Sightseeing
„Krämer."
„Hi, Jen. Ich bin's."
„Hallo, Joanne. Wie geht's dir? Hast du dich eingelebt? Wie sind die Jungs?"
Ich musste über Jennyfers stürmische Art grinsen, während ich in der Küche auf- und ablief.
„Die Jungs sind ok", antwortete ich. „Pix hat mir gestern sein Studio gezeigt und wir haben schon einmal ein bisschen rumgemixt."
„Gestern schon? Mann, ihr seid aber auch welche von der schnellen Truppe." Ich hörte, dass Jen am anderen Ende des Telefons lachte.
„Naja, es war eigentlich nur etwas 'rumgespielt. War aber ganz entspannt gestern. Nur Alex und Pix waren da. Pix ist für die Produktion und das Engineering zuständig."
„Schon 'ne Idee, in welche Richtung die Reise gehen soll?"
„Hm, nein. Wir treffen uns die Tage, um ein Brainstorming zu machen und dann schauen wir mal, welches Thema wir für die Texte aufgreifen. Aber die Vorarbeit von Pix und Alex ist genial, also es gefällt mir richtig gut und mir sind auch schon spontan einige Ideen gekommen"
Ich konnte natürlich Jennyfers zufriedenes Grinsen am anderen Ende nicht sehen.
„Habt ihr schon eine Vorstellung für die Singleauskopplung?", fragte Jen unschuldig.
„Nein, in der Richtung haben wir noch nichts besprochen. Außerdem müssen wir erst einmal das Brainstorming abwarten."
„Wie wär's mit 5. März? Ich finde, ihr solltet dafür ein Video machen."
Ich rollte mit den Augen und lehnte mich gegen die Fensterbank. Jennyfer war so hartnäckig.
„Mal sehen", sagte ich beschwichtigend, um das Thema nicht erneut hochzupushen, „vielleicht schlag ich das den Jungs vor, wenn es in unser Konzept passt."
„Darauf bestehe ich!"
„Aber genug von mir, wie war der Flug?"
Es folgte ein amüsanter Monolog, indem Jennyfer mir von ihre Anreise, dem Kofferdrama und der Taxifahrt und dem Check-In berichtete."
„Aber das Hotel ist traumhaft", schwärmte sie, „Riesige Poolanlage, Blick auf's Meer und Cocktails so viele man will."
„Oh, oh ...", meinte ich grinsend.
„Das hat Christian auch gesagt", erwiderte Jen kichernd. „Aber egal, wenn er meint, er muss mich von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten schleppen, dann darf ich ja wohl abends unser all-inclusive ausschöpfen!"
„Sicher doch", pflichtete ich ihr schmunzelnd bei.
„ICH BIN GLEICH FERTIG!", rief Jen plötzlich ins Telefon, dass es mir in den Ohren schmerzte. „Wir fahren später noch zur Akropolis von Lindos."
„Das klingt interessant."
„Ja, ja", würgte meine Freundin mich ab, „ich fass mich also kurz: Ist eigentlich einer für dich dabei?"
„Was dabei?", fragte ich verwirrt.
„Na, einer von den Jungs. Gibt's da einen, auf den du ein Auge werfen könntest?"
Ich seufze tief, musste aber dennoch schmunzeln.
„Nein, Jen. Und wenn ich ehrlich bin, hab' ich gar nicht darauf geachtet. Ich bin zum Arbeiten hier und hab' einen Vertrag zu erfüllen."
„Das hat ja nichts mit deinem Vertrag zu tun", antwortete sie, ohne den Tadel aus ihrer Stimme verbannen zu können. „Vielleicht komm ich mal ein paar Tage zu dir runter und dann schauen wir uns mal im Nachtleben an, was man dort an die Angel bekommt."
„Kannst du gerne machen", sagte ich. „Die Wohnung hier ist geräumig genug. Vielleicht an einem Wochenende."
„Gut, ich muss das nur noch mit Christian absprechen. Ich muss jetzt aber langsam Schluss machen, Joanne. Er wird schon nervös, weil wir nicht überpünktlich im Foyer stehen ..."
„Alles klar. Meld' dich einfach, wenn du Bescheid weißt", antwortete ich und versuchte die Enttäuschung, über die Kürze des Telefonats zu verbergen. „Und genieß die freien Tage."
