Defenceless
Sorry, dass es erst jetzt kommt, ich hab die Zeit total vergessen, weil ich hobbylos bin und Sims gespielt hab (Harry ist da gerade unter Umständen gestorben, whoopsie👀)
Naja egal, viel Spaß beim Lesen, bis Morgen :3
All the Love ~ L xx
《♡》
"Es ist alles deine Schuld Harry. Wie kannst du überhaupt noch in den Spiegel sehen? Deinen großen Bruder auf dem Gewissen habend. Schämst du dich kein bisschen, dein Leben ohne mich weiter zu leben? Ich sollte an deiner Stelle sein, das wissen wir beide Harold. Ich hätte es mehr verdient zu leben, ich war schon immer in allem besser als du. Vor allem was neue Freunde finden anbelangt. Wie viele hast du nochmal? Richtig, gar keinen. Du hast nur noch Gemma und Mom, die beide an mich denken, wenn sie dich ansehen. Jede Bewegung, jedes Wort wird sie an mich erinnern. Wieso lebst du überhaupt noch Harry? Du bist eine Last und reibst unserer Familie nur unter die Nase, dass ich tot bin. Und wegen wem? Wegen dir. Ohne dich wären sie besser dran. Ohne dich wären alle besser dran. Selbst Louis, oder was glaubst du warum er gegangen ist?" Edward sieht arrogant zu seinem Bruder, während er eine seiner Augenbrauen hebt. Er verschränkt seine Arme vor der Brust und läuft langsam um Harry herum, der auf einem Stuhl sitzt. Er sieht auf seine Füße. Seinen Bruder anzusehen würde ihm zu viele Schmerzen bereiten.
"Mir nicht zu antworten holt dich auch nicht aus dieser Hölle raus Haz. Wir wissen beide, dass ich jede verdammte Nacht wieder kommen werde und dich jedesmal daran erinnern werde, was du getan hast."
Edward hat seinen Bruder bei den Haaren gepackt, zieht sie nach hinten, sodass dieser den Kopf heben muss und spricht diese Worte nah an Harrys Ohr. Harry wehrt sich nicht. Hat er noch nie. Edward war schon immer stärker, selbst als sie fünf waren. Edward mustert seinen Bruder von der Seite, als sich ein Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitet, welches so voller Hass, Missgunst und Spott trieft, dass es Harry eine Gänsehaut verursacht.
"Was glaubst wie lang es noch dauert bis Gemma den Kontakt gänzlich zu dir abbricht? 2 Wochen? 3? Oder doch nur 5 Tage?" ,fragt der Ältere der Zwillinge spielerisch, während er Harrys Haare wieder los lässt und sich anschließend vor ihm positioniert bevor er in die Hocke geht. Beide Hände legt er auf Harrys Knie und blickt starr hoch in das Grün. "Sie liebt mich, sie würde niemals den Kontakt abbrechen" ,antwortet Harry zum erstmal mit zittriger Stimme. Er versucht stark zu bleiben, straft seine Schultern etwas, doch als Edward beginnt zu lachen, sackt er wieder in sich zusammen. Es hat doch keinen Sinn.
"Lieben? Ach Harold, das ist keine Liebe. Niemand könnte so ein Monster wie dich jemals lieben. Du hast deinen eigenen Bruder umgebracht und erwartest ernsthaft, dass Gemma dich noch lieben würde? Du bist naiv Harry. Warst du schon immer und wirst du auch immer bleiben."
Abfällig lacht er als er sich wieder erhebt und seine Arme vor der Brust verschränkt.
"Erbärmlich was aus dir geworden ist und sowas soll studieren? Lärcherlich. Glaubst du Mom und Gemma haben sich wirklich für dich gefreut, als du den Brief mit der Zusage bekommen hast? Sicher, dass sie sich für dich gefreut haben? Dafür, dass du eins deiner Ziele erreicht hast? Oder ist ihre Freude viel mehr darauf ausgelegt, dass du ausziehen wirst und sie dir endlich nicht mehr in das Gesicht sehen müssen? Siehst du nicht die Qual in ihren Gesichtern, wenn sie dich auch nur ansehen? Du solltest über eine Gesichts-Op nachdenken. Mein Gesicht steht dir nicht."
Absätzig sieht er auf seinen kleineren Bruder herab, der mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf da sitzt und darauf hofft, dass es bald vorbei ist.
"Harry?" Ertönt plötzlich eine weitere Stimme. Es ist eine weibliche. Die beiden Brüder hören sie nur ganz dumpf und weit enfernt. Edward sieht lächelnd nach oben, ehe er sich wieder Harry zuwendet. "Scheint so als hättest du Gemma wieder aufgeweckt. Hat sie seit meinem Tod überhaupt jemals friedlich schlafen können ohne, dass du meinen Namen schreist?" Nichts als blanker Hohn schwingt in seiner Stimme mit, Harry bekommt eine Gänsehaut.
Edward tritt wieder vor ihn und legt seinen Zeigefinger unter Harrys Kinn. Er zwingt ihn dazu in seine Augen zu sehen. Harry schmerzt der Anblick des Grüns mit den leichten braunen Sprenklern drin. Edward hatte schon immer die schöneren Augen.
"Richte unserer Schwester liebe Grüßen von ihrem Lieblingsbruder aus."
Edwards gehässiges Lachen begleitet ihn noch bis aus dem Traum hinaus. Selbst als er seine Augen öffnet und in das besorgte Gesicht seiner Schwester blickt, hallt es noch in seinen Ohren wieder.
"Bist du bereit für deinen ersten Tag am College?"
Gemma lächelt ihn schief an, als sie ihm durch die zerzausten Haare streicht. Sie weiß, dass es nur kontraproduktiv ist, Harry direkt nach einem Alptraum darauf anzusprechen. Sie verlegt dieses Gespräch auf später.
