2
„Ja, ich weiß, dass die Wäsche noch aufgehängt werden muss", gab Liana gereizt von sich und wühlte weiter in ihrem Kleiderschrank herum. R7C0 fiepte betroffen auf.
Liana seufzte und taumelte rückwärts zu ihrem Bett, auf dass sie sich fallen ließ. Sie senkte ihren Kopf und massierte ihre Schläfen mit den Daumen. „Ich weiß, dass du mir nur helfen willst. Tut mir leid, Bonnie."
Mitfühlend zwitscherte er ihr zu und fuhr zu ihr, um sie ermutigend anzustupsen.
„Danke, aber es steht noch so viel Arbeit an, bevor..."
R7 gab sich geschlagen und stöhnte auf, während er bedrückt das Chaos musterte.
Ständig unterwegs zu sein hatte eine gewaltige Nebenwirkung: Zuhause stauten sich alle Aufgaben auf.
In dem Moment schrillte eine alarmgleiche Melodie in ohrenbetäubender Lautstärke durch die Wohnung. Liana fluchte und presste sich die Hände auf die Ohren.
„Verdammt, warum ist das so laut?! Bonnie, stell' das leiser!"
Ohne zu Zögern glitt R7 zum zentralen Anschluss und drehte an den Einstellungen herum, bis die Melodie eine annehmbare Lautstärke angenommen hatte.
Liana starrte an den gigantischen Wandbildschirm vor ihr und stöhnte auf. Sie angelte ihr Tablet von der anderen Bettseite und drückte ein paar Knöpfe, ehe eine dunkle Stimme durch die Wohnung hallte.
„Liana!"
Sie verdrehte die Augen. „Ja."
Er stutzte. „Gibt es ein Problem, Ma'am?"
So nannte er seine Tochter immer, wenn er sauer war. Das fing ja schonmal gut an.
„Nein, alles gut, Sir." Liana sprang mit auf seinen Zug auf. „Was soll denn sein?"
Es raschelte leise in der Leitung, ehe er anfing zu sprechen. „Du klangst so... genervt. Als wärst du mitten bei der Arbeit."
Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Liana sich in ihrem Saustall um, der sich ihr Zimmer schimpfte. „Vielleicht, weil es so ist... Du tust so überrascht. Hast du gedacht, mein Haushalt erledigt sich etwa von alleine?"
„Du hast doch diesen Hausdroiden, wie hieß der nochmal? R4C7? Kann der dir nicht helfen?"
Liana holte tief Luft, um Ruhe zu bewahren. „Erstens, der Droide heißt R7C0, in Freundeskreisen aber auch gerne Bonnie. Zweitens, das ist kein Haus- oder Putzdroide, sondern eine alte Astromech-Einheit. Er hilft mir schon, so gut er kann, aber er ist eben kein Hausdroide. Und drittens, ich bin gewiss niemand, der andere Leute in unangenehme Arbeiten einspannt."
Jetzt war es an dem Vater, genervt aufzustöhnen. „Droide hin oder her – hast du Zeit?"
Eigentlich nicht, schoss es ihr durch den Kopf. Liana biss sich auf die Unterlippe und verdrehte ihre Augen zur Decke. „Was gibt's?"
„Och bitte, kannst du deinen Droiden mal mitbringen?", bettelte Kara und machte die größten und süßesten Hundeaugen, die man sich vorstellen kann.
Liana schaute mitleidig zurück, während sie die Nudeln hinunterschluckte. „Er ist leider sehr schwer, ich kann ihn nicht einmal heben. Außerdem..." Belehrend hob sie ihren Zeigefinger. „... ist er so alt, dass man beim Hochheben Gefahr läuft, ihn in seine Einzelteile zu zerlegen." Sie schob sich noch einen Löffel zwischen die Lippen, während Kara missmutig dreinschaute.
Aber ihr Vater kam ihr unerwartet zu Hilfe. „Liana... hat Recht", meinte er kühl und zögerte, diese Worte auszusprechen, als würde dies seinem Weltbild widersprechen. „Wir haben hier doch gar keinen Platz für einen Droiden."
Xavier verdrehte die Augen. „Wir können doch aufräumen!", rief Levan aufgeregt. Als der Zweit-Jüngste mit gerade einmal 9 Sonnen fand er solche Diskussionen immer unheimlich spannend. Liana lächelte ihm ermutigend zu.
Seinen Söhnen konnte Vater keinen Wunsch abschlagen, weshalb er bald einknickte. „Also gut...", brummelte er undeutlich. „Aber ihr seid fürs Aufräumen verantwortlich!"
„Jaja", riefen sie und sprangen aufgeregt von ihren Stühlen. Sie rannten im Slalom durch das unordentliche Wohnzimmer und dann zu ihren Zimmern. „Diesmal bin ich der Drache! Uuhhäääää!", kreischte Levan und drängelte sich an seinem älteren Bruder Xavier vorbei.
Liana blieb sitzen und grinste gedankenverloren. Sie bekam kaum mit, wie ihr Vater sie mit harschen Worten in die Küche kommandierte und die Zwillinge Kara und Sara für den Mittagsschlaf fertig machte. Normale Hausdroiden hatten keine Sprachfunktion, deshalb war ihre R7-Einheit so begehrt bei ihren Geschwistern. Sie hatten ihn noch nie vorher gesehen, da Liana erst vor ein paar Wochen bei der lokalen Müllabfuhr gefunden und mitgenommen hatte. Sie hatte schon lange ein Faible für Technik und Schrauben. Sie hatte nur ein paar Schrauben nachziehen müssen, damit er funktioniert. Nachdem so viele Nachfolgemodelle auf dem Markt waren, wollte ihn keiner mehr haben.
Außerdem, wenn sich ein Haushalt einen Droiden anschaffte, dann meist einen richtigen Haus- oder Putzdroiden, der mithalf, die Räume sauberzuhalten und auch leichte Aufräumaufgaben erledigen konnte. Die Steuerung war einfacher, er hatte kein großartiges Gedächtnis und keine Sprachfunktion, wodurch er problemlos in der Anschaffung war und auch erschwinglicher. Jedoch konnte man ihn auch ohne Probleme aufrüsten bei einem entsprechenden Mechaniker. Hier auf Nagi allerdings waren Droiden so gut wie nicht zu bekommen und deshalb auch dementsprechend teuer. Nur die Reichen und Schönen konnten sich eine Haushaltshilfe in Form eines Droiden leisten.
Die Zeit verging wie im Flug und nach gefühlt nur einem Wimpernschlag war es draußen dunkel, Liana verabschiedete sich und ging nach Hause. Naja, so richtig dunkel wurde es nicht, da Nagi von einem sehr hellen Stern umkreist wurde, der zwar nicht so groß wie Nagis Sonne war, aber trotzdem hell genug, um die wenigen dunklen Stunden zu erleuchten.
Als Liana in ihrer Wohnung ankam, öffnete sie zuerst die Rollläden, die sie während des Tages wegen der Hitze immer heruntergelassen hatte. Die falsche Sonne, so nannten die Nagai den weißen Stern, der wachte, wenn Nagis Sonne untergegangen war, tauchte alles in ein weiches, mysteriöses Licht. Das sanfte Licht blendete nicht, aber war trotzdem hell genug, dass man noch alles genau erkennen konnte. Erschöpft machte sie sich bettfertig und ließ sich müde in die Kissen sinken.
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top