Chapter 42 | Unknown reason
Kyran's Sicht
Kurz bevor sie jedoch das erste Stockwerk erreichte, stolperte sie plötzlich und hielt kurz inne. Sie hatte ihr Gleichgewicht verloren und wäre beinahe hingefallen, doch konnte diesen Sturz noch verhindern, indem sie sich an das Treppengelände festklammerte. Sie blieb für einige Sekunden noch stehen und ich bemerkte wie ihr Körper langsam zusammensackte. Ein ungutes Gefühl breitete sich in mir aus und ein alarmierendes Gefühl überkam plötzlich meinen Körper. Kurz drehte sie ihren Kopf zur Seite und blieb für einige Sekunden noch regungslos stehen. Schaute ins Nichts doch kam schnell wieder zu sich.
Ich sah noch dabei zu, wie sie sich an dem Treppengelände langsam hochzog und immer wieder vor sich hin stolperte. Immer wieder schüttelte sie leicht ihren Kopf, so als würde sie etwas loswerden wollen oder sich wieder zu sammeln versuchte. Ich wünschte ich könnte ihr unter die Arme greifen und helfen. Doch ich hatte Angst. Angst vor den Folgen dieser einfachen Berührung...
Kurz bevor sie das letzte Stockwerk erreichte fing sie plötzlich an schneller zu laufen. Ihre Bewegungen wurden immer ungeschickter und hektischer und ich hatte das Gefühl, dass sie so langsam die Kontrolle über ihren Körper verlor. Ich verstand nicht so ganz was gerade passierte, doch ich hatte das Gefühl, dass gleich etwas Schlimmes passieren würde. Ich war so besorgt um sie, dass ich nicht mehr klar denken konnte.
Doch das, was mich am meisten störte, war dieses Verlangen, dass mich seit heute Morgen in den Wahnsinn trieb. Selbst in dieser Situation, suchte ich die Nähe zu ihren Körper und malte mir zig Szenarien in meinen Kopf aus. Ich hatte keine Macht darüber, doch selbst wenn ich diese hätte, war das eine Sache die ich nie ausschließen könnte. Je ferner wir uns nämlich standen, desto härter trafen mich diese Gefühle. Diese Hitzephase brachte meine wahren Gefühle an die Oberfläche und ich hatte keine Macht darüber.
Amanda war durchaus kein normales Mädchen. Sie war eine begabte Kämpferin und ihr hübsches Gesicht lies mich oft, viele meiner Lebensentscheidungen bereuen. Ich konnte eine Tatsache jedoch nicht ignorieren. Die Tatsache, dass sie eine geborene Anführerin war.
Die Luna die mein Rudel verdiente...
Ich musste es irgendwie wieder zurechtbringen. Ich konnte es nichtmehr aushalten, so zu leben, mich jede Tag zu verstellen...
Ich hatte es leid, Amanda und ihre Wölfin ständig zu verletzen.
Ich hatte keine Kraft mehr, den Bösen zu spielen. Nachdem das hier vorbei ist, werde ich eine Versammlung einberufen. Ich werde nicht mehr darauf warten bis sie sich endlich Mal wieder zeigen werden. Ich werde sie selber jagen und vernichten. Bei den Gedanken das sie über Amanda bereits Bescheid wussten und das sie ihr etwas antun könnten, überkam mich die Furcht und ein Zorn der meine Reißzähne herauswachsen ließ. Sollen die doch kommen! Ich werde diese Rouges zerfetzen.
Ich wimmelte schnell diese Gedanken ab und konzentrierte mich wieder auf Amanda. In der Zwischenzeit hatte ich sie nämlich aus den Augen verloren. Schnell rannte ich die übrigen Stufen hoch und blieb am Anfang des Flures noch stehen. Amanda hatte sich mittlerweile mit der Hand an der Wand abgestützt und den Kopf gesenkt. Es schien so als hätte sie die Orientierung verloren, denn sie schwankte ständig hin und her und wandte sich letztendlich zu meiner Richtung um. Sie tapste sich die Wand entlang und suchte vermutlich nach den Eingang zu Vicky's Zimmer, merkte jedoch nicht, dass sie in die falsche Richtung lief. Ihr Gesicht war sehr blass, ihre Schritte sehr wackelig und sie konnte kaum ihre Augenlider offen halten....
Was hat sie verdammt?! Wieso ist sie so?
Trotz meiner Angst, versuchte ich meine überwältigende Gefühle zu unterdrücken und ihr zu helfen.
