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„Habt ihr zufällig mitbekommen, wo Quentin hin ist?", frage ich meine Schwestern, als wir zurück in Fynns Safehouse sind.

„Keine Ahnung. Er ist spurlos mit Gulio verschwunden und kurz darauf sind Mike und die anderen Männer in unser Haus gestürmt. Er wusste zu einhundert Prozent von eurem vorhaben", berichtet Thea und lässt sich auf der schwarzen Ledercouch nieder.

„Aber er hat vor kurzem mit einem Makler telefoniert", ergänzt Annalise, „Vielleicht hat er ein Haus gekauft und versteckt sich jetzt dort? Unsere anderen Häuser können wir wohl ausschließen, immerhin wissen wir alle von ihnen. Quentin wäre ziemlich dumm sich dort zu verstecken."

„Ein Makler?", frage ich nach.

„Ja, vor ungefähr einer Woche. Ich habe das Telefonat durch Zufall mitbekommen, aber leider nicht bis zum Ende, weil ich mich dann verstecken musste."

„Sehr gut, Annalise. Das ist eine wichtige Information", lobe ich meine jüngste Schwester und schaue nachdenklich aus dem bodentiefen Fenster.

Es könnte sehr gut sein, dass Quentin sich eine neue Immobilie gekauft hat. Dort kann er sich verstecken und theoretisch wüssten wir nichts von deren Existenz. Zum Glück konnte Annalise das Telefonat belauschen, ansonsten würden wir jetzt komplett im dunkeln tappen.

„Was ist mit Moira? Wo habt ihr sie gefunden?", spricht Thea mich auf unsere vierte Schwester an.

„Wir haben sie hier in Chicago gefunden, in einer verlassenen Lagerhalle", beginne ich, woraufhin meine Schwestern scharf die Luft einziehen, „Sie war schwer verletzt und wurde zudem noch vergewaltigt." Thea und Annalise schauen mich fassungslos an.

„Auf verdrehte Art und Weise hatte sie noch Glück. Fynn und ich haben ihr eine Psychologin zur Seite gestellt und es scheint ihr von Tag zu Tag besser zu gehen - körperlich und seelisch", beruhige ich die beiden, „Auf jeden Fall will sie Quentin umbringen. Wir vermuten, dass er sie verkauft hat und somit Schuld an allem trägt. Noch hat Moira nicht viel mit uns über das Erlebte gesprochen, ich weiß auch nicht, ob sie das je tun wird."

Annalise atmet tief durch und versucht zu verarbeiten, was ich gerade erzählt habe: „Wow. Jetzt ist dieser Bastard erst recht tot!"

„Ich hasse ihn!", fügt Thea hinzu, „Ich hasse, hasse, hasse ihn. Wie kann er Moira das alles antun?!"

„Wir werden uns rächen", stimme ich meinen Schwestern zu, „Für alles was er uns je angetan hat."

„Wie ist es euch ergangen? Hat er euch beiden etwas angetan?", frage ich Thea und schaue sie durchdringend an.

„Alles gut", meint diese, „Er hat uns in unsere Zimmer eingesperrt - mehr nicht. Aber wer weiß, was passiert wäre, wenn ihr nicht eingegriffen hättet."

„Er wollte uns bestimmt auch loswerden. Ich meine, erst verheiratet er Lillian und dann verkauft er Moira - das stinkt doch zum Himmel", sagt Annalise und ich kann ihr nur zustimmen. Unser eigener Bruder hat den Plan verfolgt, uns alle nacheinander systematisch loszuwerden.

Als mein Handy piept, ziehe ich es aus der Hosentasche. Eine neue Nachricht von Theo.

„Entschuldigt mich kurz", wende ich mich an meine beiden Schwestern, stehe auf und trete in den Flur.

Mein guter Freund aus Seattle, bittet mich ihn anzurufen, sobald ich Zeit habe. Das klingt doch vielversprechend.

Ich wähle seine Nummer und nach zwei mal piepen, geht er auch schon ran.

„Ich habe gute Neuigkeiten!", beginnt er.

„Das höre ich gerne!"

„Quentin hat ein Ferienhaus gekauft - am Strand", lässt Theo die Bombe platzen. Genau, wie wir vermutet haben.

„Hast du die Adresse?"

„Aber klar doch, ich bin ja kein Amateur", lacht der Blonde ins Telefon, „Ich schicke sie dir gleich auf's Handy."

„Danke, du bist echt der Beste! Glaubst du, Quentin ist dort?"

„Ich schätze schon, aber versprechen kann ich nichts."