„Werd ich tun. Ich schick dir ne Karte heim."
„Die bringst du besser mit, sonst seh ich die eh erst in ein paar Wochen."
„Stimmt, vermutlich siehst du mich eher als ... ICH KOMME JA SCHON!", rief Jen wieder lauter. „So, jetzt aber wirklich ... Bis dann, Jo."
„Tschüss und viel Spaß!"
Betrübt sah ich dabei zu, wie das Abbild meiner Freundin vom Handydisplay verschwand. Den ganzen Morgen war ich bereits alleine gewesen. Zu Hause hätte ich diesen Zustand genossen, doch hier war nicht mein zu Hause und irgendwie fühlte ich mich ein wenig einsam. Jen Stimme zu hören und sie in weiter Ferne zu wissen, hatte mir nun den Rest gegeben.
Einige Minuten tappte ich unschlüssig durch die leeren Zimmer und beschloss schließlich zu Pix hochzugehen, um zu erfahren, wie seine Tagesplanung aussah.
Ich ging also hinüber ins Bad, zog mir einen flauschigen schwarzen Pullover über und bändigte noch einmal mein Haar, bevor ich die Tür der Wohnung hinter mir ins Schloss zog.
Als ich zum dritten Mal klingelte, hatte ich bereits die Hoffnung aufgegeben, dass Pix da war. Ich stand trotzdem noch ein paar Minuten unschlüssig im Treppenhaus, bis ich mich endlich dazu aufraffen konnte, mir die Beine zu vertreten. Ich hatte einfach keine Lust, alleine in der fremden Wohnung abzuhängen, und so konnte ich mir wenigstens die Umgebung etwas anschauen.
Ich durchquerte den Hinterhof, ging durch einen kleinen Tunnel und kam auf einer Nebenstraße heraus. Ich hatte keine Ahnung, wo ich hier war und entschied mich spontan, nach rechts zu gehen und folgte der Straße bis zur Hauptverkehrsstraße.
Hier konnte ich mich fast unbemerkt mit dem Menschenstrom treiben lassen. Schlenderte an den unzähligen Geschäften vorbei und gönnte mir schließlich an einer Bäckerei einen Coffee-to-go, mit dem ich mich an einem Brunnen niederließ, um die letzten warmen Strahlen der Herbstsonne zu genießen. Ich hatte die Augen geschlossen und die Welt um mich herum vollkommen ausgeblendet. Spürte nur die Wärme des Getränks in meiner Hand und die Sonnenstrahlen auf dem Gesicht. Es war nicht still um mich herum, aber dennoch nahm ich hauptsächlich das Plätschern des Brunnens wahr. Der Ton war beruhigend und entspannend zugleich und ich konnte ein wenig neue Kraft daraus schöpfen.
„Joanne?!?"
Verwundert schlug ich die Augen auf und wusste zunächst gar nicht, wer mich angesprochen hatte, bis sich jemand aus dem bunten Treiben löste und stirnrunzelnd auf mich zukam.
Mein Herz machte einen Hüpfer, weil jemand mich in diesem großstädtischen Durcheinander gefunden hatte, den ich kannte. Ich sprang erleichtert auf und ging die beiden Stufen des Brunnens hinab, um ihn zu begrüßen.
„Hi, Alex."
„Was machst du denn hier, so ganz alleine?"
Ich wollte ihm gerade antworten, als eine Person an seine Seite trat und meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war eine Frau. Groß, schlank, mit langem, blondem Haar und durchaus modischem Styling. Sie war eigentlich hübsch, doch ihre arrogante Art, auf mich hinabzuschauen, machte sie mir sofort unsympathisch.
Alexander hatte meine Reaktion gleich bemerkt, er legte ihr eine Hand auf den Rücken und sagte: „Joanne, das ist Jessica. Jessica, Joanne."
Ich zwang mich zu einem Lächeln und reichte ihr die Hand, die sie nur widerwillig entgegennahm.
„Hallo", sagte ich trocken und Jessica nickte nur.
„Warum bist du hier alleine unterwegs?", fragte er wieder und ließ Jessica los.
Meine Augen huschten von ihren grünen, zu Alex' braunen.
