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Jungkook Pov

Taehyung massiert mit einer Hand sanft meinen Kopf während ich, halb auf ihm liegend, mit meinen Fingerspitzen über seine nackte Brust fahre. Er hat die Augen zwar geschlossen, aber schlafen tut er noch lange nicht, denn dann würde seine Hand auf meinem Kopf sich ja sicher nicht länger bewegen.

Ich liebe es mich Nachts nach einem langen Tag einfach ins Bett zu schmeißen, von ihm in den Arm genommen zu werden, die Augen zu schließen und einfach einzuschlafen, aber aus irgendeinem Grund denke ich heute bereits den ganzen Tag über irgendwelche Sachen nach und die meisten davon betreffen ihn.

"Tae?", sage ich leise seinen Namen, in der leichten Hoffnung er würde es nicht hören, aber er schlägt die Augen auf und dreht den Kopf zu mir. Auf der einen Seite habe ich Angst jetzt mit meinen Fragen und den Gedanken die ganze Stimmung zu ruinieren, aber auf der anderen Seite lässt mir das auch keine Ruhe.

"Wenn du mir nicht antworten möchtest, dann ist das in Ordnung, ich würde es verstehen, wenn dir die Fragen zu dumm sind."

"Welche Fragen?" Er nimmt seine Hand von meinem Kopf und möchte sich aufsetzen, aber ich drücke ihn wieder nach unten und lege mein Ohr direkt auf seine Brust, unter der ich ganz deutlich sein Herz schlagen hören kann.

"Bleib liegen, bitte."

Tatsächlich tut er was ich sage, aber mein plötzliches Verlangen ihm Fragen zu stellen scheint ihn nicht ruhig gelassen zu haben. Er legt mir eine Hand auf das Bein, das über seinen liegt und mit der anderen streicht er mir die Haare aus dem Gesicht um mir besser in die Augen sehen zu können.

"Ich werde dir antworten, egal was für Fragen es sind, also sag mir was dich so belastet, Jungkook."

Um ehrlich zu sein weiß ich nicht was ich erwartet habe. Taehyung war mir gegenüber nur selten genervt, um genauer zu sein nur ein einziges mal, damals am Todestag seiner Schwester. Aber ich würde niemals von ihm denken, dass er mich anschreien würde nur wegen solch dummer Fragen. Ich hätte allerdings auch nicht damit gerechnet, dass er so liebevoll darauf reagieren würde.

"Du weißt so ziemlich genau, was ich die letzten Fünf Jahre gemacht habe, aber... Aber ich weiß quasi nichts über dein Leben in diesen Jahren. Kannst du mir was darüber erzählen?"

Er weiß tatsächlich so ziemlich alles, immerhin ist ohne ihn nicht viel passiert. Ein Jahr nach ihm habe ich die Schule abgeschlossen, nachdem ich mich ohne irgendwelche Freunde dieses Jahr da durch gequält habe. Jimin hat dieses Jahr im Ausland verbracht und zusammen haben wir das Lehramtsstudium angefangen. Er in den Fächern Mathematik und Physik, ich in Geschichte und Koreanisch.

Etwa zwei Jahre vor seinem auftauchen lernte ich Minhyuk kennen und ein Jahr später wurden wir ein Paar. Wie der Rest ablief weiß er, er war dabei. In meinem Leben war also nicht besonders viel los. Nach seinem verschwinden war es langweilig, ich habe nur so vor mich hin gelebt, mit dem Ziel irgendwann genug zu verdienen um gut Leben zu können und dann wie jeder Mensch zu sterben. Dann ist er aber wieder aufgetaucht und aus den zwei oder drei Plänen, die ich für alle Jahre hatte die vor mir lagen, wurden plötzlich hunderte, die ich mit ihm zusammen umsetzen möchte.

Er dreht sich auf die Seite um mich ansehen zu können und ich tue es ihm nach. Aus irgendeinem Grund bin ich unglaublich nervös und fange an meine Füße an seine zu reiben um das ein wenig zu mildern.

"Es ist komisch. Man könnte meinen, dass fünf Jahre eine lange Zeit ist, aber ich habe nicht das Gefühl, als wäre viel passiert, zumindest nichts bedeutungsvolles."

