Help! -Remus ●

Verzweifelte Schreie verfolgten mich. Schmerzerfüllt. Panisch. Dass sie einem das Blut in den Adern gefrieren ließen. Und dann war da noch dieses Knurren, es schien direkt aus der Hölle zu kommen. Gefolgt von einem wahnsinnigen Heulen.
Während ich noch versuchte vor dem Monster zu flüchten, hatte es mich schon eingeholt und seine Zähne in mir versenkt. Der Schmerz jagte durch meine Adern und genau dort wo der Speichel des Monsters mein Blut berührte brannte es höllisch. Für einen kurzen Moment ließ es von mir ab und ich sah wie Blut, MEIN Blut, von seinen Lefzen tropfte. Genüsslich leckte es sich über die Zähne, bevor sie sich wieder in mein Fleisch bohrten und eine neue Welle Schmerz mich überrollte. Und plötzlich wurde mir klar, dass es meine Schreie waren, die mir solch eine Angst einjagten.

Als ich endlich von meinem Albtraum erlöst wurde, war es früher Morgen:
Zu früh um aufzustehen, zu spät um wieder einzuschlafen. Leider, denn so kurz vor dem Vollmond konnte ich jede Minute Schlaf gut gebrauchen. Um meine Mitbewohner nicht zu wecken blieb ich liegen, doch ich brauchte eine Beschäftigung, also schob ich den Vorhang etwas zu Seite und angelte nach meinem Buch. Wo war es denn? Ach verdammt! Eine der Hauselfen musste es weggeräumt haben. Ich schob den Vorhang wieder zu. Vielleicht könnte ich ja doch noch etwas schlafen?

Kaum hatte ich die Augen geschlossen, sah ich wieder den Werwolf vor mir. Zähnefletschend hatte er die Lefzen erhoben und es hingen ihm blutige Speichelfäden aus dem Maul. Und zu genau so einem Monster würde ich in weniger als 24 Stunden werden.
Ich riss die Augen wieder auf. Ich musste an etwas anderes denken, etwas fröhlicheres. Ich versuchte mich an mich zu erinnern, bevor ich gebissen wurde. Ich war viel mit meiner Mutter im Wald unterwegs gewesen und hatte mit meiner Kindermagie Spaß. Ich zwang mich an den Klang ihres Lachens zu denken und schloss die Augen.

Ich sah mich im Gras sitzen mit einem Schmetterling auf dem Finger. Er wechselte die Farben. Von blau zu grün zu gelb, bevor seine zarten Flügel in allen Farben des Regenbogens schillerten. Ein zweiter Schmetterling flatterte um mich herum und ließ sich schließlich auf meiner Nase nieder. Klein-Remus verdrehte die Augen um ihn besser sehen und meine Mum lachte. Ich lächelte in mich hinein. Es wäre so schön wieder Kind sein zu können. Ungebissen.

Ich dämmerte weg. Jetzt war ich im Garten und baute einen Schneemann. Die Kugeln ließen sich leicht anheben und aufeinander platzieren, sodass die Vermutung nahe lag, dass ich sie zum Schweben gebracht hatte. Außerdem war ich mir sicher, dass der Schneemann mir zugezwinkert hatte. Es war vielleicht Januar oder Februar, denn es war schon dunkel, dabei konnte es noch nicht sehr spät sein. Der Mond war aber schon aufgegangen und ließ den Schneemann in seinem Licht glitzern.
Der Schnee knirschte, jemand kam in meine Richtung. Vermutlich meine Mum. Und dann hörte ich das Knurren.
Mit einem Schlag war ich wieder wach. Daran wollte ich NICHT denken!

Ich hasste den Winter. In der Zeit blieb es länger dunkeln und meine Verwandlungen hielten dementsprechend länger an. Mir graute es vor der Nacht. Ich wusste nicht, was am schlimmsten war: Die ständige Angst, ich könnte jemanden beißen oder gar töten, die Schmerzen oder die Isolation. Die Hoffnung, dass es irgendwann mal besser werden würde, hatte ich eigentlich schon aufgegeben und die Zukunft sah auch nicht so rosig aus. Wer würde jemals freiwillig einen Werwolf anstellen? Die einzige Chance, einen Job zu bekommen, war mit einem überragendem Zeugnis.

James sagte immer, dass ich mir nicht so einen Druck machen sollte und dass alles gut werden würde.
"Zur Not vererben Sirius und ich dir so viel, dass du gar nicht arbeiten brauchst und Dumbledore lässt dich doch auch nicht hängen. Das wird schon alles."
Wenn ich nur seine Zuversicht haben könnte. Meine wurde leider von der bevorstehenden Verwandlung vernichtet. Ich würde wieder in der Dunkelheit sitzen und darauf warten, dass die Schmerzen mich überwältigten. Aber hey, immerhin konnte ich mich damit beschäftigen zu beten, dass mich niemand finden würde, den ich fressen könnte.

Meine Verwandlungen wären mit Sicherheit sehr viel leichter, wenn jemand bei mir wäre. Wenn ich nicht alleine mit meinen quälenden Gedanken und Schmerzen sein musste.
An manchen Tage wünschte ich mir, meine Freunde wären auch Werwölfe. Ich hasste mich dafür, denn diesen Horror durfte man niemanden wünschen, nicht mal seinem schlimmsten Feind. Und erst recht nicht seinen Freunden!
Aber doch, meine Verwandlungen wären mit Sicherheit leichter, wenn sie bei mir wären.

Aber das war natürlich unmöglich...

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750 Wörter.

Dieses Büchlein wird eine Sammlung aus 14 Rumtreiber-Era Oneshots, die (nach jetzigem Stand) chronologisch ungefähr in eine Zeitlinie passen sollten. Upload mäßig wird etwa alle zwei Wochen ein neues Kapitel kommen. Wie gefällt euch die Idee?

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