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„Mike", begrüße ich mein ehemaliges Teammitglied erfreut, als wir am Treffpunkt ankommen, „Ich bin froh, dass es dir und meinen Schwestern gut geht!", dann schließe ich den blonden Mann kurz erleichtert in meine Arme.

„Schön dich zu sehen, Lilli!", erwidert er und lächelt mich ehrlich an.

Plötzlich ertönt hinter uns ein unerfreutes Räuspern.

Ich drehe mich um und sehe nur Fynn, der mit verschränkten Armen und einen bösen Gesichtsausdruck Mike mustert. Ups.

„Oh ja! Mike, dass ist Fynn", stelle ich die Beiden einander vor.

Der Schwarzhaarige hinter mir überwindet den Abstand zwischen uns und schlingt besitzergreifend seinen rechten Arm um meine Schultern: „Hi, ich bin nicht bloß Fynn, sondern ihr Ehemann." Dabei schaut er Mike durchdringend an und macht keinerlei Anstalten ihn in irgendeiner Weise freundlich zu begrüßen. Okay?

„Freut mich", meint Mike und grinst mich vielversprechend an. Ich weiß genau, was er gerade denkt.

Augenverdrehend lehne ich mich an Fynn: „Er ist nicht immer so unfreundlich."

„Ich bin nicht unfreundlich", beharrt der Schwarzhaarige und verdreht seinerseits die Augen.

„Doch, gerade schon. Mike ist ein guter Freund!"

„Mag ja sein. Lasst uns jetzt loslegen", sagt Fynn gleichgültig und mustert Mike immer noch kalt. So eine Drama Queen.

„In Ordnung. Meine Männer sind in regelmäßigen Abständen rund um das Anwesen und die dortigen Viertel verteilt. Insgesamt sind wir 39 Mann. Wenn wir Quentin vom Grundstück weglocken, bleiben in der Villa nur noch deine Schwestern und die besten und treusten Männer deines Bruders zurück. Hoffentlich hat dein Freund Theo alle Sicherheitsmaßnahmen lahmgelegt. Meine Männer und ich holen deine Schwestern aus dem Anwesen und ihr schnappt euch Quentin. Wir starten in einer Stunde."

„Sehr gut. Wo können wir uns ausrüsten?"

„Kommt mit", bedeutet uns Mike und wir folgen ihm ins innere des Reihenhauses.

Fynn und ich sind mit insgesamt 18 Mann angereist, zusätzlich dazu noch Xavier und Nicholas. Luka und Moira sind auch mitgeflogen, sie warten aktuell in einem Hotel auf weitere Anweisungen. Ich möchte meine Schwester aus allem, so gut es geht, raushalten. Leichter gesagt, als getan, denn sie ist unfassbar stur und immer noch sauer, dass wir ihr Luka zur Seite gestellt haben. Aber das ist mir herzlich egal. Ihre Sicherheit steht an erster Stelle, da müssen die Rachegelüste sich hinten anstellen.

„Hier könnt ihr eure Ausrüstung anlegen und die Waffen nochmal kontrollieren. Falls ihr irgendetwas braucht, wir sind nebenan."

Dankend nicke ich Mike zu und beobachte, wie unsere Männer die schwarzen, mit Waffen gefüllten, Taschen, auf die Tische stellen.

Jetzt wird es ernst.

Ich nehme mir aus einer der Taschen meine Schulter- und Beinholster und lege sie mir an. Dann schnappe ich mir meine Lieblingswaffen und zwei Messer und verstaue diese in den passenden Holstern. Munition darf natürlich auch nicht fehlen. Die Männer um mich herum, statten sich ebenfalls fleißig aus. Wir sind alle komplett schwarz angezogen und ich trage meine Haare in einem festen Dutt, damit keine meiner blonden Haarsträhnen herumfliegen.

„Fertig?", wende ich mich an Fynn, der neben mir steht.

„Ja."

Der Mann mit den schwarzen Haaren sieht in seiner Ausrüstung mehr als gefährlich aus. Seine große und muskulöse Statur wirkt furchteinflößend und die zahlreichen Waffen an seinem Körper tuen den Rest. Er sieht heiß aus.

Grinsend schaue ich Fynn an, dieser scheint meine Gedanken wahrlich lesen zu können, denn er beugt sich zu mir runter und vereint unsere Lippen miteinander: „Du sabberst."

