Kapitel 7

Ich starrte Sehnsüchtig zum Fenster. Gestern Abend, als ich schlafen gehen wollte, sind die Schmerzen nochmal gekommen. Es war das erste Mal, dass sie zweimal kommen, obwohl ich nur einmal geflogen bin. Ich will heute nicht fliegen. Hieße, ich will schon fliegen. Aber ich möchte diese Schmerzen vermeiden. Ich sah noch einmal hinaus zum Fenster und stellte mir vor, wie es wäre jetzt zu fliegen. Ich konnte den Wind, der durch meine Haare fuhr schon fast spüren. Ich dachte wieder an die Schmerzen. Ach scheiß drauf. Ich will jetzt fliegen, also tuh ich das auch. Ich lief wieder zum Fenster, entfaltete meine Flügel, sprang hinaus und genoss den Wind. Ich sauste mit einem wahnsinnigem Tempo über die Stadt. Ich liebte dieses Gefühl von Freiheit. Heute war der letzte Schultag. Ich wusste, dass ich nicht mehr viel Zeit hatte. Spätestens bei der Zeugnisübergabe sollte ich wieder im Klassenzimmer sein. Ich mochte es nicht, wenn ich ganz plötzlich wieder im Klassenzimmer saß. Wenn plötzlich alles vorbei war. Der Rausch. Die Freude. Ich flog lieber zurück. Ich tauchte ab, hinein in das Getümmel der Stadt. Ich flog haarscharf über die Autos, zischte an den Menschen vorbei und flog wieder hoch hinauf. Dann stürzte ich mich  im Sturzflug hinab und flog noch schneller als zuvor die Straßen entlang. Ich begann mich zu drehen. Lichter, Farben, Autos, Gebäude, Straßen, Menschen. Alles verschwamm zu einem einzigen Wirrwarr aus Farben. Ich schloss die Augen. Ich war glücklich. Ich flog. Plötzlich war das Gefühl vom fliegen vorbei. Dafür zuckte ein heftiger Schmerz in mir. Ich sackte auf meinem Stuhl zusammen und hoffte, dass es keiner merken würde.

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