Kapitel 26
Noch immer von dem Beruhigungstrank gerädert, ließ ich mich auf einen Sitzplatz in einem leeren Abteil im Hogwartsexpress fallen. Zwar war es jetzt ungefähr eine Woche her, seitdem ich wieder frei gelassen worden, doch trotzdem spürte ich noch die Spuren von meiner Niederlage. Meine Magie war noch viel schwächer als früher, ich fühlte mich noch immer erschöpft, doch wenigstens hatten Fieber und Schüttelfrost nach vier Tagen aufgehört.
Ich hatte eingesehen, dass ich mich viel zu sehr auf meine reine Magie verlassen hatte. Marlon hatte Patricia immer gesagt, ihre Magie war vielleicht stark, aber sie war nicht unbesiegbar. Er hatte Recht damit gehabt. Wenn man irgendjemand, der der gefühlsgeladenen Kriegsnymphe wichtig war, ein Messer an die Kehle hielt, würde sie sich wahrscheinlich selbst umbringen, um ihn zu retten. Diese Schwäche hatte ich nicht, dafür hatte ich mich vollkommen auf meine Fähigkeiten ausgeruht. Anstelle daran zu denken, dass Remus Patricia schon einmal mit Beruhigungstrank überrumpelt hatte, war ich einfach losgestürmt. Mangelnde Angst war meine Schwäche.
Der Zug war gerade angefahren, als die Tür zu meinem Abteil aufgezogen wurde. Ich sah überrascht dorthin, während ich gleichzeitig eines meiner Messer in meine Hand gleiten ließ. Marlon hatte vielleicht Samuel, Remus und Jean davon überzeugen können, mich zu verschonen, aber vielleicht wollten Kira und Mary doch lieber auf Nummer sichergehen. Oder die gesamte Familie hatte sich wieder umentschieden.
Doch es kam niemand Bedrohliches herein. Sehr zu meiner Verwunderung kam Adina auf mich zugestürmt. Sie viel mir um den Hals. Sie konnte doch nicht denken, dass Patricia wieder zurück war. Blaise hatte sie doch sicherlich informiert, wie die Lage aussah.
„Du weißt gar nicht, wie froh ich bin, dich zu sehen, Tahnea", quietschte sie in mein Ohr. Anstelle einer Antwort schupste ich sie bestimmt von mir weg. Mag ja sein, dass ich so dumm gewesen war, jemanden mit Schlaftrank an mich ran zu lassen, aber noch mal würde ich den Fehler nicht begehen. Ab jetzt würde ich immer eine Armlänge Abstand zu Leuten halten, die irgendwo Schlaftrank versteckt haben konnten. Und noch mehr zu Leuten, die vielleicht wie Marlon die kleine Patricia zurückholen konnten.
„Kriege dich wieder ein Malfoy. Ich bin wieder fit und habe kein Interesse an solchen Überfällen!", fuhr ich sie an. Automatisch sah sie traurig zur Tür, wo doch tatsächlich Jamie mit gezückten Zauberstab stand. Lächerlich. Ich war vielleicht geschwächt, aber nicht so schlimm, dass er mich aufhalten könnte.
„Ich merke es, du bist wieder voll und ganz die Alte", murmelte Adina.
„Ja, das bin ich. Ich will einen Bericht, was ihr in den Osterferien erlebt habt. Detailreich. Also setzt euch." Ich zeigte auf die Sitzbank mir gegenüber. Wenn sie mir schon so bereitwillig zuliefen, sollten sie sich wenigstens nützlich machen.
„Wir hatten eigentlich nur mit Mutter und Draco Kontakt. Es gibt bald einen Sonderapparierunterricht für alle Volljährigen. Am nächsten Sonntag in Hogsmeade. Draco hat mich schon angemeldet."
Ich verdrehte die Augen. Das waren wirklich keine interessanten Informationen für mich.
Ich blätterte im aktuellen Tagespropheten, während ich darauf wartete, dass wir in den Raum für Verteidigung gegen die dunklen Künste betreten konnten. Der Unterricht würde in wenigen Minuten losgehen, weshalb sich schon die meisten Schüler vor der Tür versammelt hatten. Nur Harry fehlte noch. Von mir aus konnte er allerdings gerne noch etwas wegbleiben. Das würde ihm nämlich ganz sicher sehr viel Ärger mit Snape einbringen.