Er sieht mir direkt in die Augen, ob mit Absicht oder einfach nur weil er den Blickkontakt aufrecht erhalten möchte weiß ich nicht, aber dieses glänzen was seine Augen haben, ist meine Schwäche.

"Erzähl mir einfach, was dir zuerst in den Gedanken kommt", sage ich und versuche nicht zu sehr an diese Augen zu denken, weil das ganze sonst in eine andere Richtung wandern könnte. Ich möchte hier ein ernstes Gespräch führen, nicht über ihn her fallen.

"Na schön. Zu Beginn meines Studiums habe ich für einige Monate bei meinen Verwandten gelebt, konnte mir aber schon bald mit dem Geld, das ich bekam eine eigene Wohnung leisten. Ich habe auch einige neue Leute kennen gelernt, aber der einzige, der für mich wirklich zum Freund wurde war Namjoon. Es passierte nicht viel während des Studiums, es war anstrengend aber es war nun mal das, was ich machen wollte und nachdem ich fertig war, ließ ich mich zusammen mit Namjoon hierher versetzen. Ich wollte dich sehen, aber ich hatte viel zu große Angst davor dich zu suchen. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass wir uns nach nur so kurzer Zeit über den Weg laufen würden."

Ziemlich viel scheint wirklich nicht passiert zu sein, auch wenn das wahrscheinlich nur eine sehr sehr knappe Zusammenfassung dieser Zeit ist, für ihn sind das die bedeutendsten Sachen.

"Da gibt es irgendetwas, was dir noch auf dem Herzen liegt, nicht wahr?", fragt er mit einem sanften, fast tröstenden Lächeln, das mir die Unsicherheit ein wenig nimmt.

Tatsächlich gibt es da was, aber ich bin mir nicht sicher ob ich das fragen sollte, weil das wirklich die Stimmung zerstören könnte. Außerdem habe ich Angst, dass ihm die Frage unangenehm ist und er mir danach aus dem Weg gehen könnte, weil er sie mir nicht beantworten möchte.

"Was ist es?" Er legt seine Finger unter mein Kinn und hebt es an als ich den Blick senken möchte.

"Ich... Ich habe mich nur gefragt ob du in der Zeit jemand anderen gefunden hattest."

Ich bereue die Frage direkt nachdem ich sie gestellt habe. Was ist, wenn er das ganze wirklich falsch verstehen könnte? Immerhin habe ich doch eigentlich gar kein Recht enttäuscht zu sein oder diese Frage überhaupt zu stellen, ich habe auch versucht ihn durch Minhyuk zu ersetzen, auch wenn das nicht einmal annähernd geklappt hat.

"Ist diese Frage auf das körperliche bezogen oder was die Gefühle angeht?", fragt er ernst.

"Beides."

Er legt mir eine Hand auf die Wange, streicht mit seinem Daumen über meine Haut und hinterlässt ein angenehmes Kribbeln in meinem ganzen Körper, aber so sehr ich mich auch dazu zu überwinden versuche ihn anzusehen, ich kann es nicht. Ich weiß nicht warum, aber ich habe Angst vor seiner Antwort.

"Nach dem etwas Zeit vergangen ist, bin ich wieder in alte Verhaltensmuster zurück verfallen. Ich hatte wieder One Night Stands, wusste die Namen der Frauen nicht mehr mit denen ich am nächsten Morgen im Bett war und das alles nur um zu vergessen. Geklappt hat das nie, ich konnte niemals die Momente mit dir vergessen, niemals wie schön es war und das keine von ihnen auch nur Ansatzweise daran kam. Was die Frage mit den Gefühlen angeht, kann ich dir also ganz klar sagen, dass ich all die Jahre niemanden gefunden habe, der auch nur einen Bruchteil eines Prozents in mir ausgelöst hat, was du in wenigen Wochen geschafft hast."

Er nimmt nun mein ganzes Gesicht in seine Hände und lächelt sein immer so bezauberndes Lächeln, dass mich zusammen mit seinen Worten eben zum Schmelzen bringt. Ich möchte nicht weinen, aber er macht es mir immer so schwer wenn er solch schöne Sachen sagt, mit denen er es schafft meine Sorgen quasi nicht existent zu machen.

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