Freude
Wie Lucifer es erhofft hatte, steht vor seinem Haus ein kleiner, überdachter Stand. Er klopft etwas Asche von der Zigarette, die er sich angesteckt hat, nachdem er in der Schneiderei von Ais Familie vorbei geschaut hatte, während er sich dem Stand nähert. Mit kontrollierenden Blick begutachtet er jeden Nagel, den Ashura hinein schlagen musste, bevor er an den Pfosten rüttelt, die das kleine Dach halten.
Dabei geht ihm nicht aus dem Kopf, wie Ai versucht hat ihn wegen Ashura zu belehren. „Du kennst sie nicht einmal und dennoch lässt du sie bei dir Schlafen." „Wenn ich sie nicht aufnehme wer dann? Das nächste Dorf ist eine halbe Tagesreise entfernt, zu Fuß." „Du denkst zu wenig an dich selbst, sondern viel zu viel an andere!" beschimpfte sie Lucifer zum Schluss, als er darauf den Laden wieder verließ.
Als Lucifer merkt, das der Stand genug aushält, geht er um diesen herum und durch eine der geöffneten Torflügel, den er für Ashura offen gelassen hatte. Hinter sich zieht er diesen auch wieder zu, bevor er ihren Namen ruft. „Hier!" kommt es aus dem Wohnzimmer zurück. Ein Stein fällt ihm vom Herz bei ihrer Antwort.
Beim Betreten des Wohnzimmers, sieht er wie sie mit dem Buch aus dem Rathaus auf der Couch sitzt. Die Kapuze hat sie wieder mal über ihrem Kopf beim Lesen. Lucifer Atmet etwas Rauch aus. „Du kannst dir Kapuze wieder absetzen. Das Tor ist zu." Weiterhin im Buch vertieft setzt sie diese auch ab, wodurch ihre blauen Haare und das Fell auf ihren Ohren wieder zum Vorschein kommt. „Es ist schon erstaunlich." kommt es von ihr, Bewunderung tief in ihrer Stimme. „Was alles für Wesen seit dem Ende des dritten Weltkrieges so aufgetaucht sein sollen, deren Auftreten man vorher nur in Büchern und Filmen gesehen hat."
Mit einem Schmunzeln wendet Lucifer sich an die Kellertreppe. „Kommst du kurz mit runter in den Keller." Mit weiten, verwunderten Augen blickt sie auf einmal zu ihm. „Klar." Wie ein Blitz springt sie auf und geht hinter ihm die Treppen herunter, wo Lucifer schon das Licht aktiviert hat. Während Ashura die ganzen neuen Werkzeuge und Waffen begutachtet, die auf der einen Seite in einem Regal liegen, läuft Lucifer gerade Wegs durch das staubige Regallabyrinth zu einer weitern Tür, die er zuvor aufschließen muss. Zuerst ist der Raum dahinter dunkel, doch schnell schaltet er auch hier das Licht an und eine Gegenstand, was von einem Tuch überdeckt ist, kommt zum Vorschein. Des weiteren befindet sich ein kleiner Tank direkt hinter dem Tuch und eine Werkbank mit speziellen Werkzeug und zwei bläulich schimmernden, kleinen Sensen.
Ashuras geweiteter Blick bleibt starr auf das alte Tuch gerichtet.
„Was ... ist da drunten?" kommt es neugierig von ihr, während sie näher tritt. Lucifer hingegen geht zur Werkbank und nimmt die beiden Waffen auf und springt auf die Arbeitsfläche. „Unter dem Tuch ist ein Familienerbstück, eine Yamaha YZF R1M, welche sogar noch läuft." „Was?" hat sie nichts verstanden. Wenig überrascht darüber, lässt er sie das Tuch entfernen. Ein wenig Staub von dem Tuch fliegt auf, als das schwarze Carbon zum Vorschein kommt. Genau so wie der Staub wirbelt der erstaunte Blick von Ashura auf. „Das Motorrad ist relativ leicht gebaut und soll früher mehr für Sport gedacht gewesen sein. Heute verwende ich es für Spritztouren." erklärt Lucifer. Ashura streicht vorsichtig über das schwarze Carbon der Verkleidung, damit sie mit ihren krallenartigen Fingern keine Kratzer verursachst. „Wie bekommst du noch Treibstoff und Ersatzteile für dieses Wunderwerk?" Ein lachen aus Freude entfleuchte Lucifer. „Treibstoff bekomme ich aus dem Tank dahinter. Die Händler die morgen kommen, bringen ein mal im Jahr welchen. Ersatzteile muss ich jedes mal selber herstellen oder in der Stadt herstellen lassen. Deshalb habe ich immer einen geheimen Vorrat an Geld. Ich habe im Winter aber erst alles gecheckt, also fehlt nicht."
Lucifer spielt ein wenig mit den Sensen herum, die er noch immer in den Händen hält, während Ashura wie wild jeden Winkel des Motorrads erkundet. „Wenn du fertig bist," unterbricht er sie nach ein paar Minuten, „Dann hätte ich hier noch die Waffen die ich dir Machen sollte. Zwei kleine Sensen, die man einfach unter einer Jacke tragen kann, ohne das sie großartig auffallen. Dennoch sollte man aufpassen, da ich sie extrem geschärft habe."
Sofort das Interesse gewechselt springt Ashura zu Lucifer und beginnt mit der Begutachtet der Waffen, was Lucifer nur zum Lachen bringt. „Danke, danke, danke." kommt es von ihr überglücklich. „Wie kann ich dir dafür nur danken." „Ganz einfach, hilf mir morgen beim Betanken der beiden Teile. Das sollte schon reichen."
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