Ohne zu zögern lief ich auf sie und konnte sie gerade noch rechtzeitig auffangen. Bei der Berührung mit ihren Körper, spürte ich ein angenehmes Kribbeln unter meinen Fingern und ein warmes Gefühl das sich in meinem Inneren ausbreitete. Ihr Körper zog mich beinahe schon wie ein Magnet an, denn ich weigerte mich sie wieder loszulassen...
„Vicky." brachte sie mit schwacher Stimme noch heraus während sie mit ihren trüben Augen zu mir hinaufschaute. Mit der einen Hand klammerte sie sich noch an meinem Shirt fest ehe sie in meinen Armen in Ohnmacht fiel.
„Amanda?" sagte ich völlig perplex während ich sie leicht rüttelte und langsam mit ihr zusammen zu Boden glitt. Ich strich ihr die Haare aus dem Gesicht und beugte mich zu ihr herunter.
„Amanda was ist los? Mach bitte deine Augen wieder auf. Bitte tu mir das nicht an. Ich weiß du willst mich nur bestrafen, aber bitte hör jetzt auf damit, ja? Ich hab meinen Fehler eingesehen." fuhr ich mit sanfter Stimme fort während ich ihre Schultern umfasste und sie immer noch zu wachrütteln versuchte. Als sie noch immer keine Reaktion von sich gab, presste ich ihren Körper an meinen.
„Ich bin jetzt da Amanda. Bitte schau mich an." Ich konnte meine Tränen nicht länger zurückhalten und wachte so langsam aus diesem Trance-ähnlichen Zustand wieder auf.
„Dr. Michelson. Begeben sie sich sofort zur Alphaetage. Wir haben einen Notfall!" befiehl ich Dr. Michelson per Mindlink und legte meine Arme um Amanda's Taille und Beine um sie hochzuheben.
„Kyran?" hörte ich plötzlich eine Stimme hinter mir. Es gab nicht viele Personen in diesem Rudel, denen der Zugang zu dieser Etage gewehrt wurde und da der Großteil von ihnen fortgeschickt wurde, wusste ich bereits wer es war. Diese Person stand direkt hinter mir und lehnte sich neugierig etwas nach vorn, um mich besser erkennen zu können. Beziehungsweise, um einen Blick auf das Mädchen in meinen Armen zu erhaschen.
„A...Amanda?!" sagte sie schockiert während sie eilig vor mir lief und den Weg versperrte.
"Was hast du ihr schon wieder angetan?!" Fragte sie wütend, während sie ihren Körper von oben bis unten nach Verletzungen absuchte. Als sie einen Schritt näher kam und ihre Hand nach ihr ausstreckte, knurrte ich leise auf und presste Amanda's Körper enger an meine Brust. Niemand darf sie anfassen!
„Fass sie nicht an!" warnte ich sie und versuchte meinen Zorn unter Kontrolle zu bekommen. Vicky's Augen weiteten sich und sie taumelte einige Schritte nach hinten, war jedoch fest entschlossen, mich nicht durchzulassen.
„Ich hab ihr nichts angetan und jetzt lass mich bitte durch Vicky." Sagte ich in einen ruhigeren Ton und seufzte genervt auf.
Sie sollte mich heute lieber nicht provozieren. Ich war grad mit meinen Nerven echt am Ende. Vicky verschränkte die Arme und schaute mich weiterhin mit einen provozierenden Blick an. Doch zum Glück verspürte ich eine weitere Anwesenheit...
„Perfektes Timing Dr. Michelson." sagte ich nur.
„Alpha Kyran." begrüßte mich ebenfalls und wartete geduldig auf mich.
„Wenn du uns jetzt entschuldigen würdest."
Vicky riss erstaunt die Augen auf als sie Dr. Michelson sah und trat sofort zur Seite. Ich wollte schon an ihr vorbeilaufen doch blieb kurz direkt neben ihr stehen.
„Ich werde Amanda nie wieder Verletzen." sagte ich nur und fuhr meinen Weg fort. In meinem Zimmer angekommen, legte ich Amanda vorsichtig auf meinen Bett ab. Doch sie regte sich keinen einzigen Zentimeter.
„Was ist passiert?" fragte ich Dr. Michelson während ich mich neben ihr hinsetzte und ihre kalte Hand umfasste.
Dr. Michelson trat näher zu uns um Amanda's Puls zu messen doch mein leises Knurren hinderte ihn daran.
„Alpha wenn sie sich nicht beherrschen können kann ich Amanda nicht helfen. Haben sie etwa vergessen, dass ich bereits eine Mate und Kinder hab?" sagte er nur während er mich abwartend anschaute. Ich atmete einige Male tief ein ehe ich ihm das Okay gab.