„Pix ist nicht zu Hause. Ich hab' mich gelangweilt und dachte, ich schau mir mal die Gegend an", erzählte ich.
„Ach, ich glaube, er hat erwähnt, dass er heute zu seinen Eltern fährt."
Jessica räusperte sich leise und mit einem verächtlichen Blick in meine Richtung.
„Ich bin dann weg, Alex", sagte sie und wandte sich bereits von mir ab. „Wir sehen uns heute Abend."
„Ja, bis später."
Kein Kuss, keine Umarmung. Ich war mir nicht ganz sicher, wie ich Jessica oder ihre Beziehung zu Alexander einzuschätzen hatte. Trotz ihrer unhöflichen Art rief ich ihr jedoch eine Verabschiedung hinterher. Alex hatte ihr jedoch keine Sekunde nachgeschaut, sondern schenkte mir direkt darauf seine Aufmerksamkeit.
„Warst du schon in München?", fragte er mich.
„Das ist Jahre her. Wenn man die Kurzbesuche bei meinem Label außen vor lässt", sagte ich und sah dabei zu, wie Jessica in der Fußgängerzone verschwand.
„Lust auf 'ne abgespeckte Sightseeingtour?"
Ein ehrliches Lächeln erschien auf meinem Gesicht. Eine Stadtbesichtigung war mehr, als ich mir für diesen Tag ausgemalt hatte.
„Sehr gerne!"
Alexander lächelte freundlich.
„Na, dann", sagte er, reichte mir den linken Arm, damit ich mich einhängen konnte, und fügte hinzu: „beginnen wir doch mit dem Marienplatz, denn der ist ganz in der Nähe." Er drehte das Handgelenk und sah auf seine Uhr. „Wenn wir uns ein wenig beeilen, sind wir sogar noch rechtzeitig zum Glockenspiel da."
Der Tag war großartig. Was so übel begonnen hatte, fand nun doch ein gutes Ende.
Wir waren eilig gestartet, an der Frauenkirche vorbei, zum Marienplatz und konnten – wie Alexander angekündigt hatte – gerade noch das Schauspiel des Glockenspiels genießen. Mehrere bunte Figuren, tanzten in dem kupfernen Erker des Neuen Rathauses zum glockenhellen Gebimmel herum und ließen mein Herz höher schlagen.
Danach ging es über den Odeonsplatz, die Ludwigstraße hinunter, vorbei an der Bayerischen Staatsbibliothek. Wir schlenderten an einem wunderbaren alten Gebäude vorüber, welches – so erzählte Alexander – die Ludwig-Maximilians-Universität war und an dessen Seite noch etliche, vom Krieg verbliebene Einschusslöcher zu erkennen waren.
Nach diesem kleinen Spaziergang hatten wir erst eine Erholung nötig und die gönnten wir uns natürlich im Hofbräuhaus. Das Sitzen tat gut, denn obwohl ich Turnschuhe trug, nahmen mir meine Füße die ungewohnte Tour übel. Ich nutzte die Gelegenheit, um Alex nach dem Nachtleben in München zu befragen und erzählte im gleichen Atemzug von Jennyfers Idee, mich zu besuchen. Natürlich war es in München nicht anders, als in anderen Großstädten. Hier gab es Dutzende Möglichkeiten auszugehen – selbst als Szenekind. Es war nicht wie bei mir zu Hause. In dem fünfzehntausend Seelendorf wurden die wenigen Exoten, die es dort gibt, noch immer kritisch und misstrauisch beäugt. Wenn ich in meiner Heimat ausgehen wollte, dann war ich gezwungen, mindestens eine dreißigminütige Autofahrt in Kauf zu nehmen. Das war hier natürlich ganz anders. Alex erzählte von einigen beliebten Clubs und Bars, von den ausgefallensten Locations und letztendlich auch von der Diskothek, in der er ab und an selbst als DJ auflegte. Er teilte mir die anstehenden Events mit und als wir das Lokal verließen, hatten wir uns bereits auf einen Termin geeinigt – sofern es in Jen's Zeitplan passte.
