Plotting

Kai

„I didn't wanna fall in love, not at all. But at some point you smiled an holy shit, I blew it."
- unknown

Jule liegt halb auf mir, als ich wach werde und zaubert mir damit sofort ein Lächeln ins Gesicht. Als ich mich vorsichtig unter ihm strecke kuschelt er sich nur noch näher an mich. So könnte ich jeden Morgen aufwachen. Ich fühle mich dem Blondhaarigen noch so viel näher als vorher. Er hat sich mir endlich geöffnet und sich mir so anvertraut. Ich kann immer noch nicht fassen, dass Jannis seinem Bruder sowas antut. Allein die Vorstellung von der eigenen Familie so behandelt zu werden dreht mir den Magen um. Eigentlich ist unsere Situation furchtbar und aussichtslos, aber ich fühle mich trotzdem unheimlich glücklich. Allein weil ich weiß, dass Jule und ich ab jetzt zusammenhalten werden. Wenn er mich lassen würde, hätte ich auch schon den ein oder anderen Plan wie wir es schaffen könnten, dass Jannis uns und vor allem ihn endlich in Ruhe lässt. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass er sich vielleicht doch auf mich einlassen könnte. Dass er nicht sofort abgeschreckt wäre, wenn ich ihm sage, wie ich wirklich für ihn empfinde. Am liebsten hätte ich es ihm einfach gestern gesagt. Aber irgendwie war das einfach zu viel für einen Abend. Der kleinere fängt an sich zu strecken und drückt mir Küsse auf meinen Kiefer.
„Morgen Havy", brummt er mit seiner rauen Morgenstimme, durch die sich wirklich jedes Wort, was er von sich gibt sexy anhört.
„Guten Morgen, Jule", erwidere ich und streiche ihm durch die strubbeligen Haare. Er grinst mich an und küsst mich vorsichtig auf meine Lippen. Mit ihm fühlt sich einfach alles so richtig und gut an. Er sieht mir tief in die Augen und streicht mir über meine Wange. Der Blick in seinen blauen Augen ist so zärtlich und irgendwie liebevoll, dass mein Bauch kribbelt und mein Herz sofort anfängt zu rasen. Ich fühle mich mal wieder wie ein verliebter Teenager. Was macht Jule auch mit mir? Es ist doch nur ein Blick. Er öffnet den Mund und schließt ihn wieder. Als wollte er etwas sagen, aber würde nicht den Mut finden es zu sagen.
„Ich fühle mich so gut bei dir", flüstere ich. Ein schiefes Grinsen erscheint auf seinen Lippen. Es ist nicht das Geständnis, was mir eigentlich auf dem Herzen liegt und definitiv nicht die Worte, die mir schon seit gestern Abend permanent auf der Zunge liegen, aber es ist ein Anfang. Ein Anfang, um zu testen, wie weit ich gehen kann, ohne den älteren abzuschrecken.
„Ach Havy, ich fühle mich so viel mehr als nur gut mit dir." Was meint er damit? Bevor ich noch etwas sagen kann, drückt er mir schon seine Lippen auf und küsst mich innig. Ich liebe dich. Genau das bedeutet dieser Kuss für mich. Aber das kann er unmöglich auch für den blonden bedeuten...oder? Er lächelt als er sich von mir löst und fährt mir durch die Haare. „Wie kann man morgens bitte so gut aussehen?", murmelt er, „Das ist doch unfair." Ich schmunzle und bin mir sicher, etwas rot durch sein Kompliment zu werden.
„D-danke", murmele ich und weiche diesem intensiven Blick aus. Er macht mich so verlegen und nervös. Das kenn ich so von mir gar nicht. Nur Jule kann diese Gefühle in mir auslösen. „Das sagst du gerade jetzt, wo ich mit diesem scheiß blauen Auge rumlaufen muss?", lache ich. Julian rollt sich von mir runter und sieht an die Decke.
„Also eigentlich siehst du immer viel zu gut aus und außerdem siehst du dadurch irgendwie noch heißer aus. Ich kann das nicht mal erklären... Vielleicht etwas verrucht, weißt du?" Ich schüttle den Kopf und schmiege mich an ihn. „Du meinst, wenn man die Tatsache ignoriert, dass Timo mir die Schranktür gegen den Kopf gedonnert hat und ich mir das nicht in einem Kampf geholt habe", lache ich schnaubend.
„Ja das hatte ich fast wieder verdrängt. Jetzt wirkst du wieder wie ein tollpatschiger Volltrottel." Ich verdrehe die Augen und schlage sanft gegen Jules Arm.
„Danke, jetzt fühle ich mich gleich besser", meine ich sarkastisch.