„Gar nicht wahr!", rechtfertige ich mich und lege meine Arme um seine Hüfte.

„Oh, doch", lacht Fynn und streicht sanft mit den Fingern über meine Lippen: „Du siehst aber auch super heiß aus." Mit diesen Worten drückt mir der Blauäugige erneut einen Kuss auf die Lippen und löst sich anschließend von mir.

„Alter, nehmt euch ein Zimmer!", mischt Xavier sich lautstark ein, wodurch wir die Aufmerksamkeit von fast allen Anwesenden erhalten. Na, danke!

„Machen wir heute Abend!", gibt Fynn pervers grinsend von sich und legt seinen Arm entspannt um meine Schultern. Augenverdrehend schaue ich den Schwarzhaarigen an und piekse ihm meinen Zeigefinger in die Rippen, während die Männer nur fröhlich lachen.

„Hört auf uns anzustarren. Wir gehen jetzt meinen Bruder jagen!", fordere ich die jungen Männer vor mir auf, löse mich von Fynn und verlasse zielstrebig den Raum.

„Mike, wir sind bereit. Ihr auch?"

„Ja, alles bereit. Die Wagen draußen sind untereinander mit Funk verbunden, so könnt ihr in Kontakt bleiben. Wir treffen uns dann später wieder hier", erklärt der Blonde und bedeutet mir, ihm zu folgen. Wir verlassen das Haus und gehen zu den schwarzen und dunkelgrauen SUVs, die vor dem Gebäude auf der Straße parken. Hinter uns reihen sich die Männer auf.

„Xavier, Nicholas, Fynn und ich werden jeweils ein Team aus vier Männern mitnehmen. Ein weiteres Team wird Luka und Moira abholen - ihr haltet euch aber, so gut es geht, zurück!", wende ich mich der Gruppe zu, „Quentins Wagen hat einen Peilsender von Mike verpasst bekommen, so können wir ihm folgen. Er wird eine Eskorte haben, also müssen wir vorsichtig sein!"

Die unterschiedlichen Teams haben wir vorher schon eingeteilt, Fynn hat mich meinen Männern schon vorgestellt. Lian, Noah, Henry und Erik kommen bereits auf mich zu. Die vier sind ungefähr in meinem Alter und sind in der Organisation der Luchessés aufgewachsen.

Bevor wir in die Autos steigen, laufe ich nochmal zu Fynn: „Wir schaffen das. Bis später und pass auf dich auf", verabschiede ich mich kurz und küsse ihn auf die Wange.

„Pass du auch auf dich auf!", meint Fynn und umarmt mich fest, „Ich möchte dich nicht verlieren."

„Ich dich auch nicht", gebe ich zu und schaue in seine ozeanblauen Augen, „Uns wird nichts passieren!" Ich löse mich von Fynn und steige dann zu meinem Team in den dunkelgrauen Range Rover. Ich schaue aus dem Fenster und beobachte wie der Schwarzhaarige es mir gleich tut. Es wird schon alles gut gehen!

„Hört ihr uns?", ertönt Nicholas Stimme aus dem Funkgerät.

„Ja!", antworten wir und die anderen nahezu einstimmig.

„Gut, dann lasst uns diesen Drecksack mal einfangen."

Noah startet den Wagen und fährt los. Auf dem GPS sehen wir den roten, sich bewegenden Punkt - dass ist Quentin! Er fährt gerade am Chicago River entlang in Richtung Willis Tower. Das ist von uns ungefähr zehn Minuten entfernt. Dann mal los!

„Gib Gas", fordere ich und beobachte im Seitenspiegel, wie die anderen Wagen uns folgen.

Mike und seine Leute werden in einer viertel Stunde das Anwesen stürmen und meine Schwestern befreien. Es kann nichts schief gehen, unser Plan ist durchdacht!

Noah lenkt unser Auto geschickt durch die überfüllten Straßen der Stadt. Die Wolkenkratzer ziehen nur so an uns vorbei, hunderte Menschen wuseln auf den Gehwegen umher und am Himmel ziehen bereits dunkle Wolken auf.