Viel interessanter waren allerdings die Inhalte der aktuellen Tageszeitung. Anscheinend hatte sich Mundungus Fletcher bei einem Einbruch erwischen lassen, als er sich als Inferius ausgegeben hatte. Dafür saß er nun in Askaban ein. Also entweder war der Mann ein wirklich schlechter Dieb oder er hatte es vorgezogen, sich selbst lieber ins Gefängnis zu verfrachten, als einen zweiten Besuch von mir zu riskieren. Oder er schämte sich einfach für den Verrat an den anderen Ordensmitgliedern.
Ich hatte gerade den Artikel beendet, als die Tür zum Klassenraum aufschwang. Die Schüler schoben sich nacheinander in das kerzenbeleuchtete Zimmer. Ich selbst ordnete mich mit den Malfoys ganz hinten in der Schlange ein. Ich hatte es wirklich nicht eilig, hereinzukommen. Kaum waren wir alle drinnen, schlug auch schon die Tür zu. Das übliche Kramen ging los, weil alle ihre Unterlagen herausholten.
Die Tür wurde erneut aufgerissen. Harry kam keuchend in das Klassenzimmer geeilt.
„Wieder mal zu spät, Potter", stellte Snape nur kühl fest. „Zehn Punkte Abzug für Gryffindor."
Das ganze brachte ihm einen finsteren Blick von Harry ein, doch das interessierte den Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste natürlich nicht. Er wandte sich lieber wieder der ganzen Klasse zu.
„Bevor wir anfangen, will ich Ihre Dementorenaufsätze haben", sagte Snape und schwang beiläufig seinen Zauberstab, worauf fünfundzwanzig Pergamentrollen in die Luft schnellten und ordentlich gestapelt auf seinem Schreibtisch landeten. „Und ich hoffe für Sie, dass sie besser sind als der Blödsinn, den ich über den Widerstand gegen den Imperius-Fluch erdulden musste. Schlagen Sie nun bitte Ihre Bücher auf Seite – was gibt es, Mr Finnigan?"
„Sir", erhob der drangenommene Schüler das Wort, „ich würde gern wissen, wie man einen Inferius von einem Gespenst unterscheidet. Im Propheten stand nämlich was über einen Inferius –"
Ich verdrehte die Augen. Das war wirklich eine ziemlich blöde Frage. Inferi und Geister hatten eigentlich gar nichts miteinander gemeinsam. Ein Inferius ist eine Leiche, die durch schwarze Maige zu einen seelen- und willenlosen Gehilfen gemacht wurden. Geister hingegen haben eben gerade keinen festen Körper mehr und waren die Spur, die eine verstorbene Seele hier hinterlassen hatte. Sie waren noch eine eigene Persönlichkeit, mit eigenen Gefühlen, etc.
„Nein, das ist falsch", korrigierte Snape mit gelangweilter Stimme, ohne auf die eigentliche Frage einzugehen..
„Aber Sir, ich hab gehört, wie Leute darüber –"
„Wenn Sie den fraglichen Artikel tatsächlich gelesen hätten, Mr Finnigan, dann wüssten Sie, dass der so genannte Inferius nichts Weiter war als ein ungewaschener Tagedieb namens Mundungus Fletcher."
Ich musste grinsen. Vor allem jetzt, wo er in Askaban saß, war Mundungus Fletcher sicherlich ungewaschen.
„Aber Potter hat offenbar viel zu diesem Thema beizusteuern", sagte Snape, indem er plötzlich nach hinten deutete und Harry mit seinen schwarzen Augen fixierte. „Fragen wir doch Potter, wie man einen Inferius von einem Gespenst unterscheidet."
Die ganze Klasse drehte sich nun zu Harry um, der etwas überrumpelt wirkte. Offensichtlich ging es bei seinem Gemurmel nicht darum, wie man einen Inferius von einem Geist unterscheiden konnte.
„Ähm – also – Gespenster sind durchsichtig –", sagte er schließlich verunsichert.