Als ich nur in Unterhose und Shirt von Jule aus dem Bad komme, steht er in Jogginghose und weißem T-Shirt in seiner Küche, die von der Januarsonne geflutete wird, und macht uns Frühstück. Die Sonne passt perfekt zu meiner Laune und der blondhaarige lächelt dazu so strahlend, dass er glatt als Konkurrenz für diese durchgehen könnte. Gott, was ist heute mit mir los? Ich bin so ekelhaft kitschig, dass selbst ich mich auslachen würde. In wenigen Schritten bin ich bei ihm und schlinge von hinten meine Arme um den älteren. Ich vergrabe meine Nase an seinem Hals und inhaliere seinen Geruch. Ich liebe wie der kleinere riecht und wie wohl ich mich allein dadurch fühle. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich mal wieder eine Vorlesung verpasst habe. Aber Jule und ich sollten es immerhin noch pünktlich zu seiner Veranstaltung schaffen.
„Das riecht richtig gut, Jule", wispere ich ihm zu. Er dreht sich zu mir und lächelt verschmitzt. „Sprichst du von mir oder vom Essen, Havy?", fragt er und ich spüre wie mein Gesicht ganz heiß wird. Er hat also gemerkt, dass ich an ihm gerochen habe. Vermutlich war ich da auch nicht gerade subtil.
„Das muss dir nicht peinlich sein, mir geht es bei deinem Geruch doch genauso." Ich nicke langsam und löse meine Arme von ihm.
„Kann ich mir noch mehr Sachen von dir leihen?", frage ich und wechsle so schnell das Thema.
„Natürlich, bediene dich ruhig an meinem Schrank", lächelt er und ich verschwinde schnell wieder nach oben. Meine Güte war das peinlich.

Auf dem Weg zur Uni hat der blonde die ganze Zeit seine Hand mit den Ringen und Armbändern auf meinem Bein und ich liebe alles daran. Es fühlt sich beinah so an, als wären wir ein richtiges Paar.
„Sehen wir uns zum Mittagessen in meinem Büro?", fragt er und schenkt mir eines seiner schönsten Lächeln. Warum habe ich eben nur Timo und Mason zugesagt? Ich seufze und schüttle bedauernd den Kopf.
„Ich bin mit Mase und Timo in der Mensa verabredet. Aber ich habe danach keine Vorlesungen bis um 2, also könnte ich danach zu dir kommen und wir... trinken einen Kaffee oder so", schlage ich vor. Jule nickt und drückt kurz mein Bein.
„Sehr gerne Havy." Ich kann mir ein genervtes Stöhnen beim Gedanken an das Mittagessen nicht verkneifen. Ich kann mir schon vorstellen wie Timo und Mason darauf reagieren, dass ich Jule verziehen habe. Beziehungsweise er mir verziehen hat, dass ich Vollidiot nicht für ihn da war und alles falsch verstanden habe. Was soll ich ihnen nur erzählen? Das verstehen sie doch niemals. Der ältere mustert mich besorgt.
„Alles okay? Du siehst so genervt aus", meint er. Ich setze wieder ein Lächeln auf und seufze:
„Die beiden Chaoten werden mir richtig auf die Nerven gehen, dass weiß ich jetzt schon." Julian nickt langsam und richtet den Blick wieder auf die Straße.
„Verstehe, die sind gerade wohl nicht so gut auf mich zu sprechen, hm?" Das hat er noch ziemlich nett ausgedrückt. Hoffentlich kommt Soph auch zum Essen oder Paula. Ich habe das Gefühl, dass zumindest die beiden mich verstehen und das was ich für Julian empfinde. „Ja, aber das wird schon. Ich erkläre es ihnen einfach", versichere ich Jule und lege meine Hand auf seine, die immer noch auf meinem Bein liegt. Er parkt das Auto auf dem Parkplatz vor der Uni und stellt den Motor ab. Wir gehen immer mehr Risiken ein. Wenn uns hier jemand zusammen ankommen sieht, müssten wir zumindest schon mal eine Menge an Fragen beantworten. Der blondhaarige Dozent sieht sich um und lehnt sich dann zu mir rüber, um mir einen schnellen Kuss auf die Lippen zu drücken. Allerdings ziehe ich ihn am Kragen seines Mantels zurück und küsse ihn intensiver. Als wir uns voneinander lösen lächeln wir uns für einen Moment an, bis ich meinen Blick wieder nach vorne richte. Eine Professorin parkt gerade ihren Wagen und mir rutscht das Herz in die Hose. Hat sie uns gesehen? Die Blondine ist so auf das Parken fokussiert und sieht nicht mal in unsere Richtung. Glück gehabt.
„Scheiße, tut mir leid Jule. Ich konnte nicht widerstehen", nuschle ich schuldbewusst. Er lächelt schief und winkt ab.
„Schon gut, Kai. Mach dir keinen Kopf. Wir sollten nur vielleicht etwas vorsichtiger sein beim nächsten Mal", meint er. Ich nicke und steige schnell aus dem Auto aus, bevor uns wirklich noch jemand sieht.

