7 ☾ ER
Taps, taps, taps ...
Okay, okay, Fritzi. Als könne sie meine Gedanken lesen, schaue ich ihr direkt in ihre braunen Augen. Ich beeile mich ja schon. Die paar Paler sollte ich dennoch einstecken, die ich habe, sonst können wir verrotten, so ganz ohne Geld da draußen. Prompt schießt mir ihr Gesicht in den Kopf. Wie macht sie das nur? Meine Hand fühlt nach dem Stoff in meinem Schuh. Wird es ihr gerade gut gehen? Zumindest ist die Sektion gerade hier.
Taps, taps, taps ...
Fritzi passt auf. Schnell noch in Fri... in den Raum ... Als würde Fritzi wissen, was in mir dadurch losgetreten wird, weicht sie nicht von mir. Die zwei Fotos ... Die müssen mit. Dabei bemerke ich, was Fia wohl alles mit ihrer Nachricht meinte. Der Schrank ist geöffnet, nicht mehr so befüllt wie vorher ...
Taps, taps, taps ...
Stimmt, dafür haben wir keine Zeit. Es ist, wie es ist und irgendwie ist es sicherlich auch gut so. Das Nötigste, mehr nicht. Schnell alles in den Rucksack stopfen, noch einmal umschauen und ja, nun ist es wirklich allerhöchste Zeit für uns.
Taps, taps, taps ...
Fritzi wird noch unruhiger ... Ihr Tapsen wird mehr zu einem Tippeln. Die Zeit drängt nun wirklich.
Und was wollen die denn eigentlich von diesem armen Mädchen?
Taps, taps, taps ...
Ja stimmt, später ... Darum kümmern wir uns später. Erst einmal raus. Ich steuere die Hintertür an. Kurz bevor ich sie öffnen will, huscht ein Schatten hinter der Tür entlang, den ich durch den Türschlitz erkennen kann. Mist auch. Da haben sie ihren dritten Mann also postiert.
Taps, taps, taps ...
Schnell und leise muss ich nun handeln. In der Hoffnung, dass sie es nicht mitbekommen, nicht hören können. Ich schaue nach oben und flehe.
Taps, taps, taps ... Taps, taps, taps ...
Danke Fritzi! Ich hebel ruckartig die Luke unter mir auf. Von der ich nie jemanden etwas erzählt habe. Die ich – gekonnt, würde ich gerne behaupten – mehr oder weniger stabil in den Boden des Flurs, kurz vor der Hintertür eingebaut habe. Niemanden trauen! Vor allem seit Frida und den Geschehnissen ... Fritzi blickt mich tieftraurig an. Denkt sie, ich lasse sie zurück? Niemals! Ich hebe sie an, was sie zunächst erschreckt, dankenswerterweise lautlos. Und hieve sie runter. Dann folge ich ihr und ziehe die Luke wieder über uns rüber. Gott bin ich froh, dass ich diesen Plan einmal begonnen hatte umzusetzen, auch wenn der Tunnel vor mir noch nicht beendet ist. Es gibt nur einen Ausgang. Dort möchte ich ungern aussteigen, aber was bleibt mir anderes übrig?
Ich streiche über Fritzis Körper, er bebt, doch sie hechelt einigermaßen gleichmäßig.
Nachdem wir uns beide etwas beruhigt haben und ich mich zumindest an die Dunkelheit gewöhnen konnte, schnappe ich mir die vorbereitete Taschenlampe. Anschalten werde ich sie aber nur im Notfall. Ich muss ja nicht noch im allerletzten Augenblick die Aufmerksamkeit auf uns lenken. Blöd bin ich auch nicht.
Ich schultere den Rucksack, ziehe alles stramm und starte den Weg, in dem ich mir selbst gut zurede, dass ich diesen Tunnel breit sowie stabil genug ausgebaut habe. Wird schon. Na ja, eigentlich musste ich den Tunnel ja nur neu ausgraben. Es gab ihn ja schon einmal vor Ewigkeiten. Zum Glück bin ich auf alte Aufzeichnungen gestoßen. Wenn wir das überstanden haben, fürchte ich mich jedoch immer noch vor dem Ziel. Aber das ist jetzt so. Wir müssen hoffen.
Immerhin gibt es keine Abzweigungen oder dergleichen. Also können wir uns nicht verirren.
Gibt es hier irgendwelche gefährlichen Lebewesen? Was ist, wenn sie bereits am anderen Ende warten? Sollten wir doch wieder umkehren? Nein, bleib auf deinem Weg!
Dass mir die Dunkelheit und Ungewissheit so zu schaffen macht, hatte ich nicht für möglich gehalten. Am Ende des Weges bin ich völlig fertig. Körperlich, doch genauso mit den Nerven. Vollkommen durchgeschwitzt, gleichzeitig am Frieren.
Warten. Du musst noch warten. Unten im Tunnel vor dem Ausgang ist es schwer für mich, nicht direkt hinauf zu steigen. Sehr anstrengend für mich zu warten und geduldig zu sein. Doch es scheint mir sinniger als direkt hoch zu preschen.
Nach einer zumindest gefühlten Ewigkeit klopfe ich von unten an. Ob sie denkt, dass sie bescheuert ist?
Ich wiederhole das Klopfen und öffne die Luke. Fritzi springt plötzlich zu meinem Erstaunen hoch und versperrt mir somit total die Sicht. Gerade als ich halb raus gekrochen bin, spüre ich nur noch etwas völlig Hartes und Kaltes auf meinen Schädel knallen.
Dann falle ich. In die Dunkelheit.
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