Feuer
Nach dem Gespräch mit Fury bin ich nach Hause gefahren, hab so getan als würde ich ins Bett gehen und dann bin ich, schon im Anzug, aus meinem Fenster geklettert. Ich lief ein ganzes Stück in den Wald um ungestört zu sein.
"Jarvis? Schieß los, was kann man mit dem Ding alles machen?" ich flüsterte, obwohl mich hier ziemlich sicher keiner hören konnte.
Aber statt Jarvis ertönte die Stimme von Dad aus der Brille.
"Wir gehen das alles langsam an. Ich erkläre dir den Anzug Schritt für Schritt.
Also. Der Anzug wird durch Gedanken gesteuert. Denk daran, dass die Maske hochfahren soll. Einfach nur daran denken."
Ich tat was er mir sagte und auf einmal war mein Kopf bedeckt von einer Maske, sie war angenehm auf der Haut, mein Sichtfeld wurde nicht eingeschränkt da die Maske die Brille einfach umschloss.
"Hast du dieses Ding zwischen deinen Schultern schon bemerkt? Denk an Flügel."
Natürlich war mir dieses Taschenartige Ding aufgefallen, bisher hatte ich es als störend empfunden, aber jetzt wusste ich aufeinmal wofür sie war. Ich dachte an Flügel. Anfangs passierte nichts, doch als ich mich konzentrierte und mir im Kopf die Flügel von Falcon vorstellte, merkte ich eine Bewegung zwischen meinen Schulterblättern, und ich spürte wie sich etwas ausbreitete. Mit einem Blick über meine Schulter erkannte ich, dass es sich tatsächlich um Flügel handelte.
"Zugegeben, die sind ein bisschen sehr von Falcons Flügeln inspiriert, aber es ist deutlich komplexer aufgebaut. Sie sind kugelsicher, feuerfest, wasserabweisend, und sie können ein Gewicht von 500 Kilo tragen. Außerdem können sie sich sehr klein zusammenfalten, sich um deinen Körper zum Schutz legen und innerhalb von 0,3 Sekunden ein und ausgefahren werden.
Jetzt denk daran zu fliegen. Dir kann nichts passieren, Fallschirm und Airbag sind im Anzug integriert."
Ich dachte nur noch daran abzuheben, die Flügel schlagen zu lassen und mich in die Nacht hinaus tragen zu lassen.
Ich spürte wie ich den Boden unter meinen Füßen verlor und kurze Zeit später war ich über den Baumwipfeln. Ich dachte daran nach links zu fliegen. Mein Körper neigte sich nach links, ohne dass ich etwas tun musste. Es war unglaublich. Wie, vor allem wann, hatte Dad diese Gedankensteurung entwickelt? Vorallem schien alles über die Brille zu laufen.
"Die Technologie wird von einem mini Arc-Reaktor angetrieben, nicht größer als eine Münze. Er sitzt hinten am Rücken, in den Anzug eingebaut, ein Ersatz befindet sich an der Innenseite von deinem Knie, dort ist eine kleine Tasche. Das auswechseln erklärt Jarvis dir im Notfall. Eins noch: Ohne die Brille kannst du den Anzug nicht nutzen, es kann aber auch kein anderer mithilfe der Brille den Anzug steuern, egal wer drinsteckt. Hiermit verabschiede ich mich erstmal. Pass auf dich auf.
I love you 3000"
Ich war während seinen Worten weitergeflogen, in Richtung Stadt. Mittlerweile war ich am Stadtrand angelangt. Ich überlegte in die Stadt reinzufliegen, entschied mich dann aber doch dagegen, aus Angst, jemand könnte mich sehen. Wobei das nicht so schlimm wäre, immerhin trug ich eine Maske und ich war als Superheld unterwegs. Andererseits wusste keiner dass ich ein Superheld war. Konnte ich mich überhaupt Superheld nennen? Schließlich hatte 9ch noch keine Heldentat vollbracht.
Dann sah ich die Rauchfahne. Und ich flog darauf zu, ohne lange nachzudenken, schlängelte mich zwischen Hochhäusern hindurch und kam der dichten Wolke immer näher. Es war ein brennendes Hochhaus. Und ich war nicht alleine. Spiderman kam im selben Moment wie ich an. Bisher hatte Peter mich noch nicht bemerkt, er stand auf einem kleineren Haus, mit dem Rücken zu mir, und analysierte anscheinend die Lage.
Auf einmal sprang er auf und war innerhalb von zwei Sekunden in einem geöffneten Fenster des brennenden Hochhauses verschwunden. Ich flog vorsichtig näher, mir war bewusst dass ich etwas tun musste, dort waren bestimmt noch Menschen drin.
"Jarvis, kannst du mir sagen wo noch Menschen sind?"
Kurz darauf wurden mir Wärmesignaturen angezeigt, man konnte deutlich zwischen Flammen und Körpern unterscheiden. Eine der Gestalten lief lief und hielt etwas auf dem Arm was wie ein unförmiger Klumpen aussah. War das Peter?
