Kapitel 1

'Running low' - Shawn Mendes

03.10.2015

"Meine Mutter ist gestorben, als ich sechs war. In diesem Alter begann ich, mich von anderen Leuten abzuwenden. Dieses Jahr wurde meinem Bruder das Leben bei einem Autounfall genommen. Ich lag monatelang in einer Depression.
Das Leben ist nicht so leicht, wie es immer in Büchern beschrieben wird. Man fällt und dann ist da meistens nur eine bodenlose Tiefe. Wenn du jemanden hast, der dich unten auffängt, kannst du nur von Glück sprechen. Und dann war dann noch die Sache mit Miles."

Gedankenverloren kaute ich auf meinem Bleistift herum. Meine Psychologin hatte mir geraten, meine Probleme in Wörter fließen zu lassen. Nicht, dass es etwas helfen würde, aber ich tat es meinem Vater zu Liebe.

Er hatte sowieso schon alle Hände voll zu tun, er musste arbeiten, meine Besuche beim Psychologen finanzieren und natürlich musste er selber mit der Trauer über unsere zerbrochene Familie zurecht kommen.
Mir war es eigentlich relativ egal, ob ich nun die Termine bei dieser Tante besuchte oder nicht.

Ich würde allein mit meinem Leben zurecht kommen, wie ich es immer getan habe und tun werde.

Letztes Monat waren wir nach New York gezogen. Wir wollten "ein neues Leben" beginnen. Doch wir würden es nie schaffen, den Gedanken, die sich wie eine graue Wolke über einem sammelten, zu entrinnen.

Hunter war tot, genau wie meine Mutter und genau wie Milliarden Menschen davor.

Also war es eigentlich nichts besonderes.

Es hat sie eben erwischt.

Eine unscheinbare Träne kullerte meine Wange hinunter.

Ich wusste, dass es keinen Sinn hatte, traurigen Gedanken nachzuhängen. Also packte ich mein Tagebuch weg und stand auf. Ich bin den ganzen Tag schon genug lang über dem Schreibtisch gehockt.

Entschlossen zog ich mir meine Jeans über und schlüpfte in einen Fetten Pulli. Um diese Jahreszeit war es schrecklich kalt in New York.

Mit einem Rucksack bepackt lief ich in die neue Küche und schnappte mir beim Vorbeigehen einen Apfel. Bevor ich die Tür erreichen konnte, hörte ich meinen Vater aus seinem Arbeitszimmer rufen.

"Reena, wohin gehst du?"

Ich schlüpfte in meine Timberlands und schrie eine Antwort zurück: "Ich gehe die Stadt unsicher machen."

Das entlocken meinem Vater ein leises Auflachen und ich zog schmunzelnd die Tür hinter mir zu.

Mit schnellen Schritten huschte ich dir Treppen unseres Wohnhauses nach unten und begegnete beim Vorbeigehen Frau Haylem. Ich grüßte die ältere Frau und lief schnell weiter. Ganz klar war die Alte nicht im Kopf.

Als ich endlich die Luft New Yorks auf meinem Gesicht spürte, atmete ich tief ein.

Ich genoss es, die Fifth Avenue entlang zu spazieren, ich liebte es, die unterschiedlichen Bars und Restaurants zu besuchen und am allermeisten bereitete mir das Hocken in der NewYorker Bibliothek ungemeine Freude.

Morgen würde ich das erste Mal aufs College gehen und ich war so aufgeregt, dass ich kaum atmen konnte.

Normalerweise hasste ich es, mich irgendwo vorzustellen. Mir gingen diese interessierten Blicke meiner Mitchüler so was von auf den Sack.

Mir entgingen die Blicke der Amerikaner keineswegs. Sie musterten mich mit schiefen Blicken und flüsterten. Kein Wunder, ich sah ja auch aus wie der letzte Penner.

Mit dem lockeren Dutt, der jede Minute zu zerfallen drohte und dem riesigen Rucksack am Rücken glich mein Aussehen dem, eines arabischen Kamels. Es juckte mich kein bisschen.

Als ich endlich nach einer Viertel Stunde latschen bei meinem heiß geliebten Ort ankam, empfing nich sogleich der wohlige Geruch nach Büchern.

Tief atmete ich ein, vergaß, dass Hunter gestorben war, meine Mutter nicht mehr unter uns weilte und sogar die Sache mit Miles. Es gab nur mich und die Bibliothek.

Um einiges besser gelaunt schlüpfte ich zu dem etwas versteckten Sofa in der Ecke des Raumes, das ich an meinem ersten Besuch vor circa einem Monat entdeckt hatte.

Es bot optimalen Sichtschutz und außerdem war in diesem Teil der Bücherei der Lärmpengel um einiges niedriger.

Aber diesmal hatte ich mich geschnitten.

"Das ist meine Ecke."

Der Junge sah von seinem Buch auf und sein verwirrter Blick traf meine Augen.

"Was?"

Ich verdrehte die Augen und wiederholte meinen Satz nochmals.
"Falls dir das noch nicht ausgefallen ist, du sitzt hier in meiner Ecke."

Ein Grinsen bildete sich auf seinen Lippen und er antwortete: "Tut mit leid, ich habe das Namensschild auf dem Sofa glatt nicht gefunden. Ich verschwinde natürlich sofort."

Er machte natürlich keine Anstalten, Besagtes zu tun.

