Prolog
Liebevoll wiegte die Mutter ihren kleinen Sohn Joe in den Schlaf. Er hatte heute seine ersten Schritte getan und nun fielen seine kleinen blauen Augen erschöpft zu. Sie legte ihn in die kleine Wiege ehe sie zum Bett ihrer fünfjährigen Tochter Liz trat um ihr einen Gute-Nacht Kuss zu geben. Wie üblich war Liz noch wach, sass aufrecht im Bett und bettelte darum, nochmal spielen gehen zu dürfen. Die Mutter seufzte belustigt. Wann würde dieses Kind einmal nicht voller Energie sein, fragte sie sich, während sie ihre Tochter sanft zurück ins Kissen drückte. Dann verliess sie das kleine Kinderzimmer und ging in den Wohnraum zu ihrem Mann. Während die beiden sich leise über den vergangenen Tag unterhielten, ertönten die ersten Schreie. Sie kamen aus der Wohnung unter ihnen und erst konnte man nichts verstehen, aber dann hörte man klar und deutlich ein Wort heraus: Feuer. Die Mutter und der Vatter sahen sich entsetzt an. In dem mehrstöckigen Haus, was noch dazu zum grössten Teil aus Holz bestand war Feuer das Schlimmste was passieren konnte. Die panischen Schreie wurden immer lauter und wie eine Person standen die Eltern auf und stürmten ins Kinderzimmer. Dort stand Liz in ihrem weissen Nachthemd, den kleinen Bruder im Arm haltend. Die Mutter wunderte sich dass sie so schnell reagiert und sich als erstes um Joe gekümmert hatte und sie wäre bestimmt sehr stolz auf ihre Tochter gewesen, doch dafür war jetzt keine Zeit. Voller Angst rannte die kleine Familie zum Treppenhaus, wo ihr beissender Rauch entgegenströmte. Joe, nun auf den Arm der Mutter war aufgewacht, wusste nicht was vor sich ging und schrie jämmerlich. Liz dagegen war hellwach. Ihr Vater zog sie an der Hand hinter sich her und sie versuchte zu verstehen was gerade passierte, aber bald musste sie vor lauter Rauch die Augen zukneifen. Um sie herum versank alles im Chaos. Sämtliche Menschen des Hauses versuchten über das lichterloh brennende Treppenhaus nach draussen zu gelangen, einen anderen Weg gab es nicht. Liz hörte bald nur noch Schreie, Kinder riefen nach ihren Eltern, Liz spürte eine Hitze wie sie sie noch nie erlebt hatte. Sie stolperte bald hierhin bald dahin, bis die starken Arme ihres Vaters sie hochhoben und durch die Menge trugen. Liz vertraute sich ihnen an, sie hatte keine Angst, sie wusste doch dass ihr Vater das alles in Ordnung bringen würde, wie er immer alles in Ordnung brachte. Sie würden es bestimmt schaffen, sie waren schon fast beim Ausgang. Da ging plötzlich Alles ganz schnell: Ein weiterer Schmerzensschrei durchschnitt die Luft, einer, der sich in Liz Ohren von allen anderen Schreien unterschied: Er kam von ihrer Mutter. Der Vater drehte sich um und sah sie auf dem Boden liegen. Ein herabstürzender Balken hatte sie getroffen und lag nun brennend auf ihrem Bein. „Nein“ flüsterte der Vater, dann schrie er es. Er setzte Liz ab und rannte zu ihr, versuchte verzweifelt den schweren Balken hochzuheben. Die Mutter gab ihm den weinenden Joe, der den Sturz dank ihrem Schutz gut überstanden hatte. Der Vater reichte den Jungen weiter zu Liz, die völlig hilflos dastand, ehe er sich weiter um den Balken abmühte. In diesem Moment rannte ein junger Mann vorbei, aus der Wohnung gleich neben ihnen. Der Vater erkannte ihn und zeigte mit Schweissüberströmten Gesicht erst auf die Mutter und dann die beiden Kinder. Der Nachbar verstand, er hatte ein gutes Herz und hob Liz und Joe mit einem Ruck hoch. Die Mutter flehte den Vater an auch zu fliehen, doch er blieb bei ihr. Liz schrie nach ihren Eltern und versuchte sich freizustrampeln, aber der Nachbar war sportlich und unnachgiebig und brachte sie nach draussen. Liz konnte das Alles gar nicht glauben, es war wie ein böser Traum, vielleicht war es ja nur ein Traum, ja, es musste ein Traum sein! Tränenblind starrte sie zur Tür des brennenden Hauses und wartete darauf, dass ihre Eltern herauskommen würden. Sie wäre wieder hineingerannt, aber der Nachbar hielt sie immernoch fest. Um sie herum standen überall Menschen, die Teils besorgt, Teils einfach nur neugierig zum Haus schauten, Liz nahm sie gar nicht wahr. Nur ihren kleinen Bruder hielt sie fest an der Hand, während sie verstört zusah, wie immer weniger hustende Menschen aus der Tür ins Freie torkelten. Ihre Eltern waren nicht darunter.
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top