten, und sich dem Kragen meines Pullis näherten. Erst als sich die eisigen Fingerkuppen an meiner empfindlichen Haut unter dem Haaransatz bemerkbar machten, zuckte ich stark zusammen.
Ein dunkles Lachen war alles, was ich wahrnahm, bevor die Hände etwas tiefer in den Hoodie eintauchten, vorsichtig, als wäre das Darunterliegende aus Glas. Genießerisch seufzte ich auf, schloss die Augen, ließ damit bedingungslos zu, dass er die Massage ohne Stoff fortführte.
Er fuhr ein wenig nach vorn, berührte fast mein herausstechendes Schlüsselbein, als ein Klingeln durch unsere Wohnung hallte, Minho leise fluchend seine Arme zurück zog und durch die Tür im den Flur trat. Kurz war es still, nur das Klicken des Schlosses erfüllte die Stille, bis die Stimme unseres Jüngsten die entspannte Atmosphäre brach.
"Hyuuuung! Ich hab jemanden mitgebracht!" Man hörte leises Murmeln von Minho, und einer Person, der ich keine Stimme zuordnen konnte, als Jeongin auch schon seinen fluffigen Lockenkopf in den Türrahmen steckte. Breit grinsend trat er ein, ließ mir mit seiner Ausstrahlung ebenfalls ein Lächeln ins Gesicht steigen.
Über seinen Schultern hing ein langer schwarzer Mantel, auf dessen Oberfläche nicht ein Makel zu erkennen war. Aber länger auf dieses fremde Kleidungsstück konnte ich mich nicht konzentrieren, denn Jeongin's kleine Hand streckte sich schon erneut in den Flur, schien etwas zu greifen, und es dann mit aller Kraft ins Zimmer zu ziehen.
Herein stolperte eine große Person, mit auffällig glänzenden Haaren, auf die jeder neidisch wäre. Der Junge kam mir ziemlich bekannt vor, doch als mir der Name zu dem schönen Gesicht einfiel kam mir Minho bereits zuvor. "Was machst du eigentlich hier, Hyunjin?" Seine Stimme schallte noch immer aus dem Flur, kam dann aber näher, bis auch der letzte Anwesende das Zimmer erreicht hatte.
Sofort stellte sich der Angesprochene hinter Jeongin und klammerte sich um die Taille des Kleineren. "Ich hab den Süßen hier Heim gebracht." Stimmt, jetzt wo er es sagte; ich hatte Jeongin seit heute morgen nicht mehr gesehen, ebenso kam er nach der Schule nicht Heim. Der einzigartige Piercing an Hyunjins Lippe zitterte beim Reden, er stand ihm immernoch ausgezeichnet. Das schwarze Tanktop betonte seine weißen Arme, welche im starken Kontrast zu der ebenfalls schwarzen Jeans standen. Sogar schön wäre zu untertrieben für diesen Jungen, er war einfach atemberaubend. Jeongin hatte einen guten Fang gemacht.
"Aber Hyunjin! Du gehst niemals unter Menschen. Niemals! Was ist denn mit dir los?" Minho klang nicht wütend oder so etwas, als er sich dicht neben mich stellte, und die kuschelnden Jungs vor uns ebenfalls musterte, sondern nur unglaublich verwundert. "Mir liegt die Sicherheit des Kleinen eben sehr am Herzen. So sehr, dass ich sogar nach draußen gehe."
Aber nach draußen gehen war doch nichts besonderes, oder? Leise kichernd kuschelte sich der Zahnspangenträger enger in die Umarmung, das Kinn des Größeren legte sich auf die flauschigen Wellen von Jeongin. Ruckartig schnellte aber dessen Kopf nach hinten, blickte schüchtern zu Hyunjin nach oben. "Hyung, du darfst deine Mantel aber nicht vergessen!" Achso, daher hatte er ihn also.
Grinsend beobachtete ich, wie der Jüngste sich aus der Jacke schälte, um den fließenden schwarzen Stoff wieder zurück zu geben. Erst jetzt fiel mir auf, was Jeongin da trug. Normale schwarze Jeans, die aber nicht wie üblich durch lange weite Kleidung verdeckt wurde, sondern bis zum Knopf freilag. Sein Pullover war Tarnfarben, hatte eine große Kapuze, endete aber knapp über dem Hosenbund. Hatte Jeongin wirklich ein Croptop an?
Anscheinend, denn bei jeder seiner Bewegungen entblößte der Stoff ein paar Zentimeter nackte Haut, was mich erschrocken nach Luft schnappen ließ. "Jeongin?! Was hast du an?" Er war zwar erwachsen, aber sein Style war trotzdem ungewohnt. Bevor er antworten konnte, klickte das Schloss erneut, und die motivierte Stimme meines besten Freundes hallte zu uns herüber. "Mates! Ich bin Zuhause! Warum sind hier denn so viele Schuhe? Ist Minho wieder da? Hello Spinno!"