Ein großer Nachteil davon mit seinem Dozenten zu schlafen und sich auch noch in ihn zu verlieben ist wohl, dass man sich nicht ein bisschen auf das Seminar konzentrieren kann. Ich muss ständig daran denken, wie er gestern noch in mir war. Wie gut es sich angefühlt hat ihm wieder so nah zu sein, vor allem nachdem er mir so sehr vertraut hat. Mein Blick gleitet immer wieder zu seinen vollen Lippen und ich stelle mir vor ihn wieder zu küssen. Wenn wir später in seinem Büro sind, werde ich mich sicher nicht zurückhalten können. Er sieht aber auch zu gut aus heute. Das graublaue Hemd, diese perfekten blonden Haare und dieses Grübchen auf seiner Wange, machen mich schier wahnsinnig. Ich bin so verliebt in diesen Mann das ist schon nicht mehr normal. Ich würde alles für ihn tun. Wirklich alles. Der Gedanke daran, was sein eigener Bruder ihm antut macht mich rasend vor Wut. Ich muss etwas gegen ihn unternehmen. Egal was Jule sagt. Ich kann nicht zulassen, dass er Julian oder meiner Familie etwas antut. Und ich Vollidiot habe ihm auch noch alle Informationen gegeben, die er brauchte, um mich und Jule unter Druck zu setzen.
„Was denken Sie darüber, Herr Havertz?", fragt mein Dozent mich schelmisch grinsend. Der Penner hat mich wohl beim Tagträumen erwischt.
„Was?", frage ich wenig geistreich und bringe ihn damit zum Schmunzeln.
„Wie wäre es, wenn Sie mir nach dem Seminar ein Protokoll zur heutigen Sitzung abgeben würden, Herr Havertz?" Ich seufze und verdrehe die Augen. Der will mich doch verarschen. „Scheiße wäre das", knurre ich leise.
„Wie war das?", fragt er streng.
„Ja natürlich, Herr Brandt", erwidere ich genervt. Wie soll ich auch ein Protokoll zu etwas anfertigen, von dem ich offensichtlich nicht ein Wort mitbekommen habe, weil Jule einfach zu gut aussieht. Genervt hole ich meinen Block hervor und fange an mitzuschreiben. Keine Ahnung, warum er mich so ärgern muss. Das bekommt er später zurück.