„Oh, sehr gut", unterbrach ihn Snape und seine Lippen kräuselten sich. „Ja, man kann ohne weiteres feststellen, dass annähernd sechs Jahre magischer Ausbildung bei Ihnen nicht verschwendet Waren, Potter. Gespenster sind durchsichtig."
Pansy Parkinson stieß eine Reihe vor mir ein schrilles Kichern aus. Einige andere feixten. Harry holte tief Luft und fuhr überraschend ruhig fort: „Ja, Gespenster sind durchsichtig, aber Inferi sind tote Körper, oder nicht? Also müssen sie fest sein –"
„So viel hätte uns auch ein Fünfjähriger sagen können", höhnte Snape. „Der Inferius ist eine Leiche, die durch den Zauber eines schwarzen Magiers reanimiert wurde. Er lebt nicht, sondern wird nur wie eine Marionette eingesetzt, um die Befehle des Zauberers auszuführen. Ein Gespenst, und ich hoffe, das ist Ihnen inzwischen allen klar, ist die Spur, die eine verstorbene Seele auf der Erde hinterlässt ... und natürlich, wie Potter uns so weise mitteilt, durchsichtig."
„Also, was Harry gesagt hat, ist absolut brauchbar, wenn wir die voneinander unterscheiden wollen!", sprang Ron seinem besten Freund bei Seite. „Wenn wir in einer dunklen Gasse einem über den Weg laufen, müssen wir doch nur Mal kurz nachschauen, ob er fest ist, und müssen nicht fragen: ›Verzeihung, sind Sie die Spur einer verstorbenen Seele?‹"
Gedämpfte Lacher waren zu hören, die bei dem Blick, den Snape der Klasse versetzte, schlagartig verstummten.
„Noch einmal zehn Punkte Abzug für Gryffindor", bestimmte Snape. „Ich hätte nichts Feinsinnigeres von Ihnen erwartet, Ronald Weasley, von dem Jungen, der so fest ist, dass er keine paar Zentimeter durch einen Raum apparieren kann."
Ich musste aufgrund der Aussage grinsen. Natürlich hatte ich schon mitbekommen, dass Ron Weasley nicht in der Lage war, zu apparieren. Draco und Adina hatten immer wieder ziemlich belustigt von dieser Tatsache berichtet.
„Schlagen Sie nun Ihre Bücher auf Seite zweihundertdreizehn auf", sagte Snape ein wenig feixend, „und lesen Sie die ersten beiden Abschnitte über den Cruciatus-Fluch ..."
Brav folgte ich der Anweisung und schlug mein Buch auf. Allerdings machte ich mir nicht wirklich die Mühe, zu lesen, was in dem Text stand. Zum einen waren es sehr wahrscheinlich eh keine neue Informationen, zum anderen hatte ich gerade Wichtiges zu tun, als etwas über den Cruciatus-Fluch zu lernen.
„Ich kann immer noch nicht glauben, dass Slughorn heute unsere Zeit damit verschwendet hat, uns etwas lustiges brauen zu lassen", grummelte Draco mal wieder. Obwohl die Zaubertrankstunde schon länger vorbei war, kam das Thema immer wieder auf. Auf dem Weg zum Raum der Wünsche, beim Reparieren des Verschwindekabinetts und auch jetzt auf dem Weg zum Abendessen beschwerte er sich über die Aufgabe.
Nicht, dass ich sie für eine Gute hielt. Die Aufgabenstellung war mehr als vage gewesen. „Lustig" war schließlich ziemlich subjektiv. Doch ich war mir ziemlich sicher, der dickliche Lehrer hatte wirklich nur gute Absichten dabei gehabt. Während fast alle aus dem Kurs bei der Apparierprüfung waren, hatte er wohl uns verbliebenen fünf – besser gesagt Harry, Ernie Macmillan, Kira Lorraine, Draco und mich – die Schulstunde wohl etwas leichter machen wollen. Hatte er nicht, jedenfalls mir nicht.
„Wir hatten schon mehrmals darüber geredet, Draco. Die Stunde war noch langweiliger als sonst", meinte ich gelangweilt. Es gab wirklich nur interessantere Themen. Zum Beispiel, wie die Apparierprüfung ausgegangen war. Ich war mir ziemlich sicher, Hermine hatte sie bestanden und auch Adinas und Marys Chancen schätzte ich nicht allzu schlecht ein, doch ich hoffte wirklich, Ron wäre durchgefallen. Es wäre ein kleiner Triumph an diesem Tag.