Der rote Punkt bewegt sich stetig, aber wir holen langsam auf. Inzwischen haben wir den Willis Tower passiert und fahren mit enormer Geschwindigkeit weiter. Noah wagt einige Überholmanöver und wird dafür nicht nur einmal angehupt. Doch das ist egal. Wir müssen meinen verdammten Bruder schnappen! Dieser Dreckskerl verdient eine Strafe. Inzwischen jagt das Adrenalin nur so durch meinen Körper. Meine Atmung geht ruhig und auf verdrehte Weise entspannt. Heute könnten wir all dem Leid, das mein Bruder verursacht hat, ein Ende setzen!

„Wir sind jetzt auch da", teilt uns Luka kurz darauf über das Funk mit. Nun ist unsere Gruppe komplett. Ich vertraue auf den Braunhaarigen, dass er auf meine Schwester aufpasst. Meine Anweisung an ihn war klar, sobald es brenzlig wird, schafft er Moira aus der Gefahrenzone.

„Noch fünf Minuten", gibt Fynn bekannt und mit einem Blick auf das GPS kann ich ihm nur zustimmen. Wir holen auf. Zu unserem Glück ahnt mein Bruder nichts von der Verfolgungsjagd und ist ganz entspannt unterwegs. Sein Pech!

Nach zwei weiteren Meilen, ist der rote Punkt direkt vor uns. Jetzt müssen wir in dem Verkehrschaos nur noch den schwarzen Dodge Ram von Quentin ausmachen.

„Auf drei Uhr", gibt Xavier bekannt. Und tatsächlich! Dort fährt das Auto, eskortiert von zwei schwarzen Jeeps. Ich würde die Stärke auf etwa zehn Mann schätzen.

Wir schließen zu den Wagen auf und verteilen uns, sodass sie keine Chance haben auszubrechen. Noah lenkt unser Auto vor den Dodge, währen die anderen sich daneben und dahinter verteilen. Quentin und seine Männer sind gefangen. Ein triumphierendes Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, der erste Teil des Plans ist geschafft. Leider kann ich den Blick meines Bruders nicht erkennen, da die Scheiben abgedunkelt sind. Schade.

„Wir haben sie! Sehr gut! Lasst sie uns ausbremsen", meine ich erfreut in das Funkgerät und als geschlossene Gruppe steuern wir eine Seitenstraße an, schließlich wollen wir keinen Massenunfall verursachen. Der Doge Ram und die Jeeps lenken mit, sie wollen scheinbar kein Risiko eingehen. Wir haben mit stärkerer Gegenwehr gerechnet, weshalb die Seiten unserer Range Rover verstärkt wurden, falls wir gerammt werden würden oder ähnliches. Doch Quentin und seine Männer folgen uns ohne Gegenwehr. Sehr komisch!

Zu unserem Glück ist die Seitenstraße größtenteils verlassen. Die wenigen Menschen ergreifen die Flucht, als sie unsere Autos erblicken. Es ist durchaus bekannt, das schwarze Range Rover ein Zeichen der Mafia sind. Sehr klug von den Passanten, denn ich schätze, hier wird gleich der Teufel los sein.

Noah bremst das Auto ab und kurze Zeit später kommen wir zum stehen. Mitten auf der Straße. Die, uns folgenden, Wagen, sind nun ebenfalls gezwungen anzuhalten. Jetzt steht die gesamte Wagenkolonne. Fünf unserer Range Rover und die drei Autos von Quentin und seinen Männern.

Wie erwartet, lassen die ersten Schüsse nicht lange auf sich warten. Bei den beiden Jeeps, sind in der Zwischenzeit die Fenster heruntergefahren worden und die Insassen feuern mit Maschinengewehren auf unsere Autos. Deren Pech, dass diese kugelsicher sind.

Dennoch bin ich beunruhigt: Maschinengewehre können einen enormen Schaden richten. Die Kugel prallen lautstark auf die Stahlblech-Karosserien unserer dunklen Range Rover. Der Lärm ist ohrenbetäubend.

„Alle bereit?", ertönt Xaviers Stimme aus dem Funk.

„Bereit!", antworten wir einstimmig. Ich schaue mein Team nochmal prüfend an und erhalte von allen ein bestimmtes Nicken. Dann öffnen wir die Türen zur Außenseite, sodass die Kugeln uns nicht treffen können und stellen uns in der Deckung der Wagen auf. Quentin und seine Männer sitzen in der Falle - sie sind eingekreist.