Nach dem Seminar gehe ich zu ihm nach vorne, während sich der Hörsaal leert und knalle ihm mein Protokoll auf den Tisch.
„Du hast das ehrlich geschrieben? Ach Kai, das habe ich doch nur so gesagt", seufzt er leise. Ich reiße meine Augen auf und mustere ihn geschockt.
„Dein Ernst?" Jule zieht mich an der Hüfte zu sich und sieht mich schuldbewusst an. Ich drücke seine Hände weg und lehne mich leicht zu ihm runter, als wir unterbrochen werden. „Ach Julian, gut dass ich dich hier treffe. Hast du schon mit Ursula wegen der Klausur gesprochen?", fragt dieser Typ, der schon mal in Jules Vorlesung war und anscheinend der Dekan oder sowas ist. Im Nachhinein ist es mir echt peinlich, wie eifersüchtig ich auf den Typen war. Aber das war schon wieder mehr als nur knapp. Heute ist das Glück definitiv auf unserer Seite. Aber wir sollten wohl nicht auf die Probe stellen, wie lange es noch gut geht.
„Danke Herr Brandt, dass Sie meinen Text nochmal korrigieren", sage ich schnell und renne fast aus dem kleinen Hörsaal.
Hier in der Uni sollten wir echt vorsichtiger sein. Keine Ahnung wie lange Jannis und Tessa noch über... das was zwischen Julian und mir ist schweigen.