„Draco!", hörte man Adina in diesem Moment glücklich durch die Eingangshalle rufen. Im nächsten Moment fiel die Wassernymphe ihrem Bruder auch schon um den Hals. Sie hatte also definitiv bestanden. Ansonsten würde sie jetzt kaum so glücklich herumquietschen.
„Ist Weasley durchgefallen?", fragte ich sie daher, ohne auf ihren Erfolg weiter einzugehen.
„Ich bin es nicht. Aber er schon. Hat eine halbe Augenbraue verloren. Sah wirklich bescheuert aus", wurde mir berichtet.
Ich fing an zu grinsen. Das hörte ich doch gerne. Weasley war durch die Prüfung gerasselt und hatte dabei auch noch lächerlich ausgesehen, das war definitiv ganz nach meinem Geschmack. Ein unglücklicher Tag für ihn war nun einmal ein guter für mich. Auch wenn es schade war, dass er nicht schlimmer verletzt worden war.
Sehr zu meiner Überraschung blieben die Apparierprüfungen nicht lange Gesprächsthema in Hogwarts. Normalerweise hätte man wohl noch wochenlang darüber gesprochen, wer warum durchgefallen war. Ein paar hätten sich über die halbe Augenbraue von Ron lustig gemacht, andere hätten ihn deshalb bemitleidet. Doch ausnahmsweise war das Thema sehr schnell durch ein anderes viel interessanteres abgelöst. Auch wenn ich mir ziemlich sicher war, dass es Ron lieber gewesen wäre, wenn man weiterhin über seine vermasselte Prüfung reden würde.
Als wir am nächsten Morgen zum Frühstück hochliefen, hörte man schon überall um uns herum das Getuschel. Da es nicht um uns ging, ließ ich auch niemand davon stören, dass wir an ihnen vorbeiliefen, sodass wir ganz ungehindert einen Haufen Informationen aufschnappen konnten.
„Ich habe gehört, er hätte sie betrogen", war das Erste, was wir von dem neuen Thema durch eine Hufflepuff mitbekamen, die gerade mit zwei ihrer Freundinnen die Treppen in die unteren Geschosse herunterlief.
„Das hätte ich ihm nie zugetraut", rief eine ihrer Freundinnen überrascht.
„Es stimmt auch nicht. Ich habe gehört, er hätte endlich den Mut gefunden, ihr zu sagen, dass sie zu anhänglich ist. Er soll schon seit Wochen von ihr genervt gewesen sein, weshalb er ihr immer aus dem Weg ging", berichtete die Dritte noch, bevor die Hufflepuffs außer Hörweite waren.
„Das hört sich doch mal wieder nach einem Drama aller höchster Güte an", meinte Adina erfreut. Bärchen kläffte glücklich, doch ansonsten bekam sie darauf keine Reaktion. Mir war es wirklich egal, wer hier im Schloss mit wem Schluss gemacht hatte, solange es nicht gerade um das gebrochene Herz von Ron, Harry und Hermine ging. Da alle drei aktuell eher unglücklich verliebt waren, war eine Trennung etwas Gutes.
Auch Draco schien keinen Gedanken daran verschwenden zu wollen, wer nun wen vielleicht betrogen hatte oder eben auch nicht. Er nickte nur gedankenverloren, wahrscheinlich um seiner Schwester irgendeine Reaktion zu zeigen, ging aber auch nicht weiter auf das Thema ein.
Das hielt Adina natürlich nicht davon ab, herausfinden zu wollen, was hier gerade los war.
„Wer hat wen betrogen?", fragte Adina neugierig, kaum dass sie sich zu unseren Klassenkameraden an den Tisch gesetzt hatte.
„Ron Weasley hat wohl Lavender Brown betrogen", kam es sofort eifrig von Daphne Greengras.
Das war aber schade. Dann wurde Hermines Herz wohl nicht mehr jedes Mal in tausend Teile gebrochen, wenn sie das Pärchen sah. Aber wenigstens waren ein Haufen negativer Gerüchte über Ron im Umlauf. Hoffentlich würde er ein wenig darunter leiden, dass ihn nun alle als Betrüger bezeichneten.
