Geplant oder nicht?
Irritiert blickt Hans am nächsten Morgen auf sein Handy und runzelt die Stirn. Wie kann sie schon um halb sechs in der Früh wach gewesen sein? Zumindest ist das die Uhrzeit die dort steht. Bei der Nachricht, dass es Lizzy wäre, sie sich für gestern bedankt, noch einmal entschuldigt und hofft, nichts angestellt zu haben. An alles kann sie sich nicht mehr erinnern. Nicht einmal bei Nachrichten ist der ehemalige Captain sonderlich gesprächiger, sondern kommuniziert mit Emojis. Die schwarzhaarige, die einfach von Alucard geweckt wurde, sitzt verschlafen und mit einem leichten Kater im Büro der Lady und hat die Augen nur einen Spalt weit offen. „Sie wussten dass es heute losgeht." Integra kann es nicht verstehen dass sie so fertig aussieht, war sie so aufgeregt? Konnte sie nicht schlafen? Nur Alucard weiß, dass sie gestern wohl ein wenig zu viel getrunken hatte und irgendjemand war in ihrer Wohnung. Nach dem Geruch zu urteilen war es Hans und vielleicht hat er ihr auch die Schmerztablette hingelegt, neben einem vollen Glas Leitungswasser. „Gut, Test Nummer eins wird Ihnen hoffentlich helfen ein wenig fitter zu werden. Alucard kann Sie nicht manipulieren, aber kann Vampirblut noch sein normales Werk vollbringen?" Selbst Alucard mustert die Lady mit hochgezogenen Augenbrauen. „Als nächstes wollt Ihr auch noch dass ich ihr Blut probiere damit wir gucken können ob wir ein Band knüpfen wollen! Das ist-" „Genau das was ich plane. Alucard, beruhige dich. Wenn du so oder so nichts mit ihrem Kopf anstellen kannst, sollte ein Band eigentlich unmöglich sein." Langsam legt Lizzy den Kopf schief und gähnt. „Was ist dieses... Band?" Während der Urvampir kopfschüttelnd die Arme verschränkt und sich das nicht durchgehen lassen wird, blickt die blondhaarige zu ihr. „Dieses Band lässt Sie die Emotionen und Gefühle von Alucard spüren, dazu ist ein Blutaustausch nötig. Ich mache mir aber zugegebenermaßen eigentlich keine Sorgen, da er keinen Zugriff auf ihre Gedanken hat." Felicitas bekommt ja nicht allzu viel mit in ihrem müden Zustand, die Tabletten wirken zwar, aber leicht übel ist ihr immer noch. „Moment... Wenn das funktioniert... spüre ich was er spürt? Und er... was ich spüre?" Das Nicken lässt die Zahnräder in ihrem Kopf drehen. „Er kann spüren wenn ich meine Tage habe? Wenn ich vögle?" Der Urvampir sieht sie aus dem Augenwinkel an. „Ich hoffe der Kerl macht dann wenigstens einen guten Job." Denn er entkommt der Sache nicht, egal wie er sich jetzt anstellen möchte. „Wer sagt dass ich nur Kerle vögeln würde?" Entgeistert zieht er seine Oberlippe hoch und entblößt einen Teil seiner Fänge. „Wenn du so weitermachst werde ich dafür sorgen dass da gar nichts läuft." Sie schnaubt amüsiert, ihr Blick aber immer noch müde. „Sag mir nicht dass du es dann selbst in die Hand nimmst, alter Mann." Alucard muss sich wirklich zusammenreißen seine Augen normal zu halten. „Das kann man auf so vielen Ebenen falsch verstehen, sodass ich nicht einmal versuchen werde darauf zu antworten." „Spießer." „Sicherlich nicht in den Laken und jetzt halt die Klappe." Gut, vielleicht ist ihre Stimmung ein wenig besser geworden, aber sie ist immer noch müde und ein wenig Übelkeit ist ebenfalls noch da. „Alucard?" Dieser sieht zu Integra und seufzt. „Ihr wollt das wirklich machen." Sieht sie so aus als würde sie es nicht machen wollen? „Ihr steht in der Verantwortung wenn etwas passiert!" Etwas leiser murmelnd fügt er hinzu: „Ich garantiere für nichts." Er zieht sich den Ärmel hoch und entblößt seinen Unterarm, ehe er sich selbst beißt und es ihr hinhält. „Trink, Missy." Diese sieht das Blut, runzelt die Stirn und sieht ihn an. „Woher will ich wissen dass du nichts hast?" Entgeistert erwidert er den Blick. „Hältst du mich für einen Streuner? Vampire können nichts haben, liegt in unserer Natur. Alles wird durch die Wandlung abgetötet. Nimm! Die Wunde ist eh wieder zu." Und sie muss jetzt wirklich- Soll sie Hans gleich anschreiben oder erst später? „Weird...", murmelt die junge Frau und zögert, ehe sie ihm dann wirklich über den Unterarm leckt. Wie ein Hund streckt sie immer wieder die Zunge raus und verzieht dabei das Gesicht. Blut war nie hoch auf ihrer Favoritenliste was den Geschmack anging, ändert sich auch jetzt nicht. „Stell dich nicht an." Lizzy sieht ihn leicht angewidert an und verdreht nur die Augen. Moment... wo sind ihre Kopfschmerzen? Und ein wenig wacher fühlt sie sich auch, kommt nur darauf an ob das wirklich an seinem Blut liegt. Selbst die Übelkeit verschwindet! „Dafuq..." Ist das wirklich dieses Vampirblut? „Na? Kater weg?" Zufrieden grinsend lehnt sich Alucard nach vorn, der Ärmel ist wieder runtergerollt. „Gibt's das in Pillenform? Scheiße..." Sie braucht das echt irgendwie!