Harry erwiedert das Lächeln nur halb.
"Ich schätze schon."
《♡》
"Versprich mir, dass du dich jede Woche mindestens einmal bei mir meldest. Falls du irgendwelche Probleme haben solltest, kannst du dich natürlich auch öfter melden."
Gemma wirft ihrem Bruder einen prüfenden Seitenblick zu, ehe sie ihre Augen wieder auf die Straße vor sich richtet. Beiden ist klar, was Gemma mit "Probleme" meint. Es geht um Harrys Alpträume. Wie so oft in letzter Zeit. Jedenfalls seit Harry der Meinung ist, dass er keine Therapiestunden benötigt und sich dadurch seine Alpträume nur noch verschlimmert haben. Gemma gefällt das gar nicht, doch sie kann ihren Bruder nicht zwingen. Er ist alt genug für eigene Entscheidungen, mit denen er selbst leben muss.
"Es wird schon alles gut gehen. Es ist grad nur wieder so eine Phase, in der sie schlimmer sind, dass ist immer so, wenn ich viel um die Ohren habe. Das geht vorüber" ,meint Harry gelassen und lehnt seinen Kopf an der dafür vorgesehenen Stütze an.
Gemmas Griff um das Lenkrad wird etwas fester.
Harry nimmt das ganze viel zu gelassen. Diese ganzen Alpträume sind nicht normal und erst recht nicht gesund. Er sollte es ernster nehmen. Gemma sieht doch wie es ihn eigentlich fertig macht, warum redet er diese Alpträume dann immer so klein? Es gibt Nächte, in denen Harry so verzweifelt und voller Schmerzen schreit, dass man annehmen könnte, er würde gerade sterben.
"Es geht vorüber? Warum nochmal hast du dann diese Alpträume schon seit Edwards Tod? Harry verstehst du es nicht? Es wird nie vorüber gehen. Die Terapiestunden waren deine einzige Chance."
Gemma kann den Vorwurf in ihrer Stimme nicht unterdrücken, als der letzte Satz ihre Lippen verlässt. Sie meint es nicht böse, in keinster weise, sie macht sich nur Sorgen um ihren kleinen Bruder. Es wird ihr schwer fallen ihn gehen zu lassen, immerhin kann sie jetzt nicht mehr ein Auge auf ihn haben. Außerdem bekommt sie seine Alpträume nicht mehr mit, was Harry Spielraum dafür lässt, wie viel er ihr erzählt. Er wird es bestimmt runterspielen. Sie kennt ihn nur zu gut.
"Gemma! Ich gehe jetzt aufs College, wie stellst du dir das bitte vor? Die Terapiestunden sind so gar nicht möglich, außerdem hätte ich für sowas sowieso keine Zeit."
Harry wird jetzt auch ein wenig lauter und verdreht seine Augen. Er will doch eigentlich gar nicht mit ihr Diskutieren. Will er wirklich nicht, aber ebenso wenig will er, dass sie sich immer so sehr in sein Leben einmischt. Es ist seine Sache wie er mit den Alpträumen umgeht. Er weiß, dass sie sich nur Sorgen macht, doch es ändert nichts an seiner Einstellung.
"Man hätte bestimmt eine Lösung finden können" ,murmelt Gemma stur.
Harry massiert mit Zeigefinger und Daumen seinen Nasenrücken, während er ausatmet. Das macht er immer, wenn er versucht sich selbst zu beruhigen. Bisher hat es eigentlich immer ganz gut funktioniert.
"Wir- können wir einfach das Thema wechseln?" ,fragt Harry und lässt seine rechte Hand auf seinen Oberschenkel fallen, während er seinen Kopf zu Gemma dreht.
"Du kannst dich nicht immer vor den unangenehmen Themen drücken Harry."
"Hab ich gemerkt" ,murmelt Harry und sieht genervt aus dem Fenster. So hatte er sich die letzten paar Stunden mit seiner Schwester nicht vorgestellt.
"Welcher Alptraum war es heute? Du hast nicht so laut geschrien, also vermute ich es war der, in dem Edward mit dir spricht?" Gemma lässt es wie eine Frage in der Luft hängen. Sie weiß eigentlich genau, dass ihre Vermutung richtig ist, trotzdem antwortet Harry.
"Ja, es war der harmlose."
Gemma nickt.
Sie öffnet den Mund, um noch etwas zu sagen, doch Harry stoppt sie.
"Themawechsel, jetzt. Oder ich schweige für die restliche Fahrt."
Gemma rollt mit den Augen. Harry ist so stur, es ist unfassbar. Da sie allerdings nicht weiter mit ihm diskutieren will, gibt sie nach.
"Fein, wie geht es Louis?"
Harry spannt sich unmerklich an. Er räuspert sich kurz, ehe er seiner Schwester antwortet.
"Gut."
Harry traut sich nicht seiner Schwester zu sagen, dass er seit einem Jahr nichts mehr von Louis gehört hat. Anfangs hatten sie noch sehr viel Telefoniert und Videoanrufe gemacht, doch es wurde von Monat zu Monat weniger, bis sie nur noch alle paar Wochen mal sowas wie Hallo geschrieben haben. Vor einem Jahr ist der Kontakt gänzlich abgebrochen. Harry würde einen Teufel tun und das seiner Schwester erzählen. Sie würde sich nur noch mehr Sorgen um ihn machen und das will er nun wirklich nicht.
Seufzend wendet er seinen Blick von Gemma ab und sieht aus dem Fenster. Den Start in seinen neuen Lebensabschnitt, hatte er sich besser vorgestellt, aber Harry kann damit Leben. Es ist ja nicht das erste mal, dass er enttäuscht wurde.
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