Ein blonder Schopf erschien im Zimmer, schaute auch nicht weniger verwundert als ich, über Jeongins neuen Style. Doch ein Merkmal ließ ihn stutzig die Augen aufreißen. "Jeongin, Oh my gosh! Was ist das in deinen Ohren?! Sind das Ohrringe? Echt jetzt? Das sieht so gut aus!" Ein wenig schüchtern griff sich der Schwarzhaarige an die Ohrläppchen, welche zwei glitzernde, goldene Stecker zierten. Beim genaueren Hinsehen konnte ich ebenfalls welche auf der anderen Seite entdecken. Sogar drei!
"Jaaaaaa, also das war spontan. Hyunjin hat die mir gestochen, als ich bei ihm war." Felix quietschte entzückt, rannte auf die Beiden zu, und zog die Dunkelhaarigen in eine motivierte Gruppenumarmung. Der Älteste jedoch schien es nicht so zu genießen; anscheinend mochte er nur Körperkontakt von seinem 'Süßen'.
Interessant...
Keine zwei Minuten später saßen wir alle auf der Couch, wild diskutierend, ob Jeongin in diesem Aufzug durch die Straßen laufen sollte, als sich zum ersten Mal seit langem Minho wieder am Gespräch beteiligte. Er saß vor mir auf dem Boden, hatte sich an meine Schienbeine angelehnt, und ließ sich von mir durch die weichen Haare fahren. Er dachte nach; worüber wusste ich nicht.
"Wartet Mal. Jeongin du hast gesagt, dass du deine Ohrlöcher von Hyunjin hast? Also, während du bei ihm Zuhause warst?" Noch immer schien der Schock tief zu sitzen, was ich nicht nachvollziehen konnte, denn was war daran denn verwerflich? Jinnie wollte gerade beginnen zu reden; die Schnur an seiner Lippe zitterte bereits, da schwärmte der Jüngste auch schon los. "Ja! Felix, Jisung, ihr hättet das sehen müssen! Da ist so viel Technik, das glaubt ihr nicht. Aber es war auch alles total dunkel. Ich hab heute Mal angefangen das schöner zu machen. Jetzt sind immerhin die Vorhänge im Wohnzimmer auf. Das Schlafzimmer durfte ich noch nicht ändern."
Zum Ende hin klang er etwas betrübt, doch seine Augen behielten das Funkeln, welches er bekam, als er vorhin zusammen mit dem Anderen das Wohnzimmer betreten hatte. Es machte mich glücklich, meine Mitmenschen fröhlich zu sehen, und es war mir das wichtigste, dass sie ein schönes Leben haben würden. Dafür stellte ich oft auch meine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund. Mit Minho hatte ich jetzt eine Person gefunden, die genau das für mich war. Er stellte sich selbst hinten dran, um für mich da zu sein, und das fühlte sich verdammt gut an. Eben erwähnte Person spannte sich unter meinen Händen an.
"Er durfte dein Haus ändern?! Er durfte Licht reinlassen?" Erneut kicherte der Kleine, anscheinend seine neue Lieblingsbeschäftigung. Und anscheinend fand das auch Hyunjin gut, denn er sah den Zahnspangenträger mit solch einem lieblichen Blick an, dass ich das Gefühl hatte, die beiden wären bereits ein Paar. Kurz schwiff mein Blick zu dem makellosen Gesicht von Minho, dessen grosse, runde Augen interessiert auf die Turteltauben gegenüber von uns gerichtet waren. Innerlich musste ich seufzen. Hyunjin und Jeongin waren schon süß zusammen, das konnte keiner leugnen.
In gewisser Weise war ich auch etwas eifersüchtig auf das Glück der Beiden, andererseits brachte die Liebe oft nur Kummer. Ich war zwar nicht verliebt, aber trotzdem hatte Minho mir seit seinem Auftauchen nur Stress bereitet. Neben all den schönen Momenten, hatte ich immer das Gefühl, alles falsch zu machen. Und das war schrecklich. Ich schaute ihn bereits zu lang an, doch konnte mich einfach nicht von der Perfektion abwenden. Er war so anders als ich. So schön und talentiert.
Warum wollte er überhaupt etwas mit mir zu tun haben, wenn er jeden kriegen konnte? Da ich keine Acht gab mein Beobachten geheim zu halten, wurde mein Blick nach einiger Zeit erwidert. Dunkle Augen, mit noch dunkleren Wimpern sahen zu mir auf, sein Lächeln entblößte eine Reihe weißer Zähne. Anscheinend wusste er ganz genau, dass ich seit einigen Minuten nicht mehr an der Konversation der Anderen betätigt war, sondern ihn nur angestarrt hatte. Und er entschied sich dazu, mir einen peinlichen Moment zu bereiten, und starrte zurück.