Natürlich bin ich wieder der letzte, der sich mit einem vollen Tablett an unseren üblichen Tisch setzt. Das Essen ist meist echt in Ordnung und für 2,70€ sollte ich mich wirklich nicht beschweren. Sogar einen Nachtisch bekommt man. Ich nehme neben Timo Platz und Mason sitzt gegenüber von mir. Ich habe Glück, dass Soph und Paula auch dabei sind. Zumindest hoffe ich, dass sie mir das Ganze leichter machen werden.  Mason überspringt die Begrüßung und kommt direkt zur Sache.
„Los, erzähl wie hat er dich dieses Mal um den Finger gewickelt?", schnaubt er wütend. Ich seufze schwer und lege erstmal meinen Rucksack und meine Jacke ab.
„Hallo freut mich auch euch zu sehen", begrüße ich sie überfreundlich. Der braunhaarige Engländer winkt ab und sieht mich auffordernd an.
„Mason, lass ihn doch erstmal ankommen. Wir wissen, dass du sauer auf Jule bist, aber lass es bitte nicht an Kai aus", weist Sophia ihren Freund zurecht. Er zieht den Kopf ein und murmelt eine Entschuldigung. Irgendwie kann ich ihn ja verstehen, schließlich macht er sich eigentlich nur Sorgen um mich und wird deswegen so beschützerisch. Obwohl das echt nicht nötig ist, aber da ticken Soph und Mase wohl etwas ähnlich.
„Ist schon gut. Ich schulde euch wohl eine Erklärung." Timo gibt ein schnaubendes Geräusch von sich und knurrt leise: „Kannst du laut sagen." Paula boxt ihm gegen den Oberarm und funkelt ihn wütend an.
„Du hast versprochen unvoreingenommen zu sein", erinnert sie ihn. Wahrscheinlich haben Paula und Sophia schon einiges an Vorarbeit geleistet, um die beiden Chaoten wenigstens etwas zu beruhigen. Dafür bin ich den beiden wirklich dankbar.
„Es war meine Schuld. Ich habe das alles falsch verstanden. Jule wollte mich die ganze Zeit nur beschützen. Er ist nicht derjenige mit den illegalen Geschäften. Es ist sein Bruder Jannis und sein Vater, der im Gefängnis sitzt. Er hat seine Karriere beendet, weil er das alles nicht mehr ausgehalten hat, aber Jannis setzt ihn trotzdem weiter unter Druck und bedroht und erpresst ihn. Er hat sogar meine Mutter in Aachen beschatten lassen", erzähle ich und sehe die unterschiedlichen Gefühle dabei über ihre Gesichter huschen. Zunächst Unglaube, aber dann Verständnis, Mitleid und Wut.
„Was? Der Typ hat deine Mama bedroht?", fragt meine beste Freundin entgeistert. Ich nicke langsam.
„Ja, um Jule dazuzubekommen mich zum Verlieren zu bringen. Und ich dämlicher Idiot habe Jannis auch noch selbst erzählt wo meine Mutter lebt und was sie macht", rege ich mich über mich selbst auf. Wie kann man auch so naiv und dumm sein?
„Das ist ja einfach nur furchtbar", meint Paula betroffen.
„Ja so ziemlich und ich habe ihn auch noch für alles verantwortlich gemacht und gedacht er hätte mich nur ausgenutzt. Das macht nicht mal Sinn. Was hätte er davon? Ich hab's einfach nicht verstanden. Ich verdammter Idiot", meine ich.
Timo klopft mir unbeholfen auf die Schulter und Mason lächelt mit einem Mundwinkel.
„Ach Kai du kannst manchmal wirklich ein richtiger Vollidiot sein, aber das ist doch nicht deine Schuld", meint der Engländer. Ich zucke mit den Schultern und lächle müde zurück. „Hasst ihr Jule jetzt? Weil das hat er echt nicht verdient und ich... Er bedeutet mir sehr viel. Ich würde es scheiße finden, wenn ihr ihn meinetwegen in einem so schlechten Licht seht." Timo schüttelt den Kopf.
„Natürlich hasse ich ihn nicht. Du hast dich geirrt und ich bin ziemlich froh darüber, weil das auch bedeutet, dass wir weiter zum Training können und ich Jule wieder in Fifa abziehen kann, wenn er das nächste Mal bei uns ist. Ich mag den Typen nämlich wirklich, so lange er dir nicht wehtut", erklärt mein Mitbewohner und ich bin beinah gerührt von seinen Worten. „Danke Timo. Das weiß ich zu schätzen", erwidere ich und klopfe dem älteren auf den Rücken. Paula grinst breit und zuckt mit den Schultern.
„Mich musst du doch gar nicht fragen. Ich fand ihn immer schon toll", schmunzelt die Blondine. Soph lacht auf.
„Oh ja, vor allem heiß findest du ihn schon immer", kommentiert sie. „Er ist auch wirklich unfassbar heiß", stimme ich zu. Timo und Mason nicken.
„Unangefochten der heißeste Dozent an dieser Uni", stimmt der braunhaarige Engländer zu. „Es tut mir leid, dass ich so vorschnell geurteilt habe, Bro. Ich werde Jule auf jeden Fall noch eine Chance geben", nuschelt er dann sehr viel weniger laut und euphorisch. Ich winke ab und lächle ihm zu.
„Wenn du ihn so gernhast, dann kann er doch kein schlechter Typ sein, Kaichen", fügt Soph noch hinzu und greift über den Tisch, um kurz meine Hand zu drücken. Wie immer ist sie viel zu lieb. „Danke Leute, wirklich."

Die vier winken ab und ich wünsche mir in diesem Moment, dass Jule hier wäre. Dass wir hier als eine Gruppe voller befreundeter Paare sitzen. Aber das ist nicht so einfach ohne weiteres möglich. Vor allem nicht in der Unimensa.
„Was machen wir jetzt?", fragt Timo in die Runde und ich schaue ihn nur verständnislos an. „Wir essen in der Mensa und danach wollte ich bei Jule im Büro vorbei, wieso?", frage ich den älteren. Er schlägt sich mit der flachen Hand vor die Stirn.
„Boah Kai manchmal bist du echt so hohl. Ich meine, was wir wegen diesem Jannis machen, du Vollpfosten", stöhnt er genervt auf. 
„Wie wir?", frage ich nochmal nach. Paula schüttelt den Kopf und schnalzt mit der Zunge. „Du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass wir euch mit dieser Scheiße allein lassen, oder?", fragt die Blondine.
„Natürlich wollen wir helfen, Kai", pflichtet Soph ihr bei.
„Ja wir müssen doch was gegen diesen fucking wanker Unternehmen!", schnaubt Mason wütend. Oh Gott, wie krass sind bitte meine Freunde? Womit habe ich nur so loyale Menschen um mich verdient?
„Das würdet ihr wirklich tun? Ihr würdet uns wirklich helfen?", frage ich überrascht. Timo verdreht die Augen und stößt mich mit seiner Schulter an.
„Wie würden nicht nur, wir werden dir auch und Jule auch helfen. Krieg das mal in deinen Kopf. Du bist nicht allein", schimpft er. Sein Ton passt so wenig zu seinen Worten, dass ich kurz auflache.
„Okay, wenn du oder ihr das wirklich ernst meint... Ich habe tatsächlich schon den ein oder anderen Plan", verkünde ich. Alle rücken näher zusammen und warten darauf, dass ich weiterrede.