„Hab dich lieb, Theo", verabschiede ich mich, da ich die Nachricht schnellstmöglich, an meine Schwestern und Fynn, weitergeben möchte.

„Ich dich auch, Sweetie."

Kurz nachdem ich aufgelegt habe, bekomme ich auch schon die SMS mit der Adresse. Ich tippe schnell ein Danke zurück und stecke dann mein Smartphone weg.

„Fynn?", rufe ich etwas lauter in den Flur und hoffe das der Schwarzhaarige mich hört.

„Ja?"

„Komm mal bitte, ich habe gute Neuigkeiten", teile ich ihm mit und schon höre ich seine Schritte auf dem Marmorboden. Er biegt, gefolgt von Xavier und Nicholas, um die Ecke und kommt direkt auf mich zu.

„Gute Neuigkeiten?", lächelt er und nimmt sanft meine Hände.

„Ja, komm mit. Ich erzähle es euch im Wohnzimmer." Mit diesen Worten ziehe ich Fynn hinter mir her zu Thea und Annalise.

Meine Schwestern mustern uns neugierig, als wir durch die Tür treten und Thea starrt vielsagend auf die verschränkten Hände von Fynn und mir.
Annalise schaut ziemlich skeptisch in die Richtung von Xavier und Nicholas. Ich verstehe meine Schwester, die Männer sind ziemlich respekteinflößend, wenn man sie nicht kennt. Immerhin sind alle von ihnen über 1.80 Meter, breit gebaut und haben scharf geschnittene Gesichtszüge.

Fynn setzt sich auf den breiten Sessel und zieht mich, wie selbstverständlich, auf seinen Schoß. Leicht erschrocken schaue ich hoch und treffe auf Theas verschmitztes Grinsen. Ich verdrehe nur meine Augen, ich weiß genau, was die Blondine gerade denkt. Sie hat es mir gesagt: ein heißer Mafiaboss ist genau das richtige für mich. Und natürlich hatte Thea recht, auch wenn Fynn noch kein Clanführer ist. Sobald sein Vater in Rente geht, wird er es aber sein.

„Leute, ich habe sehr gute Neuigkeiten", sage ich laut in die Runde und alle schauen mich fragend an.

„Theo hat die Adresse des Ferienhauses, das Quentin sich gekauft hat, herausgefunden. Ich leite sie euch gleich weiter", meine ich breit grinsend, „Wir können hoffentlich bald Rache nehmen."

„Das ist ja fantastisch!", freut sich Thea, „Wann geht es los?"

„Immer langsam", versucht Xavier meine überschwängliche Schwester zu stoppen, „Gibt es Beweise, dass euer geistesgestörter Bruder sich dort versteckt?"

„Nein, aber es ist sehr wahrscheinlich."

„Meiner Meinung nach reicht das nicht, um das Haus zu stürmen. Am Ende ist es wieder ein Hinterhalt", warnt Xavier und wirft Fynn einen durchdringenden Blick zu.

„Ich sehe das genau so", meint Nicholas, „Es ist ein vielversprechender Hinweis, aber mir reicht das nicht." Toll, haben sich gerade alle Luchessés gegen mich und meine Schwestern verschworen?

Klar verstehe ich die beiden, schließlich sind es ihre Männer, die sterben könnten. Aber es geht hier um meine Familie!

„Pfff, habt ihr Angst oder was?", geht Thea die beiden Männer zickig an, „Wir brauchen euch sowieso nicht, stimmt's Lilli?"

„Äh-", gebe ich sehr hilfreich von mir.

„Lilli wird sich nicht Hals über Kopf mit euch in den Suizid stürzen", ergreift Fynn das Wort, „Wir werden uns die ganze Sache gemeinsam überlegen und dann entscheiden."

„Er ist dort!", beharrt Thea und fährt sich aufgebracht durch ihr blondes Haar.

„Das wissen wir aber nicht sicher", hält Xavier dagegen.

„Was weiß man schon sicher?"

„Es ist einfach ein unnötiges Risiko." Oh, oh, das hätte der Cousin von Fynn jetzt nicht sagen sollen.

„Unnötiges Risiko?!", schreit Thea den Dunkelhaarigen schon fast an, „Dieses Arschloch hat meine eine Schwester Zwangsverheiratet und die andere fast umgebracht! Das Risiko ist es sehr wohl wert!"

„Wir werden eueren Bruder schon finden", lenkt Xavier ein. Er hat wohl gemerkt, dass er gegen die temperamentvolle Thea lieber klein beigeben sollte.

Kurze Frage: Kommt ihr mit den vielen Figuren zurecht? Oder habt ihr Probleme euch zu merken, wer wer ist? ^^

Denkt an den ⭐️! <3

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