Dann tauchte an dem Fenster in das Peter verschwunden war eine Gestalt auf, kurze Zeit später landete sie auf dem Dach auf dem ich mittlerweile gelandet war. Spiderman legte eine kleine Gestalt auf das Kiesdach und wollte wieder ins Gebäude, als er mich sah. Er kam langsam auf mich zu, dann wurde er immer schneller. Plötzlich lag ich am Boden und er saß auf mir drauf.
"Wer bist du?" fragte die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft. Jetzt klang sie aber sehr unfreundlich.
Ich antwortete nicht. Meine Stimme würde er vermutlich erkennen und ich hatte entschieden das Geheimnis, dass ich in diesem Anzug steckte, erstmal für mich zu behalten.
Seine Hand griff blitzschnell nach meiner Maske und wollte sie abziehen. Es gelang ihm nicht. Die Maske schien festzukleben.
"Ich will helfen!" In der Hoffnung das er meine Stimme nicht erkannte, flüsterte ich.
"Beweise es."
"Ich bin..." Mein Blick fiel auf die lodernden Flammen hinter ihm. Wieso kümmerte er sich nicht um das Feuer und die Menschen darin? "Ich bin Firefly." Ernsthaft? Was für ein bescheuerter Name! Wie zur Hölle war ich darauf schon wieder gekommen? Dann erst fiel mir auf, dass ich normal gesprochen hatte.
"Morgan Stark, sag jetzt bloß nicht dass du das bist."
"Bloß nicht dass du das bist."
Mit diesen Worten rollte ich mich zur Seite und schaffte es, den überrumpelten Spiderman abzuschütteln. Dann stand ich auf und fuhr die Flügel aus. Es war Zeit Menschen zu retten und Peter Benjamin Parker zu beweisen dass ich wirklich hier war um zu helfen. Seine Reaktion verstand ich immer noch nicht. Aber darüber konnte ich mir auch später Gedanken machen.
Ich flog zu einem der wenigen Fenster aus dem noch keine Flammen züngelten. Es war geschlossen. Ich trat dagegen. Nichts rührte sich. Die Flügel hielten mich in der Luft auf einer Stelle. Ich holte nochmal aus. Mein Fuß traf auf die Scheibe, ein feiner Riss erschien. Zwei weitere Tritte und die Scheibe zersplitterte. Aber im Rahmen steckten immernoch Glassplitter, wenn ich dort durchkletterte hätte das einige Schnitte zur Folge. Also griff ich mit einem Arm vorsichtig rein und öffnete das Fenster von innen, dann fuhr ich die Flügel ein und sprang gleichzeitig ist das verrauchte Zimmer.
"Jarvis, zeig mir den Weg zur nächsten Person. Wie ist die Lage?"
Eine blaue Linie erschien vor meinen Augen. Sie führte durch eine Tür die ich durch den Rauch kaum noch erkennen konnte, und dann nach links, den Flur runter. Ich folgte ihr.
"Es befinden sich noch 7 Menschen in den oberen Stockwerken, die anderen sind vorher noch rausgekommen. Die Feuerwehr kommt nicht an die letzten Personen dran, ein Stockwerk ist vollkommen blockiert. Das Gebäude wird vermutlich in wenigen Minuten einstürzen, die Feuerwehr hat es bereits verlassen und evakuiert die Umgebung."
"Wo ist Peter gerade?"
"Ein Stockwerk über dir. Er bringt im Moment zwei Personen auf das gegenüberliegende Dach."
"Jarvis! wenn das Gebäude einstürzt, wird dieses dach auch was abbekommen! Die Menschen müssen da weg! Kannst du dich mit seiner KI verbinden? Ich muss ihm irgendwie bescheid sagen. Wenn ich jetzt zu ihm gehe kostet das zuviel Zeit!"
Ich war gefühlt durch das ganze Stockwerk gelaufen, endlich kam ich an eine Tür, der blinkende Punkt vor meinen Augen zeigte mir an dass ich am Ziel war. Ich stieß die Tür auf. Bisher war ich den Flammen noch nicht begegnet, es schien als wären sie hier oben noch nicht angelangt.
"Edith, wo sind noch Menschen?" hörte ich aufeinmal Peters Stimme.
"Unter ihnen im Stockwerk sind noch zwei, in den zwei Stockwerken über ihnen 3, auf ihrem noch zwei. Mr. Parker jemand ist in meinem System drin."
Ich stieß die Tür auf. Dahinter lag ein Badezimmer. Eine kleine Gestalt kauerte in der Badewanne. Ich hob sie hoch und lief zurück zum Fenster wo ich reingekommen bin. Aufeinmal krachte es und als ich um die Ecke bog war der Boden eingekracht, Flammen loderten in dem Stockwerk darunter.
"Fuck!" fluchte ich.
"Language! Wer bist du? Dieser komische Flügelmensch? Bist du auch hier drin?"
"Ja. Hör zu, das Gebäude stürzt jeden Moment ein. Und die Menschen auf dem andern Dach sind ebenfalls in Gefahr!"
Ich kümmerte mich nicht mehr darum dass er meine Stimme, so wie vorhin schon, erkennen würde und er sich jetzt quasi sicher sein konnte, wer ich war.