Lady Integra beobachtet sie genauestens. Die Narben verschwinden nicht, aber sie scheint sich wirklich besser zu fühlen. Das Blut hat wohl wirklich die Wirkung behalten, ist sie vielleicht wirklich nur gegen den psychischen Einfluss immun? Ist sich Integra sicher dass sie Alucard Lizzys Blut trinken lassen soll? Kurzzeitig tauchen Zweifel auf, doch diese verschwinden als sie ihm den Befehl gibt zu beißen. „Ich bin nett und frage sogar, wo ich dich beißen soll. Will die Dame das volle Vampirerlebnis?" Lizzy will das gar nicht! Leicht unsicher sieht sie noch einmal zur Lady. „Dass ich sein Blut trinke... war das Test Nummer eins?" Sie nickt. „Und wenn er mich beißt... das ist Nummer zwei?" Wieder ein Nicken. Gut, sie könnte es auch schlimmer treffen. Aber die Reue ist trotzdem vorhanden. „Bekomme ich hier auch noch eine Antwort oder wollen wir dumm rumstehen? Oder... in deinem Fall dumm rumsitzen." Was soll sie jetzt machen? Irgendwie fehlen ihre die Worte und Alucard seufzt. „Lass mich machen." Er stellt sich hinter sie und legt seine Hände an ihren Kopf. Felicitas folgt seiner Bewegung und legt den Kopf so auf die linke Seite. So hat er die Seite an der keine Narben zu sehen sind. Der Urvampir beugt sich nach vorn und schnaubt. „So neugierig sein und dann einen Rückzieher machen wollen? Missy... denk daran dass du die Informationen in das Buch schreiben kannst." Stimmt! Sie kann- Abrupt atmet sie die Luft laut und tief ein, als sie ein kurzes, unangenehmes Gefühl durchzuckt. Es ist kein Schmerz, mehr ein... ziehen. Aus dem Augenwinkel sieht sie seine Haare und schnalzt mit der Zunge, als er mit seiner kurz über ihre Haut fährt. „Lass das.", zischt sie warnend und entspannt sich ein wenig. Es ist nicht schlimm, es ist nicht schlimm! Das Blut wird dir auch abgezapft wenn du Blutspenden gehst! Das wiederholt sie immer wieder in ihrem Kopf, bis sie spürt dass der leichte Druck weg ist. Alucard verschließt die Wunde und darf sich von ihr einen wütenden Blick geben lassen, doch er bringt seinen Mund an ihr Ohr. „Wenn du nicht verbluten willst, dann musst du mich die Wunde verschließen lassen. Heilender Speichel, Missy." Gut, dann sollte das in Ordnung sein. „Aber, Kleines. Zwei Dinge. Erstens scheint der Vodka gut zu sein, ich schmecke ihn in deinem Blut. Zweitens... Pass auf dein Blut auf, es ist ein wahrer Gaumenschmauß." Er richtet sich auf und sieht die Lady an. „Zufrieden?" Die nickt und will nicht wissen wieso Felicitas guckt wie eine Kuh wenn es blitzt. Sie kann sich aber nur nicht entscheiden ob das ein Kompliment oder eine Drohung war. Langsam legt sie sich eine Hand an den Hals, fühlt aber nur ein bisschen Feuchtigkeit aufgrund seines Speichels. Aber sonst ist da überhaupt nichts anderes. Keine Schwellung, keine Löcher, nichts. Wunderheilung. Im nächsten Moment legt sich Alucard eine Hand auf das Gesicht und sie fühlt sich mit einem Mal extrem genervt! Auch wenn sich das nicht wirklich richtig anfühlt. „Ihr habt es geschafft, Lady Integra. Wir haben ein Band. Es funktioniert!" Lizzy runzelt die Stirn und spürt eine gewisse Wut in sich aufkommen. Integra zieht ihre Augenbrauen hoch, der will ihn doch jetzt verarschen. „Hast du Zugang zu ihren Gedanken?" Der schwarzhaarige lässt die Hand sinken, starrt sie sauer an und dreht leicht den Kopf. „Missy, denk an was." Hä? An was soll sie