„Ihr Puls ist sehr schwach. Zu schwach. Das hat auf jeden Fall nichts mit ihrer Hitzphase zu tun. War sie in irgendeinen Kampf verwickelt?" fragte er mich doch ich schüttelte nur den Kopf.
„Sie ist plötzlich im Flur zusammengebrochen." Werwölfe bekommen normalerweise nie so welche Schwächeanfälle.
Dr. Michelson der noch immer ihre Hand festhielt, drehte diese einige Male um und musterte diese sehr verwirrt.
„Nanu, was ist denn das?" wunderte er sich laut und ich beugte mich ebenfalls nach vorne um ihr Handgelenk zu betrachten.
Oberhalb ihrer Adern, befanden sich auf der Innenseite ihres Handgelenkes, schwache weiße Verzweigungen die Äste ähnelten...
„Wurde sie vielleicht vergiftet?" fragte er während vorsichtig mit seiner Hand darüber fuhr.
Nein! Nicht Amanda! Das dürfte nicht sein.
„Sie hat sich vorhin im Keller aufgehalten." Antwortete ich ihm während ich innerlich nach der Ursache suchte. Wollte sich jemand an mich rächen?
Dr. Michelson nickte bloß und schaute zu mir rüber.
„Wir müssten ihren restlichen Körper nach Verletzungen absuchen." sagte er etwas zögernd. Bei dem Gedanken, das Dr. Michelson ihren nackten Körper zu Angesicht bekommen würde, wurde ich von meiner inneren Wut überwältigt. Wut und Begierde füllten jede einzelne Zelle meines Körpers. Selbst in dieser ernsten Situation.
Verdammt sei die Mondgöttin und ihre barbarischen Absichten!
„Ich werde ab hier übernehmen und ihnen bescheid geben." sagte ich nur durch zusammengepressten Zähnen.
„Ich werde meine Bücher nach ähnlichen Fällen durchschauen. Bitte geben sie mir später noch Bescheid Alpha." Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verbeugte sich Dr. Michelson kurz und verließ anschließend mein Zimmer.
Die Stille in diesem Zimmer war überwältigen und das einzige was ich hören konnte, waren unsere Herzschläge. Das war auch so ziemlich das einzige, dass mich in diesen Augenblick etwas beruhigte. Das und ihre bloße Anwesenheit.
Amanda lag inmitten meines Bettes und ein friedlicher Ausdruck schmückte ihre feine Gesichtszüge. Ihre Haare verschmolzen mit der Bettdecke und ihr Brustkorb hob sich langsam auf und ab. Vorsicht setzte ich mich auf den Bettrand und rutschte näher zu ihr. Versuchte meine Nerven zu beruhigen...
Mit zitternden Fingern umfasste ich das Ende ihres Shirts um es hochzuschieben. Ihre Haut war samtweich und tausende kleine Blitze durchfuhren meinen Körper. Meine Hormone spielten verrückt und ich spürte wie meine Reißzähne langsam herauswuchsen. Meine Sinne verschärften sich und meine Vision wurde ganz rot. Amanda war das einzige was ich noch sehen konnte.
Ich schloss die Augen um meine unregelmäßige Atmung wieder unter Kontrolle zu bekommen, doch ehe ich meine Augen wieder richtig öffnen konnte, verspürte ich einen Druck um mein Handgelenk.
„Was... was ist passiert?" fragte sie verwirrt während sie ihre Schläfen massierte und mehrmals blinzelte. Als sie sich langsam wieder aufrichtete und unsere Blicke sich kreuzten, breitete sich sofort ein todernster Blick in ihren Augen aus.
„Was soll das werden Kyran?!" fragte sie während sie mein Handgelenk von ihr wegschlug und aus dem Bett hochsprang. Amanda hatte nach wie vor ihr Gleichgewicht nicht zurückerlangt und ich breitete meinen Arm nach ihr aus aus, um sie notfalls noch auffangen zu können. Diese Bewegung schien sie jedoch noch mehr zu erschrecken...
Mit wackeligen Schritten taumelte nach hinten und deutete mit ihren Fingern auf mich. Sie wollte etwas sagen doch brachte kein einziges Wort heraus. Stattdessen schloss sie die Augen und schüttelte nur vorwurfsvoll ihren Finger.
„Wie konntest du nur?" fragte sie mit heiseren Stimme. Als sie wieder die Augen öffnete und mich mit ihren eisernen und zornigen Blick fixierte, stand ich nur wie versteinert da.
Diesen Ausdruck hatte ich noch nie zuvor an ihr gesehen...
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