Die Männer in den Jeeps feuern weiter auf uns und wir müssen unsere Köpfe geduckt halten.

„Feuer!", brüllt Fynn und nun beginnen auch wir zu schießen. Ein wahrer Kugelhagel.

Schon nach wenigen Sekunden erklingen keuchende Geräusche aus den schwarzen Jeeps, scheinbar haben wir bereits getroffen. Die offenen Fenster haben uns das erleichtert. Die uns entgegenkommenden Kugeln werden immer weniger, da wir nach und nach Quentins Männer ausschalten.

Der Dodge Ram, in dem sich mein Bruder befindet, rührt sich kein Stück weit. Weder werden Türen geöffnet, noch Fenster heruntergefahren, um zu schießen. Feige!

„Wir müssen irgendwie an deinen Bruder rankommen, er wird schon Verstärkung gerufen haben", meint Henry und ich nicke zustimmend.

In den Jeeps rührt sich nichts mehr, wir haben wohl alle Insassen ausgeschaltet. Über die Autos hinweg, sehe ich, wie Fynn zwei Männern die Anweisung gibt nachzuschauen. Wir halten uns alle schussbereit, als die Männer sich langsam vortasten und dann schließlich die Autotüren öffnen. Einer von Quentins Männern scheint noch zu leben, denn Fynns Mann feuert einen Schuss ab: „Alles sauber!", hören wir danach.

„Quentin!", brüllt Fynn in Richtung des Dodge, „Komm raus, du Feigling! Wir haben dich umzingelt!"

Doch nichts rührt sich, was zu erwarten war.

„Es können maximal sechs Leute in diesem Auto sitzen", analysiert Xavier die Situation, „Wir müssen schnell handeln. Am besten wir schleichen uns ran, öffnen die Türen und schießen."

Nickend stimmen wir alle seinem
Plan zu und setzen diesen in die Tat um. Geduckt gehen wir in Richtung des monströsen Geländewagens.

Auf Fynn stummes Zeichen hin, joggen zwei Männer zu den seitlichen Türen und ergreifen den Griff. Der versuch die Türen zu öffnen scheitert jedoch - abgeschlossen.

Augenverdrehend greifen die Männer zu ihren Waffen und rammen diese mit voller Wucht gegen die Scheiben. Doch auch das hilft nichts. Ich würde auf Panzerglas tippen. So ein Mist!

„Dann halt auf die harte Tour", meint Fynn genervt und hält zwei Päckchen Sprengstoff hoch. Als er auf den Dodge Ram zugeht, halte ich unbewusst den Atem an. Bitte, lass alles gut gehen. Der Schwarzhaarige kommt unbeschadet bei dem Auto an und befestigt den Sprengstoff an den Türen.

„Alle zurück!"

Die Männer weichen gemeinsam mit Fynn zurück und kommen nach wenigen Metern hinter unseren Range Rovern an.

„Achtung!", warnt Fynn uns, woraufhin wir uns die Ohren zuhalten, „Zündung!"

Mit einem ohrenbetäubenden Krachen explodiert der Sprengstoff und reißt die Wagentüren aus den Angeln. Das ganze Auto gibt ein quietschen von sich und wackelt stark. Was ein Anblick. Ich löse die Finger von meinen Ohren und beobachte, wie zwei verkohlte Leichen aus dem Auto kippen. Na lecker, dass waren bestimmt die Männer, die direkt an den Türen saßen. Kein schöner Anblick.

Vom inneren des Dodges ertönt lautes Husten und kurz darauf stolpern vier Männer aus dem Wagen, doch keiner von ihnen ist mein Bruder.

Fynns Männer richten sofort ihre Waffen auf die Fremden und auf ein Zeichen von Fynn, legen sie ihnen Handschellen an.

„Wo ist Quentin, verdammt nochmal?", schreit Moira laut in die Runde und blickt sich suchend um. Meine Schwester stand die ganze Zeit in zweiter Reihe bei Luka und war dort in Sicherheit.

Aber ihre Frage beschäftigt auch mich: Wo zum Teufel ist mein Arschloch von Bruder?



Na, dass lief wohl doch nicht so wie geplant....

Lasst gerne einen ⭐️ da! <3

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