denken? Uhm... Wieso muss sie jetzt an Ananas denken? Obwohl... so eine frische Ananas hätte wirklich etwas! Und der Nebeneffekt für Kerle wäre ja auch nicht schlecht. Gut, welcher Kerl sollte- Moment. Wollte Alucard nicht dass sie an etwas denkt? Ist er in ihrem Kopf? „Ja und ich werde Ananas nie wieder richtig ansehen können. Dieser verdammte Mythos stimmt?" Lizzy räuspert sich und sieht auf den Boden. „Wüsstest du, wenn du Mal in einer Beziehung gewesen wärst. In den letzten Jahren zumindest." Das überhört er jetzt einfach und verwünscht die Lady, da sie ihn dazu gebracht hat dieses beschissene Band zu knüpfen. Ist ja angeblich nicht möglich, ja fürn Arsch! Eine Welle der Sorge überkommt ihn und automatisch sieht er zu Lizzy. Die sieht ihn wirklich besorgt an, ehe er seufzt. „Die Details können wir später besprechen. Lass uns die Tests beenden." Doch die Sorge hört nicht auf. Kann die auch wieder etwas anderes fühlen? Die Lady steht auf und kratzt sich am Kopf. „Wir haben jetzt zumindest den Vorteil dass du weißt wie weit du bei ihr gehen kannst was weitere Tests angeht. Aber wir machen erst heute Nachmittag weiter, ihr zwei müsst euch daran gewöhnen, Grenzen ausmachen und so weiter und so weiter. Außerdem brauche ich definitiv Kaffee." Lizzy und Alucard sehen ihr dabei zu wie sie aus dem Büro geht und blicken sich dann gegenseitig an. „Hat sie das geplant?" „Ich habe so das Gefühl, ja." „Darf ich?" Er nickt. „Miststück."
„Bekomme ich noch einmal dein Blut? Ich hab wieder Kopfschmerzen..." Alucard muss sie ja irgendwie mitnehmen und ihr erklären was auf sie zukommen wird! Also hat er es ihr versucht zu erklären, die Verwirrung und auch ein wenig Angst haben aber zu einer Pause geraten. „Du hast keine. Ich würde es- Verdammt! Warum kommt das zeitversetzt?" Alucard legt sich eine Hand an den Kopf und sieht Seras zu sich kommen. „Meister? Alles in Ordnung? Hallo, Lizzy!" Moment. Warum ist er freiwillig mit Lizzy unterwegs? Wieso scheint sie ein wenig blass zu sein? Wieso hat er eigentlich Kopfschmerzen? „Freu dich auf menschliche Gefühle, das Band mit ihr steht. Leider." „Oi! Ich hab auch nicht darum gebeten!" Leicht dreht Alucard den Kopf. „Du wolltest die Tests." Sie erwidert den Blick. „Ich wollte einfach nur Informationen!" Sie wusste ja nicht welche Tests gefordert sind. „Selbst dir sollte aufgefallen sein dass die Lady mit Vorsicht zu genießen ist wenn sie etwas anbietet!" Seras versucht dazwischen zu gehen und lächelt. „Aber Meister, wer hätte gedacht dass die Lady mit so etwas ankommt? Niemand hier von euch beiden hat irgendwo eine Schuld und man muss damit irgendwie umgehen, nicht wahr?" Entgeistert verschränkt Alucard die Arme, starrt seine Schülerin genervt an und würde am liebsten die Hölle auf Erden losgehen lassen. „Ich... bin kurz telefonieren. Wo kommt man hier am besten raus?" Lizzy spürt die Wut, die dann wohl vom Urvampir kommt und braucht einfach nur frische Luft und Abstand zu allem. Seras beschreibt ihr den Weg nach draußen, da ihr Meister nicht einmal Anstalten macht sich einen Millimeter zu bewegen. „Danke, Seras." Sie sehen ihr hinterher und die blondhaarige dreht sich zu ihrem Meister um. „Habt Ihr nicht gesehen wie fertig sie aussieht?" Ja und ihn fragt niemand ob es ihm scheiße damit geht? Hallo? „Ach, der geht's gut." Er spürt die Angst die in ihr auftaucht, die