"Ich sitze schon seit einem Monat hier. Du kannst doch nicht einfach hier hinkommen und dann hoffen, dass da niemand kommt."

"So wie ich das sehe, gibt es hier keine privaten Sofas oder Einrichtungen, die man reservieren könnte." Eingeschnappt wandte er dich wieder seinem Manga zu.

Hatte der Typ sonst keine Hobbys?

Ich wusste, dass er recht hatte, aber das würde ich ja nie einfach so vor ihm zugeben.

Also schnappe ich mir einfach den ersten Teil von Harry Potter und schmiss mich mit enorm viel Schwung neben den Kerl.

Seine erste Reaktion war ein beklopptes Schnaufen.

Dann fing er an zu grinsen. Hatte der Typ Stimmungsschwankungen?

"Mein Name ist Caleb. Mit welcher bezauberten Schönheit habe ich es hier zu tun?" Der gekünstelte Augenaufschlag brachte mich zum Kichern.

"Reena Foster. Ich bin vor einem Monat nach New York gezogen."

Er zog interessiert eine Augenbraue nach oben. "Du bist also ein kleiner Frischling." Ich schmunzelte. "Ja, morgen beginnt mein erster Schultag."

Caleb fing an zu grinsen. Der Typ hatte echt nicht mehr alle Tassen im Schrank.

"Ich kann dir in höchsten Tönen das Rosebold College empfehlen, erstklassige Lehrer und Unmengen von heißen Jungs." Beim letzten Teil des Satzes setzte er ein arrogantes Grinsen auf.

Ich verdrehte die Augen. "Ich nehme an, dass du aufs Rosebold gehst."

"Exakt."

Zufälle schien es Unmengen zu geben. "Ich gehe tatsächlich morgen dort hin. Wenn du willst, kannst du mir alles zeigen. Noch nie war ich irgendwo in Amerika an einem College. Früher haben wir immer in London gelebt. Das gab es immer die klischeehaften grasbewachsenen Gärten vor den märchenhaften Altbauten. Ist es hier so ähnlich?"

"Ja, ziemlich gleich sogar. Und bei unserem Abschluss werfen wir auch immer unsere Studentenhüte in die Luft." Er lachte.

Er hatte ein tolles Lachen.

"Bist du schwul?"

Zuerst zogen sich seine Augenbrauen verwirrt zusammen, dann fing er wieder an zu lächeln. Ich hatte eine richtige Grinsebacke erwischt.

"So offensichtlich?"

Ich lachte. "Nein, aber du liest Mangas, sprichst von heißen Jungs an deiner Schule und lachst so sexy und männlich, da kann man doch vermuten."

"Ich glaube, dass das zwischen uns eine tolle Freundschaft wird, Reena Foster."

Ich versteifte mich.

Freundschaft?

Ich war in diesem Thema eher weniger locker. Sollte ich nach diesen zehn Minuten Reden schon eine richtige Freundschaft eingehen?

Zu viele Freundschaften, zu viele gebrochenen Herzen. Zu viel Zuneigung, zu viele gebrochenen Herzen. Zu viel Liebe, zu viele gebrochene Herzen.

Meine Stirn legte sich in Falten.

Caleb schien gemerkt zu haben, dass er bei diesem Thema auf einen wunden Punkt gestoßen war.

Er legte seine große Pranke auf meinen Arm und grinste mich wieder an.

"Wenn du nicht so auf schwule Freunde stehst, ist das fär mich kein Problem. Auch wenn ich dich gerne näher kennengelernt hätte."

Geschockt riss ich die Augen auf und stammelte vor mich hin: "Ne, passt schon. Klar können wir Freunde sein."

Mit einem leichten Lächeln erwiderte ich das Lachen der Grinsebacke.

Kaum ein Monat in New York und schon hatte ich einen schwulen Freund am Hals. Aber er schien echt nett zu sein. Ein wenig aufgedreht, aber ich war ja nicht anders als er, wenn man mich besser kannte.

"Also, wie wäre es, wenn wir heute Abend ins 230 Fifth gehen?"

Erschüttert riss er die Augen auf und stieß ein heftiges Lachen aus. "Du bist echt zum Scheißen, Reena."

Ich prustete ebenfalls los, ohne zu wissen, warum wir wie ein paar gackernder Hühner auf der Bank saßen und unser Leben aus und rauskicherten.

Nachdem wir uns ein wenig beruhigt hatten, fragte ich ihn: "Wieso ist das eigentlich so lustig?"

"Das 230 Fifth ist eines von den teuersten Bars und Restaurants von ganz Amerika." erklärte er ungläubig.

Ich zuckte mit den Schulten und grinste ihn an.

"Mein Vater ist nicht ohne Grund Millionär."

Kurz sah er mich verwundert an, dann grinste er zurück.

"Passt, um Acht Uhr beim 230 Fifth."

"Ich freue mich." antwortete ich. Und ich tat es wirklich.


09.12.2017

Ayee. Erstes Kapitel ist fertig, ich weiß nicht, in ich zufrieden sein soll :(( Schreibt ein paar Reviews, maybe hab ich dann mehr Ansporn weiter zu schreiben <33 Ich gehe stark davon aus, dass mein Schreibstil sich in den nächsten Wochen enorm ändern wird, also lasst euch nicht abschrecken ;)
Bussi - Anja

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