"Okay. Ich kümmere mich darum dass sie da wegkommen, ich nehm noch die beiden aus dem Stockwerk hier mit. Kümmer du dich um die anderen. Und wenn wir hier fertig sind kommst du zum Tower! Verstanden Morgan?"
Vielleicht hätte ich mich da rausbringen können. Sagen dass ich nicht Morgan war. Hiernach einfach nach Hause fliegen. Aber Pete würde erstens rauskriegen wer hinter der Maske steckte, und zweitens könnte er mir helfen und ich wäre nicht mehr allein mit diesem Geheimnis.
"Ja Pete." antwortete ich knapp.
Ich war über das Loch im Boden rüber geflogen und jetzt wieder im Raum angelangt wo ich durch das Fenster reingeklettert bin. Kurze Zeit später war ich endlich wieder draußen an der kühklen Nachtluft. Erst jetzt fiel mir auf, dass es da drinnen ziemlich heiß gewesen war und ich von dem Rauch kaum etwas in meine Lungen bekommen hatte. Dad hatte anscheinend auch noch eine Art Rauch Filter eingebaut.
Ich legte den reglosen Körper vorsichtig auf das Dach, Spiderman kam schon wieder angeschwungen und würde sich um das Kind kümmern. Ich hingegen flog wieder in das Gebäude, diesmal durch ein Fenster zwei Stockwerke höher, und ließ mir von Jarvis den Weg zu den nächsten zwei Personen anzeigen.
"Flügelmensch? Ich hab alle vom Dach weg und warte an dem Fenster wo du reingeflogen bist. Du gibst mir die nächsten zwei Leute am an und ich bring sie hier weg. Den letzten bringst du hier raus. Ich hab die Leute zum Tower gebracht, also komm du auch dort hin."
"Verstanden, bis gleich!"
Zumindest hoffte ich dass ich ihn gleich sehen würde. Mir war zwar von Anfang an bewusst welche Gefahr ich hier eingehe, nur realisierte ich jetzt erst so langsam das ich sterben könnte.
1 Minute später hatte Spiderman die nächsten zwei Menschen weg gebracht und ich war auf dem Weg in das Stockwerk darüber, wo laut Jarvis die letzte Person war. Langsam wurde es knapp, das Gebäude würde jeden Moment einstürzen, aber das war auch schon vor 5 Minuten der Fall gewesen. Ich wusste nicht wie lange ich noch Zeit hatte und hoffte einfach darauf dass es reichen würde.
Ein blauer, blinkender, Punkt tauchte vor meinen Augen auf, ich war am Ziel. Die Tür ließ sich leicht öffnen und ich vernahm ein krachen. Das war das Zeichen mich noch mehr zu beeilen. In dem Raum, ein Schlafzimmer, war niemand zu sehen.
"Jarvis, sicher dass hier jemand ist?"
"Ja. Mrs.Stark. Ich kann ihnen die Wärmesignaturen anzeigen."
Ein rot-orangener Fleck tauchte auf, durch den Rauch der hier mittlerweile ebenfalls angelangt war, konnte ich die schemenhaften Umrisse des Bettes erkennen. Schnell lief ich darauf zu. Auf dem Bett war keiner, also darunter. Als ich mich auf den Boden legte und unter das Gestell sah, konnte ich kaum etwas erkennen, aber mit meiner Hand ertastete ich jemanden. Oder etwas. Aufeinmal sahen mich Augen aus der Dunkelheit an. Ich zuckte zurück. Was zur Hölle war das?
Dann lies es ein Winseln ertönen. Vorsichtig zog ich das etwas unter dem Bett hervor und nahm es auf den Arm. Welcher Mensch ließ seinen Welpen in einem brennenden Haus zurück? Wut stieg in mir auf, aber ich drängte sie zurück. Mit wenigen Schritten war ich beim Fenster. Ein weiteres krachen und ich spürte den Boden erzittern. Mit einer Hand öffnete ich das Fenster und kletterte auf den Sims.Dann ließ ich mich in die Nacht fallen.
"Peter? Ich bin draußen und komm jetzt zum Tower."
"Okay, brauchst du Hilfe? Ist es ein Erwachsener oder ein Kind?"
"Ich brauch keine Hilfe. Es ist ein Welpe. Welches Arschloch lässt denn bitte seinen Welpen in einem bennenden Haus zurück?"
"Keine Beleidigungen! Vielleicht musste er wem anders helfen. Wir finden den Besitzer und fragen ihn. Okay? Ich bin sicher er hatte einen Grund."
Nicht gerade elegant landete ich auf der Terasse des Towers und stolperte rein. Drinnen ließ ich den Welpen vorsichtig auf den Boden runter. Jetzt merkte ich erst die Anstrengung und Aufregung der letzten Stunde. Oder war es eine halbe Stunde gewesen? Ich plumpste auf das Sofa. Peter war nirgendwo zu sehen. Ich sollte vielleicht dem Hund was zu trinken geben. Ich sollte Peter sagen dass ich da bin. Aber ich hatte keine Kraft mehr. Das letzte was ich tat war die Maske runterzufahren, dann schlief ich ein.
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