Ich schlüpfe in Jules Büro, ohne zu klopfen und finde den blondhaarigen wie immer an seinem Schreibtisch. Er blickt auf und fängt sofort an zu strahlen.
„Havy", haucht er und steht auf. Sofort gehe ich auf ihn zu und drücke meine Lippen auf seine. Endlich kann ich ihn küssen. Es war schon fast qualvoll ihn so lange ansehen zu müssen ohne ihn berühren oder küssen zu dürfen. Das hole ich jetzt erstmal nach. Ich lege meine Arme um ihn und lasse meine Zunge in seinen Mund gleiten. Er zieht mich näher an der Hüfte an sich und keucht in meinen Mund. Ich lasse meine Hand in seine Haare gleiten und verliere mich langsam in dem Kuss. Verdammt ich darf meinen Plan nicht vergessen. Aber er küsst so gut. Er hat sein Handy immer in seiner Hosentasche, aber wie zur Hölle soll ich unbemerkt darankommen? Oder soll ich ihn doch einfach nach Marcos Nummer fragen? Sein Handy zu stehlen wäre doch scheiße. Wenn er das merkt, wird er so sauer sein. Jule löst sich von mir und sieht mich prüfend an.
„Was ist los?", fragt er besorgt.
Ich schlucke und starre auf meine Füße. Fuck! Was soll ich ihm denn jetzt sagen? Karten auf den Tisch? Wir wollten doch ab jetzt ehrlich sein. Ich kann da doch nicht jetzt schon anfangen ihn anzulügen.
„K-kannst du mir Marcos Nummer geben? Ich äh...", stammle ich. Der ältere legt den Kopf schief und zieht mich wieder näher an sich. „Muss ich jetzt eifersüchtig auf Marco werden, weil du an ihn denkst, während wir uns küssen?", fragt er schelmisch grinsend. Ich schüttle sofort den Kopf.
„Wofür brauchst du denn seine Nummer?", fragt er interessiert. Jetzt muss ich doch lügen... Ich kann doch jetzt nicht die Wahrheit sagen. Beim besten Willen nicht. Er wird mir doch wieder sofort verbieten meinen Plan durchzuführen. „Ich wollte mich bei ihm bedanken, weil er mir geraten hat mit dir zu reden als ich beim Spiel war", lüge ich schnell. Sein Blick wird weich und er nickt langsam.
„Klar kannst du seine Nummer haben. Ich schick sie dir später", versichert er mir und fängt wieder an seine Lippen auf meine zu legen. Gerade als ich meine Augen schließe, klopft es an der Tür und wir springen auseinander. Jule richtet gerade seine Haare, da öffnet sich schon die Tür. Es ist ein Mädchen aus dem Seminar, was verlegen in der Tür steht.
„Ah Frau Schubert, wie kann ich Ihnen helfen? Wir waren hier gerade fertig oder brauchen Sie noch etwas, Herr Havertz?" Was für eine Frage. Ihn hätte ich gebraucht. Ich schüttle den Kopf und bedanke mich, bevor ich schnell den Raum verlasse. Junge warum werden wir heute immer unterbrochen?

Das Kapitel ist heute mal etwas kürzer geworden.
Aber dafür mal kein Drama 🥰🤌🏻

Carmi 🤘🏻

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