Vielen Dank auch. Tatsächlich konnte ich mich losreißen, und schenkte den Gesprächen wieder Beachtung, spürte jedoch direkt, wie jemand nach meiner Hand griff, und diese erneut zur weichen Haarpracht vor mir geführt wurde. Brav streichelte ich also weiter. "Aber wie seid ihr auf die Idee mit den Ohrringen gekommen?" fragte gerade Felix die beiden Anderen, welche nun fast aufeinander in dem schmalen Sessel saßen. "Naja," begann Hyunjin. "Der Süße war wohl neidisch auf meinen Piercing. Er wollte auch so einen haben, jedoch ist einer in der Lippe für Anfänger ein bisschen schmerzhaft. Ohrringe waren für den Anfang ein guter Kompromiss."
Heftig nickte Jeongin, bemüht dem Großen so viel Unterstützung zu geben wie nur möglich. Minho musste kurz lachen, er bekam nur einen verwirrten Blick von mir zugeworfen, erklärte sich dann aber. "Gut, dass ihr das nicht gemacht habt. Ich will eure Münder nicht irgendwann voneinander trennen müssen, weil eure Piercings hängen bleiben!" Nun schmunzelte ich ebenfalls, doch der Schüler wurde nur etwas rot um die Nase, versteckte sich an der nackten Schulter von Hyunjin und murmelte etwas von 'Keine Sorge'.
"Fühlt sich das eigentlich komisch an beim Küssen? Wenn man einen Piercing hat, meine ich." räumte ich meine Frage in den Raum. Kurz blieb es still, der Schwarzhaarige schien tatsächlich über meine Frage nachzudenken. Irgendwann zuckte er aber mit den Schultern. "Weiss ich nicht. Kann sein. Hatte noch nicht das Vergnügen es auszuprobieren."
Nun war ich an der Reihe dumm zu gucken. Der Hyunjin, Mister Ich-bin-so-hübsch-dass-sich-alle-vor-mir-niederknien war noch ungeküsst? Na witzig, dass war ja Mal eine Überraschung. Unbekümmert sah er uns in die ungläubigen Mienen. "Was denn? Seit ich 15 bin, also ungefähr 4 Jahren, war ich vielleicht 6 Mal außerhalb unseres Hauses. Ich habe nicht so viel Kontakt zu Menschen. Es sei denn, ich würde einen Pizzaboten flachlegen wollen."
Das klang zwar logisch, trotzdem ungewöhnlich. Ich dachte, er wäre ein richtiger Playboy, der jeden Tag am Pool mit vielen Mädels chillt. Aber gut, seine Hautfarbe zeugte davon, dass er die Wahrheit sprach. Mister-ich-trage-ein-Tanktop-um-meine-perfekte-Skin-zu-präsentieren war noch jungfräulicher als Jeongin, und dieser war schon so unschuldig, wie ein frisch geborenes Lämmchen. Nur ein Gedanke bereitete mir noch Sorgen. "Pass auf, dass Seungmin dich so nicht sieht. Der macht sonst wieder einen auf overprotective Boyfriend."
Auf seine Reaktion war ich am meisten gespannt, denn er fand es bestimmt nicht toll, dass Hyunjin unserem Küken Löcher ins Ohr geschossen hatte. Ganz im Gegenteil: Er würde ausrasten. Und wenn man etwas nicht erleben wollte, dann, wie Seungmin ausrastet. Hyunjin blickte nun auf einmal ziemlich finster drein, und musterte den Kleinen genau. "Wieso Seungmin? Steht der etwa auf dich, Süßer?"
Laut lachte Felix auf, seine Stimme war hoch und quietschig. Ich drehte meinen Kopf zum Australier, welcher sich kugelnd neben mir auf dem Sofa bewegte. Seine Luft atmete er stoßweise aus, und versuchte Worte heraus zu quetschen. "Keine Sorge Gruseltyp. Seungmin ist genauso Hetero, wie ich Schwul bin. Der will nichts von deinem Baby, sondern hat sogar selber eine Freundin." Auch ich musste grinsen, denn der Braunhaarige war wirklich manchmal genervt von unserer Sexualität, wenn wir am Frühstückstisch über heiße Typen redeten. Aber das war absolut okay, es war einfach seine Art.
In dem Moment hörte man zum dritten Mal an diesem Tag das Türschloss knacken. "Leute! Bin wieder da! Haben wir Besuch, oder was sind das hier für Sachen?" hallte es durch die Wohnung. Felix hörte augenblicklich auf zu lachen, und grinste nur böse zu unserem Jüngsten hinüber. "Hat jemand Popcorn? Das könnte spannend werden..."
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