„Deshalb sieht sie auch noch furchtbarer als sonst aus", fügte noch Pansy hinzu und zeigte auf das verheulte Mädchen, welches gerade am Gryffindortisch saß.
„Mit wem hat er Lavender betrogen?", fragte Draco, anscheinend nun doch auf die neusten Gerüchte gespannt.
„Mit Hermine Granger. Eine schlechte Wahl, wenn ihr mich fragt. Die Brown wäre wirklich die bessere Partie gewesen", erzählte Pansy eifrig. „Die Weasley hat sich auch von ihrem Schlammblutfreund getrennt. Es war gestern kein guter Tag für die Liebesbeziehungen der Weasleys."
Ich gab ein leises Grummeln von mir. Mochte ja sein, dass es auf den ersten Blick positiv war, dass alle Liebesbeziehungen in die Brüche gingen, doch das war es nicht. Es machte nur den Weg für Harry und Ginny beziehungsweise Ron und Hermine frei. Ich wollte aber nicht, dass sie glückliche Beziehungen führten. Sie sollten leiden, so wie es Patricia die letzten Jahre wegen ihnen musste. Vor allem wegen Potter und Weasley.
Auch das restliche Frühstück wurde noch munter weiter über die zerbrochenen Beziehungen der beiden Weasleys gelästert. Parkinson und Greengras gaben sich sehr viel Mühe, möglichst jedes kleinste Detail auszuplaudern. Adina hing auch gebannt an ihren Lippen, doch Dracos Aufmerksamkeit ließ irgendwann wieder nach. Er kuschelte lieber mit Antiope und verfütterte ein paar Scheiben Schinken an sie.
Schließlich war es Zeit, doch mal zu Zauberkunst aufzubrechen. Zusammen machten wir uns auf den Weg. Gerade als wir die Treppen in die oberen Stockwerke betraten, ging das Schlossportal auf. Eine kalte Windböe kam herein und mit ihr Katie Bell in Begleitung von Professor McGonagall. Draco wurde sofort leichenblass, während wir beobachteten, wie die Quidditchspielerin das Schloss betrat. Sie war wohl aus dem St. Mungos entlassen worden.
„Das wird zum Problem", murmelte Draco neben mir, allerdings eher zu sich selbst, als zu irgendjemand sonst.
Ich verdrehte die Augen. Jetzt machte er sich schon wieder total unnötig Sorgen. Würde sich die Katie Bell erinnern, hätte man schon längst Madam Rosmerta festgenommen. Das hätten wir mitgekriegt, weil es sicherlich auf der Titelseite des Tagespropheten gelandet wäre. Doch die Spur würde trotzdem nicht zu Draco führen. Rosmerta wurde nicht von ihm unter den Imperius-Fluch gesetzt. Sie wusste nicht, wer ihr Befehle über eine Münze vermittelte. Sie war durch den Fluch nur gezwungen, sie zu befolgen.
Viel interessanter war daher die Frage, ob die Gryffindors anders beim Quidditch abschneiden würden, jetzt wo sie wieder die originale Mannschaft zusammen hatten. Oh, ich machte mir nichts vor. Der eine Sieg würde sie kaum noch auf Platz eins befördern. Dafür müssten sie wahrscheinlich mit mehreren hundert Punkten Abstand gewinnen, das war mehr als unwahrscheinlich. Die genaue Punktzahl konnte man natürlich erst nach unserem Spiel gegen Hufflepuff sagen. Aber ihre Chancen standen durch die originale Mannschaft wesentlich besser, wenigstens noch den dritten Platz zu erreichen, dabei würde ich sie am liebsten auf den vierten sehen.
„Sie kann uns nicht verraten. Nur Gryffindor vom letzten Platz beim Quidditchpokal retten. Konzentriere dich lieber auf unser Spiel gegen Hufflepuff in drei Wochen", flüsterte ich Draco leise zu, damit es niemand mitbekam. Zwar war es in dieser Gruppe allgemein bekannt, dass Draco, Jamie, Adina und irgendwie auch ich zu den Todessern gehörten, aber man wusste ja nie, wer sonst noch in der Nähe stand.
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