Fehler

Dieses Mädchen. Es steht direkt gegenüber von mir und schaut mich an. Es entspricht in etwa meines Alters und hat die gleiche Größe wie ich. Ich mustere es. Es hat schöne lange, braune Haare und strahlend blaue Augen. Sein Gesicht zieren Sommersprossen und es hat kleine Grübchen, wenn es lächelt. Ich gehe näher an sie heran, um sie besser betrachten zu können. Plötzlich bemerke ich die vielen kleinen Pickel in ihrem Gesicht und eine Narbe auf der Stirn. Die tiefen, dunklen Augenringe fallen mir jetzt auch auf. Ich frage mich, wann sie das letzte Mal so richtig geschlafen hat. Muss bestimmt schon Ewigkeiten her sein. Als hätte sie meine schlechten Worte über sie mitbekommen, wandern ihre Mundwinkel nach unten. Sie schaut mich traurig an. Hey, so war das doch nicht gemeint! Aber je länger ich sie betrachte, desto mehr Fehler fallen mir an ihr auf. Ihre blasse Haut gleicht der weißen Wand. Sie ist ungeschminkt, obwohl ich ihr dringend raten würde, etwas dagegen zu benutzen. Ihre Augen füllen sich mit Tränen und schon kullert die erste über ihr Gesicht. Es kommen immer mehr und mehr dazu und ich habe Angst, sie würde nicht mehr aufhören, zu weinen. Wie kann ich sie bloß trösten? Ich blicke um mich und suche nach einem Taschentuch, doch ich finde keins. Vorsichtig nehme ich meine Hand hoch, um ihr die Tränen wegzuwischen. Doch ich kann ihr Gesicht nicht berühren. Es ist, als wäre ein Hindernis zwischen ihr und mir. Ich schaue genauer hin und bemerke eine dünne, durchsichtige Wand, die sie von mir trennt. Doch ich irre mich. Es ist keine Wand. Es ist ein Spiegel.

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