Wir nahmen also die Straßenbahn ins Lehel-Viertel, ein alter Stadtteil von München, mit auffällig schönen Häuserfassaden. Wir schlenderten durch die Altstadt, ohne wirklich ein Ziel zu haben, kamen an einer alten Klosterkirche vorbei und gelangten irgendwann auf den Karlsplatz. Im Volksmund wurde dieser Platz Stachus genannt und das schlichte Karlstor entstand im Zuge der Stadtbefestigung Mitte bis Ende des dreizehnten Jahrhunderts.
Alexander führte mich noch zum monumentalen Justizpalast und danach beschlossen wir, uns langsam auf den Rückweg zu machen. Die Abendsonne stand bereits tief und es wurde zunehmend kälter.
„Ich denke, das war so das Wichtigste", sagte Alex und strich sich nachdenklich durch den kurzen Bart. „Ich würde vorschlagen, wir gehen noch 'was Essen, oder was meinst du?"
„Ich hab' 'nen Bärenhunger", gestand ich.
Immerhin lag meine letzte Mahlzeit bereits einige Stunden zurück – von der Laugenbrezel im Brauhaus einmal abgesehen.
„Mal sehen." Er drehte sich um die eigene Achse, als müsse er sich erst orientieren. „Was möchtest du denn, Jo? Fast Food, Italiener oder 'was Oarständiges?"
Er hatte sich zu mir umgedreht, den Kopf schief gelegt und eine Braue nach oben gezogen.
„'was Oarständiges bitte", lachte ich und versuchte, den Dialekt nachzuahmen.
„Freilich! Dann gehen wir am besten zum Lenbach."
Es war nicht schwer gewesen, einen Platz zu finden, denn es waren nur knapp fünf Tische besetzt. Ich steuerte zielstrebig auf einen ruhigen Platz in der Ecke zu, von dem aus ich das ganze Lokal im Blick hatte. Alex ließ sich mir gegenüber auf den Stuhl fallen und nahm sich das Basecap vom Kopf und legte die Brille ab. Die Bedienung kam sofort herbei, grüßte freundlich, reichte uns jeweils eine Karte und nahm die Getränkebestellung entgegen.
„Wenn ich dir etwas empfehlen kann", sagte Alexander plötzlich und sah über den Rand seiner Karte hinweg, „die Spezialität des Hauses ist ein traditionelles Gericht, das in keinem Lokal so gut schmeckt wie hier!"
Ich ließ meinen Blick über die Beschreibung gleiten. Bei der Spezialität handelte sich um Schweinebraten mit Knödel.
„Hört sich lecker an. Da vertrau' ich einfach mal deinem Urteil!", antwortete ich und legte die Karte beiseite.
„Du wirst es nicht bereuen."
Kurz darauf bestellten wir das Essen und stießen mit unseren Getränken an.
„Auf eine gute Zusammenarbeit", sagte ich.
„Daran habe ich gar keine Zweifel", entgegnete mir Alexander und sah mir in die Augen.
Ich nahm einen kleinen Schluck von dem Weißbier, stellte das Glas ab und sah Alex dabei zu, wie er sein Handy aus der Tasche zog. Einige Sekunden schwiegen wir beide, bis er das Telefon auf den Tisch legte und wieder aufsah.
„Dodo hat mir geschrieben", erzählte er. „Morgen Abend um sechs kommen die Jungs vorbei."
„Zu Pix?", fragte ich.
„Ja. Wir treffen uns immer bei ihm. Er hat einfach den meisten Platz."
„Wie lange gibt's Eisbrecher denn schon?"
Er überlegte einen Moment und sagte dann: „Fast zehn Jahre."
„Und seit wann machst du Musik?"
„Ach, richtig angefangen hab' ich eigentlich mit fünfzehn. Hab' schon immer Gitarre gespielt und dann bin ich auf Bass umgestiegen. War ein paar Jahre in der Schulband aktiv und irgendwann hab' ich mich einer Gruppe namens ‚Bloody Massacre' angeschlossen."
„Bitte? Davon hab' ich nie gehört."
Alexander lachte.
„Das war auch nie von Erfolg gekrönt. Das Projekt lief so neben meinem Studium und verlief im Sand und dann hab' ich eigentlich ein ganzes Jahr nichts mehr in der Richtung gemacht. Bis ich Pix kennenlernte."
„Oh, dann kennt ihr euch ja auch schon ein paar Jahre", stellte ich fest und nahm einen weiteren Schluck von meinem Bier.