Unsicherheit. „Fast.", fügt er mit einem leicht verzogenem Gesicht hinzu und sieht nicht nur den vorwurfsvollen Blick, sondern kann es spüren. Na ganz toll, von zwei Seiten wird er bombardiert. „Was soll ich tun, mich entschuldigen?" Seras sagt nichts, doch er verdreht nur die Augen. „Für was?! Ich weiß ja nicht einmal was ich falsch gemacht haben soll!" Die Draculina schüttelt nur leicht den Kopf. „Meister, sie ist ein Mensch und Ihr müsst wissen dass es schwierig ist so etwas zu akzeptieren oder zu verstehen." Ja und was soll er jetzt dagegen machen? Er kann niemanden plötzlich verstehen lassen was jetzt los ist! Lizzy versteht das alles wirklich noch nicht so wirklich, auch wenn sie es versucht. Sie ist eine faktenbezogene Person, Vampire und Werwölfe sind so oder so schon eine Sache für sich! Jetzt aber plötzlich die Dinge von einer anderen Person zu spüren weil man Blut gegeben und selbst getrunken hat, das ist eine andere Sache. Die schwarzhaarige atmet die frische Luft tief ein und schließt für einen Moment die Augen. Sie hat auch ein wenig Hunger, aber essen will sie gerade irgendwie nicht. Ihr Blick geht verstohlen herum, ehe sie ihr Handy rausholt und noch für einen Moment zögert. Soll sie wirklich? Aber das ist für sie irgendwie gerade die einzige Möglichkeit. Eine Person der sie vertraut und eine Person mit der sie wirklich darüber reden könnte! Also wählt sie die Nummer. Verwirrung, gemischt mit einer Prise Sorge und abgerundet mit der stummen Frage was passiert ist. Das ist die Stimmungslage in die sie Hans mit diesem Anruf bringt. Dennoch nimmt er an als er ihren Namen auf dem Display sieht und brummt um bescheid zu geben dass er zuhört. Ein Seufzen am anderen Ende. „Danke..." Das ist das einzige Wort für ungefähr eine Minute in der er sich auch die Frage stellt ob sie sich umbringt oder was passiert ist. Warum sollte sie sich bedanken? „Ich habe ein ungefähr einen Meter 90 großes Problem mit schwarzen Haaren, Fangzähnen, roten Augen, roter Kleidung und dem Fakt dass wir dieses scheiß emotionale Band da haben." Sie haben was. Hat er sich verhört? Ein fragendes Brummen ist zu hören, ein erneutes Seufzen wird erwidert. „Die Lady wollte was ausprobieren und ich sollte sein Blut trinken und er hat dann meins getrunken und- Wieso habe ich das Gefühl Mist gebaut zu haben?" Weil sie Mist gebaut hat? So einfach geht das. „Weißt du... normalerweise könnte ich immer was futtern, wenn ich es nicht vergesse. Aber... ich mache mir gerade so viele Vorwürfe dass ich nichts runterbekommen würde, auch wenn ich Hunger hab." Und was soll er jetzt dagegen tun? „Wenn ich heute Abend hier wegkomme... Können wir wieder in die Bar?" Sie will schon wieder trinken? Hat sie ein Alkoholproblem? „Nur du, ich, mein Orangensaft und dein Wasser. Wie klingt das? Ich lade dich ein." Hans schließt die Augen und nickt, ehe er zustimmend brummt. Er wird sich wohl auf so einiges gefasst machen dürfen, aber er hat das Gefühl auf sie aufpassen zu müssen. Und wenn sie ihm schon so sehr vertraut dass sie ihn wirklich direkt anruft, dann sollte er für sie da sein. Zumindest eine Person an die sie sich lehnen kann, sie soll es besser haben als er damals. „Du bist ein Schatz, Hans. Danke..." Sie sollte wirklich aufhören sich zu bedanken, das geht ihm irgendwann auf die Nerven.
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