„Fünfzehn, um genau zu sein", erzählte Alex. „Pix hatte das Knowhow, das ich brauchte, um eine eigene Band auf die Beine zu stellen. Er hatte damals schon die Instrumente zum Mixen, er hatte Ahnung von der Technik und Kontakte zu diversen kleinen Labels, die Interesse an Newcomer hatten. Mit ihm und ein paar", er stockte kurz, „Freunden hab' ich dann ‚Megaherz' gegründet."
„Aaaaah, der Name sagt mir etwas", bestätigte ich.
Megaherz hatten einige Songs geschrieben, die zu Disko-Klassiker in der Schwarzen Szene geworden waren und die auch heute noch gespielt wurden. Doch irgendwann war es um die Band still geworden, doch ich hatte mich nie gefragt, was aus ihr geworden war. Aber nun hatte Alexander mich neugierig gemacht.
„Was ist mit Megaherz passiert? Damit wart ihr doch relativ erfolgreich?"
Alexander nahm nun auch einen Schluck von seinem Bier und sah an mir vorbei, als würde er geradewegs in die Vergangenheit blicken. Es schien mir fast so, als wäre ihm diese Frage von mir unangenehm.
„Nach vier Jahren", sagte er schließlich, „ging die Band in die Brüche."
„In die Brüche? Warum?", hakte ich verwirrt nach.
„Persönliche Gründe", erklärte er knapp und ohne die Verbitterung aus der Stimme verbannen zu können. „Und du? Was hast du gemacht vor deinem großen Durchbruch?"
Es war ein so eindeutiger Themenwechseln, dass ich nicht umhinkam, darauf einzugehen, und so erzählte ich ihm von meinen ersten musikalischen Schritten. Wie ich selbst zur Schwarzen Szene gekommen und darin groß geworden war. Wie schwer es mir anfangs fiel, auf der Bühne zu stehen und dass ich ab und zu heute noch von Lampenfieber heimgesucht wurde.
Ich liebte es abgöttisch auf Tour zu sein, so stressig das auch immer war, doch die Anerkennung, die strahlenden Gesichter und die Jubelrufe waren Entschädigung und Motivation genug. Ich erzählte Alexander von meinen Plänen, von meiner Liebe zu klassischen Instrumenten und dass ich bereits seit einem Jahr mehr schlecht als recht Geige übte.
Er war ein guter Zuhörer, der auch den ein oder anderen Witz machte, und so verflog die Zeit bis zum Servieren unseres Essens wie im Fluge und selbst danach ging uns nicht der Gesprächsstoff aus. Erst als Alex' Handy klingelte, warf ich einen Blick auf die Uhr und stellte fest, dass wir schon fast drei Stunden hier saßen.
Offensichtlich war es Jessica, die am anderen Ende des Telefons sprach. Zumindest hatte ich es anhand Alex' Reaktion vermutet. Ich lehnte mich im Stuhl zurück und versuchte, nicht hinzuhören und beobachtete stattdessen, wie der Schaum sich langsam in meinem leeren Glas auflöste.
Es dauerte keine ganze Minute, bis Alexander sein Handy aus der Hand legte und zum ersten Mal fielen mir die beiden silbernen Ringe an seinem Finger auf.
Von dem Lächeln und der guten Laune zuvor, war anscheinend nichts geblieben, doch ich hatte genug Anstand, um nicht nachzufragen.
„Ich muss gleich los, aber ich begleite dich noch bis zu Pix' Wohnung", sagte er schließlich.
„Ich kann mir auch ein Taxi nehmen, Alex, dann kannst du sofort los."
„Ach, was" Er tat meinen Einwurf mit einer Handbewegung ab. „Von hier sind es nur ein paar Minuten. So viel Zeit muss sein."
Wir zahlten und waren kurz darauf auch schon auf dem Heimweg. Vor dem Tunnel zum Hinterhof verabschiedete sich Alexander von mir, doch er blieb noch so lange dort stehen, bis ich die Haustür erreicht und dahinter verschwunden war.
Es war ein komisches Gefühl, zurück in die leere Wohnung zu kehren. Es war eben nicht mein Zuhause und irgendwie vermisste ich ebendies.
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